Sand

von Wolfgang Herrndorf 
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Sand
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Positiv (93):
Jennifer081991s avatar

Spannend! Gerade die Identitätskonstruktion ist wirklich super gemacht!

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thursdaynexts avatar

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Inhaltsangabe zu "Sand"

'Er aß und trank, bürstete seine Kleider ab, leerte den Sand aus seinen Taschen und überprüfte noch einmal die Innentasche des Blazers. Er wusch sich unter dem Tisch die Hände mit ein wenig Trinkwasser, goss den Rest über seine geplagten Füße und schaute die Straße entlang. Sandfarbene Kinder spielten mit einem sandfarbenen Fußball zwischen sandfarbenen Hütten. Dreck und zerlumpte Gestalten, und ihm fiel ein, wie gefährlich es im Grunde war, eine weiße, blonde, ortsunkundige Frau in einem Auto hierherzubestellen.'

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499258640
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:480 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:02.05.2013
Das aktuelle Hörbuch ist am 23.10.2014 bei Argon erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    Bookster_HROs avatar
    Bookster_HROvor 2 Monaten
    Wolfgang Herrndorf | SAND

    Nordafrika, 1972. Ein Mann kommt in einer Scheune mitten in der Wüste zu sich. Sein Schädel dröhnt und hat eine ordentliche Platzwunde, und der Mann kann sich nicht erinnern, wie er in diese Scheune gekommen ist. Schlimmer noch: Nicht einmal sein Name fällt ihm ein – jegliche Erinnerung an die Zeit vor dem Erwachen ist gelöscht. Was der Mann jedoch relativ schnell erfasst, ist, dass er von sehr gefährlichen Leuten verfolgt wird und vor ihnen fliehen muss. In seiner aussichtslosen Situation – in einem scheinbar fremden Land in dem er niemanden (er-)kennt und sich an nichts erinnert – läuft er an einer Tankstelle der Amerikanerin Helen über den Weg, die ihn mit in ihr Urlaubsdomizil nimmt und weitestgehend gesund pflegt. Sie nennt ihn Carl, nach dem Namensschild in seinem Anzug.

    Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Carls Identität, puzzeln Erinnerungsfetzen zusammen, gehen jedem noch so kleinen Hinweis nach und kontaktieren sogar einen Psychiater. Doch je mehr sie in Erfahrung bringen, desto verwirrender wird die Geschichte. Alle Hinweise deuten auf Waffenhandel, aber in Wirklichkeit tappen die beiden ahnungslos im Dunkeln. Als Carl schließlich von einer Spezialtruppe der CIA entführt und gefoltert wird, gerät er vollends an die Grenzen seiner Kräfte.

    Dieses Buch steht seit Jahren in meinem Bücherregal, und ich frage mich jetzt, warum ich Dummkopf so lange mit der Lektüre gewartet habe – es ist grandios! Wolfgang Herrndorf (1965-2013) zeigt in SAND seine komplette Bandbreite: Perfekt gezeichnete Figuren, ein irrwitziger, zahlreiche Haken schlagender Plot und jede Menge Thriller- und Krimi-Elemente ergeben zusammen eine Tour de Force durch ein kaputtes Land zu einer verrückten Zeit.

    Manche Szenen sind irre spannend, andere überzogen brutal, wieder andere zum Brüllen komisch. Dieser Mix erinnert ein wenig an die cineastischen Glanztaten der von mir sehr geschätzten Coen-Brüder. Gerade die ewig langen und doch ins Leere laufenden Dialoge – zum Beispiel mit dem Psychologen oder dem Waffenhändler in der Bar – erinnern mich an Filme wie THE BIG LEBOWSKI oder BURN AFTER READING. Allein der Umstand, dass die Hauptfigur komplett ahnungslos ist, es also ein völlig unfaires Ungleichgewicht im Wissensstand der Beteiligten gibt, macht schon den Reiz des Ganzen aus. Auch das halbwegs offene Ende passt zum Coen-Vergleich. Solche Enden mag ja nun wirklich nicht jeder, ich persönlich fand aber, es war der passend krasse Schluss zu einem vergnüglich-verwirrenden Meisterstück.

