Wolfgang Herles

 3.4 Sterne bei 12 Bewertungen
Autor von Die Dirigentin, Bücher, die Geschichte machten und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Wolfgang Herles

Wolfgang Herles wurde am 08.05.1950 in Tittling (Niederbayern) geboren und verbrachte seine Kindheit in Lindau am Bodensee. Herles studierte an der Deutschen Journalistenschule in München. Über zehn Jahre arbeitete er als Redaktionsleiter und Moderator für das ZDF-Kulturmagazin »aspekte«. Bis 1991 leitete er das ZDF-Studio in Bonn. Dies musste er nach einer Kritik an Helmut Kohl verlassen. Zu seinen Referenzen lassen sich zahlreiche Porträtfilme, Entwicklung der Sendung »Bonn direkt« heute als »Berlin direkt« bekannt, Moderation diverser Talkshows und Autor verschiedener politischer Sachbücher zählen. Ab Sommer 2011 leitet Herles die neue ZDF-Literatursendung. Seit 1981 ist Wolfgang Herles mit der Journalistin Barbara Lippsmeier verheiratet und hat mit ihr zwei Kinder.

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Die neurotische Nation
Neu erschienen am 08.10.2018 als Hardcover bei FinanzBuch Verlag.

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Wolfgang HerlesDie Dirigentin
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Die Dirigentin
Die Dirigentin
 (6)
Erschienen am 12.07.2011
Wolfgang HerlesBücher, die Geschichte machten
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Bücher, die Geschichte machten
Bücher, die Geschichte machten
 (4)
Erschienen am 05.11.2007
Wolfgang HerlesSusanna im Bade
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Susanna im Bade
Susanna im Bade
 (1)
Erschienen am 20.02.2014
Wolfgang HerlesDer Beziehungswandel zwischen Mensch und Natur im Spiegel der deutschen Literatur seit 1945
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Der Beziehungswandel zwischen Mensch und Natur im Spiegel der deutschen Literatur seit 1945
Wolfgang HerlesDie neurotische Nation
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Die neurotische Nation
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Erschienen am 08.10.2018
Wolfgang HerlesOpernverführer
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Opernverführer
Opernverführer
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Erschienen am 01.02.2012
Wolfgang Herles"Der erste unserer Sprachmenschen". Neue Einsichten zum Werk von Martin Walser
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Wolfgang HerlesDas Saumagen-Syndrom
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Das Saumagen-Syndrom

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Rezension zu "Die Dirigentin" von Wolfgang Herles

Rezension zu "Die Dirigentin" von Wolfgang Herles
Annesofiavor 7 Jahren

Minne, Macht und sexuelle Triebe. Ein kluger, facettenreicher Opernroman über die Macht und ihre Deformationen

Der preußische Minister Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein wusste: 'Regierung kann nur von der höchsten Gewalt ausgehen'. Aus Liebe zu seiner Königin Luise bekämpfte er Napoleon, doch da er den monarchischen Regierungsstil abschaffen und den Staat grundlegend reformieren wollte, entließ König Friedrich Wilhelm II. ihn als Finanzminister.

Auch der Held aus Wolfgang Herles' Roman "Die Dirigentin'" heißt Stein, er ist ebenfalls ein Minister, der geschasst wird. Grausam per SMS von der Bundeskanzlerin, die ihm einen Dirigentenstab in die Hand drückt, als er das Zepter abgeben muss. Doch Jakob Stein ist kein Reformer, eher ein machtbewusster Karrierist, der unter seiner neuen Bedeutungslosigkeit leidet. Er flüchtet in die Welt der Kunst und verliebt sich in Maria Bensson, die an den Opernhäusern von München, Wien, Zürich als Dirigentin reüssiert hat. Stein, der sich als 'sexfreie Zone' bezeichnet, bewundert mächtige Frauen. Freilich übersieht er in seiner Begeisterung, dass Maria lesbisch und mit einer Züricher Bankerin liiert ist. Der Leser erfährt dies in einem Briefwechsel zwischen Maria und ihrer Bankerin, den Herles als Erzählebene in die Handlung eingebaut hat: dort mokiert sich die Dirigentin über den liebestollen Stein und macht ihn lächerlich. Stein, der als Vorruheständler nichts zu tun hat, steigert sich derweil in diese Liebe hinein, wird gar zum Stalker, der seiner Angebeteten von Salzburg aus quer durch Europa bis nach Berlin an die Lindenoper folgt, wo die Bensson Wagners 'Rheingold' inszenieren soll. Als Maria, die mit Gewalt Intendantin in Berlin werden will, in eine politische Intrige gerät, wittert Stein seine Chance. Politik ist schließlich sein Metier! Er macht sich zu Marias Berater, hofft auf liebende Vergeltung - und eine zweite Karriere in der Kunst. Doch der in unerfülltem Liebeswahn gefangene Stein wird zur Gefahr: für andere und sich selbst. Als er ein Treffen zwischen Maria und seiner Ex-Chefin arrangiert und die beiden Frauen sich verbünden, kommt es zur Katastrophe'...

