Wolfgang Koeppen Tauben im Gras

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Inhaltsangabe zu „Tauben im Gras“ von Wolfgang Koeppen

In nur drei Monaten schrieb Wolfgang Koeppen den Roman „Tauben im Gras“. In mehr als hundert kurzen und längeren Abschnitten fängt Wolfgang Koeppen aus unterschiedlichen Perspektiven wie mit einer Kamera Szenen ein, die sich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg an einem einzigen Tag in einer deutschen Stadt abspielen. (Quelle:'Fester Einband/10.06.2008')

Das schrecklichste Buch, das ich je gelesen habe.

— Paulikeks

Ehrlicher und authentischer als vieles von Böll, Grass, Lenz. Keine leichte Lektüre, aber einiges liest sich (wieder) seltsam aktuell

— Joachim_Tiele

furchtbar....

— bebluemchen

Sehr spannend und gut geschrieben. Thematik regt zum Nachdenken an

— Chuchuua

Mutet ziemlich wirr und abgehackt an, doch je intensiver man sich damit beschäftigt, desto besser wird es. Koeppen sieht seine Zeit klar.

— loveisfriendship

schreckliche Schullektüre!

— _Lotusblume_

Ein absoluter Schülerschreck, aber mit historischem Hintergrundwissen durchaus zu verstehen und gernzuhaben!

— Anna-Karenina

Langatmig und leider gar nicht packend.

— DerNoir

Ich hatte noch nie solche Probleme ein Buch zu lesen. Da gab es nur ein bis zwei schöne Momente. Der Schreibstil war gar nicht mein.

— BooksOwl8

Besonderer Schreibstil ♥

— HeavensBlog

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    Tauben im Gras

    Paulikeks

    08. October 2017 um 18:55

    Klappentext: "Für das allerwichtigste Buch von Koeppen halte ich den herrlichen Roman Tauben im Gras, veröffentlicht 1951 und nach wie vor viel zuwenig bekannt. Wer diesen Roman nicht gelesen hat, der solle nicht glauben, er kenne die deutsche Literatur 1945" Marcel Reich-Ranicki Cover Ich glaube ich bin nicht die einzige, die das Cover einfach nur schrecklich findet. Der Mann vorne drauf ist eventuell der Autor, wer weiß das schon, aber jedes Mal wenn ich das Bild gesehen habe ist meine Motivation auf einen absoluten Tiefpunkt gesunken. Mit dem Inhalt hat es überhaupt nichts zu tun und es ist total veraltet. Inhalt Der Klappentext sagt nichts aus, es könnte sich um alles handeln. In diesem Buch geht es um 30 Personen mit unterschiedlichen Hintergrundgeschichten, aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und verschiedenen Ländern. Sie alle befinden sich in einer deutschen Großstadt und haben dort fast dieselben Probleme. Die Figuren werden geplagt von dem Wirklichkeitsverlust, Depressionen, Ziellosigkeit und Anonymität. Beispielsweise um eine Ehefrau, welche darunter leidet in armen Verhältnissen leben zu müssen, da ihr Ehemann kein Geld verdient, weil er an einer Schreibblockade leidet. Jemand anderes ist zusammen mit einem Schwarzen, was zu dieser Zeit nur ungern gesehen wird, da die Gesellschaft von Rassismus und Vorurteilen geprägt ist. Sie erwartet ein Kind von ihm, weshalb ihre Mutter nichs mehr mit ihr zu tun haben möchte und ihren Kummer in Alkohol ertränkt, was sehr viele machen. So könnte ich nun noch hunderte Wörter über den Inhalt verlieren, mache ich aber nicht, weil es schlichtweg öde und eintönig ist. Meine Meinung Dieses Buch war die schlimmste Schullektüre, die ich je lesen musste. Die Charaktere hatten alle dieselben Probleme, sie sind alle auf eine Art und Weise gleich. Gleich nervtötend, gleich passiv, gleich stolz. Sie jammern dauerhaft über ihre Probleme, tun aber überhaupt nichts um das zu ändern. Dann sollen sie sich nicht beschweren! Zudem sind die meisten vollkommen unrealistisch. Die meisten besitzen nur eine einzige Eigenschaft auf die sie reduziert werden und diese wird auf die verdrehteste und seltsamste Art dargestellt und ausgelebt, die ich je gesehen habe. Als nächstes ist die gesamte Geschichte langweilig. Es passiert nicht besonders viel, immerhin werden nur 18 Stunden eines Tages beschrieben. So viel kann gar nicht passieren, es sterben nämlich sechs Menschen durch Mord und Totschlag. In einer einzigen Stadt. Aber selbst die Morde sind langweilig und das gibt es wohl sehr selten. Der Höhepunkt, der Roman hört einfach auf. Es gibt kein Ende. Als würde man mitten im Satz stoppen und nichts mehr sagen. Und zum Schluss der grauenvolle Schreibstil. Abgehackt, bestehend aus Aufzählungen oder aus Sätzen, die eine halbe Seite lang sind und wirr und vollkommen unverständlich. Das einzige, minimale positive ist, dass es interessant ist einen Tag aus diversen Perspektiven zu erleben. Punkt. Mehr ist da nicht. Kurz gesagt: Ich hasse dieses Buch. So sehr habe ich noch nie gelitten. Kurze Übersicht + Ein Tag aus diversen Perspektiven - Charaktere alle gleich - Charaktere unrealistisch - Hintergrundgeschichten langweilig und eintönig - Schreibstil sehr anstrengend, kompliziert und schwer - kein richtiges Ende Fazit Dieses Buch war die reinste Hölle, ich musste es lesen, da es für die Schule war. Grausamerweise ist es der Auftakt einer Trilogie, aber ganz bestimmt werde ich nicht weiterlesen. Das Buch bekommt 1/5 Sternen, einen gut gemeinten einen Stern. Dieses Buch wird nach meinem Abitur augenblicklich verbrannt.

