Wolfram von Eschenbach

 3.9 Sterne bei 106 Bewertungen
Autor von Parzival, Willehalm und weiteren Büchern.

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Parzival

Parzival

 (65)
Erschienen am 01.10.2011
Parzival I und II

Parzival I und II

 (7)
Erschienen am 27.02.2006
Parzival I und II, 2 Bde.

Parzival I und II, 2 Bde.

 (3)
Erschienen am 05.09.1994
Titurel

Titurel

 (3)
Erschienen am 11.12.2002
Werke / Willehalm

Werke / Willehalm

 (2)
Erschienen am 29.10.1991
Parzival auf der Suche nach dem Gral

Parzival auf der Suche nach dem Gral

 (1)
Erschienen am 01.03.2014
Parsifal

Parsifal

 (1)
Erschienen am 01.01.2000

Neue Rezensionen zu Wolfram von Eschenbach

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Yolandes avatar

Rezension zu "Parzival: Roman (Fischer Klassik Plus)" von Wolfram von Eschenbach

Parzival und der heilige Gral
Yolandevor 2 Jahren

Parzival ist ein epischer Versroman von Wolfram von Eschenbach aus dem 13. Jahrhundert.
Inhalt: Parzival, dessen Vater vor seiner Geburt im Kampf gefallen ist, wird von seiner Mutter in der Wildnis erzogen, damit er nicht auch noch ein Ritter werden soll. Doch eines Tages begegnen ihm doch drei Ritter, die ihm von König Artus und seinen Männern erzählen. Parzival bricht auf, um einer von ihnen zu werden. Er tötet den roten Ritter und übernimmt dessen Rüstung - dass dieser Ritter eigentlich ein Verwandter von ihm ist, weiß er nicht. Zwar besitzt er nun die richtige Ausrüstung, doch immer noch fehlt ihm die höfische Erziehung, sodass er zunächst noch wie ein ungehobelter Narr erscheint, den alle auslachen.
Parzival aber ist zu Höherem berufen: Er kommt auf die Burg, in der der wunderbare Gral aufbewahrt wird, doch er fragt nicht nach den Leiden des Gralskönig Anfortas, weil er inzwischen als Regel des ritterlich-höfischen Lebens gelernt hat, nicht zu viele Fragen zu stellen. Dabei hätte die Frage die Erlösung von Anfortas' bedeutet. Die Gralsbotin Cundrie verflucht Parzival dafür. Der verzweifelte Parzival, der die Regeln der Welt nicht mehr zu verstehen meint, legt das Gelöbnis ab, nicht eher zu ruhen, als bis er den Gral wiedergefunden hat.
Doch erst nach viereinhalb Jahren erfolgloser Suche trifft er auf den Einsiedler Trevrizent, der ihn über seine Sünden aufklärt - Parzival hatte unter anderem nicht bemerkt, dass seine Mutter im Moment seines Abschieds an gebrochenem Herzen gestorben war - und ihm von der Barmherzigkeit Gottes berichet. Als er später gegen einen anderen Ritter kämpft, merken beide erst kurz bevor Parzival den anderen besiegt hat, dass dieser sein Verwandter und Freund Gawan ist. Parzival wird in Ehren wieder in den Kreis der Artus-Ritter aufgenommen. Er begegnet seinem Halbbruder Feirefiz - dessen Haut ist schwarz und weiß gefleckt, da er aus einer Verbindung seines Vaters mit einer schwarzen Königin stammt - und geleitet ihn zum Artushof. Dort wird Parzival von Cundrie als zukünftiger Gralskönig ausgerufen. Mit Feirefiz zusammen zieht er nun wieder zu Anfortas, von dem er inzwischen erfahren hat, dass dieser sein Onkel ist. Jetzt kann er ihn durch seine Frage von seinem Leid erlösen. (Aus Allgemeinbildung - Werke der Weltliteratur, S. 50-51).


