Wsewolod Petrow Manon Lescaut von Turdej

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Inhaltsangabe zu „Manon Lescaut von Turdej“ von Wsewolod Petrow

Ein sowjetischer Spitalzug auf dem Weg von einer Front zu anderen. Darin ein Petersburger Intellektueller: Gepeinigt von Herzanfällen und Todesangst, liest er den Werther (auf deutsch). Aber in die Lektüre drängt sich die Geschäftigkeit der Militärärzte, Apotheker, Krankenschwestern um ihn herum.
Es ist eine seltsame Gemeinschaft, hervorgebracht zwar vom Krieg, doch bestimmt von ganz alltäglichen Sorgen und kleinen Freuden:

'Wir fuhren schon so lange, daß wir nach und nach die Vorstellung von der Zeit verloren hatten. Niemand wußte, wohin wir geschickt wurden. Wir fuhren von Station zu Station, als hätten wir uns verlaufen. Man hatte uns wohl vergessen.'
Bei einem längeren Aufenthalt trifft er auf ein Mädchen, anders als alle anderen: Vera Muschnikowa, ruhelos und romantisch, grazil und ungestüm, und sie ist jederzeit zur Liebe bereit. Der Feingeist erliegt ihrem vulgären Zauber, erkennt in ihr seine 'sowjetische Manon' und erahnt damit bereits den dunklen Weg, den ihre Liebe nehmen wird.

'Manon Lescaut von Turdej', entstanden 1946, erschien erst 60 Jahre später, im November 2006, in der Moskauer Zeitschrift 'Novyj Mir'.

'Auf der Pritsche liegend, hatte ich mir die Liebe zu dieser sowjetischen Manon Lescaut ausgedacht. Ich hatte Angst davor, mir zu sagen, daß es nicht so war, daß ich mir nichts ausgedacht hatte, sondern tatsachlich alles vergessen und mich selbst verloren hatte und nur davon lebte, daß ich Vera liebte.
Ich legte mich so auf die Pritsche, daß ich gleich den ganzen Waggon sehen konnte. Wo Vera auch auftauchte, ich konnte sie sehen. Wie ein Somnambuler drehte ich mich zu der Seite, wo sie war.'

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    Manon Lescaut von Turdej

