Xiaolu Guo

 3.8 Sterne bei 97 Bewertungen
Autorin von Kleines Wörterbuch für Liebende, Ein Ufo, dachte sie und weiteren Büchern.
Xiaolu Guo

Lebenslauf von Xiaolu Guo

Xiaolu Guo, Jahrgang 1973, besuchte nach ihrer Schullaufbahn die Pekinger Filmakademie. In dieser Zeit war es ihr zwar nicht möglich, ihren ersten Fim zu produzieren, jedoch wurden in diesen Jahren ihre ersten Texte veröffentlicht. Im Alter von 29 Jahren zog Guo nach London; dort gelang es ihr dann auch endlich, ihren ersten Kurzfilm zu drehen. Für ihren bisher erfolgreichsten Film "She, a Chinese" wurde sie mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet. Ihr aktueller Roman "Ich bin China" erscheint im März 2015 bei KNAUS.

Alle Bücher von Xiaolu Guo

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Kleines Wörterbuch für Liebende

Kleines Wörterbuch für Liebende

 (36)
Erschienen am 07.07.2010
Stadt der Steine

Stadt der Steine

 (17)
Erschienen am 08.01.2007
Ein Ufo, dachte sie

Ein Ufo, dachte sie

 (19)
Erschienen am 10.06.2011
Es war einmal im Fernen Osten

Es war einmal im Fernen Osten

 (8)
Erschienen am 11.09.2017
Ich bin China

Ich bin China

 (5)
Erschienen am 02.03.2015
Kleines Wörterbuch für Liebende

Kleines Wörterbuch für Liebende

 (1)
Erschienen am 04.02.2015
20 Fragments of a Ravenous Youth

20 Fragments of a Ravenous Youth

 (5)
Erschienen am 07.01.2009

Neue Rezensionen zu Xiaolu Guo

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Rezension zu "Es war einmal im Fernen Osten" von Xiaolu Guo

Künstlerleben zwischen Ost und West
evaczykvor 21 Tagen

Mit ihrer Autobiografie „Es war einmal im Fernen Osten“ hat die chinesische Filmemacherin und Schriftstellerin Xiaolu Luo eine Lebensgeschichte zwischen Ost und West, vom China Maos und dem rasanten Wandel seit seinem Tod, von Heimatlosigkeit, Kulturschock und Sprachlosigkeit geschrieben.

Dabei bleiben einige Widersprüche ungelöst, wenngleich das Buch einen faszinierenden Blick auf die chinesische Gesellschaft ermöglicht zu einer Zeit, in der China von derAußenwelt weitgehend abgeschlossen war und das Leben in der Provinz zeigt, weitab der Metropolen wie Peking oder Guangxhou.

Das Grundwesen einer Autobiogafie ist auch ihre Schwäche – das gilt auch in diesem Fall. Denn wenn ein Autor oder eine Autorin den Wunsch hat, das eigene Leben in den Mittelpunkt eines Buches zu stellen, spielt da immer auch eine gewisse Eitelkeit und Selbstzentriertheit mit. Dabei ist es im Fall Guos ja keineswegs so, dass ihre vorangegangenen Bücher losgelöst von ihren eigenen Erfahrungen waren, im Gegenteil. Ihre Romanheldinnen waren offenbar meist ihr literarisches Alter Ego, verarbeiteten die Erfahrungen, die sie auch in ihrem eigenen Leben gerade machte.

So kommt Guo irgendwie nicht umhin, sich bereits in den Kindheitserinnerungen als diejenige herauszustellen, die schon immer herausstach, anders und unverstanden war, anscheinend schon im Alter von fünf Jahren vom Ausbruch aus dem Fischerdort träumte, in dem sie bei ihren Großeltern lebte.

Als Außenseiterin, als Bauernmädchen aus der Provinz stellt sie sich dar – dabei war ihr Vater in seiner Provinz offenbar ein anerkannter und gefeierter Staatskünstler. Ein Mutter-Tochter-Konflikt prägt ihr Leben, dabei wirft sie ihrer Mutter Lieb- und Verständnislosigkeit sowie Mangel an Empathie vor. Bei der Schilderung der letzten Begegnung mit der unheilbar krebskranken Mutter kommt der Eindruck auf: Das war nicht nur einseitig der Fall.

