Arbeit und Struktur

von Wolfgang Herrndorf 
4,6 Sterne bei115 Bewertungen
Arbeit und Struktur
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Ich habe mich durch das Buch gearbeitet - nicht immer leicht, aber brilliant geschrieben.

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Bewegendes Werk!

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Inhaltsangabe zu "Arbeit und Struktur"

«Dann Telefonat mit einem mir unbekannten, älteren Mann in Westdeutschland. Noch am Tag der Histologie war Holm abends auf einer Party mit dem Journalisten T. ins Gespräch gekommen, dessen Vater ebenfalls ein Glioblastom hat und noch immer lebt, zehn Jahre nach der OP. Wenn ich wolle, könne er mir die Nummer besorgen. Es ist vor allem dieses Gespräch mit einem Unbekannten, das mich aufrichtet. Ich erfahre: T. hat als einer der Ersten in Deutschland Temodal bekommen. Und es ist schon dreizehn Jahre her. Seitdem kein Rezidiv. Seine Ärzte rieten nach der OP, sich noch ein schönes Jahr zu machen, vielleicht eine Reise zu unternehmen, irgendwas, was er schon immer habe machen wollen, und mit niemandem zu sprechen. Er fing sofort wieder an zu arbeiten. Informierte alle Leute, dass ihm jetzt die Haare ausgingen, sich sonst aber nichts ändere und alles weiterliefe wie bisher, keine Rücksicht, bitte. Er ist Richter. Und wenn mein Entschluss, was ich machen wollte, nicht schon vorher festgestanden hätte, dann hätte er nach diesem Telefonat festgestanden: Arbeit. Arbeit und Struktur.»

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499268519
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:448 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:27.03.2015
Das aktuelle Hörbuch ist am 19.06.2014 bei Argon Verlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    BettinasBuecherecks avatar
    BettinasBuechereckvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Bewegendes Werk!
    Ein besonderes Tagebuch


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    Duffys avatar
    Duffyvor 2 Jahren
    Ein unfassbar intensives Buch


    Alle, die erwarten, hier Kerniges vom "Tschick"-Autoren zu lesen, sollten das Buch wieder aus der Hand legen. Die, die im Moment in ihrer Umgebung aktiv mit der Krebskrankheit zu tun haben, sollten sich überlegen, ob sie das Buch wirklich jetzt lesen sollten. Die, die meinen, Herrndorf hätte als "Todeskandidat" den Stein der Weisen gefunden, müssen sich eine andere Lektüre suchen. Dieses Buch ist für alle, die sich eine Vorstellung davon machen wollen, wie man mit dem Unvermeidlichen unter schweren Bedingungen umgehen kann. Also nichts für Voyeure und Theoretiker.
    Als Herrndorf 2010 seine Tumor-Diagnose bekam, nahm der den Kampf gegen die Krankheit insofern auf, als das er sich Therapiemaßnahmen unterzog. Dass er zu denjenigen gehörte, die bei dem Verlauf der Krankheit länger als der Durchschnitt lebte, hat mit seiner Entscheidung zu tun, die restliche Zeit mit Arbeit zu verbringen. Er vollendete "Tschick" und "Sand" und begann sogar noch einen weiteren Roman. Er tat das mit Konsequenz und Energie, ähnlich wie es seinerzeit der Singer/Songwriter Warren Zevon ebenfalls hinbekam. außerdem schrieb er einen Blog, der nun hier in Buchform vorliegt und seine Zeit nach der Diagnose ausführlich beschreibt. Herrndorf konnte sich immer auf einige gute Freunde verlassen, die seine Aussetzer und Schwachstellen kompensierten. es gelang ihm trotz aller Widrigkeiten, diesen Blog zu einer literarischen Vorlage zu machen, für etwas, das nachdrücklich  Gedanken und Prozesse zu dieser Krankheit deutlich machen kann. Er verwob es mit Stationen seines Lebens in teilweise ganz genauen Erinnerungen und mit Standortbestimmungen, die sich in seiner Laufbahn bis zu diesem Punkt immer wieder verändert haben. Was im Einzelnen die Faszination dieses Werks ausmacht, muss jeder selbst herauslesen. Herrndorfs Positionen sind immer relevant und dazu geeignet, den Leser in jeder Phase einer Selbstkontrolle zu unterziehen. Sicher ein nicht gewollter, aber dennoch existenter Fakt dieser Aufzeichnungen. Der Ton ist nie depressiv, er bleibt sachlich, wo er sachlich bleiben muss und er ist polemisch, manchmal sarkastisch, unterlegt mit einem stillen Humor, der ihm sicher sehr locker von der Hand ging, denn eines hat er immer gewusst: was er nicht wollte. So konnte er sich früh von den Zwängen einer Kunst befreien, die nicht die seine war, weil sie nicht zielführend für sein Schaffen war.
    Das Buch ist nicht nebenbei zu lesen. Wenn man sich darauf einlassen will, dann sollte man sich Zeit nehmen, weil es fordert. Und es verursacht Emotionen, denen man sich nicht entziehen kann und die man für sich auswerten muss, sonst macht es keinen Sinn.
    Es ist in dieser Form einmalig, was uns Herrndorf da hinterlassen hat, und es ist schwer, eine Bewertung abzugeben. Aber schon alleine die Wichtigkeit der Existenz machen jede Höchstwertung zwingend. Es ist eines dieser Bücher, wo Stil und Aufbau keine Rolle spielen. Beides ist vorhanden, das macht es doppelt wertvoll.