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  • Der "Urgrund unseres Heute" - die Fünfziger ohne Pettycoat und Elvistolle

    Tauben im Gras

    Joachim_Tiele

    Ein Buch aus dem Jahr 1951, das noch heute gelesen und rezensiert wird und nach wie vor polarisiert - wie toll! Dennoch möchte ich mich eher nicht (direkt) in die Debatte zwischen Befürwortern und Hassern einklinken. Insbesondere denjenigen, die in der Schule unter der Lektüre leiden mussten, ist nur schwer zu widersprechen (ich finde es immer wieder schrecklich, hier bei LB zu lesen, wie es Deutschlehrern gelungen ist, ihren Schülern gute Literatur für den Rest ihres Lebens zu verleiden). Also von mir keine Rezension, die kämpferisch für das Buch oder sein Wiederlesen wirbt. Statt dessen zwei etwas ausführlichere Zitate: Das Buch wurde kurz nach der Währungsreform geschrieben, als das deutsche Wirtschaftswunder im Westen aufging. Es war die Zeit, in der die neuen Reichen sich noch unsicher fühlten, in der die Schwarzmarktgewinner nach Anlagen suchten und die Sparer den Krieg bezahlten. Die neuen deutschen Geldscheine sahen wie gute Dollars aus, aber man traute doch mehr den Sachwerten, und viel Bedarf war nachzuholen, der Bauch war endlich zu füllen, der Kopf war von Hunger und Bombenknall noch etwas wirr, und alle Sinne suchten Lust, bevor vielleicht der dritte Weltkrieg kam. Diese Zeit, den Urgrund unseres Heute, habe ich geschildert. (Aus dem Vorwort zur 2. Auflage 1952) Öl aus den Adern der Erde, Steinöl, Quallenblut, Fett der Saurier, Panzer der Echsen, das Grün der Farnwälder, die Riesenschachtelhalme, versunkene Natur, Zeit vor dem Menschen, vergrabenes Erbe, von Zwergen bewacht, ehrgeizig, zauberkundig und böse, die Sagen, die Märchen, der Teufelsschatz: er wurde ans Licht geholt, er wurde dienstbar gemacht. Was schrieben die Zeitungen? Krieg um Öl, Verschärfung im Konflikt, der Volkswille, das Öl den Eingeborenen, die Flotte ohne Öl, Anschlag auf die Pipeline, Truppen schützen Bohrtürme, Schah heiratet, Intrigen um den Pfauenthron, die Russen im Hintergrund, Flugzeugträger im Persischen Golf. Das Öl hielt die Flieger am Himmel, es hielt die Presse in Atem [...] (Der Beginn des zweiten Absatzes) Die fünfziger Jahre des Zwanzigsten Jahrhunderts finden immer wieder mal ein Revival, in der Literatur, im Feuilleton oder in der Mode. Pettycoat und Elvistolle, Kleider mit bunten Punkten und vielleicht noch Soraya, die damalige Ehefrau des im Zitat genannten Schahs, werden bis heute erinnert (1), das unheilige Weiterwirken alter Nazis in der Adenauer-Republik (2), oder was das deutsche Wirtschaftswunder mit dem Koreakrieg (und der damit verbundene Gefahr eines erneuten Weltkriegs) zu tun hatte (3), eher nicht, das Weiterführen des damals begonnenen internationalen Krieges um das Öl ebensowenig. So weit entfernt ist unser Heute dem des Jahres 1952 nicht, und jede neue nostalgische Verklärung dieser Zeit könnte Gefahr laufen, sie uns auch in ihrem Schrecken noch näher zu bringen. Wem es um ein etwas runderes und nicht nostalgisch verklärtes Bild der Fünfziger geht, der ist bei Tauben im Gras sicherlich richtig. Der Titel? Dem Roman ist ein Zitat von Gertrude Stein vorangestellt - Pigeons on the grass alas. Anschluss finden an die damalige internationale Literatur war sicherlich auch eines der Ziele des Verfassers. Deren Stil mag für manche Jüngere (aber auch möglicherweise außerhalb der Illustrierten- und Genrelektüre ungeübte Leser jeden Alters) eine Hürde darstellen. Diese zu überwinden könnte sich lohnen. Joachim Tiele - 16.08.2016 _________________ (1) Noch ganz akutell in der Zeitschrift Bunte: http://www.bunte.de/royals/royals-weltweit/maerchenkaiserin-soraya-ihr-chauffeur-erbt-ihr-vermoegen-254871.html (2) Zum Beispiel "Adenauer Globke" @Google (3) Zum Beispiel "Wirtschaftswunder Koreakrieg" @Google

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    • 5
  • Leserunde zu "Bühlerhöhe" von Brigitte Glaser

    Bühlerhöhe

    aba

    Atmosphärisch, unterhaltsam und höchstspannend! Mit "Bühlerhöhe" lässt die erfolgreiche Krimautorin Brigitte Glaser die bewegte Nachkriegszeit wieder auferstehen. Deutschland in den 50er Jahren: ein Land, das neu beginnen muss und dem große wirtschaftliche und politische Veränderungen bevorstehen. Mittendrin zwei starke Charaktere mit einer geheimnisvollen Aura, zwei Frauen, die allein mit ihrer Persönlichkeit den Leser faszinieren.Möchtet ihr einen niveauvollen und höchstspannenden Roman lesen, der euch gleichzeitig das Flair der 50er Jahre spüren lässt? Dann ist diese Leserunde genau das Richtige für euch!Zum InhaltRosa Silbermann wird 1952 mit einem geheimen Auftrag in das Nobelhotel Bühlerhöhe geschickt. Die in den 1930ern aus Köln nach Palästina emigrierte Jüdin arbeitet für den israelischen Geheimdienst. Ihre Gegenspielerin ist die misstrauische Hausdame Sophie Reisacher. Die musste 1945 das Elsass verlassen und sucht ihre Chance zum gesellschaftlichen Aufstieg. Beide haben erlebt, was es heißt, wenn ein ganzes Land neu beginnen will. Keine von ihnen vertraut der beschaulichen Landschaft des Schwarzwalds. Und beide wissen von einem geplanten Attentat auf Bundeskanzler Adenauer, wobei jede ihre eigenen Pläne verfolgt. Zwei Frauen in einer Männerwelt, in der es um Macht, Geschäfte und alte Seilschaften geht – und irgendwann um Leben und TodLust auf eine Leseprobe?Zur AutorinBrigitte Glaser, aufgewachsen am Rande des Schwarzwaldes, lebt und arbeitet seit über dreißig Jahren in Köln. Sie schreibt Bücher für Jugendliche und Krimis für Erwachsene, unter anderem ihre Erfolgreiche Krimiserie um die Köchin Katharina Schweitzer.Hintergründe zum Roman und noch viel mehr interessante Informationen könnt ihr im folgenden Bericht erfahren:Möchtet ihr wissen, wie es mit Rosa und Sophie weitergeht?Zusammen mit List verlosen wir 20 Exemplare von "Bühlerhöhe" unter allen, die sich über diese ergreifende Geschichte im Rahmen einer Leserunde austauschen und im Anschluss eine Rezension schreiben möchten. Seid ihr neugierig geworden? Dann bewerbt euch* über den blauen "Jetzt bewerben"-Button bis zum 17.08. Ihr müsst nur auf folgende Frage antworten:Wiederaufbau, Petticoat, Vespa, neues Freiheitsgefühl: Das waren die 50er Jahre in Deutschland.Was verbindet ihr mit den 50er Jahren? Welche historischen Ereignisse, welche Mode- oder Musiktrends fallen euch ein, wenn ihr an diese Zeit denkt?Ich bin gespannt auf eure Antworten und wünsche euch viel Glück!* Bitte beachtet auch unsere Richtlinien für Leserunden und Buchverlosungen.

