Vorweg betrachtet, die traditionellen westlichen Formen der Psychotherapie, der „Heilung“ inneren Konflikte und Störungen, immer noch bis in die Gegenwart hinein setzen die innere Entwicklungsgeschichte der konkreten Person mitsamt unbewusster Verfasstheiten als „Arbeitsbereich“ der therapeutischen Methoden (ob über den Verstand und das Verhalten, wie Verhaltenstherapie und Schematherapie, ob in den Regionen des Unbewussten, Analyse und Tiefenpsychotherapie oder in den Regionen der Hemmungen innerer Aktualisierung und innerer Freiheit, wie in der Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers).
Im Gegensatz dazu ist z.B. in der japanischen der „Naikan-Methode“ bereits anders angelegt, dass vielfache psychische Störungen „in“ einer Person ihrem Ursprung in Störungen der „äußeren“ sozialen Verfasstheit und damit, in nicht geringem Maße, destruktiver Kommunikationsmuster zu finden sind.
Einer der bekanntesten Psychotherapeuten, Paul Watzlawick, hat beide Linien bereits dadurch verbunden, dass er Grundlagen der Kommunikation erforscht, in Modellen vorgelegt und gesetzt hat (Sender-Empfänger-System, die Unmöglichkeit „nicht zu kommunizieren“, die nicht-trennbare Verbindung von Sachinformation (Syntax) und zugleich emotionalem Beziehungsgeschehen dergleichen Kommunikation (Semantik) als immer gleichzeitig mitschwingende Elemente jeder Kommunikation. Was seine psychotherapeutische Praxis maßgeblich mit beeinflusst hat.
Während an anderem Orte Gregory Bateson und Jürgen Ruesch dies dann in ihr „kybernetisches Modell“ als wesentliches Element herausgearbeitet haben. Was vielleicht am breitesten bekannt wurde im Rahmen der „Systemischen Therapie“ oder „Familientherapie“. Ein Ansatz, der das gesamte soziale System der konkreten Patienten mit in den Blick nimmt, bis hin zu gesellschaftlichen Strömungen, die persönliches Leiden mitverursachen können.
Die Geschichte dieser Erkenntnisse und der daraus hervorgegangenen Methoden und Schulen zeichnet das vorliegende Werk Schritt für Schritt, in sich logisch, fundiert und verständlich verfasst in Ruhe nach. Und bietet so Lesern und Leserinnen nicht wenige Aha-Erlebnisse im Blick auf verbindende und grundlegende Elemente nicht weniger moderner, lösungs- und interventionsorientierter Psychotherapie.
Die in den Augen des Autors zu Unrecht immer noch eine Art „Rand-Dasein“ angesichts der „großen Schulen“ der Analyse, Verhaltenstherapie und anderen führen. Und doch sind diese Methoden in nicht geringem Maße auf dem Vormarsch. Mit ihrem besonderen Fokus:
„Ihre Interventionen zielen direkt auf die Veränderung psychischer Prozesse ab, die – in Individuen, Partnerschaften, Familien, beruflichen zusammenhängen und der Gesellschaft, Leid erzeugen“.
Methoden, die ihren Weg aus zwei grundlegenden Fragen der Arbeit von Bateson und Ruesch erhalten und weitergeführt haben. Wie psychische Prozesse im „kommunikativen Netzwerk“ verstanden werden können und wie genau therapeutische Kommunikation zu erfolgen hat, um veränderungswirksam vonstattenzugehen.
Von der theoretischen Grundlegung über systemische Therapiekonzepte hin zur Gestalttherapie (Fritz Perls), Familientherapie (Virginia Satir) in zu Milton E. Erickson (ein „Ur-Vater“ von Watzlawick und seinem Palo-Alto-Institut) hin zu aktuellen kommunikationstheoretischen Modellen in der Psychotherapie bleibt das Werk nichts schuldig und ist hochinteressant, lehrreich und überzeugend verfasst.
Ein klare und gewinnbringende Lese-Empfehlung.

