Wolfram Eilenberger

 3.2 Sterne bei 102 Bewertungen
Autor von Finnen von Sinnen, Zeit der Zauberer und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Wolfram Eilenberger

Philosoph, Fußballspieler und Schriftsteller: Wolfram Eilenberger wird 1972 geboren und studiert in Heidelberg, Zürich und Turku Philosophie, Psychologie und Romanistik. Eilenberger ist Korrespondent des Magazins „Cicero”, langjähriger Kolumnist des „Berliner Tagesspiegels” und Autor mehrerer erfolgreicher Sachbücher. In seinen Texten beschäftigt er sich nicht nur mit Fragen der Philosophie im Bereich des Alltagslebens und des Sports, sondern berichtet bisweilen auch von Erfahrungen und Stationen seines eigenen Lebens. Beispielsweise erschien 2010 sein Buch „Finnen von Sinnen“, das von seiner Heirat mit einer finnischen Frau handelt und das mehrere Monate auf der Spiegel-Bestsellerliste stand. Großen Erfolg konnte auch sein 2018 erschienenes Buch „Zeit der Zauberer“ verzeichnen, in dem er sich mit Martin Heidegger, Ludwig Wittgenstein, Walter Benjamin und Ernst Cassirer und ihrem Aufeinandertreffen in der Schweiz 1929 beschäftigt. Wolfram Eilenberger lebt mit seiner Frau und seinen deutsch-finnischen Zwillingen in Toronto/Kanada, Berlin und Koivumäki/Finnland. Von den fünfzehn finnischen Fällen weiß er mittlerweile dreieinhalb fehlerfrei anzuwenden, dafür spricht er ganz ordentlich Schwedisch.

Neue Bücher

Feuer der Freiheit

Erscheint am 19.09.2020 als Hardcover bei Klett-Cotta.

Feuer der Freiheit. Die Rettung der Philosophie in finsteren Zeiten (1933-1943)

Erscheint am 18.09.2020 als Hörbuch bei Der Audio Verlag.

Alle Bücher von Wolfram Eilenberger

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Cover des Buches Finnen von Sinnen (ISBN: 9783442375837)

Finnen von Sinnen

 (53)
Erschienen am 20.02.2012
Cover des Buches Zeit der Zauberer (ISBN: 9783608964516)

Zeit der Zauberer

 (17)
Erschienen am 26.10.2019
Cover des Buches Kanada kann mich mal (ISBN: 9783764504045)

Kanada kann mich mal

 (7)
Erschienen am 20.08.2012
Cover des Buches Kleine Menschen, große Fragen (ISBN: 9783833306679)

Kleine Menschen, große Fragen

 (2)
Erschienen am 24.07.2010
Cover des Buches Feuer der Freiheit (ISBN: 9783608964608)

Feuer der Freiheit

 (0)
Erscheint am 19.09.2020
Cover des Buches Ich glaub, ich werd zum Elch (ISBN: 9783442378104)

Ich glaub, ich werd zum Elch

 (0)
Erschienen am 21.07.2014
Cover des Buches Der Tatort und die Philosophie (ISBN: 9783608503272)

Der Tatort und die Philosophie

 (0)
Erschienen am 24.03.2014

Neue Rezensionen zu Wolfram Eilenberger

Neu

Rezension zu "Zeit der Zauberer" von Wolfram Eilenberger

Die Philosophie nach der Katastrophe
Cornelia_Ruoffvor einem Jahr

REZENSION „ZEIT DER ZAUBERER“ VON WOLFRAM EILENBERGER

ZUM INHALT „ZEIT DER ZAUBERER“

Auf der einen Seite handelt es sich bei „Zeit der Zauberer“ von Wolfram Eilenberger um eine Zusammenfassung der Biografien vier großer Philosophen, ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen und ihres Umfelds und auch ihrer in dieser Zeit veröffentlichten Werke. Der Autor zeigt uns nicht nur die Philosophen, sondern er erweckt sie zum Leben, indem er ihre menschliche Seite zeigt. Auf der anderen Seite ist es auch ein geisteswissenschaftliches Porträt der Zwanziger Jahre.

Exemplarisch herausgegriffen hat Wolfram Eilenberger

LUDWIG WITTGENSTEIN (1889–1951)

Werk „Tractatus Philosophicus“

„Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“ 

„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“

„Die Welt ist alles, was der Fall ist.“

Daraus entwickelte sich später der Logische Positivismus. Er Ist der Vater der Analytischen Sprachphilosophie.