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    • 827
  • Eine Erzählung des Scheiterns

    Tauben im Gras

    Kopf-Kino

    20. June 2016 um 18:35

    Flieger waren über der Stadt, unheilkündende Vögel. Der Lärm der Motoren war Donner, war Hagel, war Sturm. Sturm, Hagel und Donner, täglich und nächtlich, Anflug und Abflug, Übungen des Todes, ein hohles Getöse, ein Beben, ein Erinnern in den Ruinen. Noch waren die Bombenschächte der Flugzeuge leer. Die Auguren lächelten, Niemand blickte zum Himmel auf. Meine Rezension bezieht sich auf die unkommentierte Suhrkamp-Ausgabe, ISBN 978-3-518-37101-5 1951, irgendwo in Deutschland [vermutlich München?]: Die Zerstörungen, die der zweite Weltkrieg mit sich brachte, belasten nach wie vor den Wiederaufbau: Armut, Isolation und Existenzängste bestimmen den Alltag. Im Verlauf eines einzigen Tages begleitet der Leser nahezu 30 Personen innerhalb der hektischen Dynamik und Anonymität der Großstadt; die meisten jedoch bleiben Nebenfiguren und dienen eher dazu, als Bindungsglied zwischen sieben, weitaus tiefer entwickelten Figuren, deren Denkweise direkt erlebt werden kann, zu fungieren. Obgleich der Roman keinesfalls handlungsarm ist, fällt mir eine Zusammenfassung sehr schwer, da die Gedanken der einzelnen Personen mehr Gewichtung haben und sich schließlich in Begegnungen mit anderen und im Umgang miteinander äußern. So lernt der Leser die unterschiedlichsten Charaktere aus diversen Milieus, wie bspw. den frustrierten Schriftsteller Philipp oder Washington Price, einen amerikanischen schwarzen Soldaten, kennen. Im Vergleich zu anderen Nachkriegsbüchern fokussiert Koeppen die Gegenwarts- und nicht die Vergangenheitsbewältigung der Menschen und schildert von deren Flucht vor der Realität und/oder deren Wünsche, Zuflucht aus der beklemmenden Agonie zu finden. Schnäpse und Wein und entbehrter Schlaf gärten und gifteten in Alexanders Blut; sie klopfte ihm von innen den Schädel. Koeppen vereint in seinem Roman viele Thematiken wie Fremdenhass, Religion (in einem negativen Licht), Mangel an Liebe, Isolation, Beziehungsunfähigkeit, Hoffnungslosigkeit, Abtreibung, Realitätsflucht usw - allem voran das Chaos, dass die damalige Gesellschaft widerspiegelt. Die Menschen begegnen sich, aber die Beziehungen untereinander scheinen angesichts des Verlustes an Perspektiven und der ständigen Ungewissheit bzgl. der Sicherheit sinnlos geworden sein. Hier ergibt der Titel des Romans Sinn – welchen, muss selbst herausgefunden werden. ;-) Passend zum Chaos wählte Koeppen eine – meiner Meinung nach - beeindruckende und komplexe Struktur und Erzähltechnik: Die Geschichte weist keinen dauerhaften Erzähler auf, sondern besteht aus zig kleinen Abschnitten, in der jede Szene durch die Augen eines anderen Figur gesehen und erlebt wird. Der Leser selbst muss sich immer wieder aufs Neue zurechtfinden und herausfinden, von wem hier die Rede ist. Einzelne, sich wiederholende Merkmale der Figuren erleichtern die Zuordnung oftmals. Mit diesem Kunstgriff versetzt der Autor den Leser in die chaotischen Zustände jener Zeit und gibt ihm (sehr geschickt!) das Gefühl von Orientierungslosigkeit und Verwirrung. Inhalt und Form arbeiten hier Hand und Hand, was mir sehr gut gefiel, aber gewiss nicht jedermanns Geschmack trifft. Die vielen einzelnen Szenen finden zudem beinahe gleichzeitig statt, die Figuren befinden sich zum Beispiel am selben Ort, begegnen sich aber nicht immer bewusst, da sie sich bspw. nicht kennen. Hierbei knüpfen die Szenen aneinander, gewähren einen fließenden Übergang. Da mir die Umschreibung schwerer fällt als gedacht, füge ich hier eine passende Textstelle ein, um dies und ebenfalls die Einführung einer neuen Figur zu verdeutlichen: Vielleicht würde er in dieser Stadt sterben. Eine Nachricht. Eine Notiz in den Abendausgaben. Ein paar Gedenkartikel in London, in Paris, in New York. Dieser schwarze Cadillac war ein Sarg. Nun streiften sie einen Radfahrer >o weh, er schwankt, er hält sich< - Er hielt sich im Gleichgewicht. Er balancierte, strampelte, lenkte das Rad in die freie Lücke, Doktor Behude, Facharzt für Neurologie [….] Diese (für mich zumindest) ungewöhnliche Erzähltechnik erinnerte mich während des Lesens an ein Blitzlichtgewitter, was u.a. von eingestreuten (vermutlich originalgetreuen) Schlagzeilen, die in der Erzählung oftmals aufblitzen und die allgegenwärtige Bedrohung, die politische und somit zwischenmenschliche Spannung noch greifbarer machen. Innerhalb mancher Passagen bedient sich Koeppen außerdem dem Stil des Bewusstseinsstroms, bei dem die Gedanken zunehmend an Grammatik und zusammenhängenden Reihenfolge verlieren. Obgleich das Buch anhand der Fülle an Figuren und der im Vergleich wenigen Seiten vermeintlich wenig Raum zum Charakterisieren bietet, treten einige Figuren (hauptsächlich die oben bereits erwähnten sieben) deutlich hervor. Dies setzt Koeppen u.a. damit um, indem er die Sprachebene passend nutzt: Philipp, der Schriftsteller, bedient sich einer gehobenen Sprache, andere wiederum weisen ein beinahe ordinäres Deutsch auf. Am meisten konnte mich jedoch Koeppens bildhafte Sprache begeistern. Der gesamte Text wirkte auf mich dynamisch und rhythmisch; viele literarische Stilmittel, wie bspw. Inversionen, Parataxe, Wiederholungen, Parallelismus. Die Betrachtungen Koeppens sind sehr direkt und schonungslos - so auch seine Sprache -, die Sätze lang und verschachtelt. Messalina schlief, aufgeschwemmt das Gesicht, die Augentusche verwischt, die Lider wie von Faustschlägen getroffen, die grobporige Haut, ein Droschkenkutscherteint, vom Trunk verwüstet. Vermutlich könnte man noch viel mehr über diese Erzählung sagen; ich belasse es nun dabei und möchte jeden Interessierten ermutigen, diese hervorstechende Lektüre zur Hand zu nehmen. Mich beeindruckte und berührte dieses absolute Gefühl der Ohnmacht, deren einziges Lichtblick sowohl die Kunst als auch die Liebe ist; doch auch diese scheinen in der eisernen Faust des Zeitgeistes gefangen zu sein. Eine endgültige Deutung des Romans überlässt der Autor natürlich dem Leser. Mit Freude stellte ich übrigens fest, dass 'Tauben im Gras' ein Fragment von Koeppens 'Trilogie des Scheiterns', bestehend aus 'Das Treibhaus' und 'Der Tod in Rom', ist.

