Wolfgang Schieder

 3,9 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor*in von Der italienische Faschismus, Benito Mussolini und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Wolfgang Schieder ist einer der maßgeblichen Historiker zum europäischen Faschismus. Schwerpunkte seines wissenschaftlichen Schaffens sind außerdem die Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und die italienische Zeitgeschichte. Zu seinen jüngeren Veröffentlichungen gehören »Der italienische Faschismus. 1919-1945«, »Benito Mussolini« und »Adolf Hitler - Politischer Zauberlehrling Mussolinis«. Seine neue Biografie des deutschen Diktators ist die Summe seines produktiven Forscherlebens.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Wolfgang Schieder

Cover des Buches Ein faschistischer Diktator. Adolf Hitler – Biografie (ISBN: 9783806245691)
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Rezension zu "Ein faschistischer Diktator. Adolf Hitler – Biografie" von Wolfgang Schieder

Leseempfehlung!
Kristall86vor einem Jahr

Klappentext:

„Hitler und kein Ende


Kein Zweifel, Adolf Hitler war ein verbohrter Ideologe, dessen politisches Handeln von Rassismus und extremem Judenhass geprägt war. Zugleich aber konnte der faschistische Diktator durchaus anpassungsfähig sein und realpolitisch handeln. Tatsächlich handelte der Versager aus Österreich oft strategisch. Er kopierte das faschistische System seines Vorbildes Benito Mussolini in entscheidenden Punkten, bevor er es freilich zu einem totalitären Faschismus ausbaute und das Dritte Reich in den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg führte.


Wolfgang Schieder, der große Historiker des deutschen Nationalsozialismus und italienischen Faschismus, gewinnt dem Rätsel Hitler in dieser neuen Biografie überraschend neue Akzente ab und zeigt, dass manche von Adolf Hitlers Entscheidungen in einem anderen Licht zu sehen sind….


Adolf Hitler muss als Extremausbildung des faschistischen Diktators gesehen werden. Das Interesse an neuen Antworten auf die Fragen, wie sein Aufstieg möglich war und wie er die wohl verhängnisvollste Diktatur der europäischen Geschichte errichten konnte, wird nicht aufhören.


Je umfangreicher die Biografien über Hitler jedoch wurden, desto weniger können sie mit ihrer enormen Materialfülle noch wirklich rezipiert werden. Eine knappe Biografie, getragen von der ganzen Erfahrung eines langen Forscherlebens und auf dem allerneusten Stand der Forschung, war deshalb überfällig. Eine Meisterleistung, an der in Zukunft keiner vorbeikommt.“


Autor Wolfgang Schieder ist ein bedeutender Historiker auf dem Gebiet europäischer Faschismus und italienische Zeitgeschichte. In seinem aktuellen Buch beleuchtet er kurz und dennoch präzise Adolf Hitlers Werdegang und vergleicht einen Teil seiner Taten mit denen Mussolinis. Keine Frage - beide Menschen waren Monster aber es stellt sich eben die Frage wer welche Ideen und Ideologien hatte und genau da bohrt auf verständliche und sachliche Weise Schieder in der geschichtlichen Wunde. Fest steht: Hitler hat viele Parts von Mussolini schlicht kopiert und aus anderen hat er seine eigenen Fantasien gestrickt aber es ist deutlich, der Grundstock baut auf Mussolinis Wahn. Vieles wird der geschichtlich interessierte Leser dadurch besser verstehen denn Schieder gibt gekonnt Hinweise und lenkt den Leser immer wieder zu verständlichen Antworten. Es stellt sich schlussendlich bei beiden Personen die Frage, wie konnten sie diese Art von Faschismus und Wahn erschaffen? Selbstredend hatte jeder seine eigene Art dafür aber dennoch ist sichtbar, dass Hitler sich viel zunutze gemacht hat was Mussolini selbst weiter gebracht hat. Der wichtigste Part, Hitlers Jugend, war mitnichten „schön“. Der Hass und der Gewisse Geruch von Macht und Anerkennung lag für ihn damals bereits in der Luft und er hatte ein Vorbild, einen Lehrer und das war Mussolini. 

