Wolfram Knorr Monster, Movies, Macht und Massen. Amerikanische Kultur: 200 Jahre Lust und Last

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Inhaltsangabe zu „Monster, Movies, Macht und Massen. Amerikanische Kultur: 200 Jahre Lust und Last“ von Wolfram Knorr

Die amerikanische Populärkultur als oberflächlich und verblödet anzusehen, gehört hierzulande in manchen Kreisen zum guten Ton. Diese Einstellung hat Tradition: Während der Naziherrschaft, aber auch besonders in der Nachkriegszeit wurden Stimmen laut, die Deutschland, das "Land der Denker und Dichter", vor dem schädigenden Einfluss des kulturlosen "großen Bruders" schützen wollten. Der Journalist und Filmkritiker Wolfram Knorr -- selbst bekennender Fan der US-Massenkultur -- hat sich vorgenommen, dieser Wahrnehmung genau auf die Finger zu schauen. Und so liefert <I>Monster, Movies, Macht und Massen. Amerikanische Kultur: 200 Jahre Lust und Last</I> trotz seines Titels weniger eine umfassende Geschichte der amerikanischen Massenkultur, als vielmehr eine Analyse ihrer Rezeption in Deutschland. Der Schwerpunkt liegt dabei eindeutig auf den 50er und 60er Jahren, der Jugendzeit des Autors. <P> Knorr beschwört in lockerem Stil einen Kampf der Kulturen: Der "verkniffene deutsche Intellektualismus" mit spaßfeindlichem Kulturauftrag versus einer Unterhaltungsindustrie, die auf pures Vergnügen abzielt und von der Masse der deutschen "mit befreiender Lust angenommen" wurde. Der Autor exerziert diese These in den Bereichen Comics, Western, Krimis, Kino, Fernsehen und Theater durch. Neben einer Fülle von Material gibt es auch jede Menge Anekdoten, die den Leser bei der Stange halten: So durchforsten Knorr und seine Schulkameraden, allesamt kleine Westernfans, Karl-May-Bücher nach Absätzen, die mit "plötzlich" beginnen, um die langweiligen Landschaftsbeschreibungen zu umgehen. Besorgte Lehrer tauschen auf dem Schulhof Comics gegen erbauliche Literatur -- doch natürlich behält man die Tarzan-Hefte für sich und gibt lediglich die verzichtbaren deutschen Nachahmungen aus der Hand. <P> Sicherlich: Aus der Perspektive des miefigen Nachkriegsdeutschland haben Rock'n'Roll, Westernhelden und Bluejeans tatsächlich eine kleine sinnliche Revolution entfacht. Der amerikanischen Kultur deshalb einen Blankoscheck für unkomplizierte Sinnesfreuden auszustellen, wie Knorr es tut, ist jedoch etwas problematisch -- denn auch die amerikanische Populärkultur hat ihre puritanischen und rassistischen Schattenseiten. <I>--Selina deNiro</I>
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