Xiaolu Guo

 3.8 Sterne bei 94 Bewertungen
Autorin von Kleines Wörterbuch für Liebende, Ein Ufo, dachte sie und weiteren Büchern.
Xiaolu Guo

Lebenslauf von Xiaolu Guo

Xiaolu Guo, Jahrgang 1973, besuchte nach ihrer Schullaufbahn die Pekinger Filmakademie. In dieser Zeit war es ihr zwar nicht möglich, ihren ersten Fim zu produzieren, jedoch wurden in diesen Jahren ihre ersten Texte veröffentlicht. Im Alter von 29 Jahren zog Guo nach London; dort gelang es ihr dann auch endlich, ihren ersten Kurzfilm zu drehen. Für ihren bisher erfolgreichsten Film "She, a Chinese" wurde sie mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet. Ihr aktueller Roman "Ich bin China" erscheint im März 2015 bei KNAUS.

Alle Bücher von Xiaolu Guo

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Xiaolu GuoKleines Wörterbuch für Liebende
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Kleines Wörterbuch für Liebende
Kleines Wörterbuch für Liebende
 (36)
Erschienen am 07.07.2010
Xiaolu GuoStadt der Steine
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Stadt der Steine
Stadt der Steine
 (17)
Erschienen am 08.01.2007
Xiaolu GuoEin Ufo, dachte sie
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Ein Ufo, dachte sie
Ein Ufo, dachte sie
 (19)
Erschienen am 10.06.2011
Xiaolu GuoEs war einmal im Fernen Osten
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Es war einmal im Fernen Osten
Es war einmal im Fernen Osten
 (5)
Erschienen am 11.09.2017
Xiaolu GuoIch bin China
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Ich bin China
Ich bin China
 (5)
Erschienen am 02.03.2015
Xiaolu GuoKleines Wörterbuch für Liebende
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Kleines Wörterbuch für Liebende
Kleines Wörterbuch für Liebende
 (1)
Erschienen am 04.02.2015
Xiaolu Guo20 Fragments of a Ravenous Youth
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20 Fragments of a Ravenous Youth
20 Fragments of a Ravenous Youth
 (5)
Erschienen am 07.01.2009
Xiaolu GuoA Concise Chinese-English Dictionary for Lovers
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A Concise Chinese-English Dictionary for Lovers

Neue Rezensionen zu Xiaolu Guo

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killmonotonys avatar

Rezension zu "Es war einmal im Fernen Osten" von Xiaolu Guo

Rezension: Es war einmal im fernen Osten
killmonotonyvor 2 Monaten

Ein schockierendes Portrait vom China der 70er Jahre — brutal, erniedrigend und deprimierend.

„Es war einmal im fernen Osten“ von Xiaolu Guo schlummerte jetzt schon eine Weile auf meinem SUB, bis ich kürzlich endlich in der passenden Lesestimmung war und dieses autobiographische Buch gelesen habe. Und ich muss sagen, dieses Buch hat mich eine ganze Weile beschäftigt. Nicht, weil es besonders dick wäre, nein, sondern weil es ziemlich „dicht“ war, reich an Informationen, und es vieles zu verdauen gab. Xiaolu Guo schreibt über ihre Kindheit in der hintersten Provinz Chinas, wo sie, von ihren Eltern abgeschoben, bei ihren Großeltern lebt. Es ist ein sehr ärmliches Leben, Xiaolu ist stets hungrig und Bildung ist ein Fremdwort. Ihre Großmutter wird regelmäßig von ihrem Mann verprügelt und so lernt Xiaolu schon früh, wie es um das Frauenbild im China der 70er Jahre steht. Als sie sieben ist, wird sie von ihren Eltern heim geholt und soll fortan zur Schule gehen. Für ihre Mutter und ihren Bruder ist sie nur ein zusätzliches hungriges Maul, nur ihr Vater behandelt Xiaolu wie einen Menschen oder gar eine Gleichgesinnte — denn beide lieben die Kunst. Auf die Schule hat Xiaolu sich gefreut, doch ihr dämmert langsam, dass sie stark kurzsichtig ist, und so kann sie nur in den Fächern, in denen sie mit den Lehrbüchern arbeiten, bestehen. Freunde findet sie keine, denn man hänselt sie wegen ihrer bäuerlichen und ärmlichen Herkunft.  Erst, als Xiaolu es mit knapp zwanzig auf die Filmhochschule Pekings schafft, gewinnt ihr Leben endlich an Qualität. Schließlich entwurzelt sich Xiaolu selbst, als sie beschließt, in den Westen — genauer gesagt nach England — zieht, um ihre Filmausbildung fortzuführen.

