Wolfgang M. Heckl Die Kultur der Reparatur

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Inhaltsangabe zu „Die Kultur der Reparatur“ von Wolfgang M. Heckl

Kaum ist die Garantie abgelaufen, gehen unsere Geräte kaputt. Das Display des MP3-Players spinnt, der Laptop überhitzt und schaltet ab. Doch wir können der Wegwerfgesellschaft entkommen: indem wir wieder reparieren lernen. Das schont nicht nur die Ressourcen des Planeten, es macht auch Spaß! Überall in Deutschland gibt es Repair-Cafés, in denen Menschen gemeinsam an alten Plattenspielern schrauben und aus Secondhandklamotten Designermode machen. Wolfgang Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums in München, setzt sich an die Spitze der Do-it-Yourself-Bewegung. Er lehrt uns die Dinge um uns herum wieder wertzuschätzen - und zeigt uns den Weg zu mehr Autonomie von der Industrie.

Unbedingt lesen - wer danach nicht selber reparieren will... nochmal lesen. ;)

— moorlicht
moorlicht

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  • Café-Werkstätten und ihr Beitrag zur Nachbarschaftshilfe

    Die Kultur der Reparatur
    aichlinn

    aichlinn

    25. August 2014 um 20:43

    Als ich vor Kurzem das Autoradio einschaltete, funktionierte der CD-Player nicht mehr. Die CD ließ sich weder abspielen, noch wechseln. Der Blick ins Garantieheft offenbarte: die Garantie war zwei Wochen zuvor abgelaufen.Unser Schallplattenspieler, ein Liebhaberstück aus den 1980er Jahren, leierte ganz fürchterlich. Als Laie gelang mir die Reparatur nicht. Das Gerät hatte lange Zeit funktioniert und seine Dienste getan. Also erwarben wir kurzerhand einen neuen Plattenspieler. Die meisten Leser werden ähnliche Geschichten erzählen können. Episoden von Geräten, die kurz nach Ablauf der von Herstellerseite gewährleisteten Funktionszeit ihre Dienste versagten. Oder von Gebrauchsgegenständen, die durch neue ersetzt wurden, weil die Reparatur nicht lohnenswert erschien. Wolfgang M. Heckl hat ein ganzes Buch darüber geschrieben: "Die Kultur der Reparatur" erschienen im August 2013 im Hanser Verlag. Wenn Gebrauchsgegenstände so produziert werden, dass sie nur eine begrenzte Zeit lang funktionstüchtig sind, spricht man von einer geplanten Obsoleszenz. Heckl beschreibt als sehr bekanntes Beispiel dafür das Phoebuskartell. 1924 trafen die führenden Glühlampenhersteller Absprachen mit dem Ergebnis, die Leuchtdauer ihrer Glühbirnen von 2500 auf 1000 Stunden zu senken. Spezialbirnen, zum Beispiel in Ampelanlagen, weisen eine längere Betriebsdauer auf. Auch für die Haushalte wäre das möglich, so Heckl, wenn die Hersteller dickere Glühwendeln verwenden würden. Smartphones und elektrische Zahnbürsten, deren Akkus sich nicht wechseln lassen. Drucker mit eingebauten Zählern, die nach einer gewissen Anzahl von Ausdrucken Fehlermeldungen anzeigen. Computer, die immer wieder durch neue ersetzt werden müssen, weil wenige Jahre alte Rechentechnik nicht die notwendigen technischen Voraussetzungen aktueller Software erfüllen würde.Die Industrie habe aus ökonomischen Gründen kein Interesse daran, langlebige, reparable Produkte zu verkaufen. An diesem Punkt setzt die Repair-Bewegung an. 2009 gründete Martine Postma in Amsterdam das erste Repair-Café, aus Protest gegen die Überfluss- und Wegwerfgesellschaft. Innerhalb von vier Jahren wurden in den Niederlanden über 50 solcher Treffpunkte ins Leben gerufen. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile eine Vielzahl dieser Stätten, in denen gemeinsam repariert, aber auch Handarbeitstechniken vermittelt, Marmelade eingekocht oder Seifen gegossen werden. Die Café-Werkstätten bieten nicht nur Raum, Werkzeug und Know-How, um zu tüfteln und kaputte Dinge unter Anleitung Fachkundiger wieder gangbar zu machen. Hier würden auch Nachbarschaftshilfe gelebt, Teamgeist geweckt und Generationen zusammengeführt, so Wolfgang M. Heckl. Das Reparieren beschreibt er als einen Weg, Funktionsweise und Herstellung von Produkten besser zu verstehen, sie Wert zu schätzen: "Wer repariert, setzt sich mit Dingen auseinander, begreift die Welt [...]". Während der Kauf eines Konsumartikels nur kurzfristig Glück bringe, sei das Reparieren eine große persönliche Bereicherung. Wer den ersten Schritt getan habe, sich an eine Reparatur heranzuwagen, trainiere selbstverantwortliches Handeln und mache die Erfahrung, nicht von anderen abhängig zu sein. Der Nutzen ist dabei also nicht nur materieller Art: "Der größte Gewinn bei einer durchgeführten Reparatur ist nicht, dass ein defekter Gegenstand wieder funktioniert, sondern mein eigenes Erleben, dass ich etwas kann."

