Yann Martel Ein Hemd des 20. Jahrhunderts

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Inhaltsangabe zu „Ein Hemd des 20. Jahrhunderts“ von Yann Martel

Yann Martel, der Autor des Weltbestsellers 'Schiffbruch mit Tiger', hat ein literarisches Zauberspiel über die Barbarei der Diktatur geschrieben: Ein poetisches wie grauenerregendes Plädoyer für Menschenwürde und Toleranz. 'Mitreißend und geheimnisvoll.' Elke Schmitter, Der Spiegel. Henry T., ein ehemals erfolgreicher Schriftsteller, bekommt eines Tages einen Brief von einem Leser, der ihn sehr neugierig macht. Die Suche nach jenem führt Henry zur Tierpräparation 'Okapi' und ihrem Besitzer. Der zeigt ihm Szenen eines ungewöhnlichen Theaterstückes, das er gerade schreibt. Es handelt vom 'Schrecken'. Doch was ist der 'Schrecken', was geschieht da, und wie können wir Erlebnisse benennen, die sich in ihrer Grausamkeit jeglicher Sprache entziehen? 'Ein literarisch kunstfertiger Roman.' Gustav Seibt, Süddeutsche Zeitung 'Eine Wahnsinnssprache.' Brigitte 'Ein starkes Stück Literatur, überraschend, bestürzend, ein Coup!' Hans von Trotha, Deutschlandradio

Irritierendes und verstörendes Buch was schleichend und subtil das Grauen beschreibt.

— rallus
rallus

Bis zum heutigen Tag ist dies hier das beste Buch, das ich in meinem ganzen Leben gelesen habe.

— CleoVomMars
CleoVomMars

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  • Der Esel und der Affe

    Ein Hemd des 20. Jahrhunderts
    rallus

    rallus

    21. March 2017 um 17:14

    Es gibt viele Bücher über den Holocaust, doch keines was annähernd so heimtückisch daher kommt, wie das hier vorliegende Buch von Yann Martel. Heimtückisch ist es, weil es den Leser erst auf die falsche Fährte führt, ihn irreleitet und plötzlich brutal auf das Naheliegende stösst. Das Buch ist voller Symbolik und Andeutungen, so wie das Grauen auch voller Schatten und indirekten Bedrohungen ist.  Jeder mag sich an den Symbolen versuchen, ein Esel und ein Affe, die in einem Theaterstück vorkommen, aber auch in der Taxidermie Okapie ausgestelt sind, ein Autor der an dem Holocaust Thema scheitert, aber letztendlich doch findet, der Besitzer der Taxidermie, der wie der Auto heißt und noch vieles mehr. Erst die letzten 13 'Spiele' offenbaren das subtile Gräuel zu dem Menschen nicht nur im Holocaust imstande waren. Die falschen Fährten werden früh gelegt. Henry ist ein frustrierter Autor dessen Buch über den Holocaust von den Verlegern abgelehnt wird. Er zieht mit seiner Frau in eine neue Stadt und lebt ganz gut von den Tantiemen des letzten erfolgreichen Buches. Er fängt an Musikunterricht zu nehmen und Theater zu spielen. Immer noch erreichen ihn Leserbriefe zu seinem letzten Roman. Einer ist dabei der seine Aufmerksamkeit fesselt und ihn zu der besagten Taxidermie (Tierpräparation von Wirbeltieren) führt. Als er den Urheber in seinem Geschäft besucht, liest dieser ihm, immer wieder auf seinen darauffolgenden Besuchen, ein Theaterstück vor, welches stark an 'Warten auf Godot' erinnert. Das Hemd des 20.Jahrhunderts ist ein sehr stark symbolbehaftetes Buch, welches ich mir gut und gerne im Deutschunterricht vorstellen kann. Auf die verschiedenen Deutungsmöglichkeiten möchte ich gar nicht näher eingehen, derer sind zu viele. Ein teils verstörendes, dann wieder irritierendes Buch welches in einem nachhallt, zumal die eindeutigen Elemente, die 13 Spiele ganz am Ende den Leser komplett einschüchtern und die menschlichen Variationen der Grausamkeit darstellen. Ein Buch welches mich anfangs auf den falschen Weg gebracht und mich letztendlich kalt erwischt hat. Ein subtiles Buch über das alltägliche Grauen, nicht nur auf den Holocaust beschränkend.  

