Es war Ende der 1990er-Jahre als die Wanderausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht mit dem Mythos der „sauberen Wehrmacht“ aufgeräumt und einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen hat. Inzwischen sind zahlreiche Bücher über die Beteiligung an Massenexekutionen, Deportationen und Ermordung Abertausender Menschen veröffentlicht worden. Immer wieder stellt sich die Frage, ob das eine oder andere Massaker nicht zu verhindern gewesen wäre, ob nicht Offiziere dem Töten Einhalt gebieten hätten können oder sogar gemusst hätten und ob es hier nicht doch ein wenig Spielraum gegeben hätte.
Nun, 80 Jahre nach Kriegsende sind keine Zeitzeugen, die ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt haben, um andere zu retten, am Leben, um darüber Auskunft geben. Und Aufzeichnungen über solche Rettungsaktionen sind kaum zu finden, wenn es sie gegeben hat, sind sie von den Angehörigen unter Verschluss gehalten oder vernichtet worden.
Trotz der schwierigen Quellenlage ist es im Rahmen einer Forschungsarbeit gelungen, rund hundert solcher Retter in Uniform ausfindig zu machen, die unter Einsatz ihres Lebens Menschen zu retten versuchten, in dem sie ihre Kooperation mit dem Regime verweigerten, sich demonstrativ nicht an Exekutionen teilnahmen oder Juden und anderen vom Regime Verfolgten, halfen, immer im Bewusstsein, dafür selbst gerichtet zu werden. Dieser verschwindend geringen Zahl, jener die sich dem staatlichen Terror entgegengestellt haben, stehen Millionen von „Gehorchern“ gegenüber.
Zehn dieser als Retter in Uniform genannten Wehrmachtsangehörige werden mit diesem Buch als leuchtende Beispiele, spät, aber doch, vor den Vorhang geholt worden.
- Feldwebel Anton Schmid
- Hauptmann d. R. Wilm Hosenfeld
- Oberst Karl von Bothmer
- Leutnant Reinhard Lofy
- Feldwebel Erich Heym
- Hauptmann Willi Schulz
- Hauptmann Dr. Fiedler, Ortskommandant
- Luftwaffen-Feldwebel und Baurat Karl Laabs
- Oberleutnant Dr. Albert Battel und Major Max Liedtke
- Oberleutnant Heinz Drossel
Obwohl diese Soldaten unterschiedlicher nicht sein konnten, verbindet sie die Empörung über das Unrecht, das Juden und anderen Verfolgten, zuteil worden ist. Sie haben ihren geringen persönlichen Spielraum oft situativ und manchmal auch ohne viel Nachzudenken, ausgenutzt, um Menschen zu retten. Manchmal haben sie den Geretteten nur ein klein wenig Aufschub verschaffen können.
Inzwischen sind seit dem Erscheinen dieses Buches fast 25 Jahre vergangen. Interessant wäre, ob es gelungen ist, weitere Biografien solcher Retter in Uniform ausfindig zu machen.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser diffizilen Spurensuche 5 Sterne.












