Wolfgang Bittner

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Autor von Die Abschaffung der Demokratie, Die Insel der Kinder und weiteren Büchern.

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Wolfgang BittnerDie Abschaffung der Demokratie
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Die Abschaffung der Demokratie
Die Abschaffung der Demokratie
 (4)
Erschienen am 01.02.2017
Wolfgang BittnerDie Fährte des grauen Bären
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Die Fährte des grauen Bären
Die Fährte des grauen Bären
 (2)
Erschienen am 01.05.2004
Wolfgang BittnerFlucht nach Kanada
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Flucht nach Kanada
Flucht nach Kanada
 (2)
Erschienen am 01.04.2007
Wolfgang BittnerDie Insel der Kinder
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Die Insel der Kinder
Die Insel der Kinder
 (2)
Erschienen am 19.01.2010
Wolfgang BittnerDie Eroberung Europas durch die USA
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Die Eroberung Europas durch die USA
Die Eroberung Europas durch die USA
 (1)
Erschienen am 09.11.2015
Wolfgang BittnerDie Eroberung Europas durch die USA
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Die Eroberung Europas durch die USA
Die Eroberung Europas durch die USA
 (1)
Erschienen am 02.06.2017
Wolfgang BittnerDie Eroberung Europas durch die USA: Zur Krise in der Ukraine
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Die Eroberung Europas durch die USA: Zur Krise in der Ukraine
Wolfgang BittnerDie Grizzly-Gruzzly-Bären
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Die Grizzly-Gruzzly-Bären
Die Grizzly-Gruzzly-Bären
 (1)
Erschienen am 01.04.2003

Neue Rezensionen zu Wolfgang Bittner

Neu
W

Rezension zu "Die Eroberung Europas durch die USA" von Wolfgang Bittner

Augen öffnend und neue Sichtweisen ermöglichend!
wschvor 10 Monaten

Nach dem Lesen der ersten Seiten oder Kapitel des Buches stellt sich eigentlich der Eindruck ein: "Was schreibt der denn da für ein Gefasel". Was sich dann aber nach dem Lesen der letzten Seite grundlegend geändert hat: "Meine Fresse, Wolfgang Bittner hat ja mehr als Recht!!". 