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    Jennifer081991s avatar
    Jennifer081991vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Spannend! Gerade die Identitätskonstruktion ist wirklich super gemacht!
    Ein Agententhriller ad absurdum

    1972. Eine Wüste in Nordafrika. Ein mysteriöser Mehrfachmord in einer Kommune, ein Verdächtiger, ein Polizist. Dann der Sandsturm: Der Protagonist erwacht in einer alten Schnapsbrennerei. Er wird verfolgt von mehreren Kriminellen, sie wollen eine Mine, deren Aufenthaltsort nur er kennt. Er flieht in die Wüste, vergräbt sich im Sand und entkommt.

    Nach dem Schildchen in seinem Hemd nennt er sich Carl. Carl hat ein Problem: Er weiß nicht, wer er ist. Er weiß nicht, was er getan hat. Er weiß nicht, warum er gejagt wird. Er weiß nur; er muss herausfinden, wer er ist. Schnellstmöglich!

    An einer Tankstelle trifft er auf die geheimnisvolle Helen. Helen, die als schön, aber dumm eingeführt wird und die dennoch so viel tiefschichtiger ist alszunächst vermutet. Sie nimmt ihn mit und will ihm helfen, seine Erinnerungen wiederzuerlangen. Der hübschen Kosmetik-Vertreterin aus Amerika wird er ja wohl unbedacht trauen können?

    "Anspielungen, in dem Buch sind Anspielungen", dachte ich, "ich will sofort mein Geld zurück."

    Sand, Viertes Buch: Die Oase, Kap. 38, vorangestelltes Zitat

    Herrndorf schreibt wirklich unglaublich komplex. Fäden werden miteinander verknüpft, kaum ein loses Ende bleibt offen und bereits auf den ersten paar Seiten wird das Ende vorweggenommen. Dabei werden große wie kleine Dinge, Figuren, Handlungen miteinander verknüpft. Nach und nach entsteht ein vielschichtiges Gewebe, dessen Auflösung nach und nach erfolgt. Doch sind die Zeichen zur Auflösung so simpel und zugleich so gut versteckt, das wohl viele sie beim ersten Lesen schlicht überlesen. Die Amnesie des Protagonisten, der Sandsturm, der alle Erinnerungen an das zuvor Geschilderte tilgt, scheint sich auch auf den Leser auszuwirken.

    Vollständige Rezension auf www.leseninleipzigblog.wordpress.com

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    Neil Jungs avatar
    Neil Jungvor 2 Jahren
    Wie durch einen Sandsturm

    Eine Art Krimi aus der nordafrikanischen Wüste - aber alles andere als gradlinig. Gemeinsam mit der Hauptfigur Carl, die ihr Gedächtnis und so ihre Identität verloren hat, taumeln wir desorientiert von einem Tiefschlag zum nächsten, ohne je eine Ahnung zu haben, worum es eigentlich geht. Originell, hart, aber zum Glück auch mit Humor.

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    EmmaZeckas avatar
    EmmaZeckavor 2 Jahren
    Traurige und bewegende Geschichte

    In der Schule haben wir Wolfgang Herrndorfs berühmten Roman "tschick" gelesen. Von den Deutschlehrern, bis hin zu den Literaturkritikern schwärmten alle von diesem Buch. Ich fand die Geschichte nett, war aber nicht so begeistert. (Allerdings war "tschick" das einzige Buch, dass slebst von meinen nicht literaturbegeisterten Klassenkameraden gelesen wurde).

    Im Buchladen stach mir dann das Cover von "Sand" ins Auge. Es ist eine Wüste darauf zu sehen Der Sand wird von der grellen Sonne beleuchtet. Es steht keine Wolke am Himmel. Der Einband sprach mich an und machte trotz des grellen Flairs einen traurigen Eindruck auf mich. Kurzerhand hatte ich den Klappentext gelesen und war von der Geschichte angetan. (Allerdings brauchte es trotzdem zwei weitere Male und einen Thalia Gutschein, bis ich mir das Buch zulegte).

