Wolfgang Wieser Gehirn und Genom

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Inhaltsangabe zu „Gehirn und Genom“ von Wolfgang Wieser

<p>Die Evolution und ihre Theorie benötigen ein neues Drehbuch. Zufall, strukturelle Zwänge und das Treiben "egoistischer Gene" erklären nicht alles. Das Auftreten des menschlichen Gehirns auf der Bühne der Evolution stellt eine Zäsur dar. Seitdem haben das Stück und seine Inszenierung entscheidende Dimensionen hinzugewonnen.<br /> Die Evolution des Menschen vollzog sich zwar auf genetischer Grundlage, läßt sich aber dadurch allein nicht hinreichend erklären. Erbgut und Gehirn trugen und tragen auf je eigene, durchaus konkurrierende Weise zur Dynamik des evolutionären Geschehens bei. Schon in ihren zeitlichen Dimensionen unterscheiden sie sich gewaltig. Der Beitrag des Genoms zur Evolution wird in Tausenden bis Millionen von Jahren oder in Hunderten bis Tausenden von Generationen gemessen, der Beitrag des Gehirns jedoch in Minuten, Tagen, Jahren bzw. in einer einzigen Generation. Das Menschengehirn ist in der Lage, aus seinen Auseinandersetzungen mit der Umwelt etwas ganz anderes zu machen als die Erbanlagen. Die Mehrzahl seiner Hervorbringungen sind autonome Leistungen, für die das Genom keine Anweisungen parat hat. Der international renommierte Evolutionsbiologe Wolfgang Wieser zeichnet ein neues, revolutionäres Bild der Evolution, in der neben dem „egoistischen Gen“ das Gehirn die zweite Hauptrolle spielt und es auch auf die Vererbung erworbener Eigenschaften ankommt.</p>

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  • Rezension zu "Gehirn und Genom" von Wolfgang Wieser