Vieles, worüber ich gerne mehr erfahren hätte, bleibt angerissen – etwa die Konsequenzen der Ein-Kind-Poliik und der Bevorzugung von Söhnen. Gewiss, es ist davon die Rede, dass weibliche Säuglinge ausgesetzt oder getötet wurden, doch gab es noch andere Mädchen, die wie Guo aus der Familie abgeschoben wurden? Wie zeigte sich der unterschiedliche Umgang mit Jungen und Mädchen in der Schule, beim Heranwachsen? Welche Diskussionen wurden in der Generation geführt, die nach 1989 aufwuchs und studierte? Mit welchen Hoffnungen waren und sind für die jungen Menschen Veränderungen in China verbunden? Nur allzu oft beginnt und endet all dies mit dem Blick auf sich selbst und sehr wenig dazwischen.

Vergleichswaeise knapp, auf etwa 80 Seiten, wird das Leben in Westen, die Suche nach einer neuen Sprache und nach einem neuen Ort, der sich als Zuhause anfühlt, geschildert. Nach den teils sehr ausführlich geratenen Kindheits- und Jugenderinnerungen eine seltsame Hast, denn gerade das Spannungsfeld zwischen Weggehen und Ankommen, zwischen Sprachen und Kulturen, mit einer Neuerfindung als Künstlerin, die in einer neuen Sprache ihren Ausdruck findet wäre es spannend gewesen, hier mehr zu erfahren.

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Rezension zu "Es war einmal im Fernen Osten" von Xiaolu Guo

Spannend, ergreifend, bedrückend
lesuluvor 2 Monaten

Xiaolu Guo hat in "Es war einmal im Fernen Osten" ihre Autobiografie niedergeschrieben.
Als Baby wird sie von ihren Eltern zu einem kinderlosen Paar in den Bergen gegeben, bevor sie dann mit 2 Jahren zu ihren Großeltern, welche weder lesen noch schreiben können, in ein Fischerdorf zieht. Kurze Zeit später stirbt Mao, welchen ihre Eltern verehrt haben, und China erlebt einen rasanten gesellschaftlichen Wandel.
Mit 7 Jahren holen ihre Eltern Xiaolu zurück und schicken sie auf eine Schule, in der sie jedoch keinen gesellschaftlichen Anschluss findet und auch der Unterricht fällt ihr schwer, da sie stark kurzsichtig ist.
Ihr Leben ändert sich grundlegend, als sie mit 20 an der Filmhochschule Peking angenommen wird und etwas später nach England, in den Wester, der komplett anders tickt, zieht.

Schockierend werden die Zustände, die Kultur, die Gewalt gegenüber Frauen und auch bedrückende persönliche Erlebnisse geschildert, wodurch man viel über das damalige politische und gesellschaftliche System in China erfährt.
Dabei hat die Autorin eine sehr persönliche Geschichte spannend und ergreifend geschrieben, die einen nicht nur ein mal betroffen macht.

Wer sich für das Leben von Xiaolu und die Geschichte der chinesischen Gesellschaft interessiert, sollte "Es war einmal im Fernen Osten" unbedingt lesen!

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Rezension zu "Es war einmal im Fernen Osten" von Xiaolu Guo

Rezension: Es war einmal im fernen Osten
killmonotonyvor 4 Monaten

Ein schockierendes Portrait vom China der 70er Jahre — brutal, erniedrigend und deprimierend.

