Kleines Wörterbuch für Liebende

von Xiaolu Guo 
4,1 Sterne bei36 Bewertungen
Kleines Wörterbuch für Liebende
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Inhaltsangabe zu "Kleines Wörterbuch für Liebende"

East meets West: Eine junge Chinesin reist nach London und erlebt eine für sie in jeder Hinsicht exotische Welt Die junge Chinesin Zhuang reist zum ersten Mal in den Westen und taucht in eine fremde Welt ein. Sprache und Umgangsformen, Essen und Trinken, Liebe und Sex - alles ist befremdlich, verwirrend und manchmal unbegreiflich. Ebenso amüsante wie erhellende Missverständnisse verbinden sich zu einem rasanten Verwirrspiel zwischen Ost und West und Mann und Frau. Ein außergewöhnliches Lesevergnügen!

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442740796
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:349 Seiten
Verlag:btb Verlag (TB)
Erscheinungsdatum:07.07.2010
Das aktuelle Hörbuch ist am 04.02.2015 bei Diwan Hörbuchverlag erschienen.

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    monerls avatar
    monerlvor 3 Monaten
    Kulturschock Ost-West

    Meine Meinung
    Die Autorin ist als sehr junge Frau über ein Stipendium nach England gekommen und hatte entschieden, dass sie dort bleiben möchte. Wie teilweise auch in China, wollte sie in England ihren Lebensunterhalt durchs Schreiben bestreiten. In Peking studierte sie an der Filmhochschule. Ihre Liebe zum Film drückt sie damit aus, dass sie ihre Protagonisten sich im Kino kennenlernten und auch das Kino nach einem Streit oder schlechter Stimmung immer wieder ihr Zufluchtsort wurde. Das vorliegende Buch “Kleines Wörterbuch für Liebende” schrieb Xiaolu Guo auf Englisch. Es erschien erstmals 2007 unter dem Titel “A Concise Chines-English Dictionary for Lovers” (der m.M.n. viel besser zum Buch passt) und war in einfachem und gebrochenem Englisch geschrieben. Es beschreibt ein Wörterbuch-Tagebuch der Chinesin Zhuang, die noch nicht lange in England ist und sich dort nicht sehr wohlfühlt.

    Als Leser*in erhält man Einblicke in die kulturellen Unterschiede zwischen dem Osten (China) und dem Westen (England). Dies zeigt die Autorin sehr gut über die unterschiedliche Bedeutung von Wörtern in den jeweiligen Sprachen.

    “Das chinesische Zeichen für Liebe/lieben ist 爱 (ai). Es hat keine Zeit. Keine Vergangenheit und keine Zukunft. Auf Chinesisch kann Liebe/lieben eine Person bedeuten, eine Situation, eine Umstand. Liebe ist Sein, und diese Sein umfasst auch Vergangenheit und Zukunft.” (S. 299)

    “In chinesische Sprache <> und <> hat selbe Zeichen 家 (jiā), das manchmal kann auch <> bedeuten. Für uns Familie ist dasselbe wie Haus, und diese Haus ist auch ihre einzige Heim.” (S. 127) […] “Ich galube, <> hier hat nicht Bedeutung von Ort. Vielleicht weil in Westen Leute einfach ziehen immer weiter von eine Haus in andere Haus? (S. 128)

    Diese Unterschiede in den Sprachen empfand ich als sehr spannend. Zeigen sie doch deutlich, warum es in der Beziehung von Zhuang und ihrem älteren, englischen Lebensabschnittsgefährten immer wieder Streit gibt.

    Ein Jahr lang gilt Zhuangs Visa für England. In dieser Zeit verbessert sie ihren Wortschatz, den Satzbau und ihre Grammatik, was man als Leser*von Kapitel zu Kapitel verfolgen kann. Vom ursprünglich stockenden Englisch, bei dem sie auch sehr große Probleme mit den Pronomen hat, beherrscht sie am Ende die Sprache doch recht gut und flüssig.

