Wulf Segebrecht

 4,2 Sterne bei 23 Bewertungen
Autor von Was sollen Germanisten lesen?, Das deutsche Gedicht und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Wulf Segebrecht

Wulf Segebrecht emeritus fur Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universitat Bamberg. Er hat zahlreich Arbeiten zur deutschen Literatur vom Barock bis zur Gegenwart veroffentlicht, insbesondere über Lyrik. Zuletzt erschien bei Hanser Deutsche Balladen. Gedichte, die dramatische Geschichten erzählen (2012).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Wulf Segebrecht

Cover des Buches Die Serapionsbrüder (ISBN: B0046H9R70)

Die Serapionsbrüder

 (14)
Erschienen am 01.09.2010
Cover des Buches Was sollen Germanisten lesen? (ISBN: 9783503098064)

Was sollen Germanisten lesen?

 (4)
Erschienen am 30.11.2006
Cover des Buches Deutsche Balladen (ISBN: 9783446239951)

Deutsche Balladen

 (2)
Erschienen am 24.09.2012
Cover des Buches Das deutsche Gedicht (ISBN: 9783596159246)

Das deutsche Gedicht

 (2)
Erschienen am 01.03.2017
Cover des Buches Was Schillers Glocke geschlagen hat (ISBN: 9783446205932)

Was Schillers Glocke geschlagen hat

 (1)
Erschienen am 28.02.2005

Neue Rezensionen zu Wulf Segebrecht

Cover des Buches Die Serapionsbrüder (ISBN: 9783618680284)
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Rezension zu "Die Serapionsbrüder" von E. T. A. Hoffmann

Hoffmann 2.0
Pongokatervor 4 Monaten

Diese Rezension bezieht sich NICHT auf die abgebildete Buchfassung sondern auf das im Hörbuchverlag erschienene Hörbuch, das auf einer Produktion des Bayerischen Rundfunks unter der Regie von Klaus Buhlert basiert.

Diese wunderbare Hörspielinszenierung eignet sich sehr als Start in das E.T.A.-Hoffmann-Jubiliäumsjahr 2022. Hier werden auch die Texte zwischen den bekannten Erzählungen wie "Nussknacker und Mausekönig" oder "Das Fräulein von Scuderi" ernst genommen. Die Zwischentexte enthalten die Gespräche der Serapionsbrüder, meist eine Diskussion um die zuletzt gehörte Erzählung. Einen besonderen Mehrwert liefert die Begleitmusik, so sparsam sie auch eingesetzt ist. Sie bereichert die Erzählungen und Gespräche in ihrer Modernität ungemein. Hoffmann 2.0

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Cover des Buches Die Serapionsbrüder (ISBN: 9783618680284)
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Rezension zu "Die Serapionsbrüder" von E. T. A. Hoffmann

"Hoffmanns Erzählungen" - mal düster, mal hell
SiColliervor 3 Jahren

Stelle man sich auch an, wie man wolle, nicht wegzuleugnen, nicht wegzubannen ist die bittre Überzeugung, daß nimmer -. nimmer wiederkehrt, was einmal dagewesen. (Seite 9)


Meine Meinung

Seit etlichen Jahren lese ich jedes Jahr zu Weihnachten die Erzählung „Nußknacker und Mäusekönig“. Und jedes Jahr nahm ich mir vor, bald darauf die „Serapions-Brüder“, aus denen diese Geschichte stammt, zu lesen. Dieses Jahr nun endlich wurde aus dem Vorsatz die Tat. Hätte ich das Buch ohne Kenntnis des Verfassers gelesen, so hätte ich auf einen viel moderneren bzw. neueren Autor als E. T. A. Hoffmann getippt, höchstens die etwas altertümliche Sprache gibt einen Hinweis auf die Entstehungszeit. Doch die meisten Geschichten, wie auch die Rahmenerzählung, muten ausgesprochen modern an. „Da aber in dieser Welt diejenigen Menschen, welche sehr laut und breit verkündigen, was sie tun wollen, viel mehr gelten als die, welche in aller Stille hingehen und es wirklich tun, (...)“ S. 886) - damals wie heute gültig.

So recht wußte ich nicht, was mich erwarten würde. Was vielleicht auch ganz gut war. Es ist - so viel war mir durchaus klar - eine Sammlung von Märchen und Erzählungen, zusammengehalten durch eine Rahmenhandlung. Aber man vergesse das „und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage.“ Denn in den meisten der Geschichten schleicht sich das Entsetzen ganz leise durch die Hintertür herein, um plötzlich - und sei es im letzten Absatz - hervorzutreten und den Leser zu schocken. Und so dauert es geraume Zeit, bis eine Geschichte kommt, die wirklich gut ausgeht. Inzwischen bin ich mir nicht mal mehr sicher, ob dieses für „Nußknacker und Mäusekönig“ gilt.