    Gehirn und Genom
    HeikeG

    HeikeG

    26. September 2008 um 16:59

    Genom - Gehirn - Umwelt . Wolfgang Wieser fordert in seinem Buch "Gehirn und Genom" ein neues Drehbuch für die Evolutionstheorie. . "Menschliches Genom entschlüsselt!" Diese Meldung schlug im Jahr 2000 ein wie ein Bombe. Die Berichterstattung beherrschte ein ganzes Jahr lang die Medien. Anlässlich dieser sensationellen Bekanntgabe verkündeten der damalige US-Präsident Bill Clinton und der britische Premierminister Tony Blair persönlich in einer gemeinsamen Pressekonferenz in Washington und London am 26. Juni 2000 das Ereignis der Weltöffentlichkeit. Bill Clinton formuliert dies folgendermaßen: "Mit diesem Tag lernen wir die Sprache, mit der Gott das Leben erschaffen hat." Diese Aussage veranlasste Sidney Brenner, einen der Pioniere der Genforschung, zu einer vorlauten Bemerkung: "Und vielleicht ist die Bibel die Sprache, in der der Mensch Gott erschaffen hat". . "Sieht man einmal davon ab, dass weder das Genom noch die Bibel eine Sprache ist", bemerkt Wolfgang Wieser in seinem Buch "Gehirn und Genom", "sondern bestenfalls ein geschriebener Text, dann trifft zu, dass sowohl die Entwicklung eines Individuums aus dem Genom der befruchteten Einzelle als auch die Erschaffung eines Gottesbildes durch die Sprache etwas mit der Übertragung und Verarbeitung von Information zu tun hat." In der Tat jedoch ist die Entschlüsselung der menschlichen Erbinformation einer der bedeutendsten Meilensteine in der Geschichte der Wissenschaft, ja sogar in der Geschichte der Menschheit. . Unbestritten ist es Charles Darwins großes Verdienst, die biologische Evolution vor 150 Jahren geboren zu haben. Er bot der Menschheit ein Weltbild von einzigartiger Tiefe und Schlüssigkeit an, die sich mit der Revolution der Molekulargenetik Mitte des vorigen Jahrhunderts manifestierte. Doch der totalitäre Anspruch dieser Theorie des "descent with modification" steht auf wackligen Beinen. Wieser ist der Überzeugung, dass zum Verständnis der biologischen Evolution noch einiges mehr gehört "als die dürren Worte, mit denen Charles Darwin seine Theorie charakterisiert hatte". Ebenso von Bedeutung ist für ihn, die Mechanismen und Strategien des evolutionären Prozesses sichtbar zu machen, "denn erst diese vermögen den abstrakten Rahmen mit konkretem Leben zu erfüllen.", stellt der Autor fest. . Wieser führt dem Leser in seinem übersichtlich gegliederten, fundierten und weitgespreizten Sachbuch die entwicklungsbiologischen Entdeckungen des letzten Jahrhunderts vor Augen und zeigt auf, "wie ein sich selbst organisierendes dynamisches System imstande ist, so widersprüchliche Forderungen wie Stabilität und Variabilität, Konkurrenz und Kooperation, Autonomie und Anpassung, Egoismus und Altruismus mehr oder minder aufeinander abzustimmen oder die 'Pflicht' zu Nachhaltigkeit mit dem 'Wunsch' nach Innovation scheinbar problemlos auf denselben Nenner zu bringen." . Ein großes Kapitel widmet er - der Titel verrät es - dem Gehirn. Dieses zeichnet sich darin aus, dass es vor allem der Spezies Mensch ermöglicht, sich von seinen genetischen Abhängigkeiten Schritt um Schritt zu emanzipieren, Autonomie zu gewinnen und eine eigenständige Evolution in Gang zu setzen - die "kulturelle Evolution". Keine andere Art hat sich so schnell entwickelt wie der Mensch. Hier kann es einfach nicht mehr allein nur an den Genen und dem durch Charles Darwin geprägten Motto "survival of the fittest" liegen. Als Beispiel bringt Wieser u. a. Probanden, die blind geboren wurden oder Kinder, die völlig sprachisoliert aufwuchsen. Als Erwachsene können sie im ersten Fall nach geglückter Operation weder Sehen noch wie im zweiten Fall sprechen lernen. Gene entscheiden zwar, wie die Vorgaben des Genoms umgesetzt werden, doch wenn diese Möglichkeiten nicht aktiv genutzt werden, verkümmern sie. . Wieser meint, es sei daher an der Zeit, ein "neues Drehbuch der Evolution" zu schreiben, das beiden "Hauptakteuren" gerecht wird: dem Genom als "genotypischem" und dem Gehirn als "phänotypischem" Steuerorgan. Fungiert das Genom auf der einen Seite als Stabilisator von Bauplänen und langfristig wirksamen Anpassungen, agiert auf der anderen das Gehirn als "Dirigent" der jeweils aktuellen Vorgänge im inneren und äußeren Milieu des Individuums sowie als Motor seiner Kreativität. Ein Zusammenspiel - entweder einander unterstützend oder in Opposition zueinander - steht außer Frage. Immerhin stehen 25.000 menschlichen Genen 100 Milliarden Nervenzellen, die untereinander außerdem noch Billionen Verbindungen eingehen, gegenüber - eine nicht unerhebliche Zahl. Wieser vergleicht gar die kulturelle Kommunikation mit dem horizontalen Gentransfer der Mikroben. . In insgesamt acht Kapiteln setzt sich der Autor mit dem Einfluss der kulturellen Entwicklung auf die Evolution des Menschen auseinander. Eine Lösung des großen Zusammenschlusses aus Darwinismus, Zellforschung, Genetik, Neurologie und Biochemie kann Wieser jedoch auch nicht bieten. Er wirft letztendlich mehr Fragen auf, als man Antworten zu finden hofft. Trotz alledem ist sein Buch eine wahre Fundgrube aus neuerem biologischem Wissen und vielen interessanten Details, die eine Vorstellung davon geben, wie komplex die Wechselwirkungen und Entwicklungen in der Biologie sind. Als Leser meint man mitunter durch die Vielzahl der betretenen Randgebiete, sich im Dschungel der Komplexität zu verirren. Hier wäre ein durchgängiger, lenkender "roter Faden", der alle Kapitel zusammenhält, von Vorteil gewesen. Auch erschweren die exzessiv eingestreuten Fachtermini einem Nichtbiologen die Lesbarkeit enorm. . Trotz allem zeigt Wieser spannende und interessante Ansätze auf, die eine individuelle Auseinandersetzung mit dem Thema allemal lohnen und für jeden Interessierten zu empfehlen sind.

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