Dazu führe man sich nochmals den Untertitel des Buches zu Gemüte: "Eine Strategie der Destabilisierung, Eskalation und Militarisierung"
Gedankenspiel_ Was würde beispielsweise geschehen, wenn sich Russland und die Volksrepublik China zusammen schlössen und Teile ihrer Militärmacht in Kanada, Mexiko, diversen Staaten in der Karibik stationieren würden?? Dass sich Russland durch die vergleichbaren Aktionen der NATO (Truppen in den baltischen Staaten, seit 1999 neue NATO-Mitglieder Tschechien, Polen, Ungarn, Estland, Lettland, Litauen, Bulgarien, Rumänien) sich mehr als bedrängt fühlt, ist so gesehen auf der Stelle nachvollziehbar.
Dass die USA insgeheim an einer weiteren De-Stabilisierung der Ukraine interessiert ist, liegt auf der Hand. Die Ukraine ist schliesslich ein  potentielles zukünftiges EU- und NATO-Mitglied. Und damit unter der Herrschaft der US-Wirtschaft, zu der logischerweise auch die Produktion von militärischem Gerät gehört. Und irgendwohin muss die Produktion ja verkauft werden.
Die Ukraine samt der Krim, die hauptsächlich von russisch sprechenden Menschen bewohnt wird, war Teil der UdSSR. Anno 1954 hat der aus der Ukraine stammende Nikita Chruschtschow, die Halbinsel Krim der Ukraine zugeordnet, zugeteilt. Was zum damaligen Zeitpunkt im Grunde nichts anderes war als eine Provinz einer anderen Provinz zuzuschlagen. Warum Nikita das tat? Vielleicht aus einer gewissen Wodka-Laune heraus?
Die Macht dazu hatte er als Regierungschef der UdSSR auf jeden Fall. Wenn jetzt von einer russischen Invasion und Okkupation der Krim geredet und geschrieben wird, ist das schlicht falsch. Als einziger 'Warmwasser-Hafen' für die russische Marine war und ist Sewastopol auf der hauptsächlich von Russen bewohnten, vor 1954 sowieso zu Russland gehörenden Krim sowieso schon gut mit russischen Militärangehörigen besiedelt. Und die Zivilbevölkerung hat sich in einer Wahl zu einer Rückkehr zu Russland entschieden. Was alles in der Berichterstattung untergeht, verschwiegen wird. Im Sinne der USA und seinen zahlreichen Geheimdiensten sind die Russen nun mal schlichtweg die 'Bösen', die es einzudämmen, zu bekämpfen gilt. Dass der Krieg in der Ost-Ukraine, den die westlich orientierten Machthaber führen lassen, von den USA zumindest massiv finanziell unterstützt wird, geht ebenso unter.
Der thematische Schwerpunkt des Buches liegt auf Europa. Nur am Rande werden auch die anderen von den USA angezettelten, finanzierten, unterstützten oder geführten Kriege erwähnt. 
Zitat von Seite 181: "Die USA und ihre Geheimdienste kennen keine Skrupel, wenn es gilt, die Politik anderer Länder zu beeinflussen oder unliebsame Personen auszuschalten. Das gilt für Salvador Allende, Slobodan Milošević, Saddm Hussein und Muammar al-Gaddafi ebenso wie für den ehemaligen Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, bei dem man es allerdings mit dem Rufmord bewenden ließ. ... Strauss-Kahn war zu der Zeit in Frankreich Präsidentschaftskandidat der Sozialistischen Partei und nach allen Umfragen potentieller französischer Präsident."
Dass Wolfgang Bittner alle Feststellungen nicht in Form von aus der Luft gegriffenen Behauptungen darstellt, sondern mit nachprüfbaren Quellenangaben untermauert, ist selbstverständlich.
Als Fazit ist nur eines festzustellen: Lesen und nachdenken, so lange dazu noch Zeit ist...

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K

Rezension zu "Die Eroberung Europas durch die USA: Zur Krise in der Ukraine" von Wolfgang Bittner

Wortfeuer wider den Wahnsinn
Kontrahentvor 2 Jahren

„Die Eroberung Europas durch die USA. Zur Krise in der Ukraine“ - Wolfgang Bittner

Wortfeuer wider den Wahnsinn

Buchtipp von Harry Popow

Das politische und vor allem gesellschaftskritische polemisch geschriebene Sachbuch „Die Eroberung Europas durch die USA“, Autor Wolfgang Bittner, Oktober 2014 veröffentlicht, mag einigen Lesern noch in guter Erinnerung sein, und schon ist eine Neuauflage mit einem Nachtrag seit November 2015 auf dem Markt. Überarbeitet und erweitert von etwa 146 auf 191 Seiten. Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Es geht um eine erhebliche Nachladung in der Wortschlacht um die Zurückdrängung von Kriegsgelüsten durch die USA und deren Gefolgschaften, u.a. die Krise in der Ukraine betreffend. 
 


Stellte der Autor in der Erstauflage auf Seite 91 fest, es werde weiter an der Eskalationsschraube gedreht, so hält er am Anfang des Nachtrages resignierend fest, Kritiker der Aggressionen der westlichen Allianz gegen Russland, der Spionagetätigkeit der NSA, der Lügen von Politikern und ihrer hörigen Medien können schreiben, was sie wollen (so zum Beispiel Edward Snowden) - „es hat kaum Auswirkungen“ (S. 143). Ganz im Gegenteil: Alles bleibe, wie es war: Verschleierung, Lügen, Hetze, Provokationen, Kriegsgefahr, regionale Krisen und Kriege. „Das Vorrücken der von den USA dominierten NATO bis unmittelbar an die Grenzen Russlands hat zu einer Rüstungsspirale und permanenten Kriegsgefahr für Europa geführt“, resümiert der Autor auf Seite 183. Gründe genug, um entlarvende Polemik mit weiteren und aktuellen Fakten aufzuladen.