Ich muss ehrlich gestehen, mir war die Gralsgeschichte vorher nicht bekannt und so war ich überrascht, dass der Held Parzival am Anfang der Geschichte ziemlich unbedarft dargestellt wird. Er stellt ziemlich dumme Fragen, vergewaltigt (!) ohne große Gewissenbisse eine Ehefrau (die danach ziemliche Probleme mit ihrem Mann bekommt) und tötet einfach mal so einen Ritter, weil er dessen Rüstung haben will. Das hört sich nicht besonders ritterlich an. Natürlich wird er im Verlauf der Geschichte geläutert. Es gibt pausenlos Ritterkämpfe, sogenannte Tjoste,  und hier wurde nicht lange gefackelt. Sobald man einen anderen Ritter sah, ging der Kampf auch schon los. Gefragt, wer der Gegner ist, wurde erst hinterher. So zieht es sich durch das ganze Buch und am Ende ist es natürlich Gottes Gnade, dass alles gut ausgeht. 
Dieter Kühn hat eine ziemlich moderne Übersetzung geschrieben, die sich gut lesen lässt. Die Sätze sind klar formuliert, allerdings hat er viele französische Wendungen und Begriffe, die von Eschenbach benutzt hat, übernommen, sodass ich ohne mein Schulfranzösisch so manches Mal aufgeschmissen gewesen wäre. Auch die Anmerkungen, bzw. Zusammenfassungen der einzelnen Kapitel im Anhang, fand ich oft zu lapidar und ich hätte mir etwas ausführlichere Erklärungen gewünscht. 
Fazit: Alles in allem ein interessanter Ritteroman, der sich gut lesen lässt. Ich gebe 3 Sterne. 

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quatspreches avatar

Rezension zu "Parzival" von Wolfram von Eschenbach

Parzival
quatsprechevor 3 Jahren

Der Parzival von Wolfram von Eschenbach ist einer der mittelalterlichen Romane. Die beiden Ritter Gâwân und Parzival erleben darin viele Abenteuer: Sie kämpfen gegen böse Ritter, gewinnen die Herzen vieler Frauen und befreien Burgen vor Belagerern. Ein typischer Ritterroman, oder ist es doch nicht ganz so einfach?

Die Studienausgabe des Parzival vom De Gruyter Verlag kommt in einem fast 1000 Seiten starken Buch. Die ersten 150 Seiten (Inhaltsverzeichnis) beschäftigen sich mit der viel diskutierten Forschung des Werks. Jede vorherige Ausgabe wird kurz besprochen und anschließend in die problematische ‚Parzival‘-Interpretation eingeführt. Denn Wolfram von Eschenbach hat mit dem Parzival in vieler Hinsicht kein Werk des Mittelalters geschaffen – oder eben gerade doch! Figurenbeziehungen sind oftmals nicht sehr traditionell. Es gibt wirklich großartige starke Frauengestalten, Ritter, die lieber nicht kämpfen würden, und Bösewichte mit einer tragischen Hintergrundgeschichte. Nahezu jede Figur schillert in den buntesten Farben, denn es gibt keine schwarzen und weißen Charaktere.

Die meiner Meinung nach sehr gelungene Übersetzung vom Mittelhochdeutschen ins Neudeutsche verbindet die alte Sprache und Welt mit dem heutigen Anspruch an Abenteuerromane.

Parzival (der Rote Ritter) reitet zur mystischen Gralsburg. Martin Wiegands, 1934. Quelle

Das heute immer noch nach neuen Ansätzen und Antworten geforscht wird, ist spätestens dann klar, wenn man sich die neuste Publikationsliste anschaut. Gerade letztes Jahr hat sich Julia Richter auf bemerkenswerte Art die Spiegelungen in der Geschichte angesehen. Bestimmte Begebenheiten und typische Charaktere scheinen immer wieder (manchmal auf gleiche Art, manchmal etwas abgewandelt) aufzutauchen und erschaffen und bestimmen damit das paradigmatische Erzählen.

Da ich persönlich vorher erst den fragmentarischen Tristan von Gottfried von Straßburg gelesen habe, bin ich vom Parzival sehr begeistert. Die ganzen Charaktere mit ihren ungewöhnlichen Namen sind zuerst etwas verwirrend, doch da es offenbar nicht nur mir so ging, hilft der am Ende angebrachte Übersichtsplan von Verwandtschaftsbeziehungen ungemein weiter.
Die tollen Frauengestalten begeistern mich, wie so oft, wieder  sehr. Selbstredend sind sie alle umwerfend schön, doch sie haben auch alle einen unterschiedlichen Charakter.