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    • 8
  • nicht leicht, aber...

    Tauben im Gras

    dominona

    23. October 2014 um 14:28

    Ich muss gestehen, zum Lesen ist mir Koeppen zu wirr, allerdings eignet sich sein Stoff erstaunlicherweise bestens für Hörspiele und plötzlich ergibt alles eine Ordnung und Sinn, wobei ich mir nicht mehr den Kopf zerbrechen muss. Nachkriegsdeutschland und seine Probleme, Besatzungszeit und Entnazifizierung, Deutschland im Spannungsfeld und dazwischen Zukunftsträume, die alle außerhalb Deutschlands führen. Verschiedene Schicksale, die zusammenhängen und eigentlich alle die gleiche Not ertragen müssen, mit der sie noch nicht umgehen können. Kein leichter Stoff, aber ein guter Versuch, man ist gespannt, was noch kommt.

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  • Kaleidoskop der inneren und äußeren Welt

    Tauben im Gras

    Lola1008

    04. March 2014 um 13:02

    Kaleidoskop der inneren und äußeren Welt Der Roman „Tauben im Gras“ wurde 1951 von Wolfgang Koeppen verfasst und war der erste – und bekannteste – Band der „Trilogie des Scheiterns“, zu der noch „Das Treibhaus“ und „Tod in Rom“ gehören. Sie beschäftigen sich mit der Nachkriegszeit in Deutschland. Er analysiert die rückständischen Ideologien und Verhaltensweisen, die zu Faschismus und Krieg geführt haben und fungiert als eine Art kritische Bestandsaufnahme der Nachkriegsjahre. Eine lineare Handlung gibt es nicht. Stattdessen präsentiert Koeppen in seinem Werk die Schicksale von etwa 30 Personen, die in einer Großstadt leben und über verschiedenste soziale Grenzen miteinander verknüpft sind. Sie begegnen sich im Laufe des Tages hier dort und beschreiben die Dinge jeweils aus ihrer eigenen abgeschotteten Welt. Die Geschehnisse finden an einem einzigen Tag in München statt. Meine Meinung: Die Atmosphäre nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland wirkt immer noch bedrohlich, wie alleine schon der Prolog des Romans aufzeigt. Diese Art von Beklemmung und Bedrohung lässt den Leser das ganze Buch über nicht los und versetzt ihn zurück in die damalige Zeit, indem er ihn mit diesen ganzen Empfindungen konfrontiert. Zu Anfang wirkt das Buch unglaublich langweilig, da man sich in Koeppens Schreibstil einfinden muss. Ist der Prolog größtenteils im parataktischen Satzbau gehalten, wechselt der Erzähler schon im zweiten Abschnitt in die Hypotaxe, was es dem Leser zuerst schwer macht, den Ausführungen zu folgen. Allein hieran merkt man schon, dass der Erzähler einen ganz besonderen Effekt erzielen will: Der Leser soll sich genauestens auf die Wortwahl, die Handlung konzentrieren. Dadurch wird der Roman nicht einfach ein Buch, das man nebenbei liest, nur, um es hinterher so schnell wie möglich zu vergessen, sondern, man selbst wird Teil des Buches. Man soll sich in die Charaktere hineinversetzen, ihre Lage nachempfinden können. Obwohl es manchmal wirklich schwer ist, den Gedanken Koeppens zu folgen (er hatte ursprünglich die Idee, das Buch im Stil des Bewusstseinsstroms zu schreiben, d.h. keine Punkte einzubauen, sondern einfach den Worten freien Lauf zu lassen), wird das Buch je weiter man liest immer interessanter. Man erkennt die Verknüpfungen der einzelnen Personen untereinander und beginnt langsam, auch durch verschiedene Symbole die Charaktere zu erkennen. Dies ist bspw. bei dem schwarzen Amerikaner Washington so, der meist in einer blauen Limousine durch die Stadt fährt oder auch bei seinem Landsmann Odysseus, der immer ein Kofferradio bei sich trägt. Dadurch wird es dem Leser auch leichtgemacht, die Personen zuzuordnen. Insgesamt lernt der Leser verschiedene Personen aus den verschiedensten Schichten kennen, die alle mit ihrer gegenwärtigen Situation zu kämpfen haben. Man begegnet Groß und Klein, Jung und Alt, Deutschen und Besatzungssoldaten, die alle auf eine bestimmte Weise mit dem Krieg verbunden oder durch diesen geprägt sind. Phillip ist Schriftsteller, der jedoch kein einziges Wort geschrieben hat und auf das große Schaffen hofft. Er selbst tut jedoch nichts dafür, dass er dies erreichen und Emilia somit eine sichere Zukunft bieten kann. Er liebt Emilia, hat jedoch auch gleichzeitig Angst vor ihr. Phillip ist ein sehr nachdenklicher und verträumter Charakter, was gut zu seinem schriftstellerischen Beruf passt. Er besitzt analytische Fähigkeiten, was seine Sensibilität für Emilias Gefühle zeigt. Diese Eigenschaften besitzt Christopher Callagher nicht, wenn es um seine Frau Henriette geht, deren Eltern deportiert wurden. Henriette ist ein sehr verletzlicher Charakter, die in einem Trauma festhängt und nicht mehr nach Deutschland zurückkehren möchte, wie Christopher es von ihr verlangt. Als eine Art „Therapie“ erzählt sie ihrem Sohn Ezra von den „bösen Deutschen“, was ihr vielleicht bei der Vergangenheitsbewältigung hilft, Ezra jedoch psychisch schadet. Dadurch entwickelt er Kriegsfantasien und träumt sich immer öfter in seine Märchenwelt hinein. Doch nicht nur diese Personen wurden durch den Krieg berührt, sondern auch welche, die aufgrund ihrer Hautfarbe von den Menschen in der Großstadt diskriminiert werden. Washington Price ist schwarzer Amerikaner und wünscht sich eine Welt ohne Rassen und Diskriminierung. Er träumt davon, ein Café in Paris zu eröffnen, in dem niemand unerwünscht ist, eine Utopie zu entwickeln inmitten einer apokalyptischen Dystopie. Obwohl jeder mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen hat, reden die Charaktere nicht darüber sondern tragen den Konflikt mit sich selbst aus. Auch hier gewährt der Erzähler einen Einblick in die Köpfe der Figuren und wechselt nicht nur zwischen der Erzählform, sondern auch zwischen der Erzählsicht um den Leser einen noch besseren Eindruck vermitteln zu können. Durch die zwischenzeitlich eingebundenen Monologe wirkt dies dann so, als würde der Charakter nur mit dem Leser über sein Problem sprechen und nur ihm seine tiefsten Gedanken offenbaren können. Hier wird auch die Anonymität deutlich, die schon im Titel aufgegriffen wird. Auf Seite 171 wird noch einmal deutlich, was genau mit dem Titel gemeint ist: „[…]Die Vögel sind zufällig hier, wir sind zufällig hier, und vielleicht waren auch die Nazis nur zufällig hier, Hitler war ein Zufall, seine Politik war ein grausamer und dummer Zufall, vielleicht ist die Welt ein grausamer und dummer Zufall Gottes, keiner weiß warum wir hier sind, die Vögel werden wieder auffliegen und wir werden weitergehen […]“ Dies kann auch auf die heutige Zeit übertragen werden. Auch wir begegnen ständig Menschen und sind auf irgendeine Art und Weise mit ihnen verstrickt, wissen aber gar nichts davon. Von daher besitzt der Roman schon eine gewisse Aktualität. Fazit: Ein Muss für alle, die sich gerne mit der Nachkriegsliteratur beschäftigen. Mit stilistischen Mitteln überwindet Koeppen das strenge Nacheinander des traditionellen Erzählens und schafft simultane Stränge, die sich überlagern. So wird der Leser in das gleiche Chaos hineingestellt wie die Figuren, ein faszinierender Kunstgriff. Koeppens Gefühl für jede einzelne Geschichte und ihre Fluidum, sowie für die Verknüpfung und Überschneidung der einzelnen Geschichten ist bemerkenswert. Auch wenn seine Fähigkeiten auf dem Gebiet der sprachlichen Verschleierung, ja der Sprachhandhabung allgemein, ihrem Tempo, ihrer Konzentration und Lässigkeit, manchen in eine visuelle und geistige Verzweiflung stürzen mag, so hat diese Sprache trotzdem einen wahren Überfluss an Mitteilungs- und Darstellungsmöglichkeiten, die insbesondere auf der Ebene Erfahrung und Nähe der Personenidentität zum Tragen kommen. Von mir bekommt „Tauben im Gras“ daher 4 von 5 Sternen.

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  • "Tauben im Gras" heute noch relevant? (Rezension)