Die aktuelle Forschung wird hier wunderbar beleuchtet und es ist mehr als erstaunlich das selbst so viele Jahrzehnte nach dem Fall des Dritten Reiches immer noch Rätsel darüber gelöst werden, identifiziert werden. Warum dieses Buch eine Hitler-Biografie für die Zukunft ist? Leider gibt es eben nunmal Vorreiter für diesen Wahn des Faschismus und jeder könnte sich auch heute dieses Wissen zunutze machen und seine Schlüsse daraus ziehen. Es gilt eben immer zu beobachten, was und wie Fanatiker dieser Gruppierung sich entwickeln. Und die Forscher rund um Hitler und Co. werden selbst den letzten Krümel der Geschichte auch noch ans Tageslicht bringen und erklären können. Mit diesem Buch hier ist jedenfalls ein neuer großer historischer Schritt nach vorn zur Aufklärung getan - 5 Sterne hierfür!

Cover des Buches Der italienische Faschismus (ISBN: 9783406607660)
A

Rezension zu "Der italienische Faschismus" von Wolfgang Schieder

Allzu knappe, inhaltlich problematische Überblicksdarstellung zum italienischen Faschismus
Andreas_Oberendervor 3 Jahren

Bedenkt man, wie eng die Beziehungen zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und dem faschistischen Italien waren, dann ist es erstaunlich, dass der italienische Faschismus hierzulande so wenig Aufmerksamkeit genießt und im allgemeinen Bewusstsein so wenig präsent ist. Bücher zu diesem Thema, die einen breiten Leserkreis erreichen könnten, muss man mit der Lupe suchen. Zwar gibt es inzwischen in der deutschen Geschichtswissenschaft eine respektable Forschung zum italienischen Faschismus, aber sie bringt ausschließlich Dissertationen, Sammelbände und andere wissenschaftliche Publikationen hervor, die naturgemäß für ein breites nichtakademisches Publikum ungeeignet sind. Auch Wolfgang Schieder, der Doyen unter den deutschen Experten für den italienischen Faschismus, hat nie ein Buch vorgelegt, das deutschen Lesern den italienischen Faschismus umfassend nahebringt. Seit 2010 liegt immerhin Schieders knappe Darstellung in der Reihe "C.H. Beck Wissen" vor. Erfüllt dieses Büchlein die Aufgabe, ein anschauliches und aussagekräftiges Bild vom italienischen Faschismus zu vermitteln?

Schieder erörtert zunächst die historischen Bedingungen für Entstehung und Aufstieg der faschistischen Bewegung. Der Nährboden, auf dem diese neuartige politische Kraft gedeihen konnte, war die Häufung von schwerwiegenden Krisen unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg. Das dritte Kapitel skizziert den Weg der Faschisten an die Macht. Im vierten Kapitel analysiert Schieder die schrittweise Herausbildung des faschistischen Herrschaftssystems zwischen 1922 und 1929. Er hebt dabei hervor, dass es sich weniger um eine Diktatur der faschistischen Partei (PNF) als eine persönliche Diktatur Mussolinis handelte, die auf dem Charisma des Duce und dem Führer- bzw. Gefolgschaftsprinzip beruhte. Abgesichert wurde die persönliche Herrschaft Mussolinis durch Kontrolle des Regierungs- und Verwaltungsapparates, straffen Zentralismus, Gleichschaltung der Medien, Propaganda und Führerkult sowie die Trias von Einschüchterung, Verfolgung und Unterdrückung. Desweiteren verweist Schieder darauf, dass die faschistische Ideologie stets eher diffus und schemenhaft war, sofern man überhaupt von einer kohärenten Ideologie sprechen kann. Das Regime war nicht ideologiegetrieben, sondern "aktionszentriert" und voluntaristisch; es setzte auf Mobilisierung, spektakuläre Kampagnen, eine auftrumpfende Außenpolitik, koloniale Expansion, den Aufstieg zu imperialer Größe. Die von Mussolini angezettelten Kriege (Äthiopien, Balkan) und die Beziehungen zwischen Italien und dem Dritten Reich stehen im Mittelpunkt des fünften Kapitels, das mit dem Sturz Mussolinis 1943 endet.

