Wolfram von Eschenbach Parzival

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Inhaltsangabe zu „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach

Der mittelhochdeutsche 'Parzival' (ca. 1200/1210) gehört zur Weltliteratur. Auf kunstvolle Weise verbindet Wolframs Roman den Artus- mit dem Gralsstoff und entfaltet ein handlungs- und figurenreiches Panorama der ritterlich-höfischen Kultur des Mittelalters. Im Mittelpunkt der Erzählung steht Parzival, der nach verschiedenen Stationen des Scheiterns und Versagens schließlich den leidenden Gralkönig Anfortas durch die Mitleidsfrage erlöst und auf der Gralsburg Munsalvaesche die Herrschaft antritt. Die zweite Auflage bietet unverändert den maßgeblichen Text nach Karl Lachmann und die hoch gelobte Übersetzung von Peter Knecht. Als Neuerung enthält sie eine konzise Einführung in grundlegende Editions- und Interpretationsprobleme von Bernd Schirok.

Ein typischer Ritterroman, oder ist es doch nicht ganz so einfach?

— quatspreche

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    Parzival

    quatspreche

    03. May 2016 um 15:45

    Der Parzival von Wolfram von Eschenbach ist einer der mittelalterlichen Romane. Die beiden Ritter Gâwân und Parzival erleben darin viele Abenteuer: Sie kämpfen gegen böse Ritter, gewinnen die Herzen vieler Frauen und befreien Burgen vor Belagerern. Ein typischer Ritterroman, oder ist es doch nicht ganz so einfach? Die Studienausgabe des Parzival vom De Gruyter Verlag kommt in einem fast 1000 Seiten starken Buch. Die ersten 150 Seiten (Inhaltsverzeichnis) beschäftigen sich mit der viel diskutierten Forschung des Werks. Jede vorherige Ausgabe wird kurz besprochen und anschließend in die problematische ‚Parzival‘-Interpretation eingeführt. Denn Wolfram von Eschenbach hat mit dem Parzival in vieler Hinsicht kein Werk des Mittelalters geschaffen – oder eben gerade doch! Figurenbeziehungen sind oftmals nicht sehr traditionell. Es gibt wirklich großartige starke Frauengestalten, Ritter, die lieber nicht kämpfen würden, und Bösewichte mit einer tragischen Hintergrundgeschichte. Nahezu jede Figur schillert in den buntesten Farben, denn es gibt keine schwarzen und weißen Charaktere. Die meiner Meinung nach sehr gelungene Übersetzung vom Mittelhochdeutschen ins Neudeutsche verbindet die alte Sprache und Welt mit dem heutigen Anspruch an Abenteuerromane. Parzival (der Rote Ritter) reitet zur mystischen Gralsburg. Martin Wiegands, 1934. Quelle Das heute immer noch nach neuen Ansätzen und Antworten geforscht wird, ist spätestens dann klar, wenn man sich die neuste Publikationsliste anschaut. Gerade letztes Jahr hat sich Julia Richter auf bemerkenswerte Art die Spiegelungen in der Geschichte angesehen. Bestimmte Begebenheiten und typische Charaktere scheinen immer wieder (manchmal auf gleiche Art, manchmal etwas abgewandelt) aufzutauchen und erschaffen und bestimmen damit das paradigmatische Erzählen. Da ich persönlich vorher erst den fragmentarischen Tristan von Gottfried von Straßburg gelesen habe, bin ich vom Parzival sehr begeistert. Die ganzen Charaktere mit ihren ungewöhnlichen Namen sind zuerst etwas verwirrend, doch da es offenbar nicht nur mir so ging, hilft der am Ende angebrachte Übersichtsplan von Verwandtschaftsbeziehungen ungemein weiter. Die tollen Frauengestalten begeistern mich, wie so oft, wieder  sehr. Selbstredend sind sie alle umwerfend schön, doch sie haben auch alle einen unterschiedlichen Charakter. Ein Beispiel: Antikonie, die im 8. Teil des Buchs auf Gâwân trifft, ist eine der für mich stärksten Frauen der ganzen Geschichte. Sie empfängt den fremden Ritter in der Burg ihres Bruders und unterliegt zuerst seiner Schönheit. Doch nachdem die ganze  Situation durcheinander gerät, schützt sie den überrumpelten und unbewaffneten Ritter mit ihrem Leben. Gâwân wird ungerechter Weise einer Tat beschuldigt, die er nicht begangen hat, worauf hin der Pöbel in lynchen will. Antikonie bewirft sie vor lauter Verzweiflung mit großen Steinen, hin und her gerissen zwischen ihrem stark ausgeprägten Gerechtigkeitsdrang, dem Gastrecht und den Gedanken an die Untertanen, die die gutmütige Prinzessin nicht verletzen wollte. Der Held steht nur daneben und schützt sich mit einem Schachbrett, welches sie ihm sogar in die Hand drücken musste. Selbstlos und furchtlos kämpft sie für die Gerechtigkeit und Ehre ihres Gastes. Sie vertraut auf ihr eigenes Urteil und steht gegen die Übermacht und das Wort ihres Bruders, des Burgherren, ein. Sie behauptet sich und gibt nicht nach, bis die Situation geklärt ist. Antikonie und Gâwân im Gespräch. Fakismile von: Hagenau – Werkstatt Diebold Lauber, um 1443-1446. Cod. Pal. germ. 339, 294r. Quelle Doch wie kommt so eine Frau in einen Roman aus dem Mittelalter? Diese und weitere Fragen kommen beim Lesen  des Parzival immer wieder auf. Ein spannendes Werk, das zum Nach- und Weiterdenken anregt und eine Idee davon vermittelt, wie die Menschen des Mittelalters sich und ihre Welt gesehen haben – und dass sie wohl Fantasyromane liebten. Die Ausgabe von De Gruyter bietet zudem nicht nur eine Übersicht über alle Kapitel, Orte und zugehörigen Hauptcharaktere, sondern auch eine Übersicht über die verschiedenen Ausgaben und Übersetzungen. Die schon angesprochene ‚Parzival‘-Interpretation bietet zudem einen guten Einstieg in die Literaturwissenschaft. Perspektiven von Figuren- und Erzählerrollen kommen genauso zum Ausdruck wie die konzeptionellen Änderungen gegenüber Chrétien de Troyes‚ früherer Ausgabe. Der Parzival von Wolfram von Eschenbach in der Ausgabe von De Gruyter ist ein guter allgemeiner Einstieg in die Forschung und bietet gerade auch Laien eine gut verständliche Übersetzung im Fließtext. Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Mit Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der Parzival-Interpretation. Mit einer Einl. v. Bernd Schirok. Übers. v. Peter Knecht, De Gruyter: 2003². Achnitz, Wolfgang: Deutschsprachige Artusdichtung des Mittelalters. Eine Einführung, De Gruyter: 2012. Heinzle, Joachim (Hrsg./Ed.): Wolfram von Eschenbach. Ein Handbuch, De Gruyter: 2014. Richter, Julia: Spiegelungen: Paradigmatisches Erzählen in Wolframs Parzival, De Gruyter: 2015.

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