"Der Tag, an dem die Sonne starb" war mein erster Roman von Yan Lianke. Auf diesen Autor bin ich durch eine Reportage aufmerksam geworden. Mein Interesse wurde nicht zuletzt dadurch geweckt, dass Yan Lianke einerseits mit zahlreichen bedeutenden chinesischen Literaturpreisen ausgezeichnet wurde, andererseits in seinem Heimatland höchst umstritten ist und einige seiner Werke sogar verboten wurden. Diese Mischung aus literarischer Anerkennung und politischer Brisanz machte mich neugierig.
Leider erwies sich die Lektüre für mich als ausgesprochen mühsam. Ich habe mich durch diesen Roman regelrecht hindurchgequält. Die Atmosphäre ist nahezu durchgehend düster, bedrückend und schwermütig. Das gesamte Geschehen wirkt wie ein fieberhafter Albtraum, der den Leser kaum einmal zur Ruhe kommen lässt.
Zweifellos ist die Geschichte klug konstruiert. Sie lässt sich als scharfe Parabel auf die chinesische Innenpolitik und gesellschaftliche Entwicklungen lesen. Dennoch war mir der Roman insgesamt zu überladen mit schwer verständlichen Allegorien, Symbolen und fantastischen Elementen. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass sich mir wesentliche Bedeutungsebenen entziehen. Statt mich in den Sog der Handlung hineinzuziehen, schuf dies eine Distanz, die den Lesegenuss erheblich beeinträchtigte.
Gelegentlich blitzt jedoch ein verschmitzter Humor auf. Besonders gelungen fand ich die selbstironische Idee, dass Yan Lianke sich als Figur in seinen eigenen Roman hineinschreibt. Solche Momente lockern die ansonsten sehr schwere Erzählung angenehm auf.
Positiv hervorheben möchte ich außerdem die hilfreichen Anmerkungen des Übersetzers Marc Hermann. Sie erleichtern das Verständnis einiger kultureller und sprachlicher Bezüge und bieten eine wertvolle Orientierung bei einem Roman, der westlichen Leser*innen viel abverlangt.
Letztlich bleibt für mich die Anerkennung der literarischen Qualität und des politischen Anspruchs, ohne dass mich das Buch überzeugen konnte. Ich kann nachvollziehen, weshalb "Der Tag, an dem die Sonne starb" von vielen als bedeutendes Werk angesehen wird. Für mich persönlich war die Lektüre jedoch kein Vergnügen, sondern eher eine anstrengende Pflichtübung. Ich werde Yan Lianke deshalb nicht grundsätzlich abschreiben – vielleicht liegt mir ein anderes Werk des Autors eher. Dieser Roman konnte mich allerdings leider nicht erreichen.