Der Nachtrag unterteilt sich inhaltlich in sieben Abschnitte. Eingangs führt Wolfgang Bittner Aussagen Brzezinskis, Kissingers oder George Friedmanns ins Feld, die belegen: Die Ukraine-Krise wurde durch die USA und die EU inszeniert, „um weiterhin gegen Russland vorgehen zu können“. Das Hauptinteresse der USA sei, ein Bündnis zwischen Deutschland und Russland zu verhindern. Die westliche Allianz wolle, so die Strategie, Russland als Machtfaktor in der internationalen Politik ausschalten, ruinieren und Osteuropa einschließlich  Russland den westlichen Kapitalinteressen aufschließen und den imperialen Zielen der USA unterordnen. In diesem Zusammenhang wendet er sich gegen den Täuschungsbegriff Antiamerikanismus, der „ein vom CIA geprägter Kampfbegriff“ sei. (S. 146)

Interessant sind meiner Ansicht nach die inhaltlich sehr unterschiedlichen Reden von Putin (siehe Waldai-Konferenz am 24.10.2014) und Obama (24.09.2014), die der Autor miteinander vergleicht und feststellt, während Putin zur humanitären Zusammenarbeit vom Atlantik bis zum Stillen Ozean aufruft, behauptete Obama, „Russland stelle die Ordnung der Nachkriegszeit infrage, während für die USA Recht vor Macht gehe...“ Man werde Russland die Kosten für sein aggressives Vorgehen aufbürden und Lügen die Wahrheit entgegensetzen. (S 151) In einer Rede vor der US-Militärakademie behauptete er selbstherrlich: „Von Europa bis Asien sind wir der Dreh- und Angelpunkt aller Allianzen...“

Die größtenteils Falsch- und Lügenmeldungen der bürgerlichen „Qualitätsmedien“ über den Ukraine-Konflikt ins Visier nehmend, stellt der Autor die Frage, was mit dieser extensiven Feindpropaganda bezweckt wird. Soll die deutsche Bevölkerung wirklich auf einen ´großen Krieg´ in Europa vorbereitet werden? (S. 157) Auf die Krim eingehend, verweist der Autor auf den gravierenden Unterschied zwischen Annexion und Sezession (lt. Internet - Loslösung einzelner Landesteile aus einem bestehenden Staat mit dem Ziel, einen neuen souveränen Staat zu bilden oder sich einem anderen Staat anzuschließen). Den Medien kreidet er weiter an, dass es an einer Aufklärung über die tatsächlichen Verhältnisse in der Westukraine fehlt, über Rechtsextremismus, Korruption und Mord. Außerdem: „Das Taktieren um die Kontrolle des Landwirtschaftssektors ist ein ausschlaggebender Faktor im größten Ost-West-Konflikt seit dem Kalten Krieg...“ (S. 165)

Unter der Zwischenüberschrift „Kriegsvorbereitungen“ wird nicht nur der berüchtigte Satz des Staatspräsidenten Petro Poroschenko vom 20. Mai 2015 erwähnt, man sei in einem Krieg mit Russland, sondern auch die des polnischen Verteidigungsministers, die Periode des Friedens in Europa sei Vergangenheit. (S. 166) Im Juli 2015 habe der US-General Joseph Dunford bei einer Anhörung im US-Kongress gewarnt, Putin sei die größte Bedrohung für die USA. Inzwischen schließen NATO-Strategen, so Wolfgang Bittner, „begrenzte taktische Atomschläge“ mit Russland nicht mehr aus. Unterwürfig freut sich da die deutsche Verteidigungsministerin, am Aufbau eines multinationalen Landstreitkräftekontingents von 5.000 Soldaten unter deutscher Führung beteiligt zu sein. (S. 175)