    Auf den ersten Seiten von "Sand" wird der Leser gleich in verschiedene Handlungsstränge eingeführt. Lange war ich mir nicht sicher, welcher der verschiedene Charaktere jetzt der wesentliche, der Protagonist der Geschichte war. Doch schließlich kristallisierte sich folgende Rahmenhandlung heraus:

    Ein Mann kommt mit einer Platzwunde am Kopf und einem Spielzeuggewehr auf den Rücken geschnallt, in einer Scheune zu sich und kann sich nicht daran erinnern, wer er ist, oder wie er in diese Scheune gekommen ist. Er trifft schließlich eine Frau, die ihn bei sich aufnimmt und ihm den provisorischen Namen Carl verpasst.
    Carl ist auf der Suche nach seiner Identität und entdeckt dabei erstaunliche Dinge: Schnell wird er von seiner Vergangenheit wieder eingeholt.

    Als der Handlungsstrang rund um Carl und dessen Gedächtnisverlust eingeführt wird, beginnen sich die Stränge miteinander zu verknoten. Nach und nach wurde mir klar, wer mit wem in welcher Verbindung steht. Allerdings hatte ich keine Ahnung wer Carl wirklich war, obwohl so viele Personen eingeführt wurden.

    In diesem Roman gab es mir teilweise zu viele Handlungsstränge. Ab und an verlor ich den Überblick und fragte mich dann ob bereits alle Personen miteinander "vernetzt" waren. Hervorragend gelöst fand ich die Geschichte um Carls Identität. Erst auf den letzten Seiten des Romans wurde mir klar, wer er wirklich war und alles schien einen traurigen Sinn zu ergeben.

    Die Charaktere waren sehr gut dargestellt. Von ängstlichen, nervösen Persönlichkeiten, über drogensüchtige Mädchen, bis hin zu selbstverliebten Menschen war in diesem Buch alles vertreten. Allerdings konnte ich manche Reaktionen von Carl nicht ganz nachvollziehen. An manchen Stellen machte er Fehler, die fatale Folgen für die Geschichte haben. (Ich habe wirklich mit ihm gelitten).

    Der größte Teil des Romanes ist in indirekter Rede geschrieben. Einerseits ist dieses Stilmittel gut gelungen, weil die wesentlichen Informationen so nicht in den Dialogen auftauchen, andererseits fand ich den Schreibstil an der ein oder anderen Stelle auch ermüdend. Daher habe ich die Altersbegrenzung festgelegt.

    Sehr bewegt hat mich nicht nur das traurige Ende der Geschichte, sondern auch der Selbstmord des Autors. Ich hatte das Gefühl, dass es Parallelen zwischen Carl und Herrndorf gibt. Der eine möchte seinem Schicksal entkommen, weil er weiß, was ihm blüht, der andere gerät immer tiefer in einen Sumpf von Gewalt und Intrigen, weil er eben auf unglückliche Weise der Unwissende ist. Keiner von beiden schafft es, seinem Schicksal zu entkommen, egal wie gut oder schlecht die Chancen stehen.

    Zusammenfassend kann ich sagen, dass es sich auf jeden Fall lohnt, "Sand" zu lesen. Während man bei "tschick" in die Welt eines Jugendlichen eintaucht, konnte ich mich hier davon überzeugen, dass Herrndorf sich sehr wohl darauf versteht spannende Geschichten zu spinnen und sie miteinander zu verknüpfen. In dem Fall hat es meine Erwartungen erfüllt. Vielleicht findet das Buch ja den Weg in den ein oder anderen Deutsch LK.

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Strange durch und durch, aber irgendwie auch ganz cool
    Was in der Wüste alles passieren kann

    Ein Mann sucht seine eigene Identität. Er trifft auf eine blonde Amerikanerin, die ihm scheinbar helfen will herauszufinden, wer er wirklich ist. Immer wieder entdeckt er Hinweise, bekommt es aber nicht heraus. 
    Er erwacht nach einem Schlag auf den Kopf auf einem Dachboden in der Wüste. Ohne Orientierung läuft er durch Dünen voller Sand und kommt an einer Tankstelle vorbei. Immer wieder trifft er gefährliche Menschen. Menschen, die scheinbar alle genau wissen, wer er ist, nur er selbst weiß es nicht. So jagt das Buch hinter einer Identität her, die es vielleicht gar nicht gibt und am Ende bleibt der Leser dennoch ein wenig ratlos zurück. Ein absolut verrücktes Buch!

