Nicht einmal Klavier

Cover des Buches Nicht einmal Klavier (ISBN:9783852529875)
Bestellen bei:

Zu diesem Buch gibt es noch keine Kurzmeinung. Hilf anderen Lesern, in dem du das Buch bewertest und eine Kurzmeinung oder Rezension veröffentlichst.

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Nicht einmal Klavier"

Ein Amateur hat’s schwer … speziell wenn Hausmusik seine bisher einzige Leidenschaft war, diese jedoch plötzlich durch die noch größere zu einer bekennenden »Unmusikalischen« Konkurrenz erhält.

In Wiens musikalischer Unterwelt ist allem Anschein nach ein ei­genes Team von Datumforschern damit beschäftigt, in jedem Kalen­derjahr den Jahrestag irgendeines gedenkenswerten Ereignisses im Privat­leben von Starkomponisten aufzuspüren, dem dann das gesamte Musikleben im Stile heidnischer Ritualopfer dargebracht wird. Die kleine Unlogik, dass es eigentlich dem Wesen eines Opfers wider­spricht, etwas ausschließlich Vergnügliches zu tun, fällt dabei gegen­über dem ungeheuren Vorteil, ein ganzes Jahr zum Gedenkjahr er­nennen zu können, gar nicht ins Gewicht. Denn sonst würde der Saison in den Augen der Wiener der Glanz ebenso fehlen wie einer Vorstellung ihrer Staatsoper ohne ausländischen Gast.

Das Problem der Datumforscher besteht darin, dass Wiens große Söhne nicht annähernd so viele Geburtstage wie Kompositionen hin­terlassen haben, und dass sich diese Geburtstage mit bestem Willen nicht öfter als alle 25 Jahre feiern lassen. Da man sich aber vorläufig noch nicht dazu durchringen konnte, auch der Hochzeits- und Erst­kommuniontage großer Komponisten würdig zu gedenken – sosehr diese zu Freudenfesten geeignet wären –, muss der musikalische Fest­kalender Wiens häufig genug mit Todestagen sein Dasein fristen.

Wie alle Notbehelfe hat auch dieser einen kleinen Schönheitsfehler: der Tod gilt sogar in musikalischen Kreisen eher als traurig, und ein so frühzeitiger wie der von Wiens Liebling ganz besonders.

Trotzdem feierte Wien in diesem schicksalsschweren Lebensjahr des Dr. Livius Kohlhaupt fröhlich die Wiederkehr des 175. Todestages des wienerischesten aller so genannten Ernsten Wiener Komponisten.

Dass dieses Gedenkjahr sich als ein unendlich viel denkwürdigeres Gedenkjahr als andere Gedenkjahre herausstellte, weil es Wiens Ama­teurmusiker jäh aus ihrer weltabgewandten Heimkunstpflege her­ausriss und in höchste Aufregung versetzte, lag allerdings nicht an Franz Schubert, sondern an einem satanischen Schachzug der Stadt­verwaltung. In diesem Schubertjahr erzitterten die Wohnungen der Wiener Hausmusiker nämlich unter den Tritten einer selbst für Öster­reich außergewöhnlich skurrilen Neuschöpfung auf dem Gebiet origi­neller Staatsorgane: Es waren die Tritte der gefürchteten Wiener Kam­mermusik­inspektoren.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783852529875
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:Bibliothek der Provinz
Erscheinungsdatum:21.01.2009

Rezensionen und Bewertungen

Neu
0 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne0
  • 4 Sterne0
  • 3 Sterne0
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:

    Ähnliche Bücher für noch mehr Lesestunden

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Stöbern in Romane

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks