Wolfgang Korn Von der Lust am Eigensinn

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Inhaltsangabe zu „Von der Lust am Eigensinn“ von Wolfgang Korn

» [...] offen sein, notfalls unbequem« Horst Köhler, Bundespräsident der BRD (2004 – 2010) Bequeme Menschen machen es uns einfach: Wir können sie in den ihnen zugedachten Schubladen des historischen Wertesystems unterbringen. Wie gehen wir jedoch mit historisch unbequemen Persönlichkeiten um, die sich nicht immer ihrem Stand, ihrer Rolle, ihrem Auftrag entsprechend verhalten? Persönlichkeiten wie dem großen Geist Thomas Müntzer, der auf seine Rolle als Agitator der Bauernaufstände im 16. Jahrhundert reduziert wird, oder dem genialen Chemiker und Nobel-Preisträger Fritz Haber, der den Einsatz von Giftgas im Ersten Weltkrieg gegen Widerstand durchsetzte, oder Ulrike Meinhof, bei der sich die Frage stellt, wie ein engagierter und mitfühlender Mensch aus unserer Mitte auf die Bahn des Hasses geraten kann. Die elf Porträts fügen sich zu einer Geschichte großer Missstände, Krisen und historischer Herausforderungen zusammen und beleuchten gleichzeitig kritisch, wie die Mehrheitsgesellschaft auf die herrschenden Verhältnisse reagierte.

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  • Rezension zu "Von der Lust am Eigensinn" von Wolfgang Korn

    Von der Lust am Eigensinn
    HeikeG

    HeikeG

    28. September 2012 um 10:48

    "Ich kenne keine Verfassung, ich kenne nur, was ich will!" (Kaiser Wilhelm der II.) . "Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit ... Ich will kein Heiliger sein, lieber noch ein Hanswurst." Diese treffend gewählten Worte von Friedrich Nietzsche aus seinem "Ecce Homo" stehen dem in weißes Leinen gebundenen Buch voran. Nietzsche, selbst ein eigensinniger Querdenker, wenn auch vielleicht nicht wirklich ein Unbequemer nach Wolfgang Korns Klassifizierung, bringt darin das Thema des kleinen, auch optisch gelungenen Kompendiums, vortrefflich zur Sprache. "Was macht einen Menschen unbequem, was unterscheidet ihn vom Außenseiter, der früh in Vergessenheit gerät, und was führt dazu, dass sein Einfluss auf die Gesellschaft, ja auf Zeitläufe anhält? Dass sich die Leute noch Jahrzehnte später erinnern?", fragt sich der Autor. "Wo beginnt das unverwechselbare Leben eines Individuums, wann stellt das Schicksal seine Weichen?" In 11 Porträts stellt er solch unbequeme Deutsche vor, die sowohl positiv als auch negativ Geschichte schrieben. . Die Persönlichkeiten, die der mehrfach prämierte deutsche Sachbuchautor präsentiert, stellen eine überaus spannende Auswahl durch die Jahrhunderte dar. Durchweg entziehen sie sich gängigen Deutungsmustern und verweigern sich konsequent der allgemein vorherrschenden Erwartungshaltung. In kurzen, 14 bis 18 Seiten langen, gut verständlichen und hochinteressanten Kurzporträts beleuchtet Wolfgang Korn diese sperrigen Vertreter und ihre Zeit. Durch die chronologische Aufbereitung von der Frühen Neuzeit bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts fügt sich das Buch in Gänze zu einer Geschichte großer Missstände, Krisen und historischer Herausforderungen zusammen. Wohltuend hält sich der Autor mit dogmatischen Wertungen zurück, sondern stellt konträre Sichtweisen gegenüber. Auf diese Weise lässt er dem Leser viel Freiraum für eigene Interpretationen, ohne ihm (s)eine bereits vorgefertigte Meinung überzustülpen. Beinahe mühelos und unbemerkt gelingt es ihm dadurch, den Ton seiner Protagonisten mehr oder weniger aufzunehmen. Denn eben jene von ihm Porträtierte, legten gleichfalls keinen Wert darauf, den Wertvorstellungen ihrer Zeit, ihres Milieus oder ihrer Berufsgruppe zu entsprechen. . Die in diesem Band vorgestellten Unbequemen decken ein breites Spektrum ab. Korn versammelt Eigensinnige und Abweichler, Alltagshelden und Usurpatoren nebeneinander. Zu denen, von der Lust am Eigensinn Getriebenen, gehören Herrschergestalten, Oppositionspolitiker, Widerständler, Frauenrechtlerinnen, aber auch Wissenschaftler, ein Theologe und ein Alternativmediziner. Bei der Auswahl wird auch hier nicht nur der Mainstream bedient. Neben solch allseits bekannten Namen wie Rosa Luxemburg, Franz Josef Strauß, Ulrike Meinhof oder Thomas Müntzer befasst sich Korn gleichfalls mit Nonkonformisten mit Eigendreh, deren Namen der Allgemeinheit weniger geläufig sind oder zuweilen völlig in Vergessenheit gerieten. Die deutsch-amerikanische Freiheitskämpferin, Frauenrechtlerin, Schriftstellerin und Schulgründerin Mathilde Franziska Anneke gehört dazu. Aber auch der Erfinder der Homöopathie Samuel Hahnemann, Dissident Fritz Bahro oder der "unauffällige" Widerständler im Nationalsozialismus Fritz Kolbe erfüllen den Status sperrig. Sie alle wirkten auf ihre Art und Weise als geheime Wirkkraft der Gesellschaft, auch ohne publicitywirksam zu sein. Wohltuend darf vermerkt werden, dass der Autor seine Personen nicht auf allgemein gängige Klischees reduziert und diesen bereits mehrfach durchgerührten Brei noch einmal aufkocht, sondern Korn beleuchtet seine Protagonisten in einem weitaus breiteren Spektrum. Ihm gelingt es vortrefflich, dass man nach der Lektüre alle miteinander aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und vielleicht völlig neu "einsortiert". Gerade Ulrike Meinhof scheint hier prädestiniert zu sein. Ihr "engagiertes Leben, das viel zu kurz war, führt vor Augen, wie dünn und zerbrechlich die Grenze ist. Eine Grenze, die unsere bürgerlichen Sicherheiten von einem Mahlstrom aus Krisen, dem Wunsch nach Gerechtigkeit, von Gewalt und Gegengewalt, dem Untergrund, dem Rufen nach Vergeltung und frühzeitigem Tod trennt", so Wolfgang Korn. Eines wird letztendlich für viele seiner Porträtierten sichtbar, "dass die erfassbare Wahrheit (...) immer mehr dem unberechenbaren Flug des Falters um die Laterne gleicht." . Fazit: Wolfgang Korn ist ein großartiges Kompendium von elf Persönlichkeitsporträts gelungen, die nicht in ein gängiges Schema gepresst werden können. In interessanten, gut recherchierten Artikeln, die auch von Jugendlichen gelesen werden sollten, betrachtet er neben seinen "Abweichlern" auch immer kritisch, wie die Mehrheit der Menschen auf die herrschenden Verhältnisse reagierte. Eine spannende Spurensuche in der deutschen Geschichte, dem gern noch ein weiterer Band folgen darf, ja sollte!

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