Wolfgang Stahnke Margarete

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Inhaltsangabe zu „Margarete“ von Wolfgang Stahnke

In einem kleinen Dorf nicht weit vom Neckar kämpft eine junge Bäuerin um das Überleben ihres Hofes. Sie und ihre Familie müssen sich im 'Dritten Reich' gegen die Feindschaft ihres Nachbarn, eines mächtigen Parteigenossen, behaupten. Sie heiratet den Mann, den sie liebt, aber er muss gleich an die Front und kommt nicht zurück. Die Entbehrungen des Krieges, die Aufnahme eines polnischen Zwangsarbeiters und die Verlogenheit der Nazi-Propaganda machen sie zu einer selbstbewussten, kritischen jungen Frau.
In der schweren Nachkriegszeit gelingt es ihr mit Klugheit, Standhaftigkeit und List, den Betrieb zu retten, ihn dem radikalen Wandel in der Landwirtschaft anzupassen und am Ende zu neuer Blüte zu führen. Ihrem vermissten Mann hält sie dabei die Treue, mit Beharrlichkeit geht sie seinem Schicksal nach und stößt dabei auf seltsame Ungereimtheiten.
Der Roman zeichnet das Porträt einer starken Frau, ihrer Familie und ihrer dörflichen Nachbarn. So entfaltet sich eine üppige Familien- und spannende Kriminalgeschichte und zugleich ein vielfarbiges Gemälde der dramatischen Jahrzehnte des 'Dritten Reiches' bis zu den Gründerjahren der Bundesrepublik.

Spannend, bodenständig, authentisch und lebendig: ein kluges Stück prosaische Zeitgeschichte.

— nicolecarina

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    Margarete

    nicolecarina

    08. July 2014 um 20:51

    Meine Großmutter hieß Margarete. Und wie die Hauptfigur in Wolfgang Stahnkes neuem Roman “Margarete” wuchs auch sie in den Wirren des Zweiten Weltkriegs ins Leben. Meine Großmutter war ein “Stadtkind”, Stahnkes Frauenfigur ist eher eine Heldin vom Land. Als Karl-Friedrich Buchsbaums jüngere Tochter lebt sie irgendwo bei Heilbronn auf dem elterlichen Hof. Im Dorf haben sie einen guten Stand und als Margarete beim Dorffest mit dem Musiker Willi in eine gemeinsame Zukunft tanzt, ist die Welt eigentlich noch in Ordnung. Doch Nachbar Kurt Kalkbrenner steht bereits für eine Bewegung, die schnell viel Kummer unter alle Dächer bringen wird. Beim Mittagessen läuft der Volksempfänger und Margarete und ihre Familie erfahren, dass der Propagandaminister in Berlin auf einer Großveranstaltung über die “jüdische Weltverschwörung” sprach. Bald darauf verschwindet der jüdische Dorfarzt und in seinem Haus wohnt sein jüngerer, selbstverständlich arischer Nachfolger. Auch Margaretes Mann verschwindet. Zuerst im Krieg, dann als Deserteur auf der Flucht. Und bei allen alltäglichen Sorgen und Nöten welche die junge Bäuerin bald allein zu bewältigen hat, steht immer die Frage nach dem Verbleib des geliebten Mannes, die sich erst viele Jahre nach dem Krieg, als Margarete sich einen Traktor, einen Schlepper und ein Telefon leisten kann, beantworten lässt. Bis dahin behauptet sich die Protagonistin tapfer gegen allzu aufdringliche Parteigenossen, gegen Klatsch und Tratsch, gegen Hunger, Vorurteile und Nazipropaganda und bringt zwei Töchter durch die magersten Jahre ihres Lebens, reift zu einer klugen, herzenswarmen Frau. Eindringlich, meist leise, dafür mit viel Liebe zum Detail zeichnet der Autor das Portrait einer jungen Frau auf dem Lande, erzählt eine fesselnde Familiengeschichte und malt das Landleben der 30er- bis 50er-Jahre so nüchtern wie farbenfroh – trotz aller Schicksalschläge und Unmenschlichkeiten, die der Krieg so mit sich brachte. Meine Großmutter hat so gut wie nie etwas aus dieser Zeit erzählt. Um so spannender war für mich dieser bodenständige und gleichzeitig lebendige Roman, der ohne moralische Wertungen, überlebensnotwendige Verdrängung oder aufgebauschte Grausamkeit auskommt. Empfehlenswert!

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