Kunst als Ausflucht
Xiaolu lernt als kleines Mädchen nie Lesen und Schreiben. Ihre Großmutter ist Analphabetin, wie sehr viele Frauen zu der Zeit in der Provinz, und hätte es ihr auch nicht beibringen können. Erst, als Xiaolu in die Schule kommt, lernt sie das geschriebene Wort kennen. Sie verliebt sich in die Bildhaftigkeit der chinesischen Schriftzeichen und saugt alles Wissen darüber auf. Schon bald beginnt sie, Gedichte zu schreiben, und befasst sich mit Literatur. Ihr Vater, selbst ein Dichter und Künstler, nimmt sie bei der Hand, reicht ihr Bücher großer Autoren und bespricht zusammen mit ihr ihre Gedichte. Xiaolu findet in der Kunst des Schreibens eine Ausflucht aus ihrem Leben, das bisher alles andere als gut zu ihr war. Stets fällt sie in Ohnmacht, da sie sich als unterstes Glied in der Familienhierarchie auch nur zuletzt zu Essen nehmen darf und dann dementsprechend wenig übrig ist. Hänseleien in der Schule machen ihr den Alltag schwer und die Kälte ihrer Mutter löst in ihr Hass aus. Xiaolu möchte nur noch raus aus der Provinz und den starren Strukturen und wählt für sich die Filmbranche als Ziel aus. Drehbücher schreiben, das will sie, ihre Geschichten auf der großen Leinwand sehen. Doch selbst, als sie während ihres Filmstudiums ihre ersten Drehbücher einschickt, hat sie nicht mit der umfassenden chinesischen Zensur gerechnet, die ihr seitenweise Verbesserungsvorschläge zusendet und selbst nach Ausbesserung ihre Drehbücher stets ablehnt. So beginnt Xiaolu, selbst zu filmen.

Gebundene Füße
Mit Xiaolu Guos Werk habe ich viel über die chinesische Kultur und auch die dortigen Traditionen gelernt. Die der gebundenen Füße fand ich besonders grausig. Der Gang von Xiaolus Großmutter wird als „trippelnd“ beschrieben, und auch wenn Xiaolu hier nicht ins Detail geht und lediglich den Begriff „gebundene Füße“ erwähnt, so musste ich doch einmal nachschauen. Das Füßebinden war in China noch bis ins 20. Jahrhundert ein weit verbreiterter Brauch, bei dem bereits den jüngsten Mädchen die Füße so zusammengebunden wurden, dass sich ihre Zehen krümmen und der Fuß wie ein Lotusblatt aussieht. (Jeder mit schwachen Nerven sollte jetzt lieber nicht googlen.) Die Zehen wurden durch diesen langjährigen Prozess gebrochen und verstümmelt. Ich mag mir gar nicht die Schmerzen vorstellen! Die Männer Chinas haben die kleinen Füße, die in winzige Puppenschühchen gesteckt wurden, angebetet, und waren der Meinung, es verleihe der Frau einen anmutigeren Gang. High Heels inklusive Fußverstümmelung quasi. Da die Frau ja sowieso nur zuhause tätig war, war es auch nicht vonnöten, dass sie mit den gebundenen Füßen weitere Strecken zurück legt. Zum Weglaufen vor der häuslichen Gewalt waren die gebundenen Füße auch nicht mehr geeignet.

Kinderbräute
"Zwölf Jahre. Was bedeutete das für mich? Ich war gerade fünf geworden, nach der alten Tradition würde man mich schon in sieben Jahren verheiraten. Vielleicht würde es für mich ja zwei Esel geben […]."