    “Alles sehr verwirren Menschen hier, Passagiere stehen in zwei Reihe.” (S. 17)

    “Abends nehmen mich ein paar Freunde mit zu Karaoke. Für mich ist diese Bar nicht das Richtige.” (S. 348)

    Zhuang lernt in diesem Jahr viel und wir mit ihr. Die Protagonistin, die gleichzeitig die Ich-Erzählerin ist, ist geprägt vom chinesischen Kommunismus, in dem eine einzelne Person nicht viel Wert hat. Daher fühlt sie sich in der Fremde auch sehr einsam. Das geht so weit, sodass sie in der Beziehung, in der ihr Künstlerfreund Privatsphäre, Rückzugsmöglichkeiten und das Alleinsein braucht, diese Wünsche nicht verstehen kann.

    Der sprachliche Stil ist der Entwicklung der Protagonistin angepasst. Zhuang ist sehr naiv und besitzergreifend, da sie es nicht anders kennt. Durch ihre andere Lebenseinstellung entsteht viel Situationskomik, die sich locker durch das Buch zieht, obwohl die Themen und Wörter, die Zhuang lernt, essentiell und bedeutend sind.

    Durch das Schengen-Visa hat Zhuang auch die Möglichkeit andere Länder Europas zu bereisen. Dieser Trip, den sie alleine macht, ist leider nicht immer schön. In Faro/Portugal, macht die Protagonistin eine sehr schmerzliche Erfahrung, die mir sehr wehgetan hat. Einiges, das in diesem Buch niedergeschrieben ist, hat die Autorin sicherlich aus ihrer eigenen Erfahrung einfließen lassen. Ich hoffe, dass der Aufenthalt in Faro nicht dazu gehört.

    Dieses kleine Wörter- und Tagebuch zeigt eine komplizierte Liebesgeschichte, die manchmal auch poetisch und leicht erotisch ist. Das Schöne ist, alles passt wunderbar zusammen. Je näher man dem Ende kommt, hofft man auf ein Happy End, das wider Erwarten ein Paar zusammenbringen soll, gegen das die Zeit und alle anderen Umstände spielen.

    Fazit
    Mit diesem Buch ist Xiaolu Guo gelungen, den Gegensatz von Ost und West aufzuzeigen, denn das Buch ist wunderbar einfach, schön strukturiert und sehr verständlich. Wer sich für Kulturen, China sowie kulturelle und sprachliche Gegensätze interessiert und offen für Neues ist, kann beherzt zu diesem Buch greifen und es genießen. Ich werde es jetzt noch auf Englisch lesen, da die deutsche Übersetzung sicherlich nicht alles wiedergeben kann, welche sprachlichen Fortschritte die Protagonistin tatsächlich gemacht hat, da sich das Deutsche vom Englischen in vielerlei Hinsicht unterscheidet. Da Zhuang eine Ausländerin ist und erst angefangen hat, Englisch zu lernen, gehe ich davon aus, dass man für die Originalfassung keine herausragenden Englischkenntnisse benötigt.

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    zauberblumes avatar
    zauberblumevor einem Jahr
    Verschiedene Welten prallen aufeinander

    Das Buch "Kleines Wörterbuch für Liebende" von der chinesischen Schriftsteller Xiaolu Gua, die aber mittlerweile seit 2002 in London lebt, ist einmal eine etwas andere Lektüre.

    Da wird die junge Chinesin Zhuang von ihren Eltern nach London geschickt, um die englische Sprache zu lernen. Sie soll später zuhause ein besseres Leben haben. Für Zhuang ist es ein richtiger Schock als sie im Westen ankommt, nicht nur die Sprache mit der sie große Probleme hat, sondern auch die Kultur, die Umgangsformen und vor allem das ungenießbare Essen. Zhuang hält alles, jedes Wort, alles was sie sieht und hört in einem kleinen Notizbuch fest. Am wohlsten fühlt sie sich aber im Kino. Dort lernt sie auch einen 20 Jahre älteren Mann kennen. Während ihres Londonaufenthalts lebt sie nun bei ihm. Aber das gemeinsame Leben ist alles andere als einfach.