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Wow, ein heftiges Buch, das einem vor Augen führt, was ein Glioblastom auslösen kann
    Arbeit und Struktur

    2010. Wolfgang Herrndorf erfährt, dass er ein Glioblastom hat. Er hat gute Tage, schlechte Tage, aber er will nicht einfach abwarten, bis es vorbei ist, er beschließt zu arbeiten. Die Arbeit gibt auch ihm Struktur und so erfährt man noch Etliches über "Tschick" und "Sand", auch über seinen letzten unvollendeten Roman, der nun "Bilder deiner großen Liebe" heißt. Man weiß, wie es ausgeht und versucht den Punkt zu entdecken, an dem es wirklich bergab geht. Und Wolfgang kämpft, beschließt aber auch, dass er selbst über seine Ende entscheiden möchte.
    Absolut eindringlich, teilweise gehetzt, so dass man seinen Empfindungen sehr gut folgen kann, erinnert mich ein wenig an "Leben" von David Wagner, nur dass Wolfgang Herrndorf weniger Glück hat. Ich finde es absolut bemerkenswert so offen über die eigene Erkrankung zu reden/schreiben. Bilder runden das Werk ab, auch ein Gedicht hin und wieder, dass Herrndorf mit "Arbeit und Struktur" enden lässt, führt einem das Bedürfnis vor Augen Struktur im Leben zu brauchen. Ein tolles Buch, das mich sicher noch eine Weile beschäftigen wird.

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    Klein-Alexs avatar
    Klein-Alexvor 4 Jahren
    Ein Meisterwerk, das seines Gleichen sucht.

    Ein Tag im März 2010, der alles veränderte. Es begann mit heftigen Kopfschmerzen. Dazu gesellten sich neurologische Ausfallerscheinungen, die heftiger kaum sein können. Erst eine Tasse Tee über die Computertastatur verschüttet, beim hinsetzen den Stuhl anvisiert und direkt daneben gepflanzt, im Badezimmer hingefallen, nicht mehr aus eigener Kraft hochgekommen. Wolfgang Herrndorf robbt mit aller Kraft zum Telefon, informiert die Jungs der Feuerwehr und zack.... von da an beginnt das albtraumhafte Matyrium des Autors. In der Klinik steht fest: Glioblastom. Ein bösartiger HIrntumor. Zu hundert Prozent tödlich. Es ist das Ende der Bohème von Berlin-Mitte, das Ende der leichtfüßigen Jahre eines Schriftstellers, der mit beiden Beinen im Leben stand.

