Wolfgang Koeppen Der Tod in Rom

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Inhaltsangabe zu „Der Tod in Rom“ von Wolfgang Koeppen

Der Tod in Rom, aus der Distanz eines ironischen Geistes und zugleich mit der ganzen Kraft des Moralisten geschrieben, ist die Geschichte einer Handvoll Menschen, die nach dein Krieg in Rom zusammentreffen: Opfer, Täter, Vorbereiter und Nachgeborene des Schreckens. Wolfgang Koeppen beschreibt in diesem Zeitroman die verborgenen Krankheiten der deutschen Seele: ein Werk voll beklemmender, faszinierender und befreiender Lebenseinsichten.

Das Ende des Buches ist überraschend, aber erstaunlich stimmig. Am Anfang habe ich mich mit dem Buch schwer getan, aber das hat sich gelegt!

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  • Unterwegs im Rom der Nachkriegszeit ...

    Der Tod in Rom
    Emotionen

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    29. December 2016 um 21:19

    "Der Tod in Rom" wurde von Wolfgang Koeppen geschrieben in Anlehnung an die berühmte Novelle "Der Tod in Venedig" von Thomas Mann. Wir haben dieses Buch heuer im Abschlussklassenjahr im Fach Deutsch gelesen.HandlungIm Rom der Nachkriegszeit treffen ganz unterschiedliche Personen zusammen, die alle durch einen komplizierten Stammbaum oder ein Netzwerk miteinander verbunden sind. Täter und Opfer des Nationalsozialismus, Ex-Nazis und bekennende Immer-Noch-Nazis. Priester. Waffenhändler. Touristen. Musiker samt Orchester, Komponisten und Dirigenten. Dabei haben die Personen alles ihr eigenes Päckchen zu tragen. Einige gehen ihrem normalen Alltag nach, machen Urlaub, wieder andere versuchen ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen, sehnen sich nach Vergebung oder wiederkehrender Macht. Interessant wird es, als sich die verschwinden Familien begegnen. Die konträren Ansichten von Vater und Sohn zeigen auf, dass das nationalsozialistische Gedankengut immer noch in den Herzen der Menschen ist. Sehr interessante Handlung, die am Ende in einer besonderen Szene gipfelt.Schuld ist ein großes Thema des Romans - persönliche Schuld, Kollektivschuld, die Suche nach Vergebung ...CharaktereZwei Charaktere aus dem Buch sind besonders interessant - ich vermute mal genau deshalb mussten wir auch eine Deutsch Schularbeit über sie schreiben :DDas wäre einmal der Komponist Siegfried, der seine negativen Erfahrungen, die er als Kind in einem Erziehungsheim der Nazis machen musste, durch seine Musik verarbeitet, die dann verstörend und unheimlich ist. Außerdem hat er mit seiner Homosexualität zu kämpfen, die er als etwas Schlechtes und Falsches empfindet.Dann haben wir den jungen Geistlichen Adolf, den Cousin Siegfrieds. Sein Vater war ein hohes Tier im Dritten Reich und lebt im Geiste immer noch nach der damaligen Ideologie, während er nun als Waffenhändler im Nahen Osten tätig ist. Sein Sohn, der ebenfalls in einem Nazi-Erziehungslager war, findet seinen einzigen Halt und Trost in der Religion, er ersetzt eine Ideologie durch eine andere.Andere interessante Charaktere sind natürlich auch Adolfs Vater Judejahn, der seine kranken Fantasien dem Leser sehr anschaulich schildert. Sein Bruder, Adolfs Vater ist ein Ex-Nazi, der sich aber nicht wirklich schuldig fühlt (im Sinne von "die Zeiten waren halt so" und mit der Vergangenheit abgeschlossen hat - solange bis er auf Ilse Kürenberg, die Frau des Dirigenten (Siegfrieds Kollegen) trifft, die eine Jüdin ist und deren Vater und der Gewaltherrschaft Hitlers zu Tode gekommen ist.Ihr seht, es sind viele Charaktere, aber Koeppen schafft eine einzigartige Verbindung zwischen ihnen allen!SchreibstilDer Schreibstil ist sehr interessant. Koeppen schafft es, sich perfekt den verschiedenen Charakteren anzupassen. Siegfrieds Sicht der Dinge wird aus der Ich-Perspektive geschildert, die restlichen Charaktere werden aus einer neutralen Perspektive beleuchtet. Dabei erkennt man schon an der Wortwahl ob Judejahn (der ganz passend "Gottlieb" mit Vornamen heißt - seht den Sarkasmus) oder Siegfried spricht. Siegfrieds Sätze sind teilweise sehr langatmig und man muss sich beim Lesen konzentrieren. Durch die vielen Personen kann zusätzliche Verwirrung entstehen.FazitEin spannendes Buch, allerdings war ich froh, es im Unterricht gelesen zu haben, wo mir jemand die Personenkonstellation und die Handlung genauer erklären konnte. Wer nicht an Klassiker gewöhnt ist, wird sich anfangs schwer mit der Lektüre tun, denn das Buch ist nicht ganz einfach zu verstehen. Wer aber am Europa der 50er Jahre und der Nachkriegszeit interessiert ist, der kann sich dieses Buch auf jeden Fall zu Gemüte führen. Teilweise war es mir zu kompliziert, daher einen Stern Abzug, aber nichtsdestotrotz handelt es sich um ein großes Buch!

