Xinran

 4 Sterne bei 99 Bewertungen
Autorin von Himmelsbegräbnis, Die namenlosen Töchter und weiteren Büchern.
Autorenbild von Xinran (© Jana Kay)

Lebenslauf von Xinran

Die chinesische Autorin und Journalistin Xinran, 1958 in Beijing geboren, wurde mit ihrer Radiosendung "Words on the Night Breeze" in ganz China berühmt. Die Sendung diente ihr später als Grundlage für ihr Buch-Debüt "Verborgene Stimmen. Chinesische Frauen erzählen ihr Schicksal." Der Titel wurde in viele Sprachen übersetzt und wurde so international ein riesiger Erfolg. Xinran ließ mit "Himmelsbegräbnis" und "Die namenlosen Töchter" weitere erfolgreiche Romane folgen. 2009 veröffentlichte sie "Gerettete Worte. Reise zu Chinas verlorener Generation". 1997 wanderte Xinran gemeinsam mit ihrem Ehemann von China nach England aus, wo sie noch heute in London lebt und ihre Werke verfasst. Darüber hinaus schreibt sie für den Guardian und ist die Gründerin der Wohltätigkeitsorganisation "The Mothers' Bridge of Love“, die sich um chinesische Kinder kümmert, die von westlichen Pflegeeltern adoptiert wurden, und bei denen es sich in erster Linie um im Zuge der chinesischen Ein-Kind-Politik verstoßene Mädchen handelt. Im Oktober 2011 erscheint ihr aktueller Roman "Wolkentöchter".

Alle Bücher von Xinran

Cover des Buches Himmelsbegräbnis (ISBN: 9783426790434)

Himmelsbegräbnis

 (36)
Erschienen am 01.03.2019
Cover des Buches Die namenlosen Töchter (ISBN: 9783426638385)

Die namenlosen Töchter

 (19)
Erschienen am 01.10.2009
Cover des Buches Verborgene Stimmen (ISBN: 9783426416549)

Verborgene Stimmen

 (12)
Erschienen am 02.05.2012
Cover des Buches Verborgene Stimmen (ISBN: 9783426273005)

Verborgene Stimmen

 (9)
Erschienen am 22.09.2003
Cover des Buches Wolkentöchter (ISBN: 9783426304549)

Wolkentöchter

 (7)
Erschienen am 01.07.2015
Cover des Buches Chinesen spielen kein Mao-Mao (ISBN: 9783426780749)

Chinesen spielen kein Mao-Mao

 (4)
Erschienen am 01.07.2008
Cover des Buches Gerettete Worte (ISBN: 9783426198384)

Gerettete Worte

 (4)
Erschienen am 01.10.2009
Cover des Buches Der Himmel hat einen Preis (ISBN: 9783426789575)

Der Himmel hat einen Preis

 (2)
Erschienen am 01.08.2019

Neue Rezensionen zu Xinran

Cover des Buches Die namenlosen Töchter (ISBN: 9783426197721)Beusts avatar

Rezension zu "Die namenlosen Töchter" von Xinran

Chinesen sind auch nur Menschen wie du und ich
Beustvor 2 Jahren

Der chinesisch-amerikanischen Journalistin Xinran ist ein entzückender Roman gelungen, der uns westlichen Lesern ein unbekanntes China durch die Augen dreier ungleicher Schwestern zeigt: ein China an der Schwelle zur Neuzeit, zur Urbanität und zur postkommunistischen Zeit - im Jahre 2001. Das Gefälle zwischen Stadt und Land beträgt etwa 500 Jahre, wie im Roman übertrieben gewitzelt wird. Oft ist man erstaunt über das rückständige und ärmliche Leben in der ländlichen Provinz und den Mangel an Bildung, den es trotz des „Großen Marschs“ des Genossen Mao offenbar noch 2001 gab.

Erzählt wird der Ausbruch dreier Schwestern aus dieser Welt - drei von sechs, ein schweres Schicksal in einer Gesellschaft, in der nur männliche Nachkommen zählen. Zählen tut man dann nur die Mädchen, für echte Namen reicht die Wertschätzung nicht. Drei, Fünf und Sechs ziehen nach Nanjing und schlagen sich fortan in der großen Stadt durch. Sie spiegeln ihr bisheriges ländliches Leben in der sich selbst zur Moderne wandelnden Stadt und überwinden jede Menge naiver Vorurteile, um in sich die Stärken zu finden, als Frauen zu bestehen. Alle drei beweisen ihrem Dorf und ihren Eltern, dass sie als „Stäbchen-Mädchen“ dennoch gleichwertige Menschen sein können.