Genau wie Xiaolus Großmutter ist es vielen Frauen in China ergangen: Sie wurden in jungen Jahren an Männer zur Heirat verschachert. Da die Provinz sehr ärmlich war, wechselte als Bezahlung für die Tochter meist nur ein Sack Reis den Besitzer. Der freie Wille der Frau wird auch mit diesem Brauchtum ausgemerzt. Dadurch, dass die Mädchen so jung schon an den zukünftigen Mann übergeben werden, geraten sie schnell in eine Abhängigkeitssituation, da sie nichts anderes kennen als ihren Mann. Die mangelnde Bildung führt dann dazu, dass die Mädchen auch als Frau bei ihre Männern bleiben und sich um den Haushalt kümmern.

Gewalt gegen Frauen
"Meine Großeltern führten eine schreckliche Ehe. Großvater verprügelte seine Frau fast täglich […]."

Xiaolu beschreibt extensiv die Gewalt gegen Frauen in China. Nicht nur werden Kinder (sprich: Mädchen) im Elternhaus verprügelt, sondern die Gewalt zieht sich wie ein Faden durch das Leben der Chinesinnen: Frauen werden regelmäßig von ihren Männern verprügelt, die Gründe dafür sind nichtig. Eine Frau ist stets ihrem Mann untergeordnet und sollte sie einen Jungen gebären, steht dieser in der Rangliste auch über ihr. Im China zu Xiaolus Zeit wird Frauen kein Respekt entgegengebracht, Xiaolus Großmutter lebt ihr Leben lang sogar ohne einen Namen. Zudem werden sehr viele der Mädchen, die langsam ihren Kinderschuhen entwachsen, missbraucht. Niemand spricht ein Wort, keines der Mädchen traut sich, sich an irgendjemanden zu wenden. Wie auch, wenn man als Frau ganz unten in der Familienhierarchie steht und sowieso niemanden interessiert, was man zu sagen hat? Xiaolu selbst wurde Opfer des regelmäßigen Missbrauchs über zwei ganze Jahre hinweg. Erst an der Filmhochschule in Peking vertraut sie sich ihren Zimmergenossinnen an, die alle ähnliches durchlebt zu haben scheinen. Für sie ist der Sex in einer heterosexuelle Beziehung stets von Gewalt und sexuellen Übergriffen geprägt, deshalb empfindet sie Liebe als das genaue Gegenteil von Sex. Trotzdem versucht sich Xiaolu in Beziehungen; bereits während ihrer Schulzeit in der Provinz schläft sie regelmäßig mit einem 15 Jahre älteren Lehrer.Zu einem späteren Zeitpunkt erfährt Xiaolu dann die Gewalt, die ihrer Großmutter durch ihren Großvater widerfahren ist, am eigenen Leib, nämlich als sie in Peking eine Beziehung mit einem Mann eingeht, der sie regelmäßig verprügelt. Xiaolu flüchtet und trifft die Entscheidung, nie wieder etwas mit einem Chinesen anzufangen. Immer weiter entwurzelt sie sich von ihrer Kultur, immer weniger sieht sie sich selbst als Chinesin, immer weniger identifiziert sie sich mit dem Brauchtum Chinas.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/xiaolu-guo-es-war-einmal-im-fernen-osten

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monerls avatar

Rezension zu "Kleines Wörterbuch für Liebende" von Xiaolu Guo

Kulturschock Ost-West
monerlvor 3 Monaten

Meine Meinung
Die Autorin ist als sehr junge Frau über ein Stipendium nach England gekommen und hatte entschieden, dass sie dort bleiben möchte. Wie teilweise auch in China, wollte sie in England ihren Lebensunterhalt durchs Schreiben bestreiten. In Peking studierte sie an der Filmhochschule. Ihre Liebe zum Film drückt sie damit aus, dass sie ihre Protagonisten sich im Kino kennenlernten und auch das Kino nach einem Streit oder schlechter Stimmung immer wieder ihr Zufluchtsort wurde. Das vorliegende Buch “Kleines Wörterbuch für Liebende” schrieb Xiaolu Guo auf Englisch. Es erschien erstmals 2007 unter dem Titel “A Concise Chines-English Dictionary for Lovers” (der m.M.n. viel besser zum Buch passt) und war in einfachem und gebrochenem Englisch geschrieben. Es beschreibt ein Wörterbuch-Tagebuch der Chinesin Zhuang, die noch nicht lange in England ist und sich dort nicht sehr wohlfühlt.

