Wolfgang Neskovic

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Der CIA-Folterreport

Der CIA-Folterreport

 (2)
Erschienen am 19.01.2015

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Rezension zu "Der CIA-Folterreport" von Wolfgang Neskovic

Ein wichtiger Blick in die Abgründe der CIA und USA
awogflivor 4 Jahren

Der CIA-Folterreport ist ein sehr wichtiges Buch, das jeder an Politik interessierte Leser zu Hause haben sollte.

Der offizielle Bericht des US Senats wurde im Original übersetzt und mit einer Einführung und Nachwort bzgl. juristischer und gesellschaftlicher Auswirkungen auf Deutschland versehen. Da er wie eine wissenschaftliche Arbeit aufgebaut (d.h. die ausführlichen Quellenverweise sind oft länger als der Text) und teilweise mit schwarzen Balken zensuriert ist, kann man ihn wirklich nicht als einfach zu lesen bezeichnen, aber genau das macht die Qualität, Validität und Authentizität dieser Zusammenfassung aus. Vor allem die Standorte der Geheimgefängnisse und viele Namen sind  geschwärzt, was mich brennend interessiert hätte. Fakt ist, wie dieser Bericht zeigt, dass Geheimgefängnisse keine Verschwörungstheorien sind, sondern real auch in Europa existier(t)en.

Inhaltlich sind vor allem die ersten Kapitel schwer zu ertragen: Die CIA als Staat im Staat macht was sie will, lügt, betrügt, arbeitet mit gezielter Desinformation und vertraut auf 2 selbständige (ausgegliederte) Psychologen mit eigener Firma, die die Foltermethoden planen, aber keine Ahnung von Verhören haben.  Mutmaßlich wurde in den ersten 4 Jahren des verschärften Verhörprogrammes nicht mal Präsident Bush informiert, dass das Programm überhaupt stattfand, die grausamen Details dementierte die CIA in allen Untersuchungsausschüssen und gab nur scheibchenweise zu, was nicht mehr zu leugnen war.
Erschreckend ist auch, welche Rolle Condolezza Rice und ein paar Beamte der Bush-Administration gespielt haben, die dem Präsidenten und Powell wahrscheinlich bewußt Informationen vorenthalten haben. Sicher ist das zwar nicht, denn welcher Präsident gibt schon gerne zu, dass seine Mitarbeiter und die CIA machen was sie wollen.

Dennoch konnten nachträglich detailgenaue Aufzeichnungen der Foltermaßnahmen an den verschiedensten Personen ausgehoben werden, denn intern dokumentierte die CIA natürlich alles. Dass die von den Amis vielzitierte Weiße Folter, die angeblich gar keine ist, bei den verschärften Verhörmethoden bei weitem überschritten wurde, zeigen die Dokumente und Berichte sehr genau.
So wie weiland bei den Nazis in Ausschwitz wird menschenverachtend trocken das ganze Ausmaß der Folterungen je Person bürokratisch genau festgehalten (Anzahl Waterbordingeinheiten, Anzahl der Stunden Schlafentzug, stehend gefesselt, Art der Schläge.. und die medizinische Wirkungen dieser verschärften Verhörmethoden wie Halluzinationen, Desorientierung, Blutergüsse, Atemstillstände....) Das ist so heavy, in die menschlichen und juristischen Abgründe einer mutmaßlich zivilisierten Nation zu schauen *Schauder*

Ab Seite 235, als die CIA versucht, den Erfolg ihres verschärften Verhörprogramms vor allen möglichen Institutionen zu rechtfertigen, werden Argumente für die erfolgreiche Wirkung bestimmter Folteraktionen extrem oft wiederholt, was mich als Sachbuchleser zwar stört, aber für solch einen Bericht sicher unerläßlich ist. Als Fazit kann man sagen, dass Folter, egal wie man sie nennt, nur menschenverachtend und überdies total wirkungslos ist.

Fazit: Für dieses Buch gebe ich eine absolute Lesempfehlung bis Seite 235 und für das Nachwort, der Rest ist eher zum Querlesen der neuen Argumente und zum Nachschlagen geeignet, da viele Wiederholungen den Lesefluss und die Rezeption sehr mühsam machen. Diese Kombination drückt dann auch meine Endbewertung in 3 Sternen aus. Auf jeden Fall gehört es in das Bücherregal eines jeden Lesers, der an politischen Hintergründen und Menschenrechten interessiert ist, und der vor etwas schwerer zu rezipierenden Texten keine Angst hat.

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