    Als ich die ersten Seiten gelesen habe, habe ich mich erst mal ein bisschen über den Schreibstil gewundert. Es ist keine hundertprozentige Übersetzung. Und die Geschichte wird aus der Sicht von Zhuang erzählt, die mich auch manchmal zum Lachen bringt. Ich kann ihr Staunen und Entsetzen über manche Dinge verstehen, die hier prallt ja wirklich Ost auf West. Umgekehrt würde es uns wahrscheinlich genauso gehen. Was für uns eigentlich selbstverständlich ist, ist für die junge Chinesin eine große Herausforderung. Bewundert habe ich sie für ihren Mut als sie per Interrail durch ganz Europa gereist ist. Manchmal war sie für mich etwas zu leichtgläubig und unvorsichtig. Aber Gott sei Dank sind ihre Erlebnisse fast immer gut ausgegangen. Wie schon erwähnt, einmal eine etwas andere Lektüre, die mir Einblick in eine fremde Kultur gegeben hat und das war auch ganz schön interessant.

    Eine sehr gute Unterhaltungslektüre für vegnügliche Lesestunden. Die Einleitung der einzelen Kapitel hat mir auch gut gefallen. War nicht nur ein Englischkurs für Zhuang. Das Cover ist für mich auch wunderschön gestaltet. Gerne vergebe ich 4 Sterne.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren
    Kleines Wörterbuch für Liebende von Xiaolu Guo.

    Die Erzählerin ist Chinesin und wird von ihren Eltern für ein Jahr nach London geschickt, um dort englisch zu lernen. Zunächst lebt sie noch in einer Jugendherrberge, bzw. bei einer asiatischen Familie, doch bald lernt sie ihren Liebsten kennen und zieht bei ihm ein. Obwohl ein Altersunterschied von zwanzig Jahren zwischen den Liebenden besteht und sie sich durch ein Meer an kulturellen Unterschieden navigieren müssen, sind sie sich doch so nah wie wenige Paare mit besseren Voraussetzungen…

    Ein bisschen Gewöhnung braucht es schon, dieses Buch, dessen Erzählerin der englischen, bzw. in der Übersetzung der deutschen, Sprache nicht allzu mächtig ist. Doch dann ist da ja auch noch die Liebesgeschichte, unkonventionell und doch romantisch. Wie auch der ungewöhnliche Blick auf die westliche Kultur von außerhalb, am Beispiel Englands. Manchmal heiter, andere Male melancholisch, über die Liebe und die Sehnsucht und das Gefühl gestrandet zu sein.

    Xiaolu Guo kreiert auch in diesem Roman wieder etwas neues, etwas das ich so noch nirgendwo gelesen habe. Wie schafft sie es nur immer wieder sich diese kuriosen Blickwinkel auf altbekannte Themen auszudenken? Wie auch immer, es war ein Fest mit dem sich sicher viele identifizieren werden können, die ebenfalls Auslandsaufenthalte im Lebenslauf haben, auch wenn man zunächst denken mag, mit einer jungen Chinesin hätte man wenig gemein. Guos Erzählerin wirkt dabei vor allem wegen ihrer fehlenden Sprachkompetenz sehr kindlich und ein bisschen naiv.

    Es ist auch dieser Pigeon Stil, der manchmal schwierig und auch ein bisschen nervtötend ist. Ich stelle mir das vor allem für die gedruckte Version vor, da man das Hörbuch ja quasi erzählt bekommt. Gleichzeitig trägt eben dieser Stil allerdings auch ungemein zur Authentizität des Textes bei. Schließlich kann die Ich-Erzählerin ihre Gefühle noch nicht so in Worte fassen, wie sie es gerne möchte, versucht es aber trotzdem und manchmal klappt es und bringt den Leser zum Klingen und dann wiederum klappt es wieder nicht. In jedem Fall berührt dieses Buch jedoch etwas im Inneren des Lesers, wofür dieser vielleicht selbst keine Worte zu finden vermag.