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  • Eine Erzählung des Scheiterns

    Tauben im Gras
    Kopf-Kino

    Kopf-Kino

    20. June 2016 um 18:35

    Flieger waren über der Stadt, unheilkündende Vögel. Der Lärm der Motoren war Donner, war Hagel, war Sturm. Sturm, Hagel und Donner, täglich und nächtlich, Anflug und Abflug, Übungen des Todes, ein hohles Getöse, ein Beben, ein Erinnern in den Ruinen. Noch waren die Bombenschächte der Flugzeuge leer. Die Auguren lächelten, Niemand blickte zum Himmel auf. Meine Rezension bezieht sich auf die unkommentierte Suhrkamp-Ausgabe, ISBN 978-3-518-37101-5 1951, irgendwo in Deutschland [vermutlich München?]: Die Zerstörungen, die der zweite Weltkrieg mit sich brachte, belasten nach wie vor den Wiederaufbau: Armut, Isolation und Existenzängste bestimmen den Alltag. Im Verlauf eines einzigen Tages begleitet der Leser nahezu 30 Personen innerhalb der hektischen Dynamik und Anonymität der Großstadt; die meisten jedoch bleiben Nebenfiguren und dienen eher dazu, als Bindungsglied zwischen sieben, weitaus tiefer entwickelten Figuren, deren Denkweise direkt erlebt werden kann, zu fungieren. Obgleich der Roman keinesfalls handlungsarm ist, fällt mir eine Zusammenfassung sehr schwer, da die Gedanken der einzelnen Personen mehr Gewichtung haben und sich schließlich in Begegnungen mit anderen und im Umgang miteinander äußern. So lernt der Leser die unterschiedlichsten Charaktere aus diversen Milieus, wie bspw. den frustrierten Schriftsteller Philipp oder Washington Price, einen amerikanischen schwarzen Soldaten, kennen. Im Vergleich zu anderen Nachkriegsbüchern fokussiert Koeppen die Gegenwarts- und nicht die Vergangenheitsbewältigung der Menschen und schildert von deren Flucht vor der Realität und/oder deren Wünsche, Zuflucht aus der beklemmenden Agonie zu finden. Schnäpse und Wein und entbehrter Schlaf gärten und gifteten in Alexanders Blut; sie klopfte ihm von innen den Schädel. Koeppen vereint in seinem Roman viele Thematiken wie Fremdenhass, Religion (in einem negativen Licht), Mangel an Liebe, Isolation, Beziehungsunfähigkeit, Hoffnungslosigkeit, Abtreibung, Realitätsflucht usw - allem voran das Chaos, dass die damalige Gesellschaft widerspiegelt. Die Menschen begegnen sich, aber die Beziehungen untereinander scheinen angesichts des Verlustes an Perspektiven und der ständigen Ungewissheit bzgl. der Sicherheit sinnlos geworden sein. Hier ergibt der Titel des Romans Sinn – welchen, muss selbst herausgefunden werden. ;-) Passend zum Chaos wählte Koeppen eine – meiner Meinung nach - beeindruckende und komplexe Struktur und Erzähltechnik: Die Geschichte weist keinen dauerhaften Erzähler auf, sondern besteht aus zig kleinen Abschnitten, in der jede Szene durch die Augen eines anderen Figur gesehen und erlebt wird. Der Leser selbst muss sich immer wieder aufs Neue zurechtfinden und herausfinden, von wem hier die Rede ist. Einzelne, sich wiederholende Merkmale der Figuren erleichtern die Zuordnung oftmals. Mit diesem Kunstgriff versetzt der Autor den Leser in die chaotischen Zustände jener Zeit und gibt ihm (sehr geschickt!) das Gefühl von Orientierungslosigkeit und Verwirrung. Inhalt und Form arbeiten hier Hand und Hand, was mir sehr gut gefiel, aber gewiss nicht jedermanns Geschmack trifft. Die vielen einzelnen Szenen finden zudem beinahe gleichzeitig statt, die Figuren befinden sich zum Beispiel am selben Ort, begegnen sich aber nicht immer bewusst, da sie sich bspw. nicht kennen. Hierbei knüpfen die Szenen aneinander, gewähren einen fließenden Übergang. Da mir die Umschreibung schwerer fällt als gedacht, füge ich hier eine passende Textstelle ein, um dies und ebenfalls die Einführung einer neuen Figur zu verdeutlichen: Vielleicht würde er in dieser Stadt sterben. Eine Nachricht. Eine Notiz in den Abendausgaben. Ein paar Gedenkartikel in London, in Paris, in New York. Dieser schwarze Cadillac war ein Sarg. Nun streiften sie einen Radfahrer >o weh, er schwankt, er hält sich< - Er hielt sich im Gleichgewicht. Er balancierte, strampelte, lenkte das Rad in die freie Lücke, Doktor Behude, Facharzt für Neurologie [….] Diese (für mich zumindest) ungewöhnliche Erzähltechnik erinnerte mich während des Lesens an ein Blitzlichtgewitter, was u.a. von eingestreuten (vermutlich originalgetreuen) Schlagzeilen, die in der Erzählung oftmals aufblitzen und die allgegenwärtige Bedrohung, die politische und somit zwischenmenschliche Spannung noch greifbarer machen. Innerhalb mancher Passagen bedient sich Koeppen außerdem dem Stil des Bewusstseinsstroms, bei dem die Gedanken zunehmend an Grammatik und zusammenhängenden Reihenfolge verlieren. Obgleich das Buch anhand der Fülle an Figuren und der im Vergleich wenigen Seiten vermeintlich wenig Raum zum Charakterisieren bietet, treten einige Figuren (hauptsächlich die oben bereits erwähnten sieben) deutlich hervor. Dies setzt Koeppen u.a. damit um, indem er die Sprachebene passend nutzt: Philipp, der Schriftsteller, bedient sich einer gehobenen Sprache, andere wiederum weisen ein beinahe ordinäres Deutsch auf. Am meisten konnte mich jedoch Koeppens bildhafte Sprache begeistern. Der gesamte Text wirkte auf mich dynamisch und rhythmisch; viele literarische Stilmittel, wie bspw. Inversionen, Parataxe, Wiederholungen, Parallelismus. Die Betrachtungen Koeppens sind sehr direkt und schonungslos - so auch seine Sprache -, die Sätze lang und verschachtelt. Messalina schlief, aufgeschwemmt das Gesicht, die Augentusche verwischt, die Lider wie von Faustschlägen getroffen, die grobporige Haut, ein Droschkenkutscherteint, vom Trunk verwüstet. Vermutlich könnte man noch viel mehr über diese Erzählung sagen; ich belasse es nun dabei und möchte jeden Interessierten ermutigen, diese hervorstechende Lektüre zur Hand zu nehmen. Mich beeindruckte und berührte dieses absolute Gefühl der Ohnmacht, deren einziges Lichtblick sowohl die Kunst als auch die Liebe ist; doch auch diese scheinen in der eisernen Faust des Zeitgeistes gefangen zu sein. Eine endgültige Deutung des Romans überlässt der Autor natürlich dem Leser. Mit Freude stellte ich übrigens fest, dass 'Tauben im Gras' ein Fragment von Koeppens 'Trilogie des Scheiterns', bestehend aus 'Das Treibhaus' und 'Der Tod in Rom', ist.