Ein Beispiel:
Antikonie, die im 8. Teil des Buchs auf Gâwân trifft, ist eine der für mich stärksten Frauen der ganzen Geschichte. Sie empfängt den fremden Ritter in der Burg ihres Bruders und unterliegt zuerst seiner Schönheit. Doch nachdem die ganze  Situation durcheinander gerät, schützt sie den überrumpelten und unbewaffneten Ritter mit ihrem Leben. Gâwân wird ungerechter Weise einer Tat beschuldigt, die er nicht begangen hat, worauf hin der Pöbel in lynchen will. Antikonie bewirft sie vor lauter Verzweiflung mit großen Steinen, hin und her gerissen zwischen ihrem stark ausgeprägten Gerechtigkeitsdrang, dem Gastrecht und den Gedanken an die Untertanen, die die gutmütige Prinzessin nicht verletzen wollte. Der Held steht nur daneben und schützt sich mit einem Schachbrett, welches sie ihm sogar in die Hand drücken musste. Selbstlos und furchtlos kämpft sie für die Gerechtigkeit und Ehre ihres Gastes. Sie vertraut auf ihr eigenes Urteil und steht gegen die Übermacht und das Wort ihres Bruders, des Burgherren, ein. Sie behauptet sich und gibt nicht nach, bis die Situation geklärt ist.

Antikonie und Gâwân im Gespräch. Fakismile von: Hagenau – Werkstatt Diebold Lauber, um 1443-1446. Cod. Pal. germ. 339, 294r. Quelle

Doch wie kommt so eine Frau in einen Roman aus dem Mittelalter?
Diese und weitere Fragen kommen beim Lesen  des Parzival immer wieder auf. Ein spannendes Werk, das zum Nach- und Weiterdenken anregt und eine Idee davon vermittelt, wie die Menschen des Mittelalters sich und ihre Welt gesehen haben – und dass sie wohl Fantasyromane liebten.

Die Ausgabe von De Gruyter bietet zudem nicht nur eine Übersicht über alle Kapitel, Orte und zugehörigen Hauptcharaktere, sondern auch eine Übersicht über die verschiedenen Ausgaben und Übersetzungen. Die schon angesprochene ‚Parzival‘-Interpretation bietet zudem einen guten Einstieg in die Literaturwissenschaft. Perspektiven von Figuren- und Erzählerrollen kommen genauso zum Ausdruck wie die konzeptionellen Änderungen gegenüber Chrétien de Troyes‚ früherer Ausgabe.
Der Parzival von Wolfram von Eschenbach in der Ausgabe von De Gruyter ist ein guter allgemeiner Einstieg in die Forschung und bietet gerade auch Laien eine gut verständliche Übersetzung im Fließtext.

Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Mit Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der Parzival-Interpretation. Mit einer Einl. v. Bernd Schirok. Übers. v. Peter Knecht, De Gruyter: 2003².

Achnitz, Wolfgang: Deutschsprachige Artusdichtung des Mittelalters. Eine Einführung, De Gruyter: 2012.

Heinzle, Joachim (Hrsg./Ed.): Wolfram von Eschenbach. Ein Handbuch, De Gruyter: 2014.

Richter, Julia: Spiegelungen: Paradigmatisches Erzählen in Wolframs Parzival, De Gruyter: 2015.

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quasys avatar

Rezension zu "Willehalm" von Wolfram von Eschenbach

Rezension zu "Willehalm" von null null
quasyvor 7 Jahren

Ein Roman in mittelhochdeutscher Sprache - es gibt, soweit ich weiß, bisher keine eindeutig anerkannte Übersetzung in diesem Verlag. Das ist allerdings nicht schlimm, denn kaum einer, der sich nicht vorher schon mit der mittelhochdeutschen Sprache beschäftigt hat, wird dieses Buch lesen wollen.

Zum Inhalt:
Willehalm, ein christlicher Fürst, heiratet Gyburc. Gyburc ihrerseits ließ sich christlich taufen, was sie zur Christin und ihre bisherige Ehe ungültig macht. Ihr heidnischer Ehemann Terramer und ihre Sippe ziehen daraufhin in den Krieg gegen Willehalms Volk. (Wieso gerade diese eine Frau das wert ist bzw. ausschlaggeben ist, weiß ich leider auch nicht *g* ) Es entbrennt ein Krieg mit mehreren Schlachten in Orange und auf Allischanz, aus dem die Christen letzten Endes siegreich hervorgehen. Dazwischen wird das Ganze begleitet durch ein paar gut plazierte Wunder des Christengotts sowie dem Auftauchen von einigen Engeln.
Wer sich mit der Thematik "Heidentum", "Christentum" im Hinblick auf das Mittelalter beschäftigt und etwas literarisches dazu lesen möchte, ist heir ganz gut aufgehoben. (Achtung: dies ist ein literarischer und kein historischer Text!)

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