    Gargoyle

    25. April 2013 um 21:21

      Mit 124 Seiten, inklusive Anhang und Nachwort eher schmal, verbirgt sich zwischen den Seiten eine starke, herzzerreißende, romantische Liebesgeschichte.   Ein Lazarettzug fährt durch den Krieg. Es ist der 2. Weltkrieg, der den Rahmen der Handlung vorgibt. Ein sowjetischer Offizier mit angstbedingten Herzproblemen verliebt sich in die Sanitätsschwester Vera. Er ist von je her ein Eigenbrödler, ein Gottesnarr (wie ihn einer seiner Mitreisenden bezeichnet). Er "streift durch seinen Werther", natürlich Goethe im deutschen Orginal (ein Affront!). Sie dagegen ist lebenslustig, flatterhaft, wohl auch ein wenig naiv. Verliebt sich schnell und heftig, will irgendwie berühmt werden. Obwohl er den intellektuellen Austausch bei der Ärztin Nina sucht, verliebt er sich doch Hals über Kopf in das Mädchen Vera. Es ist eine völlig hoffnungslose Liebe, die nur den Moment kennt. Dieser Moment allerdings scheint grenzenlos, grenzenlos schön zu sein.   Nicht ohne Grund nennt Petrow seine Novelle "Die Manon Lescaut von Turdej". Hier wird querverwiesen und entliehen was das Zeug hält. Die Handlung selbst bezieht sich gleich auf zwei Werke. Zum einen auf eben diese "Manon Lescaut" von Prevost, zum anderen auf "Weggefährten" von Wera Panowa. Das genau macht das Bändchen in vielerlei Hinsicht interessant.   Petrow lebt seine Leidenschaft für das 18. Jahrhundert, für die Romantik voll aus. Gefühl, Leidenschaft, Individualität sind seine zentralen Themen. Er gibt seinen Lesern nämlich einige interessante Blicke auf die Romantik mit. Schön wie er über "die flammenden Menschen, die außerhalb der Form leben" schreibt. Oder darüber: "Rebellion ist spießig." Wir werden in den nächsten Monaten zum Geburtstag von Jean Paul noch ausreichend zum Thema „Romantik“ durch das deutsche Feuilleton gequält werden. Lest lieber dieses Büchlein, als all die Schlaubibeiträge.   Petrow verehrt die Kunst des 18. Jahrhunderts, das ist klar. Gleichzeitig brüskiert er damit die staatstragende Kulturpolitik in der Sowjetunion. Denn sein Hang zur Romantik ist so ziemlich das genaue Gegenteil zu dem, was gerade von sowjetischen Autoren erwartete wird. Nicht nur literarisch sind die "Helden der neuen Zeit" gefragt. Ach, mit wie viel Freude hätten wir dieses Büchlein in der DDR gelesen. Zwischen den Zeilen, das gesehen, was nicht geschrieben steht. Konnten wir aber nicht, denn "Die Manon Lescaut von Turej" wurde nie veröffentlicht. Erst jetzt hat sich der WEIDLE VERLAG aus Bonn gefunden und die Novelle ans Licht befördert. Zum Glück.   Der Verlag gibt uns Lesern auch ein kleines Essay von Oleg Jurjew mit. Das ist sehr sinnvoll, erklärt sich so doch der ganze Kontext der Novelle. Jurjew stellt stark auf das Dissidententum Petrows ab. So liest man, Petrow hätte den Text aus „Ekel vor den Barbaren in den Redaktionen“ nicht veröffentlich. Vielleicht stimmt das. Vielleicht aber auch nicht. Belege für diese Behauptung werden nicht geliefert.  Es kann auch andere Gründe geben, warum das Buch nicht veröffentlicht wurde. Da hätte ich mir weniger Spekulation gewünscht. 

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  • Rezension zu "Manon Lescaut von Turdej" von Wsewolod Petrow

    Manon Lescaut von Turdej

    54books

    25. February 2013 um 21:53

    Es klingt hart, aber ich war auf Grund der allesübertönenden Lobhudelei etwas enttäuscht. Für wahr: eine schöne Novelle, aber nicht das versprochene Juwel und nicht für 17€
    http://t.co/Dk0Rqdb90d