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    LeonoraVonToffiefees avatar
    LeonoraVonToffiefeevor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Wunderbar abgedreht, voller witziger Wendungen, absurden Charakteren und dabei herrlich chamant. Einzigartig genial!
    Ein Abenteuer durch den Sand

    Sahara 1972: Ein Mann wacht benommen in einer einsamen Scheune, irgendwo in der Wüste, auf, nachdem man ihm einen Schlag auf den Kopf verpasst hat. Er kann sich an nichts mehr erinnern, auch nicht an seinen eigenen Namen. Wenig später wird er von der platinblonden Amerikanerin Helen Gliese aufgelesen. Sie nimmt ihn mit in ihr Bungalow, das sie für einige Tage in der nahe gelegenen Hafenstadt Targat gemietet hat. Sie versuchen zusammen das Geheimnis seiner Identität und seines Gedächnisverlusts zu lösen. Dabei passieren ein Haufen merkwürdiger und absurder Dinge, die nicht selten gewaltsam für den Mann ohne Namen enden. Gleichzeitig werden in einer Kommune vier Menschen erschossen und ein Geldkoffer gestohlen. Der Täter streitet alles ab, und die Kommissare stehen vor mehreren Rätseln. Ein Mann wird tot aufgefunden und von den Bewohnern der Stadt nach kurzem Interesse vergessen. Ein alter Mann vermisst seine beiden Söhne. Absonderlichkeiten und Skurillitäten reihen sich aneinander. Es gibt viele Wendungen und Irrungen, die sich zwar auch aufklären, aber den Leser zwischendurch sehr verwirren können und an Absurdität kaum zu übertreffen sind. Immer wieder fragt man sich, wie die vielen einzelnen Handlungsstränge, die scheinbar zusammenhangslos zusammengewürfelt sind, zueinander passen und was eigentlich hinter all dem Wirrwarr steckt.
    Die Charaktere sind genauso abgedreht wie die Geschichte und die Handlungen selbst. Besonders der Mann ohne Gedächnis - im weiteren Verlauf wird ihm der Name Carl gegeben - gerät in einen riesigen Komplott hinein und erlebt viele gefährliche, abenteuerliche und besonders total bescheuerte Dinge, ohne dass er das Geschehen selbst steuern oder ansatzweise beeinflussen kann. Auch die Amerikanerin Helen wirkt anfangs sehr klischeehaft, doch verbirgt sich weitaus mehr hinter ihrer Fassade.
    Es ist eine wunderbare Reise in die Vergangenheit, die vor Ironie, Witz und Skurilität nur so sprüht. Man wird immer tiefer in den Bann der Figuren und ihrer Schicksale gezogen, dass man irgendwann nicht mehr aufhören kann zu lesen. Mit jeder Seite erscheint die Geschichte verworrener, unglaubwürdiger und bescheuerter, doch man kann nicht aufhören, denn sie ist auch ungeheuer komisch und fesselnd.
    Zu der einzigartigen Handlung kommt auch noch der wunderbar unkonventionelle, leicht ironische und unbeschwerte Schreibstil, der mich auch schon bei seinem Buch "Tschick" so begeistert hat.
    Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Der Anfang ist zugegeben nicht ganz einfach und ich hatte mit den ersten Seiten meine Probleme, weil man die verschiedenen Handlungen und Personen nur schwer in einen Zusammenhang bringen kann und alles sehr absurd wirk. Doch wenn man sich in das Buch "eingelesen" hat ist es wunderbar. Ich musste immer wieder sehr lachen und staunen über die verrückten Einfälle des Autors. Man wird mit "Sand" auf eine abenteuerliche Reise mitgenommen, die man nicht so schnell wieder vergisst. Wer sein Buch "Tschick" gelesen hat und es genauso liebt wie ich (also sehr!), sollte dieses auch auf jeden Fall lesen, denn es ebenfalls genial.
    Lasst euch verzaubern und genießt es!

    Kommentare: 1
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    loveisfriendships avatar
    loveisfriendshipvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Atemlos erzählt, genial verstrickt. Ein Meisterwerk!
    Die Antworten im Sand verborgen

    Die Antworten im Sand verborgen

    Sand
    handelt von der Suche eines Mannes nach seiner Identität und handelt noch von so viel mehr.