MARTIN HEIDEGGER (1889 – 1951)

Werk „Sein und Zeit“

In Davos 1929 treffen sich Ernst Cassirer und Martin Heidegger. 

Heidegger ist aus heutiger Sicht der Vater der Hermeneutik und des Existentialismus.

ERNST CASSIRER (1874-1945)

Ohne erst Cassirer gäbe es keine Kulturwissenschaft. Er hält die Ideale der Aufklärung hoch. Er war einer der letzten Universalgelehrten, hatte aber keinen Willen zu einer eigenen Sprache.

WALTER BENJAMIN (1892-1940)

Walter Benjamin ist Mitbegründer der Frankfurter Schule und der kritischen Theorie.  Walter Benjamins Leben wird als hoch emotional geschildert. Depressionen, Geldnot und familiäre Probleme machten ihn zu einer glücklosen Existenz. Er nahm sich 1940 in Paris das Leben.

Wolfram Eilenberger lässt die vier Philosophen lebendig werden und erzählt dabei nicht nur über die Entstehung ihrer großer Werke, sondern auch wie sich ihr Denken mit dem Privatleben vereinbart hat. Hierzu lässt der Autor weitere Personen aus dem Umfeld auftreten: Hannah Arendt, Karl Jaspers und Theodor Wiesengrund Adorno und noch viele Weitere. Was haben die vier gemeinsam? Was unterscheidet sie? Nur einer der vier Philosophen war ein Demokrat, Ernst Cassirer. Bis auf Heidegger gehörten die genannten Philosophen dem jüdischen Glauben an.

In der beobachteten Dekade wächst das Wissen exponentiell. Konnte nach so einer großen Katastrophe, wie dem Ersten Weltkrieg, Metaphysik überhaupt noch eine Bedeutung haben? Wie sieht es mit der Sprache und deren Unvermögen über „Höheres“ zu kommunizieren, aus?  Welche Schlussfolgerungen werden gezogen?

Die Zeit offenbart eine Revolution des Denkens. Es geht um Erkenntnistheorie: Wie viel von seiner Umwelt bzw. überhaupt von der Welt kann der Mensch erfassen? Was sagen die empirischen Sprachwissenschaften? Wie lässt sich der Mythos damit verbinden? Was Können Anthropologen und Ethnologen dazu beitragen? Letztendlich: Was sagen die theoretischen Physiker?

Das Ziel eines interdisziplinären Forums wird formuliert. „Das Ding an sich“, dessen Erkenntnis Immanuel Kant dem Menschen abgesprochen hat, spielt nach dem 1. Weltkrieg keine große Rolle mehr. Jaspers, Heidegger und die französischen Existentialisten führen eine neue Terminologie ein: 

Daseinssorge – Dasein – das jemeinige Leben – Grenzerfahrungen – Das Umgreifende – Gott ist tot!

Wolfram Eilenberger (Vielen sicherlich bekannt aus Sternstunde Philosophie) zeigt, wodurch seiner Meinung nach die vier Philosophen diese Epoche geprägt haben. Dabei entwickelten sich folgende Fragen:

Wie weit dringt das philosophische Denken in den Alltag ein?

 Gehört es immer zum Alltag?

4/5 Punkten

SPRACHLICHE GESTALTUNG

Wolfram Eilenbergers Erzählstil ist leicht, gut verständlich und unterhaltsam. Die Kapitellänge ist angenehm.

5/5 Punkten

COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUN

Das Cover ist ansprechend, sagt aber wenig aus.

3/5 Punkten


FAZIT / REZENSION „ZEIT DER ZAUBERER“ VON WOLFRAM EILENBERGER

Der Leser erkennt schnell, dass sich mit Sicherheit gewaltige Synergieeffekte ergaben, sobald diese Philosophen miteinander agierten.

Wolfram Eilenberger zeigt dabei, wie eng die Beziehung zwischen Existenz und Theorie war. Das Denken und das Leben sind miteinander verknüpft. Ludwig Wittgenstein verschenkt seine Milliarden. Walter Benjamin fand nie wirklich sein Glück.

Zu Martin Heidegger: Heidegger sagte über Aristoteles:

„Aristoteles wurde geboren, arbeitete und starb“. 