    Ich glaube ich habe eine neue Lieblingsautorin gefunden. Schon mit 20 Fragments of a ravenous youth konnte Xiaolu Guo mich verzaubern, nun zementiert sie meine hohe Meinung ihrer Prosa gegenüber – ein wunderbar feinfühliges Buch.

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    Dunkelblumevor 7 Jahren
    Rezension zu "Kleines Wörterbuch für Liebende" von Xiaolu Guo

    Ich habe es gekauft, weil ich in jenem Zeitschriftenladen auf dem Bahnhof nichts besseres zu finden meinte und noch ziemlich lange Wartezeit hatte, die ich irgendwie totschlagen musste.

    Ich hatte also meine Erwartung vollkommen heruntergeschraubt. Doch ich hab dem Buch unrecht getan.

    Klare und rationale Erzählweise. Wir schauen durch chinesische Augen auf unsere Kultur. Zum Schmunzeln, Kopfschütteln und vor allem Kulturverstehen. Am Ende hatte ich großen Respekt vor der Hauptfigur und ihrer immensen Akribie wie Willensstärke.

    Schnell gelesen und nicht bereut! Eine kleine Perle in meinem Bücherregal.

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    Keeweekatvor 7 Jahren
    Rezension zu "Kleines Wörterbuch für Liebende" von Xiaolu Guo

    Die junge Chinesin Zhuang wird von ihren Eltern zum Auslandsstudium nach London geschickt. Sprache und Umgangsformen, Essen und Trinken, Liebe und Sex – alles ist befremdlich, überraschend und manchmal unbegreiflich. Vollkommen verloren fühlt sie sich am Anfan mit ihren kaum vorhandenen Englischkenntnissen in dieser fremden Kultur. Bald aber versucht sie mit viel Neugier und Verwunderung, sich durch die westliche Welt zu schlagen.
    Sie sieht sich mit unfreundlichen Taxifahrern, ungenießbarem Essen und seltsamen Umgangsformen konfrontiert. Unbekannte Wörter, ungewöhnliche Begebenheiten und verblüffende Beobachtungen hält sie in einem kleinen Notizbuch fest, das zum Rettungsanker im Meer der Missverständnisse wird. Orientierungslos irrt sie durch die Stadt, bis sie unvermutet der Liebe begegnet. Doch damit beginnt Zhuangs Leben erst richtig kompliziert zu werden …
    Meine Meinung:

    Das Besondere an diesem Buch ist die Sprache. Zhuang hält ihre Erlebnisse und Gedanken nicht in ihrer Muttersprache, sondern auf Englisch fest. Natürlich sind die Sätze anfänglich noch sehr kurz und stecken voller liebenswerter Fehler in Satzbau und Ausdrucksweise. Mit der Zeit wird Zhuangs Sprache immer wortreicher, denn neu gelernte Begriffe und ihre Bedeutung schreibt sie ebenso auf wie die damit zusammenhängenden Erlebnisse.

    Wunderbar ehrlich und voller Komik beschreibt die Autorin das Aufeinanderprallen zweier Kulturen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Die authentische Sprache, in der sie Zhuang ihre Geschichte erzählen lässt, berührt den Leser in ihrer Einfachheit und poetischen Kraft und bringt einen zum Lachen und Weinen.
    Die bittersüße Liebesgeschichte zwischen Zhuang und dem Londoner Künstler ist zutiefst bewegend und ebenso kompliziert wie die vorsichtige Annäherung von Ost und West.
    Fazit: „Kleines Wörterbuch für Liebende“ öffnet die Augen und ist Plädoyer für Offenheit vermeintlich „Fremden“ gegenüber. Dieses Buch wird niemanden unberührt zurücklassen.