„Es war einmal im fernen Osten“ von Xiaolu Guo schlummerte jetzt schon eine Weile auf meinem SUB, bis ich kürzlich endlich in der passenden Lesestimmung war und dieses autobiographische Buch gelesen habe. Und ich muss sagen, dieses Buch hat mich eine ganze Weile beschäftigt. Nicht, weil es besonders dick wäre, nein, sondern weil es ziemlich „dicht“ war, reich an Informationen, und es vieles zu verdauen gab. Xiaolu Guo schreibt über ihre Kindheit in der hintersten Provinz Chinas, wo sie, von ihren Eltern abgeschoben, bei ihren Großeltern lebt. Es ist ein sehr ärmliches Leben, Xiaolu ist stets hungrig und Bildung ist ein Fremdwort. Ihre Großmutter wird regelmäßig von ihrem Mann verprügelt und so lernt Xiaolu schon früh, wie es um das Frauenbild im China der 70er Jahre steht. Als sie sieben ist, wird sie von ihren Eltern heim geholt und soll fortan zur Schule gehen. Für ihre Mutter und ihren Bruder ist sie nur ein zusätzliches hungriges Maul, nur ihr Vater behandelt Xiaolu wie einen Menschen oder gar eine Gleichgesinnte — denn beide lieben die Kunst. Auf die Schule hat Xiaolu sich gefreut, doch ihr dämmert langsam, dass sie stark kurzsichtig ist, und so kann sie nur in den Fächern, in denen sie mit den Lehrbüchern arbeiten, bestehen. Freunde findet sie keine, denn man hänselt sie wegen ihrer bäuerlichen und ärmlichen Herkunft.  Erst, als Xiaolu es mit knapp zwanzig auf die Filmhochschule Pekings schafft, gewinnt ihr Leben endlich an Qualität. Schließlich entwurzelt sich Xiaolu selbst, als sie beschließt, in den Westen — genauer gesagt nach England — zieht, um ihre Filmausbildung fortzuführen.

Kunst als Ausflucht
Xiaolu lernt als kleines Mädchen nie Lesen und Schreiben. Ihre Großmutter ist Analphabetin, wie sehr viele Frauen zu der Zeit in der Provinz, und hätte es ihr auch nicht beibringen können. Erst, als Xiaolu in die Schule kommt, lernt sie das geschriebene Wort kennen. Sie verliebt sich in die Bildhaftigkeit der chinesischen Schriftzeichen und saugt alles Wissen darüber auf. Schon bald beginnt sie, Gedichte zu schreiben, und befasst sich mit Literatur. Ihr Vater, selbst ein Dichter und Künstler, nimmt sie bei der Hand, reicht ihr Bücher großer Autoren und bespricht zusammen mit ihr ihre Gedichte. Xiaolu findet in der Kunst des Schreibens eine Ausflucht aus ihrem Leben, das bisher alles andere als gut zu ihr war. Stets fällt sie in Ohnmacht, da sie sich als unterstes Glied in der Familienhierarchie auch nur zuletzt zu Essen nehmen darf und dann dementsprechend wenig übrig ist. Hänseleien in der Schule machen ihr den Alltag schwer und die Kälte ihrer Mutter löst in ihr Hass aus. Xiaolu möchte nur noch raus aus der Provinz und den starren Strukturen und wählt für sich die Filmbranche als Ziel aus. Drehbücher schreiben, das will sie, ihre Geschichten auf der großen Leinwand sehen. Doch selbst, als sie während ihres Filmstudiums ihre ersten Drehbücher einschickt, hat sie nicht mit der umfassenden chinesischen Zensur gerechnet, die ihr seitenweise Verbesserungsvorschläge zusendet und selbst nach Ausbesserung ihre Drehbücher stets ablehnt. So beginnt Xiaolu, selbst zu filmen.

Gebundene Füße
Mit Xiaolu Guos Werk habe ich viel über die chinesische Kultur und auch die dortigen Traditionen gelernt. Die der gebundenen Füße fand ich besonders grausig. Der Gang von Xiaolus Großmutter wird als „trippelnd“ beschrieben, und auch wenn Xiaolu hier nicht ins Detail geht und lediglich den Begriff „gebundene Füße“ erwähnt, so musste ich doch einmal nachschauen. Das Füßebinden war in China noch bis ins 20. Jahrhundert ein weit verbreiterter Brauch, bei dem bereits den jüngsten Mädchen die Füße so zusammengebunden wurden, dass sich ihre Zehen krümmen und der Fuß wie ein Lotusblatt aussieht. (Jeder mit schwachen Nerven sollte jetzt lieber nicht googlen.) Die Zehen wurden durch diesen langjährigen Prozess gebrochen und verstümmelt. Ich mag mir gar nicht die Schmerzen vorstellen! Die Männer Chinas haben die kleinen Füße, die in winzige Puppenschühchen gesteckt wurden, angebetet, und waren der Meinung, es verleihe der Frau einen anmutigeren Gang. High Heels inklusive Fußverstümmelung quasi. Da die Frau ja sowieso nur zuhause tätig war, war es auch nicht vonnöten, dass sie mit den gebundenen Füßen weitere Strecken zurück legt. Zum Weglaufen vor der häuslichen Gewalt waren die gebundenen Füße auch nicht mehr geeignet.