Es liegt nicht allein am begrenzten Raum, der Schieder zur Verfügung stand, sondern auch an den persönlichen Präferenzen und theoretischen Vorannahmen des Autors, dass die Darstellung einen unbefriedigenden Gesamteindruck hinterlässt. Das Hauptproblem des Buches besteht darin, dass Schieder keine Geschichte des Faschismus bietet, sondern lediglich eine Geschichte des faschistischen Herrschaftssystems. Seine Darstellung ist einseitig aus der Perspektive des Regimes geschrieben. Es fehlt die andere Seite der Medaille - die italienische Gesellschaft. Sie tritt bei Schieder nur als passives Objekt in Erscheinung, als Opfer von Repression, als Adressat von Propaganda, als Resonanzboden für den Mussolini-Kult. Schieders Bild vom Faschismus ist eindimensional, schablonenhaft und undifferenziert. Es ist mehr als zweifelhaft, ob die Alltagsrealität der zwanzigjährigen faschistischen Herrschaft mit dem Schlagwort vom "Polizeistaat" (S. 10) adäquat erfasst und beschrieben werden kann. Nirgendwo im Buch finden sich Ausführungen zur sozialen Basis, zu den Trägerschichten des Systems. Mehrfach ist die Rede davon, die faschistische Partei sei in den 1930er Jahren zur Massenpartei geworden. Aber wie war es um die soziale und demographische Struktur der "Massen" bestellt, die in die Partei eintraten? Welche gesellschaftlichen Schichten, welche Altersgruppen fühlten sich vom Faschismus angesprochen und angezogen? Das Regime kann nicht 20 Jahre lang nur den von Altfaschisten getragen worden sein, die vor 1922 der Bewegung beigetreten waren.

Alle Diktaturen sind immer auch "Mitmach-Diktaturen". Die Komplizenschaft eines Teils der Bevölkerung ist unverzichtbar für das Funktionieren einer Diktatur. Keine Diktatur beruht ausschließlich auf Zwang, Gewalt und Repression. Jede Diktatur wird von Hunderttausenden Enthusiasten und Fanatikern, Profiteuren, Mitläufern und Opportunisten getragen. Jede Diktatur bietet bestimmten Segmenten der Gesellschaft Identifikationsangebote, Partizipations- und Aufstiegschancen. Was gab der Faschismus den Italienern; warum akzeptierten sie ihn so lange? Was sahen die Italiener in Mussolini? Warum ist seine Grabstätte bis heute ein Wallfahrtsort? Warum wurde Mussolinis persönliches Sekretariat in den 1930er Jahren täglich (!) mit bis zu 1.500 Briefen und Karten überschwemmt, in denen Italiener aus allen Schichten ihrer frenetischen Verehrung für den Führer Ausdruck verliehen? Der Sowjetunion-Historiker Stephen Kotkin hat einst die Formel vom "Stalinismus als Zivilisation" geprägt. In ähnlicher Weise muss man den italienischen Faschismus als eine Lebensform begreifen, die Millionen Italiener einhüllte, prägte und zum "Mitmachen" anspornte. Ohne diese alltagsgeschichtliche Dimension, ohne das Gespür für die Interaktion zwischen Regime und Bevölkerung kann man den italienischen Faschismus nicht angemessen verstehen. Die von Schieder eingenommene Perspektive "von oben" ist vollkommen unzulänglich. Die Funktionsweise einer jeden Diktatur kann man nur herausarbeiten, wenn man auch den Input "von unten" berücksichtigt. Gerade weil sich Millionen Menschen aktiv für den Faschismus engagiert hatten, kam es nach 1945 nicht zu einer gründlichen Säuberung des Staatsapparates und der Verwaltung, wurden italienische Kriegsverbrechen nicht geahndet. Man hätte das halbe Volk auf die Anklagebank setzen müssen. Daran hatte niemand ein Interesse, am allerwenigsten die Westalliierten, die die neue Republik Italien als Verbündeten im beginnenden Kalten Krieg brauchten.