    Während in München Palästinenser des „Schwarzen September“ das olympische Dorf überfallen, geschehen in der Sahara mysteriöse Dinge. In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen ermordet, ein Geldkoffer verschwindet, und ein unterbelichteter Kommissar versucht sich an der Aufklärung des Falles. Ein verwirrter Atomspion, eine platinblonde Amerikanerin, ein Mann ohne Gedächtnis – Nordafrika 1972.

    Wie meine Überschrift schon erahnen lässt, ist die Geschichte nicht leicht zu durchschauen – aber sie ist zu durchschauen. Die Handlung fordert eine gewisse Aufmerksamkeit und Genauigkeit beim Lesen, da der Autor nicht erklärt „Das ist jetzt so und so“, sondern der Leser die einzelnen Hinweise selbst zusammenfügen und kombinieren muss. Alle Antworten sind vorhanden. Also nicht verzweifeln, wenn einem die Geschichte während des Lesens undurchsichtig, unübersichtlich, wirr und verwirrend vorkommt – sondern möglicherweise einige Passagen erneut und konzentriert lesen.

    Weiterhin schreibt Wolfgang Herrndorf genial. Er hat ein Gespür für Wendungen und Pointen. Sein Erzähltalent ist enorm und er hat mit Sand eine hervorragende Mischung geschaffen – skurril, intelligent geschrieben, tragikomisch – aber auch bitterböse. Besonders am Ende ist das Buch heftig, drastisch und brutal, weshalb ich es nicht uneingeschränkt empfehlen würde, denn wer Tschick mag, mag nicht automatisch diesen Roman. Sand handelt neben der Bosheit der Menschen auch von der Dummheit dieser. Diverse Verwirrungen, Missverständnisse, Verwechslungen und Fehleinschätzungen der agierenden Personen treiben diesen turbulenten Roman voran.

    Fazit: Sand ist ein Meisterwerk – atemlos erzählt, genial verstrickt.
    Wolfgang Herrndorf hat mich nach Tschick erneut überzeugt und hat gezeigt, dass er in den unterschiedlichsten Genres – Jugendbuch, Road-Movie, Agententhriller und Abenteuerroman – mehr als nur bewandert ist.

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    P
    parolesvor 5 Jahren
    Sound and Fury

    Ich habe das Buch auch mit ambivalenten Gefühlen gelesen: Einerseits der Sog, der durch die verrätselnde Konstruktion entsteht, das sich mit Fortschreiten der Erzählung immer dichter knüpfende Netz von Bezügen, die Kommentarfunktion der Überschriften und Zitate, das Verstehen von rückwärts. Großartig. Andererseits Kälte, Menschenverachtung, Gewalt in postkolonialen Gesellschaften und in den Beziehungen zwischen den Protagonisten, Ausgeliefertsein an den Zufall, Verweigerung von Identifikation und Rettung - für mich oft schwer auszuhalten. Aber wahnsinnig gut geschrieben und konstruiert, nicht zuletzt das Burleske, Slapstickhafte. Viel genauer und treffender hat das Michael Maar in seinem Text "'Er hat's mir gestanden' - Überlegungen zu WHs Sand" in der Zeitschrift 'Merkur' analysiert. Empfehle ich allen, die keinen Zugang zum Roman gefunden haben. 
    http://www.merkur-blog.de/2013/08/zum-tod-von-wolfgang-herrndorf/

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    chulabohnes avatar
    chulabohnevor 5 Jahren
    Rezension zu "Sand" von Wolfgang Herrndorf

    Ich weiß nicht genau, was ich von dem Buch halten soll. Am Anfang hat es mich eher gelangweilt, ab dem "2. Buch" wurde es dann richtig gut und spannend und am Ende saß ich da, mit dem Gedanken "Aha?". Ich habe das Gefühl, die Botschaft dieses Buches ist keine und dass das genau die Absicht des Buches war, das zu vermitteln. Das hört sich verwirrend an, aber jetzt nach dem Tod von Wolfgang Herrndorf kann ich nicht aufhören zu denken, dass das Buch und die Botschaft dahinter ein Teil des Autors ist und seine Krankheit widerspiegelt/e.
    Das ist kein "einfacher" Roman zu lesen, man muss viel mitdenken, zurückblättern, Theorien aufstellen.
    Denn "Carl", die Hauptperson des Romans, hat ihr Gedächtnis verloren. Wer ist "Carl" wirklich? Wer aufmerksam liest, wird es erfahren. Es gibt viele komische Zufälle in diesem Buch, die es aber wirklich lesenswert machen. Wer hier aber was locker-flockig-lustiges wie "tschick" sucht, ist fehl am Platz. "Sand" ist ganz, ganz anders.

