Yan Lianke

 3,4 Sterne bei 30 Bewertungen
Autor von Dem Volke dienen, Der Traum meines Großvaters und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Yan Lianke wurde 1958 in der Stadt Luoyang in China geboren. Im Jahr 1978 trat er der Volksbefreiungsarmee bei. Er studierte an der Hénán-Universität und Literatur an der Kunsthochschule der Volksbefreiungsarmee. Eines seiner Bücher, "Die vier Bücher", stand auf der Shortlist des Man Booker International Prize 2017 und ist aufgrund seiner Brisanz in China verboten. Weitere Bücher von Lianke stehen auf dem chinesischen Index. Heute lebt Lianke in Peking.

Alle Bücher von Yan Lianke

Cover des Buches Dem Volke dienen (ISBN: 9783548609096)

Dem Volke dienen

(17)
Erschienen am 12.08.2009
Cover des Buches Der Traum meines Großvaters (ISBN: 9783548610047)

Der Traum meines Großvaters

(6)
Erschienen am 14.01.2011
Cover des Buches Der Tag, an dem die Sonne starb (ISBN: 9783751809658)

Der Tag, an dem die Sonne starb

(4)
Erschienen am 02.05.2024
Cover des Buches Lenins Küsse (ISBN: 9783847906001)

Lenins Küsse

(2)
Erschienen am 12.11.2015
Cover des Buches Die vier Bücher (ISBN: 9783847906377)

Die vier Bücher

(0)
Erschienen am 25.08.2017
Cover des Buches Serve the People! (ISBN: 0802170447)

Serve the People!

(1)
Erschienen am 18.02.2008

Neue Rezensionen zu Yan Lianke

Cover des Buches Der Tag, an dem die Sonne starb (ISBN: 9783751809658)
Aischas avatar

Rezension zu "Der Tag, an dem die Sonne starb" von Yan Lianke

Aischa
Zu schwer, zu düster, zu fern

"Der Tag, an dem die Sonne starb" war mein erster Roman von Yan Lianke. Auf diesen Autor bin ich durch eine Reportage aufmerksam geworden. Mein Interesse wurde nicht zuletzt dadurch geweckt, dass Yan Lianke einerseits mit zahlreichen bedeutenden chinesischen Literaturpreisen ausgezeichnet wurde, andererseits in seinem Heimatland höchst umstritten ist und einige seiner Werke sogar verboten wurden. Diese Mischung aus literarischer Anerkennung und politischer Brisanz machte mich neugierig.

Leider erwies sich die Lektüre für mich als ausgesprochen mühsam. Ich habe mich durch diesen Roman regelrecht hindurchgequält. Die Atmosphäre ist nahezu durchgehend düster, bedrückend und schwermütig. Das gesamte Geschehen wirkt wie ein fieberhafter Albtraum, der den Leser kaum einmal zur Ruhe kommen lässt.

Zweifellos ist die Geschichte klug konstruiert. Sie lässt sich als scharfe Parabel auf die chinesische Innenpolitik und gesellschaftliche Entwicklungen lesen. Dennoch war mir der Roman insgesamt zu überladen mit schwer verständlichen Allegorien, Symbolen und fantastischen Elementen. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass sich mir wesentliche Bedeutungsebenen entziehen. Statt mich in den Sog der Handlung hineinzuziehen, schuf dies eine Distanz, die den Lesegenuss erheblich beeinträchtigte.

Gelegentlich blitzt jedoch ein verschmitzter Humor auf. Besonders gelungen fand ich die selbstironische Idee, dass Yan Lianke sich als Figur in seinen eigenen Roman hineinschreibt. Solche Momente lockern die ansonsten sehr schwere Erzählung angenehm auf.

Positiv hervorheben möchte ich außerdem die hilfreichen Anmerkungen des Übersetzers Marc Hermann. Sie erleichtern das Verständnis einiger kultureller und sprachlicher Bezüge und bieten eine wertvolle Orientierung bei einem Roman, der westlichen Leser*innen viel abverlangt.

Letztlich bleibt für mich die Anerkennung der literarischen Qualität und des politischen Anspruchs, ohne dass mich das Buch überzeugen konnte. Ich kann nachvollziehen, weshalb "Der Tag, an dem die Sonne starb" von vielen als bedeutendes Werk angesehen wird. Für mich persönlich war die Lektüre jedoch kein Vergnügen, sondern eher eine anstrengende Pflichtübung. Ich werde Yan Lianke deshalb nicht grundsätzlich abschreiben – vielleicht liegt mir ein anderes Werk des Autors eher. Dieser Roman konnte mich allerdings leider nicht erreichen.

Cover des Buches Der Tag, an dem die Sonne starb (ISBN: 9783751809658)
SunnySues avatar

Rezension zu "Der Tag, an dem die Sonne starb" von Yan Lianke

SunnySue
Yan Lianke "Der Tag, an dem die Sonne starb"

"Alle liefen sie uns hinterher. Und ich begriff, dass Traumwandler wie heimatlose Wanderer sind. Wie eine Herde Schafe ohne Leithammel."