Ein weiteres gravierendes Manko des Buches besteht darin, dass Schieder keine Bilanz zieht. Welche Bedeutung, welcher "Ort" dem Faschismus in der modernen italienischen Geschichte zukommt, welche sichtbaren und weniger sichtbaren Folgen der Faschismus für die weitere Geschichte Italiens hatte, all das bleibt unklar. Bei Schieder erscheint der Faschismus als bloßes Zwischenspiel, als bizarrer, folgenloser Spuk, ja beinahe als ein historischer Betriebsunfall. Renzo de Felices These, der Faschismus habe auch eine modernisierende Wirkung auf Italien gehabt, wird von Schieder ins Lächerliche gezogen und oberlehrerhaft beiseite gewischt.

Wer an einer Darstellung des italienischen Faschismus interessiert ist, die auch die Gesellschaft einbezieht, dem seien die folgenden Bücher empfohlen:

R.J.B. Bosworth, Mussolini's Italy. Life Under the Fascist Dictatorship, 1915-1945 (2006).
Christopher Duggan, Fascist Voices. An Intimate History of Mussolini's Italy (2012). 

(Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im August 2014 bei Amazon gepostet)

Cover des Buches Benito Mussolini (ISBN: 9783406669828)
A

Rezension zu "Benito Mussolini" von Wolfgang Schieder

Mussolinis Aufstieg und Fall
Andreas_Oberendervor 3 Jahren

Wenn Wolfgang Schieder am Anfang seiner schmalen biographischen Skizze über Benito Mussolini behauptet, der italienische Diktator gehöre zu den "am meisten biographisch porträtierten Politikern des 20. Jahrhunderts", dann fragt man sich als deutscher Leser unwillkürlich, warum so wenige Mussolini-Biographien auf den deutschen Buchmarkt gelangt sind, sei es in der Vergangenheit, sei es in der Gegenwart. Seit der Biographie des Briten Denis Mack Smith (1981) wurde keine bedeutende und wissenschaftliche fundierte Mussolini-Biographie mehr ins Deutsche übersetzt. Das gilt etwa für das Werk des Franzosen Pierre Milza (1999) und die Biographie des australischen Faschismus-Experten Richard Bosworth (2002). Eine umfassende Mussolini-Biographie aus der Feder eines deutschen Historikers hat es noch nie gegeben. Die von Schieder im Literaturverzeichnis (S. 122) aufgeführte Biographie des Würzburger Historikers Wolfgang Altgeld wird seit Jahren vom Kohlhammer-Verlag angekündigt, ist aber bisher nicht erschienen.

Schieder, einer der besten deutschen Kenner des italienischen Faschismus, hat eine knappe, aber gehaltvolle und informative biographische Skizze vorgelegt, die vor allem für Leser geeignet ist, die sich erstmals mit Mussolini beschäftigen wollen. Mangels Alternativen wird sich das Büchlein sicher rasch als Einstiegslektüre durchsetzen. Von den 13 Kapiteln sind besonders die beiden ersten von Interesse. Schieder charakterisiert zunächst den Menschen und Politiker Mussolini, bevor er ab Kapitel 3 die Entstehung der faschistischen Bewegung, die Machtergreifung der Faschisten und Mussolinis Herrschaft untersucht. Die Kapitel 3 bis 13 weisen eine erhebliche inhaltliche Überschneidung (bis hin zu identischen Formulierungen) mit Schieders Band "Der italienische Faschismus" auf, der 2010 in der gleichen Buchreihe erschienen ist. Was die Funktionsweise des faschistischen Herrschaftssystems betrifft, so geht Schieder in seiner Analyse nicht über das hinaus, was er in dem früheren Band dargelegt hat.