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    Leseratte87s avatar
    Leseratte87vor 5 Jahren
    Der Sand der Sahara

    Nordafrika, 1972. Wir befinden uns in der Sahara, genauer in einer kleinen Oase namens Targat. Dort tummeln sich einige mysteriöse Charaktere, wie Polidorio, der sich als Polizist von Frankreich in die Oase versetzen lies und diese Entscheidung seitdem bereut. Der sich während der "Nacht der Akten" einen sinnfreien Ausweis ausstellte, der ihn als Mitglied des Tugendkommitees identifizierte. Oder Edgar Fowler III und Jean Bekurtz, die an diesem Ort eine Komune gründen, die sich selbst finanzieren soll. Und dann ist da noch Helen, die gutaussehnde Amerikanerin, die sich als Kosmetikvertreterin ausgibt, die aber viel mehr zu sein scheint. Und mittendrin Carl, der eines Tages ohne Erinnerung in einer Scheune erwacht, verfolgt wird, und seitdem mehr über seine Identität herauszufinden sucht. Und dazwischen jede Menge mehr seltsame, zum Teil skurile Personen.
    Der Roman besteht aus fünf Büchern. Im ersten werden die Charaktere vorgestellt. Und schon da saß ich mitunter da und überlegt mir, was das alles soll. Man weiß noch so überhaupt nicht, wohin Herrndorf mit all dem will. Und auch später fragte ich mich das immer wieder. Trotzdem zog das Buch mich in seinen Bann, weil es einfach unglaublich gut erzählt ist. Man fiebert mit Carl mit und ist erpicht darauf zu erfahren, was es nun mit ihm auf sich hat und warum er in der Wüste ist. Mitunter sind die Geschehnisse so seltsam und skuril, das man einfach nur lachen kann. Wer sich darauf einlässt, erwartet eine unterhaltsame Lektüre bis zur letzten Seite. 

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Peter7Ls avatar
    Hallo zusammen, der Lieblingstyp und ich wollen gemeinsam das neue Buch von Wolfgang Herrndorf lesen und suchen noch Mitleser, damit die Runde noch größer, bunter und vielschichtiger wird. Nachdem mir "Tschick" so gut gefallen hat und insgesamt ein großer Erfolg wurde, bin ich gespannt, was mich bei Sand erwartet. Das Thema scheint zumindest ein ganz anderes zu sein, aber hoffentlich ist der Witz mit ins neue Buch übernommen worden. Noch kurz zur Info: Lieblingsstyp und ich sind neu hier bei Lovelybooks, falls wir also irgendetwas editieren, anpassen, ändern oder erweitern sollen, würden wir uns über einen Hinweis freuen.
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    Pressestimmen

    Nach wie vor ist hier ein gewitzter und universal belesener Artist am Werk, der auf seinem Hochseil mit Gewalt, Tod, Verderben und Vergessen jongliert und die Nichtigkeit der menschlichen Existenz als großes Kunststück aufführt.

    Ebenso rätselhaft wie bewegend.

    Was immer der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf vorlegt, nie duldet es einen Zweifel, dass hier einer der einfallsreichsten und stilsichersten Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur am Werk ist.

    Herrndorf verfügt über einen ganz ungewöhnlichen Ton, der das Höchste mit dem Alltäglichen, Selbstverständlichen mischt, ohne dass es je wie Komplexitäts-Bastelei aussähe.

    In 'Sand' sieht man, was für ein großartiger, lapidar-berührender Autor er ist. Es ist ein lächelnder, freundlicher, sehr sympathischer Nihilismus, der aus seinen Sätzen spricht.

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