Ich sitze hier vor meinem Bücherregal und frage mich, über welches Buch ich gerne mal wieder nachdenken möchte. Mein Blick fällt auf Augustin Souchys Beschreibung des spanischen Bürgerkriegs. Bei dem Autoren handelt es sich um einen deutschen Anarchisten, der nach Spanien gekommen ist, um die Freiheit gegen den Faschismus und die Kommunisten zu verteidigen. Dabei engagiert er sich bei der Verwirklichung der sozialen Revolution. Anders als die Kommunisten, die die Republik erhalten wollten, um erst in ferner Zukunft Verbesserungen für die arbeitenden Menschen ins Auge zu fassen (und bereits während des Bürgerkriegs Folterlager gegen vermeintliche Trotzkisten einrichteten), haben die Anarchisten nach der Parole "Jetzt oder nie" gehandelt und damit ein faszinierendes soziales Experiment in Gang gesetzt. Auf diese Erfahrung stellt Antony Beevor zu Recht in seiner Monographie über den spanischen Bürgerkrieg ab. Andere Historiker vergessen leider (absichtlich), dass es außer dem Faschismus, dem Kommunismus und der Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert eine wesentliche soziale Strömung gegeben hat, die das Potential hatte, das Gesicht der Welt zu ändern. Der Faschismus hat dem ein Ende gesetzt, worüber das Bürgertum bis heute nicht unglücklich sein dürfte. Über jene Erfahrungen berichtet das Buch in faszinierender Weise, ohne auf schonungslose Selbstkritik zu verzichten. Insofern handelt es sich um die Erinnerungen eines Menschen, der seinem Traum nahe gekommen ist, ohne - wie die ganzen Hippies heute und die Alt-68er, die wir aus der Schule kennen - an dem Scheitern zu verzweifeln.
Rezension zu "Nacht über Spanien" von Augustin Souchy