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    Gilfaens avatar
    Gilfaenvor 8 Jahren
    Rezension zu "Kleines Wörterbuch für Liebende" von Xiaolu Guo

    "Ich bin auch keine Intellektuelle. In diese Land in Westen ich bin Barbarin, ungebildete Bauernmädchen, ein Gesicht aus Dritte Welt und unberechnungsfähige Fremde. Ein Alien von andere Planet."

    Zhuang, kurz Z, fühlt sich verloren. Von den chinesischen Eltern nach London geschickt, um Englisch zu lernen, ergo eine bessere Ausbildung zu machen, neue Chancen zu erschließen, als die eigenen Verwandten es jemals tun könnten, fühlt sie sich sehr bald verloren, allein, einsam in dieser großen Stadt, in diesem Land, welches so viel anders ist als zu Hause. Kohlensäurehaltiges Mineralwasser, Vegetarismus, Anarchismus, Individualismus, das eigene "Ich" - Inner Self - alles ist fremd, alles wirkt bedrohlich, misstrauen erweckend. Und dann trifft sie einen Mann; einen Mann, der in ihr Gefühle der Leidenschaft hervorruft, der erste Sex, die erste Verbalisierung von Sexualität, aber auch von Liebe, von Beziehung, von Alltagstätigkeiten, von Beziehung. Diese vollkommen neuen Eindrücke schildert Zhuang in einem "Wörterbuch", eher Tagebuch, in dem sie neue Gedanken, Ausdrücke, Worte und Wortgruppen notiert, so eindringlich und authentisch formuliert, dass einem die Protagonistin bald ans Herz wächst. Mit viel Naivität, Neugierde und Lebenswillen läuft sie durch das trübe London, an der Seite dieses Mannes, der so ganz anders ist in ihrer Beziehung als sie es kennt.
    Er plädiert für das "Ich", sie für das "Wir". Er plädiert für "Freiheit" und "Unabhängigkeit", sie für "Familie" und "Ordnung". Er will ein Leben führen, ohne gebunden, ohne gefesselt zu sein. Sie will eine häusliche Fessel, will die Heirat.

    Guo lässt hier nicht nur zwei unterschiedliche Kulturen, sondern auch zwei vollkommen unterschiedliche Lebenskonzepte sich konfrontieren, diskutieren, kontrastieren. Die chinesische Leitkultur des Kollektivismus versus die vollkommen individualisierte, geradezu a-soziale Leitkultur des Westens. Die Autorin scheut nicht Klischees zu benennen, die auf beiden Seiten zu bestehen scheinen, sie aufzubrechen, sie zu parodieren, zu karikieren, aber sie auch zu untermauern, wenn nicht sogar zu übertreiben. Es ist ein Spiel mit Ansichten, nicht nur welche politischer Natur, selbst ein Pornoheft wird als Anlass dazu genommen, inwiefern die "Freizügigkeit" der westlichen Kultur bestimmend ist für ein gemeinsames Liebesleben.

    Erotik, aber nicht zuletzt die Liebe ist bei beiden Protagonisten, keine Diskussionsfrage. Sie streiten sich nicht darüber, ob sie sich lieben, sondern ob dieses Ausleben der Liebe richtig ist, in den richtigen Bahnen verläuft und ob nicht eine Fehlentscheidung dahinter stand, dass sich ein 20-Jahre-älterer Herr mit einer jungen, eher "wortlosen" Chinesin einlässt.
    Diese "wortlose" Chinesin blüht immer mehr auf, je mehr sie die englische Sprache erlernt, je mehr Begriffe sie erkennt, nachschlägt und wiederkennen kann. Die anfänglichen Grammatikschwierigkeiten finden genauso Einfluss in den Stil, wie verschiedene Wortbedeutungen, kulturelle und religiöse Unterschiede. Guo benutzt in diesem Werk eine sehr authentische Sprache, die niemals überbordernd, niemals übertrieben schön oder verschnörkelt ist. Das Vokabular Zhuangs ist eingeschränkt, so auch das Vokabular des Stils. Und doch wirkt der Stil realitätsnah, sehr flüssig, teilweise sehr abstrakt durch unterschiedliche Bilder und Gleichnisse, die Zhuang benutzt um ihre Lebenswelt verständlich zu machen.