Lange Zeit wurde Mussolini nicht ernst genommen. Er wurde als Operettendiktator, wenn nicht gar politischer Clown und Possenreißer abgetan, zeigen doch historische Filmaufnahmen einen Mann, der vom Balkon des Palazzo Venezia wild gestikulierend und grimassierend zum Volk spricht. Apologetische italienische Historiker der Nachkriegszeit versuchten, ihn als vermeintlich "schwachen Diktator" zu verharmlosen. Schieder wendet sich energisch gegen solche Zerrbilder. Er warnt davor, Mussolini zu unterschätzen. Was die Persönlichkeitsstruktur des Diktators angeht, so hebt Schieder Mussolinis ausgeprägten Machtinstinkt, taktische Wendigkeit, intellektuelle Oberflächlichkeit, ideologische Konturlosigkeit und unverhohlene Gewalttätigkeit hervor. Mussolini war kein Mann der Ideen, sondern ein Mann der Tat, der Aktion. Seine voluntaristische Lebenseinstellung vertrug sich nicht mit programmatischen Festlegungen und einem festgefügten, eindeutigen ideologischen Bekenntnis. Als Außenseiter verdankte er seinen Weg an die Macht dem eigenen Geschick, aber auch günstigen historischen Umständen, d.h. der schweren Krise, von der Italien nach dem Ersten Weltkrieg heimgesucht wurde. Detailliert schildert Schieder, wie sich Mussolini innerhalb der faschistischen Partei als Führer durchsetzte und wie er nach der Ernennung zum Ministerpräsidenten (Oktober 1922) schrittweise seine Stellung als Diktator ausbaute.

Mussolinis politisches Meisterstück bestand darin, sich weder der faschistischen Partei zu unterwerfen noch sich von den traditionellen Eliten vereinnahmen zu lassen, die ihm als Steigbügelhalter gedient hatten. Einmal gezähmt, übte die Partei keinerlei Einfluss auf die Regierungsgeschäfte aus. Der italienische Faschismus war keine Parteidiktatur, sondern die persönliche Diktatur Mussolinis, der mit großem Geschick sowohl die Partei als auch den Staatsapparat zu bloßen ausführenden Organen seines Willens degradierte. Eine zusätzliche Stütze seiner Herrschaft war die charismatische Beziehung zum Volk, dem er sich als weiser und unfehlbarer Führer präsentierte. Diese charismatische Beziehung konnte aber nur so lange funktionieren, wie der Diktator handfeste Erfolge vorzuweisen hatte. Mussolini, der nie irgendwelchen Utopien anhing, strebte nicht nach einer Transformation Italiens, nicht nach dem Aufbau einer gänzlich neuen Gesellschaftsordnung. Seine Politik war darauf gerichtet, Italien zu neuer imperialer Größe zu führen, vor allem durch koloniale Expansion in Afrika und Gebietserwerb auf dem Balkan.

Breiten Raum nehmen die Beziehungen zwischen Italien und dem Dritten Reich und die Dynamik des Verhältnisses zwischen Hitler und Mussolini ein. Schieder sieht in Mussolinis enger Anlehnung an Hitler keinen Fehler. Im Gegenteil, er betont, dass das Zusammengehen mit Deutschland die faschistische Diktatur stabilisiert und Mussolini einen größeren außenpolitischen Handlungsspielraum verschafft habe. Ohne den deutschen Verbündeten hätte Mussolini seine ambitionierten imperialen Pläne nicht verwirklichen können. Die Misserfolge der Kriegszeit und die daraus resultierende Diskreditierung des Faschismus und Mussolinis als Führer waren in den 1930er Jahren nicht vorherzusehen. Es hätte auch anders kommen können, als es ab 1943 tatsächlich kam: Mussolini, von den eigenen Gefolgsleuten gestürzt, errichtete im Norden Italiens ein auf deutsche Waffen gestütztes Marionettenregime, ehe er im April 1945 einen schmählichen Tod fand. Der gewiefte Taktiker Mussolini, dem lange Zeit so vieles geglückt war, sah sich am Ende mit Kräften konfrontiert, gegen die seine Manipulationskunst nichts auszurichten vermochte.

Der Band enthält keinerlei Abbildungen, aber immerhin eine Chronologie und eine Bibliographie. 

(Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im August 2014 bei Amazon gepostet)

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