Mit "Der Tag, an dem die Sonne starb" liefert uns der chinesische Autor Yan Lianke eine Parabel über den moralischen Verfall der chinesischen Gesellschaft, die sobald sie der Kontrolle des Staatsapparats entfliehen, alles Menschliche verlieren. Übersetzt aus dem Chinesischen von Marc Hermann.

Eine heiße Sommernacht im chinesischen Dorf Gaotin nimmt einen grauenvollen Verlauf. Der 14jährige Niannian beobachtet wie die Dorfbewohner nach und nach in ein kollektives Schlafwandeln verfallen. Während die einen einfach nur stoisch und mechanisch die Nacht durcharbeiten und ihr Korn schlafwandelnd dreschen, ziehen andere Bewohner marodierend durch die Straßen. Getrieben von unterdrückten Wünschen und Rachedurst bestehlen und verprügeln, morden und vergewaltigen sie ihre Nachbarn und Mitmenschen. Niannian, der selbst nicht schlafwandelt und sieht, wie seine Welt aus den Fugen gerät, versucht unter größter Verzeiflung das Schlimmste zu verhindern...

"Mein Onkel war groß und kräftig, und wie er da so auf dem Boden hockte, sah er aus wie eine eingestürzte Mauer auf dem Markt. Meine Tante dagegen war klein und schmächtig, und wie sie da so neben ihm kauerte, sah sie aus wie ein frisch gesprossenes Grasbüschel oder Blümchen an der Mauer."

Der nicht ganz so geschmeidige Schreibstil Yan Liankes ist sehr bildgewaltig und teilweise auch sehr poetisch. Leider wirkte er auf mich zum Teil auch etwas "sperrig", das könnte aber auch an der Übersetzung liegen. Yan Lianke erzählt uns diese sehr gesellschaftskritische Geschichte aus der Sicht des 14jährigen Niannian, den alle im Dorf für dumm halten, der uns Lesern aber eine außergewöhnliche Beobachtungsgabe offenbart. Auch sich selbst hat Yan Lianke ins Buch geschrieben. Als Nachbar und Freund Niannians demontiert er sich selbst mit Humor, aber auch mit einer unterschwelligen Bitterkeit, die mich oft stutzen ließ. Wen man sich dann näher mit dem Autor beschäftigt, wird klar woher dieser Bitterkeit rührt. Yan Lianke ist ein sehr widersprüchlicher Autor, der einerseits in China gelobt und mit Preisen überschüttet wird, dessen Bücher aber andererseits größtenteils auf dem Index stehen und in China weder veröffentlicht noch verkauft werden dürfen. Schuld daran ist seine Kritik am System und der Staatsführung. Doch prangert er nicht nur den Staat und sein System an, zugleich verurteilt er sein Volk als schlafwandelnde Schafe, die mit gesenktem Kopf in die vorgegebene Richtung laufen ohne kritisch zu hinterfragen, ob der Weg der richtige ist.

Insgesamt bin ich bezüglich der Lektüre von Yan Liankes Roman "Der Tag, an dem die Sonne starb" etwas zwiegespalten. Einerseits liebe ich solche Bücher, die aufwecken sollen, die Missstände anprangern und mit Regierungen abrechnen. Leider hatte ich beim Lesen die meiste Zeit das Gefühl als wäre ich krank ... mein Kopf fühlte sich an wie in Watte gepackt ... als würde ich selbst schlafwandeln. Ich fühlte mich ganz trunken wie in einem Fieberwahn. Irgendwie surreal. Und ganz bestimmt habe ich auch nicht alle Anspielungen Yan Liankes verstanden.

Cover des Buches Dem Volke dienen (ISBN: 9783550086878)

Rezension zu "Dem Volke dienen" von Yan Lianke

Ein LovelyBooks-Nutzer
Rezension zu "Dem Volke dienen" von Lianke Yan

Chinesische Ideologie und tabulose Liebesbeziehung. Passt das zusammen? Eigentlich nicht, aber Autor Lianke nutzt die heftige und verbotene Liebesbeziehung zwischen der Ordonnanz eines hohen Militärs und dessen Frau, um die strikten Denk- und Handelsweisen Chinas in Frage zu stellen.
Aufgrund der Gesellschaftskrtik und den freizügigen Schilderungen war das Buch lange in China verboten - und wurde im Ausland zur gefeierten Systemkritik.
Yan Lianke hat eine schöne Art zu schreiben, die Liebesszenen sind sehr sinnlich geworden und die Gedanken des einfachen Soldaten Wu Dawangs, der sich erstmals mit Freiheiten auseinandersetzt, sind nachvollziehbar.
Satire, Ironie, Gesellschaftskritik, Freizügigkeit - ganz egal, aus welcher Motivation man das Buch lest, man wird angenehm überrascht.

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Zusätzliche Informationen

Yan Lianke wurde am 01. Januar 1958 in Luoyang (China) geboren.

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