Wolfgang Seehaber

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Bonhoeffer und Bethge

Bonhoeffer und Bethge

 (7)
Erschienen am 12.09.2016
Maria von Wedemeyer - Bonhoeffers Verlobte

Maria von Wedemeyer - Bonhoeffers Verlobte

 (3)
Erschienen am 01.04.2012
Das kosmische Kind

Das kosmische Kind

 (1)
Erschienen am 15.02.2006
Sündflut

Sündflut

 (1)
Erschienen am 01.05.2004
Lauras Vermächtnis

Lauras Vermächtnis

 (1)
Erschienen am 15.11.2002
Eva Bildt - Helmut Gollwitzers Verlobte

Eva Bildt - Helmut Gollwitzers Verlobte

 (1)
Erschienen am 01.02.2014

Neue Rezensionen zu Wolfgang Seehaber

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Rezension zu "Bonhoeffer und Bethge" von Wolfgang Seehaber

"Das Porträt einer wunderbaren Freundschaft"
Martinchenvor einem Jahr


"Zwei Freunde, die sich der Unmenschlichkeit und dem Hass entgegenstemmten


Ende April 1935 begegneten sie sich zum ersten Mal im neu gegründeten Predigerseminar der Bekennenden Kirche: der Berliner Professorensohn und Theologiedozent Dietrich Bonhoeffer und der Pastorensohn vom Land, Eberhard Bethge. Sehr schnell lernte Bonhoeffer die Bescheidenheit, die ungeheure Vitalität, die Fröhlichkeit, die vorbehaltlose Frömmigkeit und die Musikalität dieses zunächst theologisch ziemlich unbedarften Provinzlers zu schätzen. Daraus entwickelte sich eine der ungewöhnlichsten und bedeutsamsten Freundschaften des 20. Jahrhunderts.

Erstmalig erzählt dieses Buch ausführlich die Geschichte dieser vertrauensvollen und von unendlicher Treue geprägten Verbindung, beschreibt ihr Wesen und ihre Auswirkung auf die damalige Zeit und auf heute. Zudem werden die schwierigen kirchlichen Bedingungen und die bedrohlichen politischen Umstände geschildert, gegen die sich diese Freundschaft stets neu behaupten musste. Beide ließen sich in den gefahrvollen Widerstand gegen Hitler einbinden und erlebten ihre Freundschaft als heilsamen letzten Rückzugsort in jenen gehetzten Tagen, als sie Freiheit und Leben für eine humane Zukunft ihres Landes einsetzten."

 Der Schutzumschlag dieses hochwertigen Buches zeigt ein Foto von Eberhard Bethge und Dietrich Bonhoeffer - eine schöne Illustrierung des Titels. Das Buch selbst ist sehr hochwertig ausgestattet, ein schwarzer Leineneinband mit silberner Schrift unterstreichen dies.

Wolfgang Seehaber, so ist dem Klappentext zu entnehmen, ist Theologe, freier Autor und Publizist und lebt in Kiel. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. Mit dem Menschen und Theologen Dietrich Bonhoeffer beschäftigt er sich seit seinem Studium.

Das Buch ist in 8 Kapitel unterteilt und wird durch ein umfangreiches Literaturverzeichnis und einer Vielzahl von Anmerkungen ergänzt.

Seehaber zeichnet die Lebenswege der beiden Freunde nach, gleichberechtigt und "auf Augenhöhe". Er beginnt mit Bonhoeffer und seinen ersten Freundschaften. Bonhoeffer wirkte eher abweisend, er war ruhig, zurückhaltend und kontrolliert, alles Eigenschaften, die es ihm nicht leicht machten, Freundschaften zu schließen. War dies allerdings einmal erreicht, erwies er sich als treuer und großzügiger Freund.

Ganz anders Bethge, den alle gut leiden konnten, der offen, fröhlich und herzlich war.