Das ist eine schöne und lehrreiche Geschichte, die allerdings manchmal an Rande des Kitsches entlangfließt und sich einer Fülle von Klischees bedient. Das fällt beim Lesen nicht so auf, weil der Blick ins fremde China und die exotischen Gebräuche oftmals davon ablenkt. Schade ist nur, dass an manchen Stellen geschlampt wurde, etwa wenn nicht nur die wertlosen Mädchen durchnummeriert wurden, sondern auch deren Onkel: Wie kann es Onkel „Zwei“ und Onkel „Drei“ geben, wenn beide doch vermeintlich höherwertige männliche Nachkommen waren?

Geschenkt. Ein entzückender Roman, dessen Schwung auch dadurch nicht verloren geht, dass immer wieder Einzelheiten umständlich erklärt und seltsame Witze zitiert werden oder der moralische Zeigfinger hin und wieder seinen Schatten wirft.

Kommentare: 2
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Cover des Buches Wolkentöchter (ISBN: 9783426304549)awogflis avatar

Rezension zu "Wolkentöchter" von Xinran

Chinas verlorene Töchter
awogflivor 3 Jahren

Es ist fürchterlich! Was da in China aufgrund der unsäglichen Verknüpfung von alten patriarchalischen Strukturen und der 1-Kind-Politik in den letzten Jahrzehnten im Detail gegen weibliche Babys abgegangen ist, haben wir hier in Europa möglicherweise geahnt, wir haben uns selten genauer damit beschäftigt und es sicher nicht im Detail gewusst. Diese Reportage ist derart ungeheuerlich und brutal, dass einem die Spucke wegbleibt und sich das Würgen einstellt.

Ein sehr wichtiges Werk, das ich überhaupt nicht bereue, gelesen zu haben und das mir die Augen geöffnet hat. Ich möchte es Euch wirklich dringend ans Herz legen, denn diese Fakten zu wissen, ist einfach sehr wichtig, da ein Genozid an weiblichen Babys erst vor Kurzem strukturell geplant in großem Stil passiert ist und in den ländlichen Gebieten Chinas noch immer tagtäglich stattfindet.

Im Rahmen meiner A-Z Autorinnenchallenge (Details dazu hier) bin ich beim Buchstaben X im Nachnamen zwangsläufig über die chinesische Radiomoderatorin und Journalistin Xinran Xue gestolpert und ich freue mich sehr, dass ich sie entdeckt habe.

Das Buch ist in Form einer Reportage über die Zustände in China angelegt, die sehr persönlich gehalten wird, da Xinran von Schicksalen der Mütter und aus ihrer eigener Sicht ihres Involvements die Lebensgeschichten der Frauen und die der Babys schildert. Schon die erste Szene beschreibt, was hier abgeht. Xinran ist im Rahmen der Recherche in ländlichen Gebieten Chinas eingeladen, und eine Frau liegt bei ihren Gastgebern in den Wehen. Plötzlich wird es ganz still, die Stimmung kippt, alle tun so, als ob kein Kind geboren wurde und gar nichts passiert sei. In einem Kübel im Geburtszimmer sieht sie das noch zuckende Bein eines Babys, weggeworfen wie Müll. Sie versucht, das Mädchen zu retten, wird aber von ihren Gastgebern daran gehindert. Nach dieser Erfahrung recherchiert sie weiter und deckt Fürchterliches auf. Auf dem Land werden weibliche Babys sofort bei der Geburt umgebracht, denn in den alteingeführten patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen Chinas zählt sowieso nur der Sohn und durch die verordnete 1-Kind-Politik werden die Mädchen von Hebammen und ihren eigenen Verwandten – Müttern, Vätern, bzw. Schwiegereltern – so lange getötet, respektive sofort nach der Geburt erstickt, bis sich dieser gewünschte männliche Erbe auch einstellt.

Aber auch andere Strategien von Eltern werden recherchiert und in einzelnen Schicksalen dargestellt. Manche Mütter behalten ihre Töchter so lange, bis sie wieder schwanger werden und setzen sie dann aus. Das natürlich so lange und auch so oft, bis der ersehnte Sohn produziert wird. In weiteren Stories wird dann die systematische Adoption eigentlich ja der Verkauf von chinesischen Mädchen an Adoptiveltern im Ausland geschildert und wie sich dieser Usus quasi staatlich unterstützt zuerst im städtischen und dann im ländlichen Raum durchgesetzt hat. Dabei werden fast alle Regeln des Haager Übereinkommens zum Schutz von Kindern verletzt, vor allem gibt es nicht mal Aufzeichnungen, wer die Kinder überhaupt sind (alles wird weggeworfen). Die Zustände in den Waisenhäusern sind derart unmenschlich, kriminell, eigentlich nur um eine Nuance besser als die Tötung der Mädchen. So wird Schicksal für Schicksal aufgerollt und zu einer Gesamtreportage, einem Bild zusammengestellt.