    Tauben im Gras

    shadowhunter

    06. February 2014 um 19:23

    Der Krieg ist vorbei und die Menschheit sollte erleichtert sein. Doch in seinem Roman „Tauben im Gras“ zeigt Wolfgang Koeppen die Realität: beispielhaft kreiert er Charaktere, die mit Krisen und Konflikten kämpfen und symbolisch für die gesamte angespannte Gesellschaft stehen. Durch seinen wirren Schreibstil, die vielen Perspektivenwechsel und die Montagetechnik vermittelt Koeppen die Ängste und Orientierungslosigkeit dieser Zeit. Nun stellt sich die Frage, ob dieser Nachkriegsroman auch heute noch Bedeutung hat, denn die zeitliche Distanz erschwert die Identifikation mit den aufgezeigten Charakteren und der Gesellschaft. Wir leben nicht in unmittelbarer Kriegsgefahr, sorgen uns nicht um ein gespaltenes Deutschland und zerstörte Städte. Unsere Dämonen sind ganz andere als die von Philipp, der überfordert mit dem Umbruch konfus durch die Stadt irrt oder die von Washington, der von einem Leben ohne eine rassistische Verfolgung mit der Vehemenz dieser Zeit träumt. Jedoch kann man feststellen, dass die Krisen dieser Menschen in ihrer groben Thematik ansatzweise noch immer zu finden sind. Rassismus ist noch immer ein Problem und auch die Kommunikations- und Beziehungsprobleme zwischen Alexander und Messalina lassen sich auf die Gegenwart projizieren, aber nicht vollständig übertragen. Es wirkt, als wollte Koeppen, dass wir gewisse Parallelen erkennen, jedoch nicht ohne Abstand zu dieser Zeit und ihren Menschen zu waren. Wie sollen wir also getrennt durch Zeit und die vorsätzlich vom Autor geschaffene Distanz mitfühlen und aus den Taten der Charaktere lernen? Es wird keine Botschaft vermittelt, nichts, das einen das Leben und die Gesellschaft überdenken lässt. Wenn dieser Roman also keine Auswirkung mehr auf uns hat, ist er dann überhaupt noch relevant? Lohnt es sich, Schüler dieses Werk lesen zu lassen, wenn man weiß, er bietet nur eine dokumentarische Darstellung ohne jeden Appell, ohne jede Lehre, die zum Nachdenken anregt? Meiner Meinung nach ist dies genau falsch. Um klar zu machen, wie die Menschen gefühlt haben, was sie bewegt hat und warum sie handelten wie sie es taten, braucht man eben diese Nähe, die bei Koeppen nicht zugelassen wird. Nicht nur wird das Lesevergnügen geschmälert, sondern das Geschriebene geht auch im kontinuierlichen Strom, der auf uns einstürmt, unter. Denn man behält nur jenes im Gedächtnis, was einen bewegt und das tut dieser Roman leider nicht. Daher sehe ich seine Relevanz auf die rein dokumentarische Ebene begrenzt.

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  • Rezension zu "Tauben im Gras" von Wolfgang Koeppen

    Tauben im Gras

    LightningAres

    31. October 2012 um 13:50

    Autor: Der Roman "Tauben im Gras" erschien 1951 im Scherz und Goverts Verlag und wurde von Wolfgang Koeppen geschrieben. Es handelt sich hierbei um einen Gegenwartsroman der Nachkriegszeit. Koeppen hat auch noch zwei andere Werke zu dieser Epoche geschrieben, aus denen sich die Trilogie des Scheiterns ergibt. Für diese erhielt er 1962 den Georg Büchner Preis, da seine Werke erst sehr spät positive Rückmeldungen ergaben. Danach schrieb er allerdings nur noch Reiseberichte, weil er sich in einer Schreibkrise befand. Inhalt: Koeppen stellt in diesem Roman insbesondere die Gesellschaft der Nachkriegszeit dar, indem er durch verschiedenste Charaktere die vielfältigen Lebensbedingungen der Bevölkerung beschreibt. Außerdem gibt er Einblick in die düstere und eher pessimistisch gesehene Welt der Nachkriegszeit. Sprache: Wolfgang Koeppen hat einen ganz besonderen Schreibstil: Er ist nicht monoton gleichbleibend, sondern sehr abwechlsungsreich, weil er diverse Techniken einsetzt. So wechselt sich beispielsweise die erlebte Rede mit Bewusstseinsströmen ab und ab und an kommentiert Koeppen mithilfe eines auktorialen Erzählers auch selbst. Diese verschiedenen Erzählperspektiven machen den Roman zwar lebhafter, aber es wird für den Leser problematisch, wenn er die einzelnen Perspektiven nicht mehr unterscheiden kann. In dem Fall würde der Leser eventuell das Interesse an dem Roman verlieren, weil als Folge daraus auch die Charaktere schwerer zu durchschauen sind. Allerdings ist es auch wichtig zu erwähnen, dass die Bewusstseinsströme besonders schön geschrieben sind. Dadurch, dass sie so strömend geschrieben sind, gerät der Leser in einen Lesefluss, der ihn zum Weiterlesen zwingt. Sehr schade ist allerdings, dass der Lesefluss bei einem Charakterwechsel sofort abbricht und nicht einmal in geringem Maße aufrecht erhalten wird. Insgesamt ist Koeppens Schreibstil aber sehr flüssig lesbar, was auch an detaillierten Beschreibungen liegt, wodurch er die perfekte Nachkriegsathmosphäre kreiert. Dadurch kann der Leser sich sehr gut in die damalige Welt hineinversetzen, was das Verständnis der Figuren verbessert. Charaktere: Gleichzeitig geht mit den Charakteren aber auch eine gewisse Problematik einher, weil es sehr viele sind und ihre Handlungsstränge sich stark vermischen. Oft hat der Leser Details über die Figuren bereits vergessen, bevor sie wieder erwähnt werden. Es fällt dementsprechend sehr schwer die Charaktere näher kennenzulernen oder sie zu verstehen. Man muss also sehr genau lesen, um auch wirklich die Feinheiten des Romans zu entdecken bzw. zu begreifen. Gut gefällt mir aber, dass die Charaktere alle unterschiedliche Personen der Gesellschaft repräsentieren, weil Koeppen sehr gut erkannt hat, welche Charakterzüge dafür jeweils erforderlich sind. Die Gestaltung dieser eher zweckmäßigen Figuren gelingt ihm also sehr gut. Wenn der Leser allerdings Probleme hat, die Charaktere zuzuordnen und der Handlung zu folgen, erkennt er dies gar nicht, was sehr schade ist. Die schönen Dinge des Romans bemerkt man leider erst, wenn man sehr genau liest und dabei nicht abgelenkt wird. Handlung: Aus der Problematik mit den Charakteren ergibt sich auch eine Problematik für die Handlung: Jeder Charakter hat seinen eigenen Handlunsstrang, den man verfolgen muss, da sie ganz am Ende langsam zusammenlaufen. Wenn man aber Details sofort wieder vergisst, ist dies nicht möglich, sodass die einzelnen Stränge sehr langweilig wirken. Zudem ist nicht immer eine wirkliche Handlung erkennbar, sodass der Leser keinen Sinn im weiterlesen sieht. Man weiß größtenteils überhaupt nicht, was man von dem Buch erwarten soll, und da es keine offenen Fragen gibt, hat der Leser auch kein Bedürfnis weiterzulesen. Dementsprechend gibt es keinerlei Spannung in dem Roman und auch der flüssige Schreibstil kann da nicht mehr viel ausrichten. Nun ist eher das Druchhaltevermögen des Lesers gefragt, und wie genau er liest - denn daraus ergibt sich auch das Interesse an dem Buch. Wenn man sehr genau liest und auf die Details achtet, entdeckt man viele schöne Dinge und wird dadurch zum weiterlesen bewegt. Der Roman ist aufgrund seines Schreibstils durchaus lesenswert, allerdings macht er es dem Leser nicht einfach: Man muss sehr konzentriert und genau lesen, um das Interesse an dem Buch aufrechzuerhalten und wird mit einer großen Zahl an unterschiedlichsten Charakteren konfrontiert. Wenn man aber genauer hinsieht, erkennt man ein leicht pessimistisch angehauchtes Spiegelbild der Gesellschaft der Nachkriegszeit, welches besonders für Leser interessant sein könnte, die keinen direkten Bezug mehr zu dieser Zeit haben.

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  • Rezension zu "Tauben im Gras" von Wolfgang Koeppen

    Tauben im Gras

    PaulTemple

    05. November 2011 um 13:57

    Dieser Roman hat mich stark an Döblins "Berlin Alexanderplatz" erinnert, was wohl in erster Linie an der verwendeten Montagetechnik liegt. Die episodenhaften Darstellungen und Beschreibungen eines "normalen" Tages in einer süddeutschen Stadt 1950 werden immer wieder durch Zeitungsüberschriften und ähnlichem unterbrochen. Es gibt keine richtigen Hauptprotagonisten, sondern anhand mehrere Charaktere, die letztlich doch auf irgendeine Weise miteinander in Berührung kommen, zeichnet Koeppen ein düsteres Bild vom Nachkriegsdeutschland, welches immer noch von teils nationalsozialistischen Denken und rassistischen Ansichten unterhöhlt ist.

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  • Rezension zu "Tauben im Gras" von Wolfgang Koeppen

    Tauben im Gras

    The iron butterfly

    14. May 2011 um 22:06

    Im Gegensatz zu zahlreichen Schülern musste ich Wolfgang Koeppens "Tauben im Gras" nicht lesen, ich habe mir die Lektüre völlig freiwillig ausgesucht. Und ich habe es keineswegs bereut, auch wenn ich "nur" drei Sterne vergebe. Es ist der 20. Februar 1951, vermutlich München, der Leser begleitet Personen aus allen Gesellschaftsschichten und sämtlichen Altersstufen durch diesen einen Tag im Nachkriegsdeutschland. Das mag sich langweilig anhören, ist es jedoch überhaupt nicht, da über den Tag hinweg ein großes Spektrum menschlichen Schicksals von Koeppen aufgezeigt wird. In ihren Gedanken und Handlungen spiegeln sich das Chaos sowie eine völlige Perspektivlosigkeit wider. Jeder ist für sich mit der Gegenwart beschäftigt und sieht in Abstufungen mehr oder weniger Zukunftschancen. Fixpunkt ist der unbekannte Schriftsteller Philipp. Weiterhin seine Frau Emilia, eine ehemals reiche Erbin, mittlerweile mittellos und der Trunkenheit verfallen. Das Schauspielerehepaar Alexander und Messalina, deren Tochter Hillegonda und das Kindermädchen Emmi. Odysseus Cotton, schwarzer Amerikaner, vermutlich ehemaliger Soldat und sein Gepäckträger Josef. Washington Price, ebenfalls schwarzer Amerikaner und Soldat sowie seine Geliebte die schwangere Deutsche Carla und deren Sohn Heinz. Mr. Edwin, ein philosophischer Dichter. Positiv fand ich die Erzählweise, diesen telegrammartigen Gedanken- und Redefluß dieser und unzähliger anderer Personen, den der Autor so geschickt zu verknüpfen wußte, wobei er durch unterschiedliche Stilwechsel die jeweilige Sichtweise und Bildung der Personen darstellt. Da ich total losgelöst lesen durfte, war ich nicht ständig auf der Suche nach Metaphern, An- oder Bedeutungen und glaube nicht allzu viel dabei vernachlässigt oder überlesen zu haben. Ich bin sogar überzeugt, dass Koeppen gar nicht beabsichtigte, seine Leser den Roman sezieren zu lassen, um ihn zu verstehen. Die Stimmung, die er durch dichte Atmosphäre und diese zufällig anmutende Auswahl der Personen erschuf, macht sehr wohl deutlich, in welcher Starre sich die Menschen befunden haben. Die ständige Angst vor neuen kriegerischen Aktivitäten, die Einflüsse der Besatzungsmächte, andauernde Armut, der persönliche Umgang mit dem resistenten Virus Faschismus. Beim Lesen kam mir dieses Stadtgeschehen unheimlich und dicht vor, so als hätte man die Handlung auf eine große dunkle Bühne gepackt und würde impulsiv den Spot weiterziehen lassen, irgendwann verknüpfen sich dann die Handlungen und Gedanken, die Bühne ist hell erleuchtet und man sieht in Gesichter, die pure Sehnsucht zeigen. Sehnsucht nach Zukunft, Gemeinschaft, Anerkennung...und dann schreit einer ins Mikrofon..."Schlaft nicht! Wacht auf! Es ist Zeit!". Washingtons Traum von einem Lokal mit dem Schild "niemand ist unerwünscht" schien in diesem Moment ein Traum zu bleiben.

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  • Rezension zu "Tauben im Gras" von Wolfgang Koeppen

    Tauben im Gras

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    04. April 2011 um 19:19

    Bewundernswert ist, wie viel Koeppen dem Leser zumutet. Beim ersten Lesen empfand ich diese "Zumutung" als totale Überforderung. Und ich denke, dass es vielen so geht. Doch vielleicht sollte man Koeppens Anspruch als Schmeichelei verstehen. Zumindest habe ich es mir im Nachhinein so gedacht. Denn "Tauben im Gras" ist komplex und bis in die letzte Fuge durchdacht, sodass die gesamte Tragweite für den Leser kaum abzuschätzen ist. Definitiv eine Herausforderung an den Leser, wobei ich mir mehrmals gewünscht hätte, wenn Her Koeppen mich das ein oder andere Mal an die Hand genommen hätte, anstatt mir zwei weitere Metaphern und drei Verweise auf die griechische Mythologie vor den Wanst zu knallen. So war "Tauben im Gras" mehr Arbeit, als Vergnügen und drei Sterne sind mir die hohe Qualität seines Schreibens wert, nicht der Umgang mit dem Leser.

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  • Rezension zu "Tauben im Gras" von Wolfgang Koeppen

    Tauben im Gras

    Trinkt-aus-Piraten

    17. March 2011 um 14:37

    Wolfgang Koeppen – Tauben im Gras Als Abiturientin muss ich Wolfgang Koeppens „Tauben im Gras“ im Rahmen des Deutschunterrichts lesen. Nachdem wir den Roman nun ausführlich besprochen haben, möchte ich ihn hier vorstellen. „Tauben im Gras“ beschreibt die Ereignisse eines einzigen Tages zu Beginn der 50er Jahre aus Sicht verschiedenster Personen. Wie man herausgefunden hat, spielt das Ganze in München, das zur amerikanischen Besatzungszone gehörte. Dementsprechend kommen in Koeppens Werk schwarze Soldaten vor und Problemstellungen mit der weißen Bevölkerung Deutschlands werden aufgegriffen. Hauptsächlich, so hat man allerdings den Eindruck, geht es um die Verzweiflung und Niedergeschlagenheit vieler Menschen in der Nachkriegszeit. Dieser Aspekt wird jedenfalls auf Anhieb deutlich und nimmt viel Raum ein. Nach der Lektüre dieses Buches fühlt man sich erst einmal erdrückt von der Gefangenheit der Figuren in ihrer eigenen kleinen Welt. Möchte man etwas Angenehmes und Unterhaltsames lesen – Finger weg von „Tauben im Gras“. Wie eigentlich die meisten Bücher für den Deutschunterricht, regt auch dieses zum Nachdenken an bzw. kommt man gar nicht daran vorbei. Auch wenn viele Werke schwierig zu verstehen sind, finde ich es gut, dass man hier auch einmal etwas anderes kennenlernt als die übliche Unterhaltungsliteratur. In diesem Sinne finde ich es als Deutschbuch sehr geeignet. Es ist auf jeden Fall anspruchsvoll. Allein schon Koeppens Art zu schreiben (abgehackt, verwirrend und voller Bestandteile von Mythen und mit Sequenzen aus anderen Sprachen versehen) ist anspruchsvoll und nicht sofort verständlich. Zu diesem Buch muss man erst einmal einen Zugang finden. Daher würde ich es nur in meiner Freizeit lesen, wenn ich alles Normale satt hätte, was ja durchaus auch mal passieren kann. Man darf nicht erwarten, alles zu verstehen und auch durch das offene Ende bleibt vieles ungeklärt, aber manchmal ist so etwas anregender. Alles in allem empfehle ich diesen Roman für den Unterricht und als Freizeitlektüre nur unter Vorbehalten. Man kann ihn nicht einfach runterlesen und danach vergessen.

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  • Rezension zu "Tauben im Gras" von Wolfgang Koeppen

    Tauben im Gras

    dramelia

    01. February 2011 um 18:13

    Ich muss sagen: Es ist langweilig. Es ist sterbenslangweilig. Ich habe dieses Buch echt als Einschlafhilfe genommen, wenn ich mal nicht einschlafen konnte. Ich bin sogar in der Schule im Unterricht drüber eingenickt... Insgesamt weiß man gar nicht, um wen es sich jetzt hauptsächlich dreht. Generell beschreibt Koeppen einen Tag aus dem Leben mehrere Figuren, die in irgendeinener Beziehung zueinander stehen, beschrieben. Es wird über die Figuren an sich, über Träume und ähnliches geschrieben. Jedoch ist das Buch so dermaßen langweilig gestaltet, dass es nicht wirklich empfehlenswert ist. Der Schreibstil geht gar nicht, es hört sich eher wie einen Aneinanderreihung von Wörtern ohne Zusammenhang an. Koeppens Angeberei in Sachen griechischer Mythologie geht einem mit der Zeit auch auf den Nerv, weil man mehr hinter den Sachen hersuchen muss, als dass man etwas versteht. Zudem versucht Koeppen krampfhaft, sämtliche einzelne Abschnitte sprachlich zu verbinden, dass es wie eines aussieht, aber das passt absolut nicht, weil viele Dinge gar nichts miteinander zu tun haben. Man ist eigentlich nur gelangweilt und/oder verwirrt, aber wirklich Spaß macht das Buch nicht. Daher gibt es von mir auch nur einen Stern. Es spricht mich gar nicht an, obwohl die Gesamtsituation sehr bedrückend war. Aber es kommt nicht so rüber, und so tragisch das alles war, es langweilt einfach nur... es geht überhaupt nicht! Zumindest meiner Meinung nach.

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  • Rezension zu "Tauben im Gras" von Wolfgang Koeppen

    Tauben im Gras

    MeHoneyAndI

    08. December 2010 um 21:58

    Tauben im Gras...Handlung: hmm...etwa 30 Personen erleben den 20.2.1951 in München... sie treffen sich gegenseitig...manchmal auch ohne es zu merken... und dafür braucht Koeppen 227 Seiten... Koeppens Schreibweise ist schrecklich, verwirrend und anstrengend zu lesen, seine Charaktere sind flach und alle irgendwie negativ behaftet es tut mir wirklich leid..aber ich habe es erfolgreich vermieden dieses Buch zu lesen...aber irgendwann musste ich es tun weil ich eine Deutschklausur darüber geschrieben habe... Fazit: als Lektüre in der Schule: schrecklich privat: nur dann empfehlenswert, wenn man nicht so schnell aufgibt

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  • Rezension zu "Tauben im Gras" von Wolfgang Koeppen

    Tauben im Gras

    MarionCAFKA

    05. December 2007 um 12:51

    Wenn man die ersten 200 Seiten geschafft hat, sind die letzten 10 einKlacks. DURCHHALTEVERMÖGEN ist gefragt.
    Besuchenswert ist auf jedenfall das Koeppen-Haus in Greifswald.

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