Wolfgang Ertler Im Rausch der Sinnlichkeit

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Inhaltsangabe zu „Im Rausch der Sinnlichkeit“ von Wolfgang Ertler

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  • Sexual- und Moralverständnis seit der Antike bis zur Postmoderne

    Im Rausch der Sinnlichkeit

    Sokrates

    04. March 2014 um 10:36

    Zunächst dachte ich, es handelt sich einmal mehr um eine mehr oder weniger schlecht recherchierte Geschichte der Sexualität, bis ich feststellen konnte, dass Wolfgang Ertler (Dr. phil.) hier eine weitaus umfassendere und anspruchsvollere Arbeit vorgelegt hat. Ihm kommt es vielmehr darauf an, die im Verlaufe der Geschichte gleichsam wie einem Fluidum wirkenden „Meta-Ideen“ aufzuzeigen, die Sexualität stetig interpretiert, tabuisiert oder legalisiert haben. Er beginnt hier streng chronologisch in der Antike und zeigt auf, dass bereits dort Sexualität anders definiert wurde, als heute. So waren Homosexualität und Päderastie im antiken Griechenland völlig akzeptiert, gleichzeitig begann sich die heterosexuelle Vorliebe, insbesondere die weibliche Sexualität, zunehmend zu tabuisieren. Mit der Etablierung eines streng patriarchalen Systems wurde nicht nur die weibliche Sexualität immer weiter zurückgedrängt, die Sexualität als solche geriet immer weiter unter verhaltenskontrollierende Vorschriften: ob nun staatlichen, sittliche oder religiös-moralische. Die Schatten- und Parallelkultur der Pornographie bzw. Prostitution sind Resultate dieser repressiven Sexualkontrolle. Das System bzw. Verständnis von „Anständigkeit“ und A-Sexualität war schließlich mit der Ausbildung des Bürgertums ab der Mitte des 18. Jahrhunderts schichtenspezifischer Kodex und diente der Abgrenzung und Selbstbehauptung einer sich neu ausbildenden gesellschaftlichen Schicht. Bis weit in das 20. Jh. hielt deren Vorstellungen vor. Die mit der Aufklärung und der Fortentwicklung der Naturwissenschaften einsetzende Medikalisierung führte schließlich zu einer medizinischen Sexuallehre und schließlich zur medizinisch-psychologischen Sexualtherapie des späten 20. Jahrhunderts. Ertler schreibt ansprechend, anschaulich und arbeitet sich klar durch die historischen Epochen. Sein Schwerpunkt bleibt immer die Ideengeschichte, untermalt von kleineren Abbildungen, die den Zeitgeist verdeutlichen, und eingebauten Zitaten zeitgenössischer Literatur.

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