Diese beiden ungleichen Männer, Bonhoeffer aus der Stadt, Bethge vom Land, lernten sich in Zingst kennen. Bonhoeffer als Seminardirektor bemüht sich um Bethges Freundschaft. Diese Freundschaft in all ihren Fassetten wird in den weiteren Kapiteln beschrieben. Es ist eine Freundschaft, die hält und trägt, in der Zeit des Widerstands und über den Tod hinaus. Im achten und letzten Kapitel beschreibt Seehaber, wie Bethge als Erbe des schriftlichen Nachlasses diesen systematisiert und veröffentlicht. Otto Dudzus schreibt dazu: "In einer nicht zu analysierenden Weise ist Dietrichs Werk in Dich eingegangen, und Du warst ausersehen, es weiterzugeben. Ohne Dich wäre Dietrich weithin unbekannt geblieben. Und wir wären um vieles ärmer." (Seite 389)

Die Geschichte Bonhoeffers lässt sich ohne die historischen Hintergründe nicht erzählen. Insbesondere der Weg der Bekennenden Kirche und Bonhoeffers Weg in den Widerstand werden ausführlich erzählt. Dies geschieht in einer nüchternen Sprache mit einer Vielzahl von Zitaten und macht es dem Leser nicht immer leicht, das Buch zu lesen. Dennoch gelingt es Seehaber, die Personen lebendig darzustellen und Bonhoeffer und Bethge sowie ihre ganz besondere Freundschaft dem Leser näherzubringen.

Fazit: ein sehr anspruchsvolles "Porträt einer wunderbaren Freundschaft", das auch dazu anregt, das eigene Verhalten in Freundschaften zu reflektieren.

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Rezension zu "Bonhoeffer und Bethge" von Wolfgang Seehaber

Bonhoeffer und Bethge - eine Freundschaft über den Tod hinaus als Lebensaufgabe
MiniBonsaivor 2 Jahren

Der Inhalt

"Ein treuer Freund liebt mehr und steht fester bei denn ein Bruder." Sprüche 18,24

Zunächst lernt der Leser Bonhoeffer und dann Bethge kennen in ihren Lebenszusammenhängen vor ihrem ersten Treffen. Ihr Umgang mit früheren Freundschaften, die Leichtigkeit oder Schwere zum Freundschaft-Schließen.
Der Weg zum Kennenlernen und zur Freundschaft - wichtig für das spätere Verständnis der Tiefe dieser Freundschaft, die für Bethge zur Lebensaufgabe wurde.

Dann das Kennenlernen und der Freundschaftsschluß - aneinander reiben, vorsichtige Annäherung, abschätzen des Anderen ... eine tiefe Verbindung entsteht und trägt die beiden durch die Zeit.
Zeiten der Trennung werden schmerzlich emfpunden und vermieden. Wiedersehen immer wieder geplant.

Verwoben in die Freundschaft wird die Entwicklung der Bekennenden Kirche und von Bonhoeffers Seminaren erzählt. Dabei wird der Weg schon in Richtung des Widerstands gelenkt, der letztlich Bonhoeffer und einigen weiteren aus seiner Familie und seinem Umfeld das Leben kostet.

Der Halt, den die Freundschaft sowohl Bonhoeffer im Gefängnis als auch Bethge an der Front bringt, ist das Lebenselixier, das beide aufrecht hält. Und als Bonhoeffer klar wird, dass er wohl nicht überleben wird, bekräftigt er eine frühere Entscheidung: Bethge wird sein Erbe, sein Archivar, sein Biograph, sein Erinnerer. Bethge nimmt diese Aufgabe an und macht Bonhoeffer damit letztlich zu dem, der er heute für uns alle ist:
ein Pastor, der dem Rad in die Speichen gegriffen hat!
Ohne Bethge und seinen Einsatz für dies Erbe wäre Bonhoeffer einer von vielen geblieben.
Das wird dem Leser klar.

Mein Eindruck
Dies Buch ist nicht nur das Porträt einer wunderbaren Freundschaft (siehe Untertitel) sondern auch eine Erinnerung und Vergewisserung im Leben der eigenen Freundschaften.

Seehaber ist es gelungen, beide Freunde als eigenständige Persönlichkeiten mit ihrer Entwicklung darzustellen und das mit der Tiefe und Einzigartigkeit ihrer Freundschaft zu verbinden.

Der Leser spürt wie tragend Freundschaft sein kann. Freundschaft, bedingugnsloses Annehmen des Anderen, Geben und Nehmen - ein Lebenselixier.

Mir hat das Buch geholfen, selbst wieder mal mein Leben zu reflektieren und Freundschaften auf den Prüfstand zu stellen. Heute schließt man so schnell Freundschaft, hält sie über große Entfernung mit einem Mausklick - und beendet sie auch schneller. Doch sind das wirklich Freundschaften? Oder eher Bekanntschaften?