Als Leser*in erhält man Einblicke in die kulturellen Unterschiede zwischen dem Osten (China) und dem Westen (England). Dies zeigt die Autorin sehr gut über die unterschiedliche Bedeutung von Wörtern in den jeweiligen Sprachen.

“Das chinesische Zeichen für Liebe/lieben ist 爱 (ai). Es hat keine Zeit. Keine Vergangenheit und keine Zukunft. Auf Chinesisch kann Liebe/lieben eine Person bedeuten, eine Situation, eine Umstand. Liebe ist Sein, und diese Sein umfasst auch Vergangenheit und Zukunft.” (S. 299)

“In chinesische Sprache <> und <> hat selbe Zeichen 家 (jiā), das manchmal kann auch <> bedeuten. Für uns Familie ist dasselbe wie Haus, und diese Haus ist auch ihre einzige Heim.” (S. 127) […] “Ich galube, <> hier hat nicht Bedeutung von Ort. Vielleicht weil in Westen Leute einfach ziehen immer weiter von eine Haus in andere Haus? (S. 128)

Diese Unterschiede in den Sprachen empfand ich als sehr spannend. Zeigen sie doch deutlich, warum es in der Beziehung von Zhuang und ihrem älteren, englischen Lebensabschnittsgefährten immer wieder Streit gibt.

Ein Jahr lang gilt Zhuangs Visa für England. In dieser Zeit verbessert sie ihren Wortschatz, den Satzbau und ihre Grammatik, was man als Leser*von Kapitel zu Kapitel verfolgen kann. Vom ursprünglich stockenden Englisch, bei dem sie auch sehr große Probleme mit den Pronomen hat, beherrscht sie am Ende die Sprache doch recht gut und flüssig.

“Alles sehr verwirren Menschen hier, Passagiere stehen in zwei Reihe.” (S. 17)

“Abends nehmen mich ein paar Freunde mit zu Karaoke. Für mich ist diese Bar nicht das Richtige.” (S. 348)

Zhuang lernt in diesem Jahr viel und wir mit ihr. Die Protagonistin, die gleichzeitig die Ich-Erzählerin ist, ist geprägt vom chinesischen Kommunismus, in dem eine einzelne Person nicht viel Wert hat. Daher fühlt sie sich in der Fremde auch sehr einsam. Das geht so weit, sodass sie in der Beziehung, in der ihr Künstlerfreund Privatsphäre, Rückzugsmöglichkeiten und das Alleinsein braucht, diese Wünsche nicht verstehen kann.

Der sprachliche Stil ist der Entwicklung der Protagonistin angepasst. Zhuang ist sehr naiv und besitzergreifend, da sie es nicht anders kennt. Durch ihre andere Lebenseinstellung entsteht viel Situationskomik, die sich locker durch das Buch zieht, obwohl die Themen und Wörter, die Zhuang lernt, essentiell und bedeutend sind.

Durch das Schengen-Visa hat Zhuang auch die Möglichkeit andere Länder Europas zu bereisen. Dieser Trip, den sie alleine macht, ist leider nicht immer schön. In Faro/Portugal, macht die Protagonistin eine sehr schmerzliche Erfahrung, die mir sehr wehgetan hat. Einiges, das in diesem Buch niedergeschrieben ist, hat die Autorin sicherlich aus ihrer eigenen Erfahrung einfließen lassen. Ich hoffe, dass der Aufenthalt in Faro nicht dazu gehört.

Dieses kleine Wörter- und Tagebuch zeigt eine komplizierte Liebesgeschichte, die manchmal auch poetisch und leicht erotisch ist. Das Schöne ist, alles passt wunderbar zusammen. Je näher man dem Ende kommt, hofft man auf ein Happy End, das wider Erwarten ein Paar zusammenbringen soll, gegen das die Zeit und alle anderen Umstände spielen.

