Wolfgang Hattinger Der Dirigent. Mythos, Macht, Merkwürdigkeiten

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Inhaltsangabe zu „Der Dirigent. Mythos, Macht, Merkwürdigkeiten“ von Wolfgang Hattinger

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    Der Dirigent. Mythos, Macht, Merkwürdigkeiten

    michael_lehmann-pape

    17. October 2013 um 12:09

      „Neben den großen Solisten-Stars geben die Dirigenten in der Musikwelt die dankbarsten Projektionsflächen ab“.   Ein Metier, Personen, die seit jeher in der Reibung stehen zwischen unterstellter Überschätzung (sie stellen kein „Werk“ originär her und erzeugen ihr Schaffen noch nicht einmal alleine, sondern mit einer Vielzahl von Musikern, welche „die eigentliche Arbeit“ erledigen) und Anerkennung tatsächlicher, auch großer Leistungen in einem Beruf, der „enorme Anforderungen“ (sowohl was Fachkunde, als auch was Leitungskompetenz betrifft) stellt.   Eine Reibung, eine Aufforderung und Notwendigkeit letztlich auch zur Selbstvermarktung, die um diesen Beruf, vor allem aber um konkrete „Lichtgestalten“ durchaus den ein oder anderen Mythos hervorgebracht haben. Ein Beruf, der mit einer kreativen Leitungsaufgabe, aber auch einem notwendigen Machtanspruch einhergeht.   So ist der Dirigent gleichzeitig Interpret, wird unausweichlich mit Konflikten konfrontiert werden, erlangt Macht, ist ein Mythos und ein Medium von musikalischem Erbe, öffentlichen Erwartungen und anzuleitenden Orchestern.   Alles Elemente, denen  Wolfgang Hattinger in diesem gut und flüssig lesbaren Buch umfassend nachgeht, dabei die Entwicklung des Dirigierens bis hin zum „Modernen Dirigenten“ (samt einem perspektivischen Ausblick dieses Berufes) ebenso vor Augen führt, wie er gut nachvollziehbar den musikalischen Aspekt in Bezug auf geforderte Werktreue, künstlerische Interpretation im Sinne einer Sinntreue und zudem die Musik als „Performance“ interessant zu lesen ausdifferenziert.   Wie wichtig daneben eine Kommunikationskompetenz ist und wie ebenso wichtig das Erlernen einer „wertschätzenden Kommunikation“ für den Dirigenten zum Grundkanon des Berufes (eigentlich) gehört, wie leicht Konflikte entstehen und auch eskalieren (Rollendifferenzierung und, vor allem, Rangdynamik), dem wendet sich Hattinger dann ebenso zu, wie er ganz grundlegende Einblick in die „Konzepte der Macht“ (Archetypenlehre und Phänomenologie nach Heinrich Popitz) und die ebenso zu erlebende „Ohnmacht“ des Dirigenten gibt.   Sehr anregend und durchaus spannend ist im Folgenden, wie Hattinger gründlich mit den „Mythen“ aufräumt (Geld, dass nicht so wichtig ist, der Mythos des Dirigenten als „Mann“ mit allem, was da mitschwingt an auch an archetypischen Vorstellungen, aber auch ein Blick hinter die „mythische Behauptung“ des Primats des Musikalischen im tieferen Blick auf die „optischen“ Vorlieben und optischen Inszenierungen der Dirigenten durch sich selbst). Wie hier die „visuellen Attribute“ (natürlich samt Gestus und Habitus) viel von jenem „mythischen Charisma“ auch inszeniert „behaupten“, dass ist interessant und anregend zu lesen.   Bis hin zu „Spiegelneuronen“ greift Hattinger bei seiner Darstellung immer wieder auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse anderer Fachrichtungen zurück, um „den Dirigenten“ von allen Seiten dann auch beleuchten zu können. Ein Unterfangen, das im Buch durchgehend gelingt und weite Perspektiven eröffnet. Ebenso ist festzustellen, dass Hattinger zwar an „schillernden Gestalten“ durchaus breit seine Ergebnisse illustriert,  immer aber den Beruf als solchen im Blick behält und allgemeingültige Schlüsse zu ziehen vermag.   Eine interessante, gut zu lesende, umfassende  und differenzierte Darstellung dieses „merkwürdigen“, besser noch „denkwürdigen“ Berufes.

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