Wie gesagt dies alles ist im Stil der persönlichen Lebensgeschichten und herzzerreißenden Schicksale von Müttern und nicht sachlich dargelegt. Dieser Stil gibt zwar inhaltlich durch die Wahl der Beispiele auch ein ausreichend breites Bild der Zustände in China, ist aber von der Tonalität natürlich sehr persönlich und emotional angelegt. Manchmal hat mir für die Rezeption der Stories dann ein bisschen die neutrale sachliche journalistische Klammer und die Hintergrundinfo bezüglich der rechtlichen, ökonomischen, demografischen, gesellschaftlichen Fakten gefehlt, die leider erst auf Seite 259 eingeführt werden, obwohl sie eigentlich schon zu Beginn auf der ersten Seite von mir benötigt worden wären. Hier sollte die die Struktur des Werkes umgedreht und die Hintergrundinfos am Ende des Buches als journalistische sachliche Einführung in das Thema von der Autorin zu Beginn installiert werden. Dann kann man auch die Geschichten nicht nur fühlen, sondern von Anfang an besser verstehen.

Bei der Übersetzung gibt es einige strukturelle Fehler, einmal wurden Monate mit Jahren verwechselt und öfter wurde immer dieselbe Formulierung verwendet, anstatt Synonyme einzuführen. Diese Redundanzen nerven und stören natürlich, wenn man das Buch auf Deutsch oder Englisch liest. Gut fand ich jedoch, dass der Übersetzer auf diese Schwächen in den Anmerkungen einging, dass das im Chinesischen offensichtlich etwas schwierig umzusetzen ist, und sich prophylaktisch dafür entschuldigt. Auch glaube ich, dass sich das im Laufe der Zeit etwas verändern wird, wenn mehr Bücher aus dem Chinesischen übersetzt werden und die Verlage damit mehr Erfahrungen bekommen.

Fazit: Eine extrem wichtige, erschütternde, packende Reportage, die ich allen sehr ans Herz lege. Wir alle sollten wissen, mit welchen Mitteln die wirtschaftliche Turboentwicklung Chinas auf dem Rücken von Mädchen erkauft worden ist. Auch gibt das Buch einen guten Blick darauf, mit welchen Strategien Entwicklung und Überbevölkerung NICHT in den Griff zu bekommen sein sollte. Eine derartige Denkweise ist nicht nur unmenschlich grausam, sondern auch langfristig für die demografische Entwicklung eines Landes totaler MUMPITZ! Auf jeden Fall macht dieses Werk wütend und traurig, aber mündige Menschen mit Herz, Sinn und Verstand müssen da durch und genau hinsehen, auch wenn es bis in die Knochen wehtut und sich dieser Genozid sehr weit weg im Osten ereignet hat bzw. noch immer ereignet.

Kommentare: 2
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Cover des Buches Himmelsbegräbnis (ISBN: 9783426778784)Schnutsches avatar

Rezension zu "Himmelsbegräbnis" von Xinran

Himmelsbegräbnis - Xinran
Schnutschevor 4 Jahren

~Erster Satz~
Als ich fünf  Jahre alt war, hört ich auf der Straße von Beijing Bruchstücke eines Gesprächs, die sich in meiner Erinnerung festsetzten und mich nicht mehr losließen:"Die Tibetaner haben seine Leiche in tausend Stücke zerteilt und an die Geier verfüttert."
~Meine Meinung~
Dieses Buch habe ich in einem Bücherschrank entdeckt. Ich fand das Cover so wunderschön, dass ich es mitgenommen habe, obwohl Liebesgeschichten eher nicht so mein Genre sind. Ich fing als eines Tages einfach an zu lesen und war erstaunt, dass wir hier die unheimlich interessante und bewegende Geschichte von Shu Wen und ihrem Ehemann Kejun. Das Buch ist keine Liebesgeschichte, sondern die Geschichte einer liebenden Frau und einer langen Suche. Neben der Geschichte von Shu Wen erfahren wir viel über Tibet, und die buddhistische Lebensweise einer Nomadenfamilie und bekommen einen Eindruck von dem Konflikt, der 1958 zwischen China und Tibet herrschte. Das Buch hat eindeutig einen Eindruck bei mir hinterlassen. 

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