Wolfgang Prosinger

 4.2 Sterne bei 10 Bewertungen
Autor von Tanner geht, In Rente und weiteren Büchern.

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Tanner geht

Tanner geht

 (8)
Erschienen am 05.02.2010
In Rente

In Rente

 (2)
Erschienen am 31.07.2015

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Rezension zu "Tanner geht" von Wolfgang Prosinger

Tanner geht: Sterbehilfe – Ein Mann plant seinen Tod
Tshaelvor 3 Jahren

Tanner geht: Sterbehilfe – Ein Mann plant seinen Tod

von Wolfgang Prosinger Erscheinungsjahr: 2008 Gebundene Ausgabe: 176 Seiten Verlag: Fischer, S., Verlag GmbH Sprache: Deutsch ISBN-10: 3100590309 ISBN-13: 978-3100590305

 

Inhalt:

Krebs, Aids und nun auch noch Parkinson.

Tanner hält die Schmerzen nur noch mit Medikamenten aus. Er weiß, dass er bald sterben wird und es wird vermutlich kein leichter Tod sein. Er beschließt, sein Ende selbst zu bestimmen und sucht Hilfe bei Dignetas. An einem Tag im Februar will er in die Schweiz gehen, um dort Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen.

Wolfgang Prosinger schildert, wie Tanner die letzten Wochen und Monate verbringt. In zahlreichen Gesprächen erklärt sich Tanner und manchmal sagt sein Schweigen mehr, als hundert Worte es könnten.

 

Kritik:

Es ist ein leises Buch über ein Tabuthema, obwohl das Sterben immer zum Leben mit dazu gehört. Doch in Deutschland ist ein selbstbestimmtes Ende schwierig zu realisieren, zu sehr stehen religiöse Bestimmungen, der ärztliches Ethos, Moral und Ethikverständnis dem im Weg. Vom Hochhaus springen will Tanner nicht – seinen Freunden zuliebe. Also sucht er Hilfe bei Dignitas, dem Schweizer Verein, der sich laut eigenen Angaben für ein auch das Lebensende umfassendes Selbstbestimmungsrecht einsetzt und seinen Mitgliedern auf Anfrage Beratung, Begleitung und Beihilfe zum Suizid bzw. genauer Freitodbegleitung anbietet.

Der Autor Wolfgang Prosinger geht sehr behutsam vor. Nie wertend, nie verurteilend.

Nicht jeder versteht Tanners Entscheidung. Immer wieder versucht sein ehemaliger Lebensgefährte ihn umzustimmen – und bleibt doch bis zum Ende bei ihm; gefangen in einem Zwiespalt.

Eindringlich schildert Prosinger Tanners letzte Zeit: die Organisation der Beerdigung, die letzte Feier mit Freunden, die Regelung der Finanzen, die Fahrt in die Schweiz, der letzte Spaziergang … Tanner zieht es durch, beendet sein Leben, das zum Schluss für ihn nur noch Qual war. Eine Qual, die er mit niemandem teilen wollte.  

Ein Buch, das bewegt und zum Nachdenken anregt. Das man nicht einfach nebenbei lesen kann. Das einen Nachhall hinterlässt.

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Rezension zu "Tanner geht" von Wolfgang Prosinger

Klare Ansage eines Verzweifelten
Babschavor 3 Jahren


Ulrich Tanner ist 51, als er den Entschluss fasst. Nämlich, in die Schweiz zu fahren und dort bei der Organisation "Dignitas" die Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen, die ihm in Deutschland verwehrt wird. Denn er ist schwerkrank, die volle Packung aus Krebs und Morbus Parkinson machen ihm das Leben auch nach mehrfachen OPs immer noch zur Hölle. Tanner will nur noch das Ende, so bald wie möglich. Er ist bereit, den Journalisten und Autor des Buches ihn in den letzten Monaten seines Lebens begleiten zu lassen, teilzuhaben, wie ein solches Leben auf sein Ende zusteuert.

In einer angenehm abgeklärten, unaufdringlichen und passiv beobachtenden Art und Weise berichtet Prosinger von Tanners Leben, seinem problematischen Elternhaus, aus dem er sich mit großer Anstrengung heraus arbeitet in ein selbst bestimmtes Dasein, seinem Mut, seiner Energie, seinen Ecken und Kanten. Und natürlich vom Schicksal, das ihm so sehr zusetzt, dass er zuletzt keinen anderen Weg mehr sieht als mit einer Fahrt in die Schweiz einen Schlussstrich zu ziehen. 

Kein leichtes, aber ein um so interessanteres Thema, dem sich Prosinger hier annimmt. Neben dem Fortgang der Ereignisse in Tanners Leben als Rahmenhandlung des Buches erhält der Leser viele grundlegende Informationen zu einem in der Gesellschaft stark polarisierenden und auch zuletzt wieder massiv kontrovers diskutierten Thema. Gut, dass der Autor hier keine zu eindeutige Stellung bezieht, sondern den Leser sich aus seinem eigenen Empfinden eine Meinung bilden lässt.

Ein gut und professionell geschriebenes Werk mit hohem Informationsgehalt und auf hohem Niveau.

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Rezension zu "In Rente" von Wolfgang Prosinger

Von Einschnitten und Veränderungen
Babschavor 4 Jahren

Thomas Hecker, die Hauptfigur des Buches, ist verheiratet, lebt in Berlin und steuert zielstrebig und voller Unbehagen auf seinen 65. Geburtstag zu,
der seine pünktliche Zwangsverrentung und damit das Ende seiner geschätzten Journalistentätigkeit bei einer Monatszeitschrift bedeutet. Zaghaft und beklommen blickt er über den Rand seines bald endenden Daseins aus Aktivität und Selbstbestimmung in die abschreckende Welt der Rentner und Alten, in der einen niemand mehr braucht und in der man, alimentiert mit einer mickrigen, nur noch die elementarsten Bedürfnisse sichernden Staatsrente, hoffnungslos und in fortschreitendem körperlichem Verfall Richtung Ende vegetiert. Und als es bei Hecker dann so weit ist, kommt´s für ihn tatsächlich auch ziemlich dicke.

Der Autor, selbst Journalist und im Alter seines Protagonisten, hat im Buch um die Story herum eigene Erfahrungen aus dem Eintritt in den Ruhestand verarbeitet.  Er beleuchtet diesen gravierenden Einschnitt und die für einen Menschen hiermit verbundenen Auswirkungen realitätsnah in all ihren Facetten sowohl aus der Sicht der Figur Hecker wie auch aus der eigenen Gefühls- und Gedankenwelt. Das funktioniert hier hervorragend. Prosinger verleiht mit hohem Sprachwitz und der nötigen Prise Humor seinem Durchschnittsrentner mit Ecken und Kanten ein sympathisches, angenehmes Gesicht. Ein Mann aus dem Leben.

Ein überraschend kluges, geistreiches Buch, dass sich diesem schwierigen Thema offen, ohne Sentimentalitäten und mit hohem Einfühlungsvermögen nähert. Absolut lesenswert.

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