Fazit
Mit diesem Buch ist Xiaolu Guo gelungen, den Gegensatz von Ost und West aufzuzeigen, denn das Buch ist wunderbar einfach, schön strukturiert und sehr verständlich. Wer sich für Kulturen, China sowie kulturelle und sprachliche Gegensätze interessiert und offen für Neues ist, kann beherzt zu diesem Buch greifen und es genießen. Ich werde es jetzt noch auf Englisch lesen, da die deutsche Übersetzung sicherlich nicht alles wiedergeben kann, welche sprachlichen Fortschritte die Protagonistin tatsächlich gemacht hat, da sich das Deutsche vom Englischen in vielerlei Hinsicht unterscheidet. Da Zhuang eine Ausländerin ist und erst angefangen hat, Englisch zu lernen, gehe ich davon aus, dass man für die Originalfassung keine herausragenden Englischkenntnisse benötigt.

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sommerleses avatar

Rezension zu "Stadt der Steine" von Xiaolu Guo

Der getrocknete Aal
sommerlesevor 4 Monaten

Dieser Roman lässt uns China und seine Menschen besser verstehen. Fesselnd, aufwühlend und sehr intensiv geschrieben.

Der Roman "Stadt der Steine" der chinesischen Autorin Xiaolu Gu erschien bereits 2005. 2018 wird er im Knaus Verlag neu aufgelegt.



Die junge Chinesin Coral Jiang lebt mit ihrem Freund Red in einem Wolkenkratzer mitten in der Millionenstadt Beijing. Eines Tages erhält sie ein Paket ohne Absender, darin befindet sie ein
getrockneter Aal. Schon der Geruch erinnert sie an ihre Kindheit in der kleinen Fischersiedlung, die Stadt der Steine. Mit Macht kommen Gefühle, Erinnerungen und tief vergrabene Erlebnisse in ihr hoch, die sie damals dazu brachten, diesen Ort für immer zu verlassen.

Die Stadt der Steine ist ein ursprüngliches Fischerdorf am ostchinesischen Meer in dem gewaltige Taifune für Verwüstungen sorgen, wo die Menschen wortkarg und mit wenig Schulwissen ihr karges, hartes Leben als Fischer fristen und die althergebrachten Traditionen gelebt werden. Wo nur die Geburten der Söhne etwas zählen und Zwangsheiraten und Vergewaltigungen an der Tagesordnung sind.

Mit kurzen, prägnanten und sehr aufwühlenden Sätzen zeichnet die Autorin ein nachdenklich machendes Bild dieses Ortes, stellvertretend für die vielen anderen ländlichen Gebiete Chinas. Als Waise wächst Coral eher geduldet als geliebt bei ihren Großeltern auf. In einem Haus, indem statt Lachen und Leben, Einsamkeit, Wortlosigkeit und Gewalt regierte.

Die Geschichte von Coral wird nicht immer vollständig beschrieben, manche Dinge muss sich der Leser aus dem Kontext heraus denken. Doch gerade das macht das Buch so dramatisch und eindringlich. Gewalt und scheinbar lieblose Familienbande haben ihre Spuren auch in Corals Leben hinterlassen. Sie hat es geschafft, die Schatten ihrer Vergangenheit aus ihrem Leben zu verbannen, doch der nach alter Tradition der Stadt, gesalzene, getrocknete Aal bringt alle Gefühle wieder zurück.


Mit diesem Roman gewinnt man ungeahnte Einblicke in Chinas Traditionen, Lebensbedingungen und den Wandel zur Moderne. Mit dem Aal kommen auch bei Coral die Erinnerungen, die sie solange unterdrückt hat, zurück. Schlimme Erlebnisse, sexuelle Gewalt und große Armut.


Man ist beim Lesen sehr betroffen und wird nachdenklich, denn dieser bildgewaltige Roman hinterlässt seine Spuren. Ein sehr zu empfehlender Roman über das traditionelle China und das Leben in den modernen Großstädten Chinas.

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