Wolfgang Mueller Der Freund von früher

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Inhaltsangabe zu „Der Freund von früher“ von Wolfgang Mueller

Ein irrsinniges, ein exaltiertes, ein ausuferndes Leben hat er geführt, der Schauspieler Albert Lasser. Beliebt und begehrt war er, die Nächte waren lang, die Partys wild und rauschend. Nun gut, zuletzt ist seine Karriere ins Stocken geraten, aber jetzt, jetzt steht er vor der größten Herausforderung seines Lebens. So erzählt er es seinem Freund Oscar, den er nach langen Jahren zufällig wieder trifft. Doch als der ihn einige Tage später in seiner Wohnung in Berlin-Mitte besuchen will, findet er Albert tot – und die Ereignisse überstürzen sich. Wie und warum ist Albert gestorben? Hat Oscar etwa selbst die Hand im Spiel?

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    Der Freund von früher

    YukBook

    22. January 2018 um 17:43

    Albert Hieronymus Lasser hätte wohl nie gedacht, dass er durch einen Werbespot für Fertiggerichte sein großes Comeback als Schauspieler feiern würde. Zu schade, dass er dies nicht mehr miterlebt. Als ihn sein früherer Freund Oscar besucht, liegt Albert tot auf dem Boden. Ein paar Tage zuvor war er noch quicklebendig gewesen. Oscar hatte ihn ganz zufällig in einem Café wiedergetroffen und hätte gern mehr über seinen Freund erfahren, den er fünf Jahre nicht gesehen hat. Um seinen Nachlass zu regeln, zieht Oscar für einige Wochen in die einst gemeinsame Wohnung, und damit fangen die Probleme für ihn erst richtig an. Der Romantitel ist treffend gewählt, denn es geht um die Erinnerungen des Ich-Erzählers an eine enge Freundschaft, an ein vergangenes Lebensgefühl und das fehlende Stück in der Chronik, das Oscar nach dem mysteriösen Todesfall nun zu rekonstruieren versucht. Auf Alberts PC entdeckt er einen Briefwechsel zwischen dem Verstorbenen und einer geheimnisvollen Emma. So lernen wir gemeinsam mit Oscar nach und nach nicht nur die verborgenen Seiten des einst gefeierten und vergnügungssüchtigen Schauspielers kennen, sondern auch die vielen Gesichter Berlins samt den Kreativen, Glamourösen und geldgierigen Immobilienspekulanten. Oscar hatte bewusst die Szene und das wilde Leben hinter sich gelassen und sich mit seiner Freundin in Spandau niedergelassen, aber auch dort ist er nicht wirklich zufrieden mit seinem Leben. Derweil wird der Werbespot mit dem toten Star auf allen Kanälen gesendet und gefeiert. Wegen des großen Erfolgs soll sogar eine Fortsetzung gedreht werden – mit Oscar als Double. Dies ist eine gelungene Pointe, denn im Laufe der Handlung wächst Oscar tatsächlich ohne viel Zutun immer mehr in die Rolle seines Freundes hinein. Die Beschreibung der Dreharbeiten mit Seitenhieben auf den Starkult und die Medienszene sind ein himmlisches Lesevergnügen! Ich habe den Roman an einem Tag verschlungen, denn er bietet alles, was für mich eine gute Geschichte ausmacht: Spannung, Tempo, eine sympathische Hauptfigur, Humor, viel Lokalkolorit und eine Portion Gesellschaftskritik. Selten hat ein Toter eine so starke Präsenz gehabt wie in diesem Buch. Unbedingt lesen!

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  • Sehr lebendig und mit Tiefe erzählt

    Der Freund von früher

    michael_lehmann-pape

    27. May 2016 um 15:20

    Da war sie irgendwann einfach vorbei. Diese enge Freundschaft zwischen Oscar und Albert. Dieses „Szene Freundschaft“ aus „Mitte“ (Berlin-Mitte natürlich), die sich auch über Josefine mit erstreckte, die Betreiberin des einzigen Restaurants „wo man hingehen konnte“, damals, nach dem Mauerfall, als alles wie neu begann.Albert, der Schauspieler (der inzwischen seine besten Jahre aber seit Langem hinter sich hat).Oscar, der nach Spandau gezogen ist und sich im bürgerlichen Leben mit seiner Carla versucht (und seitdem die ehemals gemeinsame Wohnung mit Albert, die er angemietet hatte, nicht mehr betreten hat).Zufällig trifft man sich (doch Zurückhaltung ist geboten mit vorschnellen Schlüssen bei Wolfang Mueller, denn im Hintergrund warten doch auch überraschende Verbindungen und Konstellationen, die auch Oscar nie vermutet hätte). Verabredet sich, man freut sich, zum verabredeten Tag findet sich Oscar an der alten, gemeinsamen Wohnung ein und findet Albert tot auf.Und das gerade zu einem Zeitpunkt, an dem es sein ansonsten nichtsnutziger „neuer Agent“ geschafft hatte, Albert tragend in einer Werbekampagne unterzubringen.Die Umstände beginnen, Oscar mehr und mehr auch innerlich wieder in den Bannkreis des charismatischen, nun toten Schauspielers hineinzuziehen. Wie auch Josefine noch da ist, Wie das alte „Lebensgefühl“ wiederkehrt.Wunderbar und fesselnd beschreibt Mueller, dass hier auch „alte Dämme“ brechen, dass das „neue Leben“ im Häuschen in Spandau noch lange nicht heißt, dass ein Mann plötzlich auch im „neuen Leben“ angekommen ist. Erinnerungen, eine Email-Liaison Alberts, die „Bonzenschwester“ mit ihrem „Immobilienmann“, die von Mueller als Prototyp der „neuen Zeit“ und ihren differenzierten Werten (Geld, Geld, Geld) beklemmend gestaltet werden, der „Mietinvestor“, der die „neue Zeit“ für Berlin repräsentiert (Geld, Geld, Geld) und alte Lieben, alte Lebensbereiche, eine innere Distanz zur Lebensgefährtin Carla, die scheinbar aus dem Nichts ausbricht und dennoch viel tiefere Wurzeln hat, als der Leser zunächst ahnt.Dies gepaart mit einem roten Faden fast einer Detektivgeschichte, denn irgendwas ist mit diesem Tod des alten Freundes nicht in Ordnung. Ganz und gar nicht in Ordnung. Und das Ganze eingepasst in die aktuell immer mehr dominierende, „tonangebende „Medienszene“ mit ihren Träumen, Hoffnungen, der harten, teils bitteren Realität und nicht wenigen charakterlich eher deformierten Personen, all das ergibt eine unwiderstehliche Melange der Lektüre.Eine Lektüre, die Mueller auch sprachlich geheimnisvoll und klar, leicht verwaschen und doch auf den Punkt zu gestalten versteht, so das auch sprachlich ein anregendes Leseerlebnis den Leser erwartet.„Es wäre Betrug! Und außerdem sind wir nicht darauf angewiesen. Ich kann als Autor mein Geld verdienen!“.„„Ja!“, lachte Sie böse – das höre ich schon seit Jahren!“.Eine anregende Lektüre mit vielfachen interessante Wendungen und zugleich eine Milieu-Studie, die nachdenklich macht.

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