Macht wird am wirkungsvollsten durch Ironie entlarvt. Friedrich Dürrenmatt, Martin Walser wussten das und der erfahrene Literaturkritiker Herles weiß das natürlich auch. So ist es nicht verwunderlich, wenn er in diesem Roman einen ironischen Ton anschlägt. Eine Tonart', die am Bodensee beheimatete Schriftsteller mit der Muttermilch aufsaugen? Auf alle Fälle verleiht dieser "Bodensee-Sound" der Geschichte eine wunderbare Leichtigkeit. Daneben ist der Roman glänzend recherchiert. Man merkt, dass der ehemalige ZDF-Politikjournalist und langjährige Berliner Kulturredakteur Herles sich in beiden Milieus auskennt und ein profunder Opernkenner ist. Er hat für diesen Roman zahlreiche Gespräche mit großen Dirigenten wie Simone Young und Daniel Barenboim geführt. Handwerklich geschickt verwebt Herles den eigentlichen Handlungsstrang mit zwei weiteren Ebenen: antithetisch spiegelt der Briefwechsel der beiden Frauen die Handlung und Marias Inszenierung der Wagneroper bildet schließlich den Überbau des Romans. Ein kleiner Wermutstropfen: schade, dass der Autor die machtvollen Frauen zu Lesben macht. Dieses Frauenbild bedürfte einer Reform...

Die 'Dirigentin' ist nicht nur eine flott geschriebene Polit-Satire über Aufstieg und Fall, Lust und verschmähte Liebe. Dieser vielschichtige Roman ist vielmehr eine kluge und facettenreiche Analyse der Macht und ihrer Deformationen mit zwei tragisch Liebenden. Stein und Alberich haben sich verknallt in die Idee der absoluten Macht - weil beide ahnen, dass sich Liebe und Machtbewusstsein nicht vereinigen lassen? Stein himmelt Maria an, weil diese ihre Kunst kompromisslos durchsetzt. Er dagegen ist kein Künstler, er liebäugelt höchstens mit der Kunst. Der machtgeile Karrierist begreift nicht, dass ein Künstler etwas wagen muss, auch wenn ihm manchmal etwas misslingt. Weil Stein lediglich taktiert, verwechselt er Karriere mit persönlicher Entwicklung. Verstoßen von der höchsten Gewalt, kann er weder regieren noch lieben. Das macht ihn zum Alberich, der um der Macht willen der wahren Liebe entsagen muss.

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Rezension zu "Die Dirigentin" von Wolfgang Herles

Rezension zu "Die Dirigentin" von Wolfgang Herles
michael_lehmann-papevor 7 Jahren

Frauen – Macht

Gut, dass Wolfgang Herles am Ende des Buches darauf verweist, dass die Personen des Romans zwar frei erfunden sind, Ähnlichkeiten mir realen Persönlichkeiten aber als „unvermeidlich“ sich darstellen. Man könnte nach der Lektüre des Buches auch sagen, dass mancherlei Ähnlichkeiten durchaus gewollt scheinen.

Gerade in der Person der Bundeskanzlerin Christina Böckler taucht einem doch, flankiert durch die Titelbildgestaltung, vor allem aber aufgrund der luzide skizzierten Persönlichkeit der „ersten Frau im Staate“ im Buch oft und oft die aktuelle Bundeskanzlerin auf.
Auch die Grundkonstruktion der Geschichte führt in diese Richtung.
Sind nicht eine ganze Reihe männlicher politischer „Platzhirsche“ in den letzten Jahren entzaubert, entmachtet, fast „entmannt“ worden? Von eben jener realen Kanzlerin?
Was wundert es, das es der Hauptperson des Buches, Jakob Stein, Ex-Staatsminister, der sein Leben der Politik geweiht hatte, sich privat bereits geschieden vorfindet und nun auch politisch die Scheidung eingereicht bekommen hat, sich nahtlos in dieses Bild von Männern einreiht, die sich über Nacht auf dem Abstellgleis wiederfinden? Von eben jener ihm doch so vertrauten Kanzlerin, der er seine Kraft „geopfert hat“.