Und wie steht es mit Russland? Keinen Zweifel lässt der Autor daran, dass Russland seit Beginn des Ukraine-Konflikts ebenfalls aufrüstet, allerdings defensiv. (S. 173) Auf Seite 169 vermerkt er, dass der russische Präsident im Juni 2015 bekanntgab, dass aufgrund der Bedrohung durch die NATO „das Arsenal an Interkontinentalraketen, die mit Atomsprengköpfen bewaffnet werden können, aufgestockt“ werde. Auf Seite 174 findet der Leser überdies Angaben über fest installierte und mobile Interkontinentalraketen mit einer Reichweite von 11.000 Kilometern. Die sogenannten Topol-M-Raketen würden als Gegenstück zum amerikanischen Raketenabwehrschild gelten.

(Hierbei sei auf den aufschlussreichen Beitrag von Rainer Rupp in der „jungen Welt“ vom 20.10.2015 unter der Überschrift „Geostrategische Umwälzung. Russlands Intervention gegen den ´Islamischen Staat´ weist die USA in die Schranken“ aufmerksam gemacht. Link: https://www.jungewelt.de/2015/10-20/008.php?sstr=Rupp%7CGeostrategische%7CUmw%C3%A4lzung )

Dick zu unterstreichen ist deshalb die Meinung des Autors, wenn kein Politikwechsel erfolge, wird Westeuropa zum absoluten Einflussgebiet der USA, vor allem auch deshalb, wenn TTIP nicht ausgebremst wird. Die Spaltung Europas von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer, das sich erneut „in einem Kalten Krieg mit Russland befindet, ist eine Jahrhunderttragödie“. (S. 184) Wie viele Wortgefechte, verbunden mit tatkräftiger Gegenwehr für die Zurückdrängung jeglichen Wahnsinns, sind noch nötig? (PK)

Der Autor:
Wolfgang Bittner, geboren 1941 in Gleiwitz, lebt als Schriftsteller in Göttingen. Der promovierte Jurist war freier Mitarbeiter bei Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen. Er ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (1997-2001 im Bundesvorstand) und im PEN, erhielt mehrere Auszeichnungen und Preise und hat über 60 Bücher für Erwachsene, Jugendliche und Kinder veröffentlicht, darunter die Romane »Hellers allmähliche Heimkehr«, »Schattenriss oder Die Kur in Bad Schönenborn« und »Niemandsland« sowie das Sachbuch »Beruf: Schriftsteller« und hat gelegentlich auch für die NRhZ geschrieben.


Wolfgang Bittner: „Die Eroberung Europas durch die USA. Zur Krise in der Ukraine“, Taschenbuch: 192 Seiten, Westend-Verlag GmbH, Frankfurt/Main 2015, Auflage: 1., Überarbeitete und aktualisierte Neuausgabe (9. November 2015), Sprache: Deutsch, ISBN-10: 3864891205, ISBN-13: 978-3864891205, 14,99 Euro.

Erstveröffentlichung dieser Rezension in der Neuen Rheinischen Zeitung.

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22229

Weitere Texte des Rezensenten:
http://cleo-schreiber.blogspot.com

Harry Popow: „Platons Erben in Aufruhr. Rezensionen, Essays, Tagebuch- und Blognotizen, Briefe“, Verlag: epubli GmbH, Berlin, 316 Seiten, www.epubli.de, ISBN 978-3-7375-3823-7, Preis: 16,28 Euro

http://www.epubli.de/shop/buch/PLATONS-ERBEN-IN-AUFRUHR-Harry-Popow-9783737538237/44867

kontakt@epubli.de

Telefonische Bestellung 09 – 16 Uhr : 030/617890 200

Harry Popow: „In die Stille gerettet. Persönliche Lebensbilder.“ Engelsdorfer Verlag, Leipzig, 2010, 308 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86268-060-3

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K

Rezension zu "Die Abschaffung der Demokratie" von Wolfgang Bittner

Scharf gewürzt
Kontrahentvor 2 Jahren

Wolfgang Bittners Satire-Buch „Die Abschaffung der Demokratie“


Scharf gewürzt


Buchtipp von Harry Popow


Wenn unser noch amtierender oberster Staatshäuptling Deutschland vollmundig als die beste Demokratie in der Geschichte preist, kann man sich nur an den Kopf fassen. Nicht ohne Grund werden sich deshalb viele Leser gern darauf einlassen, wenn eine derart unreflektierte Schönfärberei entlarvt wird und der Kaiser plötzlich ohne Kleider dasteht.