    "Arbeit und Struktur", viel nüchterner kann ein Buchtitel kaum ausfallen.
    Aber Herrndorf hat ihn ganz bewusst ausgewählt. In seinem Eintrag vom 21.08.2010 schreibt er: "mir ist nicht klar, wie man aus dieser Nachruhm-Sache irgendeinen Trost ziehen kann. Ich arbeite nur, um zu arbeiten".
    Sieht man das ganze aus der Perspektive seiner unheilbaren Tumorerkrankung, dann begreift man, welch bemerkenswerte Formulierung er kundtat. Für ihn ist und war das Schreiben eine Art Selbsttherapie, seine Verbindung zum Leben und seine Allzweckwaffe, um Kraft schöpfen zu können. Bei so einer Diagnose würden wir doch alle komplett den Boden unter den Füßen verlieren und nervlich zusammenbrechen. Herrndorf nicht, er bleibt aufrecht, denn er weiß, was er zum Leben braucht: Arbeit und Struktur halt.

    Wenn man die letzten Aufzeichnungen eines inzwischen verstorbenen Menschen in den Händen hält, neigt man vermutlich zwangsläufig dazu, in einer gewissen Form von Ehrfurcht zu erstarren, statt sie als Vermächtnis begreifen zu können.

    Das Buch besticht durch seinen besonderen Humor und seine schonungslose Auseinandersetzung mit dem Unausweichlichen. Herrndorf spricht dort weiter, wo andere verstummen und mit aller Gewalt schweigen.
    Er nimmt den Leser mit durch die Phasen der Verzweiflung, der Abgeklärtheit und der Distanz. Ich erlebte eine Achterbahn der Gefühle, klammerte mich fest, war ergriffen, emotional erschüttert und musste dann plötzlich loslassen. Für vieles in meinem Leben habe ich nie eine Art Vorbild gehabt, fürs Sterben hätte ich jetzt eins. Und für dieses bin ich sehr dankbar,

    Fazit: ein Blog, der zu Lebzeiten das Sprachrohr zur Außenwelt darstellte. Ein Buch, das postum ihn populär und in der ganzen Welt bekannt gemacht hat. Ein Wille, welches zum Meisterwerk wurde. In "Arbeit und Struktur" geht es um das große Ganze: das Leben & den Tod. Ich bin beeindruckt, von dem Willen des Wortkünstlers, der in der schwersten Zeit seines Lebens mir am nächsten kam. Danke

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren
    Wolfgang Herrndorf: Arbeit und Struktur

    Der Versuch, sich selbst zu verwalten, sich fortzuschreiben, der Kampf gegen die Zeit, der Kampf gegen den Tod, der sinnlose Kampf gegen die Sinnlosigkeit eines idiotischen, bewusstlosen Kosmos, und mit einem Faustkeil in der erhobenen Hand steht man da auf der Spitze des Berges, um dem herabstürzenden Asteroiden noch mal richtig die Meinung zu sagen.

    Für die vermutlich wenigen Leserinnen und Leser, die die Geschichte Wolfgang Herrndorfs und seines vielgelobten Buches »Arbeit und Struktur« noch nicht kennen: Im Februar 2010 teilte man dem Schriftsteller mit, dass er aufgrund eines Hirntumors (Glioblastom) nur noch eine kurze Zeit zu leben habe. Vielleicht noch ein, zwei Jahre, vielleicht etwas mehr, vielleicht auch weniger.

    Herrndorf beschloss daraufhin, die ihm bleibende Zeit zu sortieren, zu strukturieren und mit Arbeit zu füllen. Er vollendete unter anderem seine Romane »Tschick« und »Sand« und rief mit der Unterstützung von Freunden das Blog »Arbeit und Struktur« ins Leben. Es war zunächst als ein privates Mitteilungmedium geplant. Schnell wurde daraus jedoch eine öffentliche Internetpräsenz von hoher literarischer Qualität und schließlich das hier vorgestellte Buch.

    Das Wissen, dass unsere Zeit auf diesem Planeten endlich ist, teilen wir alle. Und wohl so gut wie jeder von uns ist ein ums andere Mal darum bemüht, sich diesen Umstand ins eigene Bewusstsein zu rufen, indem wir uns in stillen oder besonderen Momenten an die Worte Horaz‘ erinnern: Carpe diem! Genieße den Tag! Es könnte dein letzter sein. … und danach zu leben versuchen.