Das Bild einer „Entmannung“ erhält im weiteren Verlauf des Romans, je besser der Leser jenen Jakob Stein kennenlernt, durchaus weiter an Tiefe. Aus seiner nun intensiv, fast fanatisch, gelebten Freude an der klassischen Musik entsteht eine weitere Obsession, die jener ehemals für die Politik und für die Kanzlerin in nichts nachsteht. Jakob Stein lernt eben nichts dazu. Innerlich, persönlich. Diese Fähigkeit zur Reflektion der eigenen Peron hat er nicht ausgeprägt im Leben (noch mehr Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen).

Der Dirigentin Maria Besson wendet er sich mit ganzer „Herzenskraft“ zu und, späterhin, mit ganzer politischer Erfahrung und Leidenschaft, als diese in Berlin wissentlich Teil des intriganten Kulturgeschehens wird. Besson möchte den Chefposten. Andere wollen das verhindern. Jakob Stein entbrennt in leidenschaftlicher Liebe und macht sich zum stalkenden Affen, lange Zeit, ohne es zu merken. Bis auf seine Vermittlung hin die Dirigentin und die Kanzlerin sich bei einem gesellschaftlichen Anlass kennenlernen und miteinander zu verbünden scheinen. Nicht unbedingt primär gegen ihn, wohl aber für das Ziel der Dirigentin (und damit gerät Stein indirekt zwischen die Mahlsteine der beiden ehrgeizigen und machtbewussten Frauen). Mahlsteine, die ihn innerlich zerreiben werden und eine Kanzlerin, die Besson ebenso fallen lassen wird, als es an der Zeit wäre, sich eindeutig zu positionieren, wie sie bisher jeden fallen gelassen hat, der ihr nicht mehr nützlich war.

Neben diesen äußeren Erzählstrang von den schmutzigen Haltungen und Wegen der Macht, von der kühl lächelnden Entsorgung ehemaliger Weggefährten, wenn sie lästig werden, stechen im Buch zwei weitere Momente heraus, welche die Lektüre zu einem Gewinn werden lassen. Das Psychogramm des „Vollblutpolitikers“ Jakob Stein mitsamt seiner degenerierten, kaum entwickelten, emotionalen Fähigkeiten ist schmerzlich in seinen naiven und sich verstrickenden Bemühungen zu beobachten, der angehimmelten Dirigentin zu gefallen. Diese innere Entwicklung bringt Wolfgang Herles genau auf den Punkt und führt so beispielhaft eindrucksvoll in das Innenleben jener Menschen ein, die außer der Politik und der Parteistrategien keine anderen Fähigkeiten im Leben entwickelt haben. Eine drückende innere Leere, die Jakob Stein in diesem Buch (und im wahren Leben?) nicht füllen werden wird.

Zum anderen schildert Herles akribisch Hintergründe, Interpretationen, ausgewählter Stücke klassischer Musik und nimmt den Leser mit „hinter die Bühne“, vor allem, das den Ring Wagners angeht. Auch dies bildet durchaus einen Gewinn der Lektüre. Der Leser spürt, dass sich Herles in beidem, der Politik und der klassischen Musik, auskennt und sein Wissen geschickt mit einfließen lässt.

Unbefriedigend verbleibt demgegenüber der offene Schluss des Buches im Raume. Zudem sind, gerade zum Ende hin, die inneren Entwicklungen des Jakob Stein doch ein wenig an den Haaren herbeigezogen und kaum vorstellbar in diesen Formen völliger „innerer Entgleisung“. Kleine Wehrmutstropfen in einem gelungenem Roman der Schilderungen des „Innenlebens“ der Macht. Auf politischer, menschlicher und musikalischer Ebene.

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Rezension zu "Die Dirigentin" von Wolfgang Herles

Rezension zu "Die Dirigentin" von Wolfgang Herles
Zebrafinkvor 7 Jahren

Die Vertreterin meinte zu mir, dass dies ein Altherrenbuch sei, und ich muß ihr Recht geben.

Jakob Stein ist ein ehemaliger Bundesminister und Opernfan der sich in eine berühmte Dirigentin verliebt. So sehr, dass er zum Stalker wird.

Viele Parallelen zu heutigen Ministern und der Kanzlerin. Aber das musikalische (z.B. die Rheingoldoper) steht mir persönlich zu sehr im Fordergrund. Aber wer's mag.

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Wolfgang Herles wurde am 08. Mai 1950 in Tittling (Deutschland) geboren.

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