Das passiert in Wolfgang Bittners Buch „Die Abschaffung der Demokratie“, einer kräftig gewürzten satirisch-literarischen Attacke auf die alltäglichen Unwägbarkeiten in der Postdemokratie und auf die gefährlichen Machenschaften der Kapitaleliten. Damit steht Wolfgang Bittner in der Tradition von Kurt Tucholsky und Erich Kästner, die die Warnzeichen ihrer Zeit fest ins Visier genommen haben. Damals wie heute ein Anrennen gegen die Wand? Keineswegs, denn im Nichtstun erstickt Menschlichkeit. Wer will das bestreiten?


In meist kurzen, zupackenden Polemiken, Glossen und satirischen Texten führt der Autor den Lesern die Schwächen und Widersprüche des menschlichen Daseins in Zeiten der Vorbereitung neuer Kriege vor Augen. Ebenso scharfkantig weist er auf die Menschlichkeit absorbierende Wirklichkeit hin, auf die weltweiten inhumanen Verhältnisse, in denen die Gattung Mensch zu ersticken droht, trotz Vernebelung, Beschwichtigungen und gelegentlicher Zückerli, die das Establishment stets parat hat, um das Volk bei Konsumfreude und – wenn es beliebt – bei Kriegslaune zu halten.


Das Buch besteht aus vier größeren Abschnitten und aus insgesamt über zweihundert politisch scharfsinnigen, immer eine Überraschung bereithaltenden Beiträgen. Oft nur ironisch andeutend, dann wieder in überspitzter und damit wirkungsvoller Weise, kommt der Autor zum Wesentlichen. Das tut dem Leser und seiner intellektuellen Aufnahmebereitschaft gut und macht das Buch zu einem Lesevergnügen, wie es bei diesem politisch profilierten Schriftsteller und promovierten Juristen nicht anders zu erwarten war, der u.a. das sehr erfolgreiche Buch „Die Eroberung Europas durch die USA“ geschrieben hat.


Gleich zu Anfang seines Satirebuches steht eine Eloge auf die US-Eliten als vermeintliche Friedensstifter, weil sie die Kapital- und Energiemärkte und den zwischenstaatlichen Warenaustausch regulieren und uns militärisch schützen. Zugespitzt heißt es: „Vielleicht gelingt es mithilfe unserer Freunde demnächst ja doch noch, die Schmach von Stalingrad zu tilgen“ (S. 17-18). (Ob sich mit Trump nun wirklich etwas zum Besseren wendet, bleibt abzuwarten.)


Mitunter ist es schwer, bei ernsthaften politischen Themen das entlarvende Gegenargument anzubringen, denn Lächerlichkeit zu inszenieren will gekonnt sein. Aber das gelingt dem Autor auf vielfältige Weise. Wenn er die Formulierung „laut Aussagen von...“ benutzt, ist Aufmerksamkeit geboten. Manchmal heißt es auch: „Wie aus ungewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet …“ Dann geht es zur Sache. Treffend und originell ist auch die Satire über die Wiedergeburt habgieriger Manager oder korrupter Politiker, in der zum Beispiel die Betreiber riskanter Ölförderungsanlagen nach ihrem Ableben als „ölfressende Bakterien“ ihre Sünden abarbeiten müssen (S. 19).


