Wolfgang Schömel Die Reinheit des Augenblicks

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Inhaltsangabe zu „Die Reinheit des Augenblicks“ von Wolfgang Schömel

In »Blue Mussels« gerät das feine Beziehungsgeflecht zweier junger Paare, die sich den Wunsch einer Kanadareise im Camping- Pickup erfüllen, so in die Schieflage, dass es keinen Ausweg gibt. »Die Reinheit des Augenblicks« endet mit der kaum anständig zu lösenden Frage, wie man sich nach einem wunderschönen Liebeswochenende trennt ohne falsche Versprechungen. »Isch guet« erzählt sehr nachvollziehbar einen Fall von sexueller Konkurrenz in einem Davoser Tagungshotel. Und in »Jeter un îl sur Paris« will Volker, der Saufbold, genannt »der Pinguin«, 500 Remittenden eines alten Bildbandes über Paris loswerden - in Paris. Mit Ironie, mit Zärtlichkeit und mit einem kräftigen Schuss Pessimismus erzählt Schömel vom deutschen Alltag, vom gelassen hingenommenen Verfehlen des Glücks und von fälligen Abschieden - die wir aber selten hinkriegen: In einer dieser Geschichten reist jemand bis nach Ouagadougou in die Sahelzone, nur um wochenlang an einem epochalen Brief zu basteln, für die ungnädige Yvonne in Köln.

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  • Rezension zu "Die Reinheit des Augenblicks" von Wolfgang Schömel

    Die Reinheit des Augenblicks

    emeraldeye

    Nachdem ich etliche positive Rezensionen zu "Die Reinheit des Augenblicks" gelesen hatte und außerdem ein Fan von Kurzgeschichten bin, habe ich mir das Buch von Wolfgang Schömel aus der Bibliothek mitgenommen. Kurzgeschichten gefallen mir deshalb so gut, weil sie viel über das Können eines Autors/einer Autorin aussagen. Sie können das gesamte Spektrum der Themen oder aber auch nur einfallsreiche Varianten eines Themas zeigen. In jedem Fall sind sie immer ein guter Einstieg in die literarische Welt eines Autors/einer Autorin. Wolfgang Schömel versammelt in seinem Erzählband Protagonisten, die alle nicht wirklich wissen, was sie wollen, was sie fühlen, wie sie entscheiden sollen und wie sie ihrem Leben Sinn geben können. Am deutlichsten wird dies in "Jeter un oeil sur Paris". Volker Genrath, arbeitslos, Alkoholiker, Träumer und Pläneschmieder, kauft 500 Remittenden eines Bildbandes von Paris und fährt, na wohin wohl, nach Paris, um sie dort zu verkaufen. Was daraus folgt, ist ein grausames Scheitern und das totale Verleugnen desselben. Es tut geradezu körperlich weh, dieser gnadenlosen Sezierung einer von vorneherein zum Untergang verurteilten "Mission" zu folgen und die Tatsache zu akzeptieren, dass Volker nichts, aber auch gar nichts begriffen hat und deshalb auch nichts verändern wird. Man möchte den Mann am liebsten ohrfeigen, schütteln, gegen die Wand schmeißen, um in seinem Hirn etwas Selbstreflexion aufleuchten zu lassen. Aber das ist natürlich völlig sinnlos, denn wenn es eine Wahrheit gibt, dann die: "Man kann einen anderen Menschen nicht verändern, nur sich selbst." Mit anderen "Schömel-Helden" möchte man Mitleid haben, so wie sie sich, durchaus gutwillig und halbwegs interessiert, darum bemühen, etwas zu verändern oder sogar zu verbessern, wie sie versuchen, ihre Gefühle und Gedanken in Worte zu fassen, sich ihren Gegenübern mitzuteilen. Bruno in "Die Peitsche" ist so einer oder der Ich-erzähler in "Die Reinheit des Augenblicks". Doch sie wissen ihre Chancen nicht zu nutzen oder schrecken im letzten Moment vor den Konsequenzen einer Entscheidung zurück und der Moment des Heldenseins ist vertan. Wolfgang Schömel schenkt sich und seinen LeserInnen nichts. Mit gnadenloser Schärfe aber auch Melancholie beschreibt er in seinen Geschichten beispielhaft die Situation in einer Gesellschaft, die alles hat und trotzdem immer mehr verarmt. Interessanter Lesestoff für alle, die unangenehme Wahrheiten, vielleicht auch über sich selbst, annehmen und aushalten können.

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