Was mich zwischendurch ab und an störte, das waren inhaltliche Wiederholungen. Da wurden Situationen erneut geschildert oder Personen wieder beschrieben. Das kann vertiefen aber auch erschweren.

Die Aufmachung
Hardcover mit Schutzeinband. Großformatiges Foto der beiden Freunde, Bethge nachdenklich lesend, Bonhoeffer blickt ihm über die Schulter.
Für mich hat das Foto eine starke Symbolik, denn Bethge wurde nach Bonhoeffers Tod der Erbe all seiner Schriften, Gedanken etc. ... und Bonhoeffer schaute ihm wohl immer dabei über die Schulter wie Bethge diese Lebensaufgabe bis zu seinem eigenen Tod annahm und meisterte.

Der Autor
Wolfgang Seehaber, Jahrgang 1944, ist Theologe, freier Autor und Publizist. Er ist seit dem Studium stark an Bonhoeffer interessiert.

Gebundene Ausgabe: 448 Seiten 18.99 € E Book 16.99 €
Verlag: Fontis - Brunnen Basel; Auflage: 1 (12. September 2016) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3038480959 ISBN-13: 978-3038480952

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frenx1s avatar

Rezension zu "Bonhoeffer und Bethge" von Wolfgang Seehaber

Eine wunderbare Freundschaft
frenx1vor 2 Jahren

Eine „wunderbare Freundschaft“ nennt Wolfgang Seehaber das, was die Theologen Dietrich Bonhoeffer und Eberhard Bethge miteinander verbunden hat. In seinem Buch stellt er die beiden unterschiedlichen Männer gegenüber und zeigt, was ihre Freundschaft ausmachte.

Seehaber erweist sich dabei nicht als großartiger Erzähler, der Geschichte durch Geschichten lebendig werden lässt. Er ist eher der nüchterne Betrachter, der mithilfe der zur Verfügung stehenden Quellen untersucht, was die beiden Theologen so sehr verband, dass sie sich blind vertrauten.

Seehaber macht deutlich, wie wichtig diese Freundschaft gerade in der Zeit der Verfolgung war, wo das Finkenwalder Seminar, das Bonhoeffer leitete, verboten wurde und die Arbeit der Bekennenden Kirche immer mehr im Untergrund stattfand. Seehaber betont stark Bonhoeffers klaren Blick für die politischen Ereignisse, seine klare Positionierung und Standhaftigkeit. Zugleich verdeckt er aber Bonhoeffers Schwächen – wie etwa sein antiquiertes Frauenbild – nicht. Freilich wirkt die Freundschaft zwischen Bonhoeffer und Bethge etwas verklärt (was aber auch daran liegen mag, dass Bonhoeffer dies selbst betrieb), wenn er etwa Bonhoeffer als „Meister“ bezeichnet. Beinahe anrührend hingegen ist die Abwägung zwischen Freundschaft und Liebe, als sowohl Bethge als auch Bonhoeffer sich verlieben.

„Bonhoeffer und Bethge“ ist manchmal etwas mühsam zu lesen, weil Seehaber mehr berichtet als dass er erzählt – seine wichtigen Aussagen wiederholt er dabei doppelt und dreifach, zum Teil auch gegen die Chronologie der Ereignisse. Manches wirkt wie eine Fleißarbeit, zum Beispiel wenn im ersten Kapitel des Buches alle Freundschaften Bonhoeffers präsentiert und analysiert werden. Durch vielen erwähnten Namen machen das Buch etwas unübersichtlich. Zugleich gelingt es Seehaber aber, die Kirchengeschichte des Dritten Reiches immer wieder in sein Buch einzuflechten und so die Sorgen und Nöte Bonhoeffers, aber auch seine Bedeutung für uns aufgrund seiner Aufrichtigkeit aufzuzeigen.

Trotz des eher analytischen Stils gelingt es Seehaber, die Personen lebendig werden zu lassen. Bonhoeffer, der Spross einer bürgerlichen Familie, Einzelgänger, gibt Unsummen für Telegramme und Briefe nachhause aus. Bethge, der schlechte Schüler, aus dem ein guter Handwerker hätte werden können, ehr ein Alleinunterhalter, wird nur deshalb Pfarrer, weil er es als Verpflichtung gegenüber seinem Vater sieht. Zwei unterschiedliche Männer, die aufeinander angewiesen und verbunden waren in einer „unfasslichen Zuneigung“.

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