Mit sehr spitzer Feder nimmt der Autor die Schwächen und Unvorhersehbarkeiten menschlichen Daseins aufs Korn, die dem marktwirtschaftlichen und globalisierten Neoliberalismus geschuldet sind. Nachdem er auf die Verbrüderung der Schafe mit den Wölfen eingeht – man weiß sofort, was gemeint ist –, prangert er die Auswirkungen dieser untauglichen Vereinigung an (S. 24-25). Er parodiert die Welle der Privatisierungen auf immer mehr Gebieten, die zunehmende Überwachung und Kontrolle sowie die zahlreichen Bestrebungen, aus den Bürgern höhere Steuern herauszupressen. Der „Fürsorgestaat“, der keine Grenzen kennt, erlegt – dem Vernehmen nach – Autofahrern und sogar Fußgängern eine Schutzhelmpflicht auf. Und in der Satire „Unternehmensberatung für Jungunternehmer“ empfiehlt Wolfgang Bittner aufstrebenden Profiteuren in der Maskeradengesellschaft, sich mit den Honoratioren der Stadt zu verbrüdern, sich bei Einladungen und Partys nicht lumpen zu lassen und die eigene Kreditwürdigkeit durch Geldtransaktionen von einem Konto aufs andere zu steigern. Dazu gehört dann noch, Medien zu beeinflussen, Konkurrenten auszuschalten und schließlich den Mitarbeitern vorzutäuschen, allen gehöre alles zu gleichen Teilen. Wichtig dabei: „Schulabschlüsse, Ausbildung, eventuelle Studien sind sekundär, auf den Willen kommt es an“ (S. 79).


Eine volle Breitseite bekommt die vom Markt gesteuerte „Persönlichkeitsentwicklung“ ab: der Wahn des Shoppens. Hin und wieder fällt das Wort „gehobene Verdienstklasse“, zu der jene gehören, die sich vor allem mit materiellem Besitz brüsten und so ihren „menschlichen Wert“ bezeugen wollen.


Alles in Allem: Anspruch und Wirklichkeit klaffen im Zuge der Manipulationstechniken der „Qualitätsmedien“ immer mehr auseinander. Leidtragende sind die geistig verarmenden Menschen, die dem Konsum erliegen, vereinsamen oder sozial auf der Strecke bleiben, die von demokratischer Mitbestimmung ausgenommen sind oder davon gar nichts wissen wollen. Das wird in vielen dieser Geschichten deutlich.


Für Leser, die sich vor allem von pfiffigen Ideen, listigen Übertreibungen, angriffslustiger Polemik und vom Lächerlichmachen der Zeitumstände angesprochen fühlen, ist dieses Satirebuch ein Gewinn, ein Erkenntnis-Erlebnis. Wenn manche Leser sich in ihrem Denken und Verhalten wiederfinden, so liegt das sicherlich in der Absicht des Autors, weist er doch vollen Ernstes und mit viel Fabulierungsspaß nach, dass Demokratie – wenn sie überhaupt vorhanden war – in die Binsen geht.


Wie aus ungewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet, soll dieses scharf gewürzte Buch der Seitenhiebe auf eine überlebte Gesellschaft nach der nächsten Bundestagswahl als Anregung und offizielle Vorlage für neue Regierungsvisionen zur Verfügung stehen. Bis dahin herrscht allerdings darüber ein Redeverbot. „Demokratie“ in Aktion!


Wolfgang Bittner, „Die Abschaffung der Demokratie“, Westend Verlag, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-86489-167-0, 224 Seiten, 16,-- Euro.


Erstveröffentlichung in der Neuen Rheinischen Zeitung: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23506


Rezensenten-Info: Harry Popow: „Der Schütze von Sanssouci. Das Leben mit einer Göttin – Erkenntnisse & Bekenntnisse aus acht Jahrzehnten“, Taschenbuch, 356 Seiten, Farbfotos, Druck und Verlag: dbusiness.de gmbh, Greifswalder Str. 152, 10409 Berlin, ISBN 978-3-94683-729-9, Copyright © 2016, Preis: 12,95 Euro, Email: info@dbusiness.de, www.dbusiness.de, Bestelladresse:

http://www.shop.dbusiness.de/article/show/der-schuetze-von-sanssouci


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