    Wahrscheinlich gelingt uns dies aber nur, wenn wir dem Tod direkt gegenüberstehen, ihm erfolgreich von der Schippe gesprungen sind oder ihn – wie im Falle Herrndorfs – als eine leise, aber zügig vor sich hin rieselnde Sanduhr vor Augen haben. Erst dann sind wir als Erwachsene offenbar in der Lage, unsere Präsenz auf Erden in aller Klarheit zu erfassen, das Leben zu begreifen, sowohl das Wesentliche zu erkennen als auch viele Details, für die wir – in unserem geschäftigen Alltag – zumeist den Blick verloren haben.

    In seinen Tagebucheinträgen beschreibt Herrndorf eindringlich die Entwicklung seines Krankheitszustandes, seine Träume, seinen Alltag, das Leben mit seinen engsten Freunden, die Reaktionen in seinem Umfeld und wie er der verbleibenden Zeit möglichst viel abgewinnen kann. Er versucht herauszufinden, was ihm wichtig ist, er zählt auf und beschreibt, was er liebt und was ihn nervt. Das Besondere an »Arbeit und Struktur« ist nicht das Thema »Wie gehe ich mit dem nahenden Tod um?«, sondern dass ein Erzählkünstler wie Wolfgang Herrndorf darüber schreibt.

    Der Inhalt seines Buches mag manchen deprimierend erscheinen, der Ton, den der Schriftsteller anschlägt, schnodderig und arrogant. Doch das Buch ist weder das eine noch das andere. Man muss Herrndorfs politische, soziale und kulturelle Ansichten und Einstellungen nicht teilen, aber er hat nach der schlimmsten aller ärztlichen Diagnosen jenen unverfälschten, unverstellten und rücksichtslosen Blick auf das Leben, den wir uns alle nur allzu oft wünschen. Dass er diesen Blick in seinem Buch mit uns teilt, ist ein Geschenk.

    Wolfgang Herrndorf wählte am Ende den Freitod. Am 23. August 2013 nahm er sich am Ufer des Berliner Hohenzollenkanals mit einem Revolver das Leben, in einem der letzten Momente, in denen er noch zu eigenständigem Handeln in der Lage war.

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    schmoeker-rikes avatar
    schmoeker-rikevor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Das Tagebuch eines klugen Mannes, der mit einem Hirntumor kämpft. Fesselnd und bewegend. Es geht einem lange nicht aus dem Sinn
    unheilbar

    es fällt mir schwer,  für dieses großartige Buch die richtigen Worte zu finden.
     Ein Schriftsteller, konfrontiert mit der unfassbaren Tatsache, dass er unheilbar an einem Hirntumor erkrankt ist, beschließt, weiterzuschreiben.  
    Er schreibt einen Blog und schildert sein Leben, seinen Umgang mit der Krankheit und ihren Auswirkungen, seinen persönlichen Ausweg aus der Angst.
      Herrndorf schreibt fesselnd, ehrlich, oft zynisch und nie selbstmitleidig. Sein Blog wird posthum als Buch veröffentlicht, wie er es wünschte. 
    Mich hat dieses Buch berührt wie lange kein anderes. 

    Kommentare: 3
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    angelaeszets avatar
    angelaeszetvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Ich habe mich durch das Buch gearbeitet - nicht immer leicht, aber brilliant geschrieben.
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    IngmarGregorzewskis avatar
    IngmarGregorzewskivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Meisterwerk.
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    KerstinHerzogs avatar
    KerstinHerzogvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Das beste Buch!
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    HomersEvils avatar
    HomersEvilvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Vielen Dank für diese Aufzeichnungen und Gedanken Herr Herrndorf!
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    Der allertollste Text aber, ein unfassbar genauer, anrührender, humorvoller, wahrhaftiger Text sind die Tagebucheinträge, die Wolfgang Herrndorf nach Ausbruch der Krankheit ins Internet gestellt hat. Dieses akribische Protokoll des Lebens mit der Krankheit war eben kein Text über das Sterben, sondern einer über das Leben.

    Bei aller Hochschätzung für Herrndorfs Romane – sein Blog Arbeit und Struktur steht ihnen an literarischem Rang nicht nach. Es gibt in der Geschichte der Tagebücher nichts, was ihm gleichkäme an Takt, Wärme, dunklem Witz, Sarkasmus und stillem Grauen.

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