Kinderbräute
"Zwölf Jahre. Was bedeutete das für mich? Ich war gerade fünf geworden, nach der alten Tradition würde man mich schon in sieben Jahren verheiraten. Vielleicht würde es für mich ja zwei Esel geben […]."

Genau wie Xiaolus Großmutter ist es vielen Frauen in China ergangen: Sie wurden in jungen Jahren an Männer zur Heirat verschachert. Da die Provinz sehr ärmlich war, wechselte als Bezahlung für die Tochter meist nur ein Sack Reis den Besitzer. Der freie Wille der Frau wird auch mit diesem Brauchtum ausgemerzt. Dadurch, dass die Mädchen so jung schon an den zukünftigen Mann übergeben werden, geraten sie schnell in eine Abhängigkeitssituation, da sie nichts anderes kennen als ihren Mann. Die mangelnde Bildung führt dann dazu, dass die Mädchen auch als Frau bei ihre Männern bleiben und sich um den Haushalt kümmern.

Gewalt gegen Frauen
"Meine Großeltern führten eine schreckliche Ehe. Großvater verprügelte seine Frau fast täglich […]."

Xiaolu beschreibt extensiv die Gewalt gegen Frauen in China. Nicht nur werden Kinder (sprich: Mädchen) im Elternhaus verprügelt, sondern die Gewalt zieht sich wie ein Faden durch das Leben der Chinesinnen: Frauen werden regelmäßig von ihren Männern verprügelt, die Gründe dafür sind nichtig. Eine Frau ist stets ihrem Mann untergeordnet und sollte sie einen Jungen gebären, steht dieser in der Rangliste auch über ihr. Im China zu Xiaolus Zeit wird Frauen kein Respekt entgegengebracht, Xiaolus Großmutter lebt ihr Leben lang sogar ohne einen Namen. Zudem werden sehr viele der Mädchen, die langsam ihren Kinderschuhen entwachsen, missbraucht. Niemand spricht ein Wort, keines der Mädchen traut sich, sich an irgendjemanden zu wenden. Wie auch, wenn man als Frau ganz unten in der Familienhierarchie steht und sowieso niemanden interessiert, was man zu sagen hat? Xiaolu selbst wurde Opfer des regelmäßigen Missbrauchs über zwei ganze Jahre hinweg. Erst an der Filmhochschule in Peking vertraut sie sich ihren Zimmergenossinnen an, die alle ähnliches durchlebt zu haben scheinen. Für sie ist der Sex in einer heterosexuelle Beziehung stets von Gewalt und sexuellen Übergriffen geprägt, deshalb empfindet sie Liebe als das genaue Gegenteil von Sex. Trotzdem versucht sich Xiaolu in Beziehungen; bereits während ihrer Schulzeit in der Provinz schläft sie regelmäßig mit einem 15 Jahre älteren Lehrer.Zu einem späteren Zeitpunkt erfährt Xiaolu dann die Gewalt, die ihrer Großmutter durch ihren Großvater widerfahren ist, am eigenen Leib, nämlich als sie in Peking eine Beziehung mit einem Mann eingeht, der sie regelmäßig verprügelt. Xiaolu flüchtet und trifft die Entscheidung, nie wieder etwas mit einem Chinesen anzufangen. Immer weiter entwurzelt sie sich von ihrer Kultur, immer weniger sieht sie sich selbst als Chinesin, immer weniger identifiziert sie sich mit dem Brauchtum Chinas.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/xiaolu-guo-es-war-einmal-im-fernen-osten

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