  • Rezension zu "Manon Lescaut von Turdej" von Wsewolod Petrow

    Manon Lescaut von Turdej

    HeikeG

    06. October 2012 um 14:30

    "Der Mensch existiert nicht, solange er sich nicht im Spiegel gesehen hat." . Von Abbé Prévosts unzähligen Schriften hat sich über die Jahrhunderte nur eine etablieren können: der Roman "Manon Lescaut". Er erzählt von einer Femme fatale, die einen tugendhaften adligen Klosterschüler all seine Pläne verwerfen lässt, obwohl sie ihn wiederholt betrügt. Die 1731 publizierte Geschichte war wie für die Oper geschaffen und wurde denn auch mehrfach vertont, am bekanntesten davon dürfte wohl Puccinis Adaption sein. Bis heute rühren die beiden blutjungen Durchbrenner, die sich zwar lieben, deren Glück aber nie lange hält, das Publikum zu Tränen - auf Bühnen und Leinwänden ebenso wie in gedruckter Form. . Auch Wsewolod Petrow, der dem literarisch-belletristischem Publikum so gut wie unbekannt sein dürfte, nahm sich diesem Thema an. 1946 verfasste er eine hinreißende Novelle, die nun erstmals von Daniel Jurjew in eine Fremdsprache übersetzt und im Weidle Verlag dem deutschsprachigen Leser zugänglich gemacht wurde. Der Text des russischen Autors, der sich als Kunstwissenschaftler und Verfasser vieler Bücher über die russische Kunst einen Namen gemacht hatte, blieb zu Lebzeiten unveröffentlicht. "Auch nach seinem Tod musste sie beinahe drei Jahrzehnte auf das Licht der Öffentlichkeit warten, obwohl der Autor sie nie verheimlicht hatte", berichtet Oleg Jurjew im Nachwort. Petrow las zum Beispiel an Geburtstagen seinen Gästen daraus vor und zeigte sie auch seinen Bekannten. Veröffentlicht hat er sie allerdings nie. Vielleicht weil diese kleine Novelle Inhalte transportierte, die mit der damaligen Sowjetliteratur stilistisch, philosophisch und auch politisch nicht kompatibel waren: "dieses selbstgefällige Sich-Ergötzen an schönen Bildern und schönen Sätzen statt Erziehung der Werktätigen zum Kampf für die bessere Zukunft der Menschheit." . Der namenlose Ich-Erzähler, ein feiner, nervöser und verträumter Offizier, ein kultivierter Petersburger Intellektueller, befindet sich in einer unfreiwillig zusammengeführten Gesellschaft aus Militärärzten, Apothekern, Krankenschwestern und Aushilfspersonal in einem militärischen Lazarettzug und beobachtet das bunte Treiben. Dieser Zug fährt in einer seltsamen Zwischenzeit während des 2. Weltkriegs von irgendwo nach irgendwo. Die Ortsnamen sind nur mit dem ersten Buchstaben bezeichnet. Allein die Station Turdej wird vollständig genannt, eine Eisenbahnstation im Herzen Russlands, im Tula-Gebiet, einer der "bedeutsamsten Brutstätten der großen russischen Literatur", wie Oleg Jurjew anmerkt. Sie markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Novelle. . Reduziert aufs Minimalistischste erzählt Petrow von einer Kriegsromanze als persönliche Utopie des Erzählers: die Utopie des 18. Jahrhunderts. "Ich dachte daran, wie leer mein Dasein war, und daran, dass das Leben für sich allein genommen nichts ist, eine glatte gerade Linie, die in den Raum flieht, eine Fahrspur auf einem Schneefeld, ein verschwindendes Nichts. 'Etwas' beginnt dort, wo die Linie andere Linien kreuzt, wo das Leben ein fremdes Leben betritt." Er macht einen lebendigen, wirklichen und realen Menschen - die unstete, einfache Vera-Manon Muschnikowa - zu einer Romanheldin ("Sie ähnelt gleichzeitig Marie-Antoinette und Manon Lescaut") und damit zum Spielball seiner Sehnsüchte und "zum Spielzeug seiner persönlichen Mythen". "Auf der Pritsche liegend, hatte ich mir die Liebe zu dieser sowjetischen Manon Lescaut ausgedacht. Ich hatte Angst davor, mir zu sagen, dass es nicht so war, dass ich mir nichts ausgedacht hatte, sondern tatsächlich alles vergessen und mich selbst verloren hatte und nur davon lebte, dass ich Vera liebte." So etwas kann natürlich nicht gut enden und endet tragisch. . "Die Manon Lescaut von Turdej" offenbart sich dem Leser wie ein Gemälde von Isaak Iljitsch Lewitan, einem der bedeutendsten russischen Maler des Realismus. Hier wie dort sieht man trotz ihrer literarischen Reduktion "die bewegungslose Daseinsfülle jedes Dings, das gegen die Zeit und gegen Veränderungen gefeit ist." Zudem atmet das schmale Büchlein den Geist der russischen Literatur eines Tolstoi, Turgenjew oder Leskow. Ihm wohnt ein eigenartiges und rätselhaftes Glücksgefühl inne. Gleichzeitig zeigt der Text dem Leser, dass das Leben in einer Utopie, fern barer Realität, nicht möglich ist. . "Die Zeit war irgendwie vom Weg abgekommen: Sie verband nicht das Vergangene mit dem Zukünftigen, sondern lenkte mich zur Seite." (aus "Die Manon Lescaut von Turdej")

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