Wolfgang Hegewald Die eigene Geschichte

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Inhaltsangabe zu „Die eigene Geschichte“ von Wolfgang Hegewald

»Die eigene Geschichte«, Franz Fühmann gewidmet, ist das Protokoll eines Wahrnehmungswütigen.
Wolfgang Hegewald berichtet von Gelesenem, Gefundenem, Gesehenem, Geträumtem, Gedachtem. Dabei
entsteht eine Collage, eine Vielstimmigkeit, die Kommentare und Geistesblitze, Meinungen und Berichte
vermischt. Sie zeigt, wie sich innere und äußere Zu- und Umstände gegenseitig bedingen und durchdringen.

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  • Rezension zu "Die eigene Geschichte" von Wolfgang Hegewald

    Die eigene Geschichte

    salome44

    22. December 2011 um 14:32

    Welthaltige Notate im Jahr 2000 nach Christus Die Aufzeichnungen von Wolfgang Hegewalds in „Die eigene Geschichte“ Erinnerungen werden wach beim Lesen dieses hübschen, rosafarbenen Taschenbüchleins, das die so unterschiedlich verfassten Aufzeichnungen von Wolfgang Hegewald im Milleniumsjahr beherbergt: Das Hochwasser in Mosambik, bei dem sich Menschen in Baumkronen flüchteten und in denen eine Frau gar ein Kind gebar. Oder der Fall des im Schwimmbad ertrunkenen Kindes Joseph K. in Sebnitz, bei dessen Ermittlungen sich zeigte, dass die Eltern mit ihrer Mordbezichtigung gegenüber Rechtsradikalen Recht behalten sollten. Aber auch weniger Gewichtiges kommt einem wieder in den Sinn beim Rezipieren dieser in die Monatsabfolge eines Jahres eingeteilten Kapitel, wie die Deutsche Mark als Zahlungsmittel oder die damals noch vorhandenen Nichtraucherabteile und Interregios der Deutschen Bahn. Der 1952 in Dresden geborene und 1983 aus der DDR ausgereiste Wolfgang Hegewald räsoniert und reflektiert in dem schmalen Bändchen über Politik, Kultur und Alltag, Gott und die Welt. Er protokolliert Träume, die zur optischen Unterscheidung der anderen Texte grau gedruckt sind; er skizziert Beobachtungen, Befindlichkeiten, Gedanken und notiert auch mal nur ein einzelnes Wort, wie „Kupferlicht“, „Laufbahnberater“, „Kirschernte“. Seinen Aufzeichnungen hat er den Titel „Die eigene Geschichte“ gegeben. Der Titel ist ein wenig irreführend, denn die eigene Geschichte kommt nicht in einer Handlung, nicht linear oder erzählend vor, sondern scheint lediglich in einzelnen Bemerkungen blitzlichtartig auf. Einprägsam, nahezu einem Thriller gleich, ist die Beschreibung einer zum Tode führenden Verfolgungsjagd gegenüber politisch Unliebsamen in der DDR: „Verblitzen: im Stasi-Jargon ein Modus des Mordens. Der Verräter wird durch einen inszenierten Autounfall vernichtet, bei Nacht. Er wird gekidnappt, mit Drogen vollgepumpt, in sein Auto gesetzt, zum Losfahren gezwungen, von anderen Autos verfolgt und gehetzt – und schließlich durch an der Strecke installierte Scheinwerfer geblendet, damit er die Orientierung verliert und von der Straße abkommt. Mit einem Wort: verblitzt.“ Immer wieder wendet sich Hegewald in seinen Notizen, die er dem ebenfalls in der DDR lebenden und inzwischen verstorbenen Schriftsteller Franz Fühmann gewidmet hat, gegen eine nostalgische Verklärung der DDR. Auch einige andere Anmerkungen bleiben haften, etwa die Beobachtung des Mädchens mit Down-Syndrom, das mutig zwei Stufen hinunter springt und sich anschließend selbst applaudiert; einzelne Worte, wie das wiederholte „Wandelhalle“, denn der Autor ist viel mit der Bahn unterwegs und vergisst nie anzugeben, mit welchem Zug und zu welchen Orten er fährt. Aber auch der ihm unbekannte Ausdruck „Spackentanz“ wird notiert, dem er, wie der Redewendung „auf den Hund gekommen“, etymologisch nachsinnt. Situationen wie „Plötzlich einen Moment lang nicht wissen, in welcher Hand man die Gabel und in welcher das Messer hält“ mögen einem selbst schon untergekommen sein und das in Worte fassen einer solchen, kann durchaus für einen Moment Staunen erwirken. Dass dennoch kein Sog, kein Lesefluss entsteht, könnte, wohlwollend interpretiert, auch dem Textgenre geschuldet sein, würden nicht andere, ähnliche Textformen, wie die Aphorismen von Theodor W. Adorno in Minima Moralia, die Aufzeichnungen in Das Geheimherz der Uhr von Elias Canetti oder die drei Tagebücher von Max Frisch zeigen, dass es daran nicht liegen muss. Im Unterschied zu den letztgenannten Werken ist das Buch von Hegewald bis auf die wenigen, genannten Stellen, nach dem Weglegen auch schon wieder vergessen. Die Notizen berühren nicht nachhaltig, bringen nicht ins Grübeln und Zweifeln, spenden weder Trost, noch Hoffnung, weiten nicht das eigene Denken, entfachen keine Gefühle. Welthaltig aber mögen sie durchaus sein. „Wer (...) als Literaturkritiker etwas auf sich hält, hat eine Vokabel im Repertoire, deren tautologischen Aberwitz niemand bemerken will: welthaltig. Es ist allemal lobend gemeint,“ so Wolfgang Hegewald. Allemal ein ganz passables Schlusswort.

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