Wenn man E. T. A Hoffmann liest, braucht man starke Nerven. Denn was da in wunderschöner Sprache beschrieben und beschworen wird, entpuppt sich im Fortschreiten nicht selten als das blanke Grauen. Ein Grauen, das oft im einfachen begründet und auf den ersten Blick nicht gleich zugänglich ist. Erst bei genauerem Hinsehen stellt man fest, an einem Abgrund zu stehen, manches Mal nicht, bevor es die Figuren nicht selbst auch bemerken. Es ist nicht zuletzt Hoffmanns wirklich erstklassiges Deutsch, wie man es heute leider nur noch selten findet, das mich dann bei allem Schrecken immer weiter lesen ließ, welches das Buch überaus lesenswert macht.

Die Erzählungen der „Serapionsbrüder“ werden durch die Rahmenhandlung der Treffen eben dieser Serapionsbrüder zusammen gehalten, in denen diese über alle möglichen Themen philosophieren und sich austauschen. Literatur, Musik, Theater - und die im Buch enthaltenen Geschichten werden diskutiert. Pate dafür stand der Freundeskreis Hoffmanns, der sich in regelmäßigen Abständen in Weinlokalen traf.

Vor Jahren sah ich eine Fernsehsendung von und mit Heinz Rühmann. Er erzählte aus seinem Leben und wechselte mitten im Satz zu seiner Darstellung des Hauptmanns von Köpenick. Mir läuft es noch heute eiskalt den Rücken hinunter, wenn ich an diese Szene denke. Selbige kam mir unwillkürlich in den Sinn, als Lothar - einer der Serapionsbrüder - auf Seite 844ff einen etwas seltsam anmutenden Zeitgenossen, der Schauspieler war, beschrieb, der Ähnliches zuwege brachte. Wobei solcher Art unmerklicher Übergang auch hier im Buch vorkommt und sich Erzählung und „Wirklichkeit“ mischen.

Es wäre zu wünschen, daß das Buch wieder mehr Aufmerksamkeit und Leser findet. Auch, wenn es bisweilen möglicherweise nicht ganz leicht zu lesen ist. Aber wer hat behauptet, daß Lesen immer einfach sein muß? Denn gar vieles Nachdenkenswerte ist hier versammelt und wird, wie Theodor ankündigt, berichtet:
„Serapion“, rief Theodor indem er aufstand und das vollgeschenkte Glas hoch erhob, „Serapion möge uns fernerhin beistehen und uns erkräftigen, das wacker zu erzählen, was wir mit dem Auge des Geistes erschaut!“ (S. 255)

Oder, um mit den Worten des Nachwortes zu schließen:
Es ist möglicherweise das Eigentümliche und Auszeichnende dieses Schriftstellers, der sich der Unruhe einer beginnenden Zeitenwende (!!!, Anm. von mir) nicht entzog, daß er der sozialen Wirklichkeit die gleiche Aufmerksamkeit zuwandte wie der inneren Wirklichkeit des Menschen. Der Zusammenhang der Dinge, den jeder Erzähler benötigt, war ihm nicht mehr sicherer Besitz. Aber er hat nicht aufgehört, nach einem solchen zu fragen und zu suchen in einer Zeit, in der ein solcher Zusammenhang nicht mehr vorgegeben war. (S. 1032)

Ein in der Tat überaus moderner Schriftsteller.


Mein Fazit

„Hoffmanns Erzählungen“ umrahmt von Gesprächen, Reflexionen und Überleitungen, die einen größeren Zusammenhang herstellen. Immer noch und immer wieder lesenswert.


Meine gelesene Ausgabe:

1134 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Jubiläumsbibliothek der Deutschen Literatur, E. T. A Hoffmann Werke in 2 Bänden, Band 2
Verlag: Bertelsmann Club, Gütersloh oJ (Lizenz Winkler Verlag, München)

 

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Cover des Buches Was Schillers Glocke geschlagen hat (ISBN: 9783446205932)
Camposolensiss avatar

Rezension zu "Was Schillers Glocke geschlagen hat" von Wulf Segebrecht

Rezension zu "Was Schillers Glocke geschlagen hat" von Wulf Segebrecht
Camposolensisvor 15 Jahren

Für Gedichtfreunde, die eine Schwäche für Parodien haben und ein wenig Spott an dem berühmten Gedicht Schillers verkraften können. Ob es tatsächlich das meistparodierte Gedicht der deutschen Lyrik ist, weiß ich nicht - ich kenne auch schon eine ganze Reihe von Parodien auf "Der reichste Fürst" von Kerner, aber das ist eben weniger bekannt.

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