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    • 8
  • Aufarbeitung

    Der Tod in Rom
    dominona

    dominona

    23. October 2014 um 14:39

    Der letzte Teil aus Koeppens Trilogie gefällt mir wieder besser, weil die Figuren und ihre Emotionen stärker aufeinander bezogen sind. Wiedermal dreht sich alles um Schuld und die Rollen, welche im zweiten Weltkrieg gespielt wurden. Da muss der den Nürnberger Prozessen entkommene und als tot geglaubte Judejahn nicht nur verkraften, dass sein Sohn Adolf zum geistlichen Lager übergewechselt ist, sondern er sieht mit an, wie in Rom das für ihn so typisch Deutsche und damit er selbst dem Untergang geweiht ist. Es geht unter die Haut, zumindest wenn man sich von der sprunghaften, teils ungebundenen Erzählweise nicht aus dem Konzept bringen lässt.

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  • Rezension zu "Der Tod in Rom" von Wolfgang Koeppen

    Der Tod in Rom
    gorezone

    gorezone

    11. July 2007 um 23:15

    Ein merkwürdiges Familientreffen im Rom der frühen 50er Jahre: der junge Siegfried bringt dort seine Zwölftonmusik zur Aufführung, seine Eltern, zwei biedere Nazimitläufer, die es in Deutschland wieder zu Wohlstand und Ansehen gebracht haben, betrachten die Vorstellung mit einer Mischung aus Abscheu und Stolz, Siegfrieds Neffe Adolf lässt sich derweil im römischen Priesterseminar zum katholischen Geistlichen ausbilden. Aber alle diese Figuren bleiben verhältnismäßig blass im Vergleich zu Siegfrieds Onkel Judejahn, einer grotesken Karikatur, die alle Schrecken der Naziherrschaft personifizieren soll. Der ehemalige SS-General Judejahn ist gewalttätig, grausam und geil, zugleich aber zutiefst neurotisch und dabei ängstlich wie ein kleiner Junge. Die Konstellation ergibt also eine hochexplosive Mischung, die zwei der Figuren am Ende nicht überlegen. Koeppen schildert die Geschichte in langen Satzkaskaden und rauschhaften Assoziationen. Großartig.

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