Wolfgang Schuster Mit MS KARIN von Jütland zum Saimaa-Kanal

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Inhaltsangabe zu „Mit MS KARIN von Jütland zum Saimaa-Kanal“ von Wolfgang Schuster

Die Vergnügungs- und Reisebranche strotzt nur so vor spektakulären Expeditionen zum Nord- und Südpol, zu den höchsten Himalaja-Gipfeln, von Entdeckungsreisen in die unwegsamsten Urwälder Südamerikas oder in die öden Wüsten Afrikas und Asiens: eine Unmenge von Möglichkeiten, die Grenzen des eigenen Ichs auszuloten. Die Freizeit- und Hobbyindustrie gebiert ständig neue Events. Neben den althergebrachten Reisen für Bildung, Erholung, Forschung, Zerstreuung und Lustgewinn jedweder Art sowie Abenteuern für extreme Erfahrungen in Fernost und anderswo entwickelte sich wieder mal ein ganz neuer Zweig, nämlich die Gesundheitsreisen - auf Neuhochdeutsch: MEDICAL WELLNESS. Aber mit all dem wollten wir uns gar nicht abgeben. Die Frage hieß: Was sollte denn nun geschehen beim Eintritt in meinen neuen Lebensabschnitt? Es gab doch so unendlich viele Möglichkeiten...
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  • Rezension zu "Mit MS KARIN von Jütland zum Saimaa-Kanal" von Wolfgang Schuster

    Mit MS KARIN von Jütland zum Saimaa-Kanal
    Ein LovelyBooks-Nutzer

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    28. October 2010 um 08:43

    Schon das Cover verspricht Ungewöhnliches. Von einem Reisetagebuch ist da die Rede ... und von zwei Städtenamen, die man nicht unbedingt schon so oft bzw. noch gar nicht gehört hat. Offenbar handelt es sich um eine Schiffsreise ... doch keine Spur von einem schicken Kreuzfahrtschiff. Das Foto zeigt einen ziemlich gewöhnlichen Frachter. Sicher wurde dieser im Vorbeifahren geknipst - doch schnell stellt sich heraus, dass dies ein Irrtum ist. Das Schiff ist tatsächlich die Hauptperson, die MS KARIN. Der Autor und seine Frau sind mit ihr, von Horsens, einer dänischen Hafenstadt in Ost-Jütland, bis nach Lappeenranta, der größten Stadt Südostfinnlands geschippert ... Der Eintritt in den Ruhestand war vollzogen, und nun keimte die Idee einer Weltreise auf, um das entstandene "schwarze Loch" mit etwas Leben zu erfüllen. Etwas nicht Alltägliches sollte es sein. Keine pauschal gebuchte Gewöhnlichkeit mit den üblichen Zielen Mallorca, Ibiza, Karibik oder gar Seychellen. Eine Kreuzfahrt in einem schwimmenden Luxushotel kam ebenfalls nicht in Frage. Unkonventionell sollte es sein. Und was erfüllt diesen Tatbestand mehr, als eine Reise mit einem Frachter ... Nachdem Berge von Prospekten studiert wurden, ergaben sich bei genauerer Betrachtung aber so viele Unwägbarkeiten, dass sowohl das Projekt Weltreise, als auch eine kürzere Variante, "die Schnupperreise" durch die Ostsee zum Saimaa-Kanal, zugunsten einer ausgiebigen Tour um den Bodensee, zunächst auf Eis gelegt wurden. Wieder zu Hause, keimte die Idee für die Tour zu den Saimaa-Seen nach Finnland wieder auf, bis man sich entschließen konnte, die Reise-Unterlagen nun doch zu unterschreiben. Diese Art Unternehmungen beginnen meist schon sehr interessant, da der genaue Abfahrtsort und -Termin erst wenige Tage vorher bekannt gegeben werden kann. Im Frachtgewerbe kann es immer spontane Terminverschiebungen geben. Auch die Wetterlage spielt eine nicht unerhebliche Rolle, denn bei Sturm kann beispielsweise nicht be- oder entladen werden. Verspätungen sind also normal - und aus logistischen Gegebenheiten ist nicht einmal gesichert, dass zum Einschiffungshafen überhaupt zurückgekehrt wird! Weitere Komplikationen können sich ergeben, wenn die Reederin den Laden komplett alleine managt und somit dementsprechend schwer zu erreichen ist ... Diese und andere Anekdoten, die sich letztlich allesamt zum Guten wenden, weiß Wolfgang Schuster mit gar nicht mal unoriginellen Worten zu schildern. So wollte er bei der Reiseagentur erst einmal "Krach schlagen", da das geistige Oberhaupt der MS KARIN sich weder meldete noch irgendwie zu erreichen war. Schließlich kam der Kontakt zustande, und es ist schon wirklich sehr informativ zu erfahren, was eine Schiffseignerin so alles zu erledigen hat und um was sich die agile Dame alles und höchstpersönlich kümmert! Von der gesamten Logistik über die komplette Verpflegung von Mannschaft und Passagieren -was ja alles im voraus besorgt werden muss- bis hin zur Reinigung der Kajüten, ist ihr nichts fremd und kein Handgriff zu viel. Schließlich ging es in Horsens, an der Ostküste Jütlands gelegen, an Bord der MS Karin ... was aber keineswegs bedeutete, dass es nun auch gleich los ging. Das Löschen der Ladung nahm zwei Tage in Anspruch, sodass eine Nacht im Hafen zu verbringen war. Somit war auch noch Zeit, über die jünsten Schlagzeilen zu plaudern. Auf der DORIS, dem baugleichen Schwesterschiff der KARIN, waren vor wenigen Tagen alle Besatzungsmitglieder einschließlich Kapitän und Steuermann ermordet und alles Bargeld gestohlen worden. Ein wirklich alternativer Beginn einer ungewöhnlichen Reise ... Die weiteren Ereignisse schildert Wolfgang Schuster tagebuchartig. Bodenständig und sehr persönlich weiß er die turbulente Reise in Worte zu kleiden, die am 30.08.1993 begann und am 13.09.1993 endete. Fast würde ich sagen "leider", denn ich wäre gerne noch eine Weile mitgefahren! Man hat tatsächlich das Gefühl, dabei gewesen zu sein ... denn selbst den Speiseplan hat der Autor nicht vergessen. Fast eine Banalität, aber gerade dies macht dieses sympatische Büchlein vielleicht noch etwas persönlicher. Außerdem muss man sich tatsächlich wundern, was dem Koch, unter total beengten Verhältnissen, täglich an Köstlichkeiten gelingt. Wolfgang Schuster ist ein wirklich nettes Reisetagebuch gelungen, welches fern jeder spektakulären Urlaubs-Expedition der Superlative zeigt, dass es noch abenteuerliche Wege gibt, die fast vor unserer Haustüre liegen. Er schreibt für die etwas andere Art zu reisen und gegen Wellnesswahn und steril geprägte Freizeit-Events. Von Horsens nach Lappeenranta ... ja warum eigentlich nicht? © Thomas Lawall - www.querblatt.com

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