Er sah das Werk getrennt von der Biografie des Autors, der er keine Bedeutung beimaß. Ich sehe das anders. Mir fehlt jegliches Verständnis für Martin Heidegger. Wolfram Eilenberger betrachtet Martin Heidegger aus einer bewusst objektiven Distanz. Ich kann das nicht. In meinen Augen gehören Werk und Autor als Einheit zusammen.

Während Hannah Arendt Heidegger als Philosophen sehr schätze, war sie menschlich von ihm zutiefst enttäuscht. Er war 1933 der NSDAP beigetreten. Sie bezeichnete es als eine „Entfremdung von Feinden“.

Rezension „Menschen in finsteren Zeiten“ Hannah Arendt

Ernst Cassirer scheint der Einzige zu sein, der die Philosophie nicht in sein Familienleben ließ und zufrieden lebte.

Für Liebhaber von Philosophie, Geschichte auch Zeitgeschichte, lohnt es sich in jedem Fall, das Buch zu lesen. Es ermuntert zum Recherchieren und nachlesen. Vielleichte ist es aktueller, als es auf den ersten Blick scheint

@NetgalleyDe und Klett-Cotta
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

Ich vergebe insgesamt 4/5 Punkten.


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Rezension zu "Zeit der Zauberer" von Wolfram Eilenberger

"Die Welt ist alles, was der Fall ist."
Aliknechtvor 2 Jahren

Nicht wenige sollen bei der Lektüre von Ludwig Wittgensteins Tractatus schon am ersten Satz "Die Welt ist alles, was der Fall ist." gescheitert sein. Nicht viel besser erging es vermutlich vielen Lesern von Martin Heideggers "Sein und Zeit", die beim Konzept der "Sorge" zwanghaft nur noch an ihren Kontostand denken konnten. Wem solcherlei widerfuhr, erhält hier eine neue Gelegenheit, sich mit der Philosophie der Zwanziger-Jahre und einigen ihrer wesentlichen Protagonisten zu befassen.  

In seinem neuen Buch  veranstaltet  Wolfram Eilenberger mit Walter Benjamin, Ernst Cassirer, Martin Heidegger und eben Ludwig Wittgenstein nebst diversen Schwestern, Ehefrauen und Geliebten  ein unterhaltsames Philosophie-Tänzchen . Der Leser erfährt manches über die unterschiedlichen Charaktere und Lebensgeschichten dieser Denker und erhält Anregungen zur Vertiefung in die Primärliteratur. Auch manche philosophische Kategorien, wie zum Beispiel für mich besonders eindrücklich, das Heideggersche "Zeug", das dem "Dasein" (=der Mensch) wie Feuerzeug, Werkzeug, Textilien oder Militärausrüstung im Zeughaus "zuhanden" ist, werden erläutert. Ich beginne zu ahnen, wie die schwarze Gibson Gitarre in ihrer "Zuhändigkeit" auf Eric Claptons Spielweise Einfluss nahm. 

Die Story kulminiert im Frühjahr 1929 in Davos auf dem Symposium „Was ist der Mensch?“ I m Hotel Belvédère  findet d er Kampf der Titanen Martin Heidegger und Ernst Cassirer in offener kontroverser Diskussion vor großem Publikum statt. Ob der sportliche Skifahrer aus Meßkirch in Knickerbockern oder der elegante Hamburger Lehrstuhlinhaber, der die berühmte Bibliothek Aby Warburgs mitbetreute, den Sieg davon trug, wird hier natürlich nicht verraten. Diese Lektüre könnte sich in nächster Zeit beim Small-Talk auf der einen oder anderen Akademiker-Party als nützlich erweisen.   

Ausgabe: Wolfram Eilenberger: Zeit der Zauberer - Das große Jahrzehnt der Philosophie 1919 – 1929, Klett-Cotta Verlag 2018. Erstausgabe. 

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Rezension zu "Zeit der Zauberer" von Wolfram Eilenberger

Die Frage nach dem, was der Mensch ist in einer Zeit „zwischen den Katastrophen“
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Die Frage nach dem, was der Mensch ist in einer Zeit „zwischen den Katastrophen“

Zehn Jahre und vier Philosophen. Jeder für sich, jeder ganz eigene, jeder mit seiner Herangehensweise. Und im Gesamten, in der Zusammenschau ergibt sich ein „Gegeneinander“, dass nicht nur der konkreten Zeit Sprengstoff auch in der realen Welt zur Hand gab, sondern ganz grundsätzliches die Reibungen von (genialen) „Ideen“ vor Augen führt..