    Ob die Geschichte an sich authentisch ist oder nicht, möchte ich nicht bewerten. Allerdings - in der Lesart eines Textes, welcher sich mit den Problemen der Integration bei Problemen mit der Fremdsprache und kulturellen Unterschieden - wirkt die Textdarstellung sehr gelungen. In der Lesart einer Liebesgeschichte habe ich Probleme eine Paarbeziehung beider Protagonisten zu akzeptieren, fühle mich teilweise sogar vom männlichen Part sehr abgestoßen.

    Und dennoch... nach meiner Ansicht ein schöner, flüssig lesbarer, trotz sprachlicher Eingeschränktheit wunderschöner literarischer Text.

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    Dupsivor 8 Jahren
    Rezension zu "Kleines Wörterbuch für Liebende" von Xiaolu Guo

    Zhuang Xiaoqiao, eine junge Chinesin kommt nach London, um in einer Sprachschule Englisch zu lernen. Vorher war sie noch nie in England und erlebt nun praktisch einen Kulturschock. Alles ist anders als zu Hause. Die Lebensphilosophie widerspricht vollkommen ihrer eigenen. Sie fühlt sich allein, Doch schließlich lernt sie einen Mann kennen und verliebt sich in ihn.
    Die beziehung ist jedoch alles andere als einfach. Nicht nur, dass er zwanzig Jahre älter ist als sie, nein, ständig gibt es Missverständnisse, Verständigungsschwierigkeiten. Unterschiedliche Ansichten treffen aufeinander. Doch ihm zuliebe versucht Zhuang, sich an die englische Lebensweise anzupassen, sie zu verstehen. Als er sie jedoch allein auf eine Reise quer durch Europa schickt, kommen ihr Zweifel.

    Zu Beginn war es gewöhnungsbedürftig, das Buch zu lesen, da es nicht in "richtiger" Sprache geschrieben ist, sondern so, wie Zhuang sprechen würde. Das Buch ist voll von Grammatik- und Wortschatzfehlern. Doch so wirkt die Geschichte authentisch. Deutlich sieht man ihre Sprachfortschrittte, sieht die Worte, die sie täglich neu dazulernt. Das Buch ist voll von philosophischen Weisheiten, voller Gedanken, die einen selbst zum Nachdenken anregen.
    Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten hat mir das Buch gut gefallen.

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    Karin Bethmanns avatar
    Karin Bethmannvor 9 Jahren
    Rezension zu "Kleines Wörterbuch für Liebende" von Xiaolu Guo

