Wolfgang Eichloff Der Zug der Blinden / Lebenslänglich

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Inhaltsangabe zu „Der Zug der Blinden / Lebenslänglich“ von Wolfgang Eichloff

Wir alle tragen unsere Ahnen mit uns herum - und das nicht erst seit Adam und Eva. Viele von uns sind nämlich ziemlich schräge Vögel oder sie schuften, wie die Pferde. Andere wiederum machen sich täglich zum Affen… Nicht nur als Sternbild sind wir Stiere, Skorpione oder Löwen, wir haben sie alle auch in unseren Genen, sind dumm, wie die Esel, albern, wie die Gänse, eitel, wie die Pfauen und giftig, wie die Schlangen. Das Tier im Menschen! Ohne sie alle gäbe es uns nicht. Gut gebrüllt, Löwe!
In den ersten neun Monaten in Mutters fesselnder Obhut erinnern wir uns an sie alle, sind Fisch, Reptil, Vogel, Affe… Später dann werden wir Papst sein oder ein Berliner, zumindest aber nicht blöd. Oder vielleicht doch? Denn wir werden all unsere entfernteren Verwandten im Laufe unseres bewussten Lebens verdrängen, verdrängen aus unserem Mitgefühl, unserer Ahnengalerie, aus unseren Revieren und Herzen, den einen Schoßhund und das andere Schmusekätzchen einmal ausgenommen. Das Boot ist nämlich voll! Runter mit euch von der Arche, rein in die Viehtransporter, Schlachthöfe und Käfige, rauf auf den Grill! Wir machen uns doch nur die Erde untertan und genießen das Recht des Stärkeren, die Pol-Position in der Nahrungskette, den Sündenerlass vor knapp zwei Jahrtausenden auf Golgatha… Amnestie hier, Amnesie dort. „Der Mensch heißt Mensch, weil er verdrängt, weil er vergisst!“ Herbert Grönemeyer hat Recht. Auch die ‚Biogenetische Grundregel‘ von Ernst Haeckel haben wir vergessen oder verdrängt: „Die Ontogenese ist die kurze Rekapitulation der Phylogenese.“ Die Keimesentwicklung ist also die Stammesentwicklung im Zeitraffer. Doch welcher Arier will schon an seine Zeit als Affe erinnert werden? Deshalb war Vergangenheitsbewältigung noch nie unsere Stärke. Wir leben halt im ‚Hier‘ und im ‚Jetzt‘...
Dieser kleine Bildband aber soll uns ein bisschen an unsere liebenswerten Wurzeln erinnern, an den Fisch in uns, an das Reptil und an den Affen – und an unsere Verantwortung für sie alle.

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