Eine Spurenverfolgung, die Ellenberger assoziativ und doch mit klarer Struktur angeht, die er dem Leser mit biographischen Hinführungen, mit zentralen Aspekten des Denkens, mit Kernthesen jener vier Männer nahebringt, die in bester Weise zumindest erläutern, was an diesen Gedankengebäuden so über die Zeit herausragend „weltbewegend“ ist.

Martin Heidegger. Walter Benjamin. Ludwig Wittgenstein, Ernst Cassirer. Denker über alle Grenzen hinaus und privat Persönlichkeiten, die mit eigenen Dämonen, überraschenden Aktivitäten, ver-rückten Lieben zu tun, zu kämpfen, zu leben hatten.

Und zum Glück stimmt am Ende der Lektüre nicht, womit Wittgenstein sein Rigorosum in Cambridge beendet:

„Macht Euch nichts draus, ich weiß, ihr werdet das nie verstehen“. (und das aus dem Mund eines Ex-Milliardärs, der zuvor jahrelang „nur“ Grundschüler unterrichtet hat)

Denn Ellenberger ist auch sprachlich in der Lage, die komplexe Gedankenwelt jedes der „Zauberer“ dem Leser verständlich zu erläutern (wofür es allerdings eines gewissen Abstraktionsvermögens bedarf, denn den „festen Boden“ verlassen alle vier Philosophen in ihren kühnen Gedanken das ein oder andere Mal durchaus. „Wie die Welt ist, ist für das Höhere vollkommen gleichgültig. Gott offenbart sich nicht in die Welt. Die Welt ist alles, was der Fall ist (Wittgenstein)).

Und auch gut ist, dass Ellenberger dem letzten Satz Wittgensteins in seinem Rigorosum wenig folgt: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“. Denn man kann in Worte fassen. Und sich dann allerdings daran abarbeiten für lange Zeit, um auch nur den Hauch eines Verstehens zu erhaschen.

Wobei Heidegger in Wesen und Person an anderem Orte zur fast gleichen Zeit anders auftritt. Eben auf „Auftritt“ ausgerichtet. Sein „Erobern des Gipfels“ strategisch geplant, nichts dem Zufall überlassen wollen. Ein Wille zur Macht und sozialen Dominanz, die im Werk abfärbt und Leben und Werk miteinander mischt. Was Ellenberger differenziert dazustellen vermag.

Wie auch Cassirer und Walter Benjamin dem Leser auch „privat“ eng vertraut im Lauf der Lektüre werden und Ellenberger es versteht, Person und Gedanken, Lebensstil und Wirken, Motivationen und Schwächen umfassend darzustellen.

Wobei sicherlich am Ende im Vordergrund steht, dass, bei aller „Höhe“ der Gedanken, die vier Philosophen eben doch konkret zeitgebunden für eine Ära der vertanen humanistischen Chancen steht, für ein Auseinanderdividieren, dass eine junge Demokratie scheitern lässt und die politischen Spaltungen nicht zu vereinen versteht.

Weil eben der eine fest darauf beharrt, das „Höhere“ gedanklich zu erfassen (was auch politische Strömung werden wird), der andere fest darin steht, dass eben nichts allgemeingültig ausgesagt werden kann. Oder eben „ganz neu gedacht“ werden muss und dafür das alte „aus dem Weg geräumt“ gehört. Oder vielleicht doch die menschliche Gesellschaft sich selbst als Gesamtheit mal ausführlich „besinnen“ solle.

Und vielleicht haben alle, je aus ihrer Sicht, recht? Zumindest wird klar, dass Ideengebäude, die in sich geschlossen wirken, nicht der Weisheit letzter Schluss sind, solange andere Ideengebäude in gleicher Festigkeit und ins ich geschlossen als Gegenentwurf im Raume stehen.

Jeder auf seine Weise mit messbarer, klarer Wirkung, die zum Zerreißen der Welt an sich am Ende führt oder, besser ausgedrückt, jenen Kräfte, die zum Zerreißen führten, je polig eine je geniale Stimme verlieh.

Sehr lesenswert als historische Schau, aber auch als Verweisung auf das Grundproblem von in sich geschlossenen Überzeugungen, die auch in der Gegenwart wieder teils unversöhnlich aufeinanderprallen.

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Wolfram Eilenberger wurde am 07. August 1972 in Freiburg im Breisgau (Deutschland) geboren.

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