    Die junge Chinesin Zhuang wird von ihren Eltern nach London geschickt um Englisch zu lernen. Sie fühlt sich fremd und einsam, lernt aber sehr begierig die neue Sprache. Alle Wörter, die sie nicht versteht, schlägt sie im Wörterbuch nach und sie beginnt, ihr eigenes Wörterbuch anzulegen.
    Die langen Abende verbringt sie oft im Kino. Eines Tages begegnet sie dort einem Mann und zieht bereits nach einer Woche in dessen Haus. Sie verliebt sich in den 20 Jahre älteren Künstler, der sein Geld mit Lieferdiensten verdient. Die beiden haben am Anfang leidenschaftlichen Sex, obwohl sich der Mann - wir erfahren seinen Namen nicht - bisher nur Männern sexuell genähert hat. Gemeinsam pflegen die beiden den winzigen Garten hinter dem Haus und Zhuangs Englisch wird ständig besser. Ihr Wörterbuch, in dem sie alles aufschreibt, was ihr als Chinesin in London seltsam erscheint, wird immer umfangreicher. Zhuang möchte alles mit ihrem Liebhaber teilen, weil sie es aus China gewohnt ist, dass Liebende dies tun. Ihr Liebhaber beansprucht jedoch seine Privatsphäre und beginnt, sich von Zhuang abzugrenzen. Sie fangen an, über alles und jedes zu streiten.
    Der Mann schickt Zhuang allein auf Europareise, weil er der Meinung ist, dass sie lernen muß allein zu reisen. Zhuang tut wie ihr geheißen, genießt das Reisen jedoch nicht, sondern sehnt sich zu ihrem Freund in London zurück, obwohl sie auf ihrer Reise einige Begegnungen mit Männern hat. Zurück in London verschlechtert sich die Beziehung der beiden Liebenden ständig. Der Mann leidet daran, dass er sein Lebenskonzept noch nicht gefunden hat, fühlt sich in London nicht wohl und wird krank. Zhuang versucht ihn mit noch mehr Liebe zu kurieren, erreicht jedoch nur, dass sich ihr Freund noch mehr distanziert. Ihr Freund möchte keine gemeinsame Zukunft und zerstört damit auch die mögliche Perspektive einer Verlängerung des Visums für Zhuang. Zhuang kämpft verzweifelt und letztlich erfolglos dagegen an, ihren Freund zu sehr zu lieben.
    Nach einem Jahr in London tritt sie schließlich den Rückflug nach China an, kehrt jedoch nicht zu ihrer Arbeitseinheit und ihren Eltern zurück, sondern bleibt in Beijing. Ihr Freund verläßt schließlich London und zieht aufs Land nach Wales.
    Somit ist Zhuang heimatlos geworden und hat schließlich gerlernt, über in ihr eigenes Leben zu bestimmen, während ihr Freund endlich seine Heimat und sein Glück auf dem Land gefunden hat.

    „Kleines Wörterbuch für Liebende“ ist schnell gelesen und sehr humorvoll geschrieben, trotzdem ist es ein Buch, das den Leser nachdenklich stimmt. Das Fremdsein und die Einsamkeit, die jemand erlebt, der sich in einer völlig anderen Kultur zurecht finden muß,sind immer deutlich spürbar. Zhuang lernt nach und nach, sich auf Englisch auszudrücken und diesen Spracherwerb vollzieht die Autorin nach, indem sie zuerst sehr einfaches, wörtlich übersetztes Englisch benutzt, was komisch wirkt, Zhuangs Hilflosigkeit in der fremden Welt jedoch sehr gut ausdrückt. Später wird ihr Englisch immer komplexer und die Gedanken, die sich Zhuang zum Unterschied östlicher und westlicher Lebenskonzepte macht, kann sie immer besser auf Englisch ausdrücken. Zweimal sieht sie sich allerdings genötigt, ihre Frustration in ihrer Muttersprache auszudrücken - wer nicht Chinesisch kann, bekommt allerdings eine Übersetzung.
    Das „Essen“ und der „Garten“ stehen symbolisch für das Scheitern der Liebesbeziehung. Am Anfang hegen und pflegen die beiden Liebenden einen gemeinsamen Garten, überlegen sogar, welche östlichen und westlichen Pflanzen sie anbauen sollen. Am Schluß sammeln sie die nicht reif gewordenen, verschrumpelten Feigen ein. Zuerst kochen sie gemeinsam, müssen dann aber feststellen, dass ihre Geschmäcker völlig unterschiedlich sind. Zhuang ißt leidenschaftlich gern Fleisch, das sie als armes Bauernkind nie bekommen hat, während ihr Freund ein vehementer Vegetarier ist.

    Das Buch ist melancholisch und doch hat es viel Humor, wahrscheinlich enthält es viel Autobiografisches, da die Autorin selbst China vor einigen Jahren verlassen hat und seitdem in London lebt. Das Befremden, das Zhuang nach einiger Zeit an der eigenen Kultur befällt und die Unmöglichkeit, den einmal wachen Blick wieder zu verlieren und umstandslos in die alte Heimat zurückzukehren, sind beeindruckend intensiv dargestellt. Wer sich mit der chinesischen Kultur beschäftigt, wird dieses Buch als sehr intelligente Bettlektüre schätzen.

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    Scheu
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