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  • Die Wiederentdeckung der Reparatur

    Die Kultur der Reparatur
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    06. February 2014 um 21:52

    Was tun, wenn irgendetwas im Haushalt kaputt geht? Inzwischen werfen es die meisten Menschen weg und statten sich neu aus. "Da kann man auch anders lösen" sagt Wolfgang M. Heckl und moniert, dass uns Wegwerfern das Interesse an der Reparatur verloren gegangen ist. Das Reparieren ist seiner Meinung nach in vieler Hinsicht eine Fähigkeit, um die es schade wäre, ginge sie vollends verloren. Heckl selber ist mit der Werkbank und dem Schraubendreher groß geworden und freut sich zunächst über die Rückkehr der Reparaturwütigen, die sich in Repair Cafes oder Kreativtreffs zusammen tun und Wissen austauschen. Genau so sollte es auch aussehen, sagt Heckl, und beginnt sein Plädoyer mit einer ganz natürlichen Begründung: Die Natur macht es uns vor. Mit raffinierten Prinzipien der Selbstorganisation und der Fähigkeit, eine ganze Bandbreite von Schäden an Organismen und Systemen wieder in Ordnung zu bringen. Dieses große Bild lässt sich auf die Menschen und ihre Reparaturfähigkeiten übertragen. Abertausende Jahre lang haben wir schließlich nichts anderes gemacht; unsere Fertigkeiten und das Wissen um die nötigen Kniffe haben uns überleben lassen. Was die neuen Techniken und Gerätekonstruktionen uns gebracht haben? Bequemlichkeit, sonst nichts. Wie Heckl schreibt, haben die Psychologen längst einen Begriff dafür, es ist die so genannte "erlernte Hilflosigkeit". Die beschreibt das Phänomen, wenn Passivität zur Routine geworden ist. Resignation und Apathie sind die Folge, auf persönlicher, aber auch gesellschaftlicher Ebene. In Sachen Konsum haben uns unreparierbares Design und die Verkaufswut der Unternehmen dorthin gebracht. Die Reparatur ist ein Ausweg in vielerlei Hinsicht: "Selbst reaprieren können ist ein Gegenmodell zur Hilflosigkeit, ein Ausweg aus dem Gefühl, nichts ausrichten zu können, an dessen Ende im besten Fall das Glück steht." Und Heckl fragt sich angesichts seines Nachbarn, der Stunde um Stunde an seinem Motorrad bastelt, ob diesen das Basteln nicht glücklicher macht als das Motorradfahren selbst. Auch er selbst pflegt seine Erfolgserlebnisse, die von der großen Reparatur einer Schwimmbadpumpe bis hin zum Auswechseln einer simplen Dichtung reichen. Denn zur Reparatur gehört nicht nur das Basteln, wenn schon gar nichts mehr geht, sondern auch die Vorsorge, dass es gar nicht erst so weit kommt. Der Start in eine kreative Lebenswelt beginnt bei Heckl im Kindesalter, mit Werkbänken, Schere, Klebstoff und Basteln statt stundenlang vor PC oder TV. Denn nur so könne sich die Fingerfertigkeit, die Neugier und das Verständnis für Zusammenhänge und Funktionalitäten entwickeln. Wem solche "alten" Materialien und Techniken zu weit weg von der heutigen Realität entfernt sind, den erinnert Heckl daran, dass ohne diese Kenntnisse in Mechanik oder Optik die "besseren, modernen" Geräte alle nicht exisiteren würden. Freilich dreht sich Heckls Plädoyer nicht nur das Glück alleine. Das Thema Obsoleszenz kommt ebenfalls auf den Tisch, sowohl die durch allzu billige Bauteile und betriebswirtschaftliche Strategien als auch die durch immer weiter überbordende Software im IT-Bereich, die irgendwann auch die beste, noch funktionierende Hardware in die Knie zwingt. Hier ist, so Heckl, das Maß verloren gegangen, zwischen Produkten, die problemlos länger leben können und solchen, die vielleicht aus gutem Grund kurzlebiger gebaut sein können. Nicht zuletzt profitiert die Umwelt von verbesserten Haltbarkeiten, denn der Umgang mit Ressourcen wird bewusster und maßvoller. Heckl weist darauf hin, dass zum Beispiel Seltene Erden bereits heute problematische Rohstoffe sind, von denen sich die Gesellschaft durch die Wegwerfmentalität viel zu sehr abhängig gemacht hat. Mit den Erläuterungen einher geht sein Aufruf, durch unsere Ansprüche und unser Kaufverhalten Zeichen zu setzen. Er setzt auf jedes noch so kleine Zeichen: "Viele kleine Effekte, die jeder Einzelne für sich erzielen kann, verändern eine Gesellschaft insgesamt, auch weil die Industrie auf das Verhalten von Verbrauchern reagiert." Zum Design for repair könne man also durchaus wieder zurück kommen. Eine Auswahl von Reparaturcafés und ihren Adressen sowie Websites für Reparaturanleitungen und Tauschbörsen runden das Buch im Anhang ab. Das Buch von Wolfgang M. Heckl stellt sehr gut dar, inwiefern wir persönlich und die Umwelt als positive Folge davon vom Reparieren profitieren können. Aus verschiedenen Richtungen kommend denken immer mehr Menschen über ein verändertes Konsumverhalten nach und die Fürsorge und Sorgfalt für unser Hab und Gut ist ganz sicher ein Schlüsselelement auf dem Weg dorthin. Nicht zuletzt ist es ein Weg, den jeder beschreiten kann. Wer sich speziell für den Trend gegen das Wegwerfen interessiert, findet bei Heckl die Denkanstöße und Hintergründe dazu. Da freut es mich besonders, dass wir während der Lektüre ganz im Sinne des Autoren unter anderem die Feder eines Teleskoprohres am Staubsauer reparieren konnten (immerhin, der Anbieter hätte Ersatzteile im Angebot gehabt, was auch nicht mehr überall zum guten Ton gehört), eine Schreibtischleuchte nachjustiert sowie den Stecker eines transportablen DVD-Players ersetzt haben. Und eine Lötlampe hilft uns in den kommenden Tagen bei der Reparatur eines Siebes und einer Schöpfkelle. So soll es sein.

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