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    • 5
  • Es ist speziell und nicht ganz einfach ...

    Ein Hemd des 20. Jahrhunderts
    CleoVomMars

    CleoVomMars

    10. January 2017 um 10:50

    ... aber es ist bis zum heutigen Tag das beste Buch, das ich in meinem ganzen Leben gelesen habe.Was sagt der Klappentext?Henry T., ein ehemals erfolgreicher Schriftsteller, bekommt eines Tages einen Brief von einem Leser, der ihn sehr neugierig macht. Die Suche nach jenem führt Henry zur Tierpräparation »Okapi« und ihrem Besitzer. Der zeigt ihm Szenen eines ungewöhnlichen Theaterstückes, das er gerade schreibt. Es handelt vom »Schrecken«. Doch was ist der »Schrecken«, was geschieht da, und wie können wir Erlebnisse benennen, die sich in ihrer Grausamkeit jeglicher Sprache entziehen? Yann Martel hat ein literarisches Zauberspiel über die Barbarei der Diktatur geschrieben. Anwendbar für jeglichen fürchterlichen, alles Menschliche unterdrückenden Faschismus, zu jeder Zeit und an jedem Ort. Ein poetisches wie grauenerregendes Plädoyer für Menschenwürde und Toleranz.Wieso habe ich dieses Buch gelesen?Ich bin im Internet zufällig auf Ein Hemd des 20. Jahrhunderts gestoßen, einige Jahre nachdem ich Schiffbruch mit Tiger gelesen hatte und aus Jux mal wieder Yann Martels Namen bei google eingegeben hatte. Allein, dass es um einen Tierpräparator ging, hat mich neugierig gemacht, denn ich finde diesen makabren Job irgendwie faszinierend. Wie kam ich mit dem Buch voran?Ich habe es innerhalb eines Tages gelesen. Es ist zwar ohnehin nicht besonders umfangreich, aber es hat mich gepackt. Ich habe in der Bahn gelesen, in der Vorlesung, überall, wo ich eben gerade war. Was halte ich von diesem Buch?Wie bereits oben erwähnt, es ist - Stand heute - das beste Buch, das ich je gelesen habe. Sehr Martel-typisch erfährt der Leser die Geschichte durch die Augen eines (mehr oder weniger erfolgreichen) Schreibers, über dessen Werdegang und Leben er auf den ersten Seiten einiges zu lernen hat. Ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere Leser hier bereits aussteigt. Es trägt nicht wirklich etwas zur Entwicklung der Geschichte bei, ist wie bei Schiffbruch mit Tiger eher ein Self-Insert von Martel selbst. Bleibt man darüber hinaus jedoch am Ball, lernt man außerdem einen alten, etwas verschrobenen Tierpräparator und sein Theaterstück kennen, zu dem er sich eine fundierte Meinung einholen möchte. Ab diesem Zeitpunkt besteht die Geschichte aus zwei Ebenen (was ich alein durch meine Erfahrungen beim Theater unheimlich interessant finde). Wir haben die Erzählebene Henrys, der das Theaterstück liest, und das Theaterstück selbst mit seinen Figuren Virgil und Beatrice, die, wie wir bald erfahren, ein Affe und ein Zebra sind.Herrlich, eine Parabel!Virgil und Beatrice leben auf einem Hemd des 20. Jahrhunderts, was beim ersten Lesen überaus verwirrend wirkt, sich jedoch am Schluss aufklärt. Sie führen sehr tiefgründige und intelligente Gespräche (allein die Einstiegsszene mit der Birne ist m.E.n. ein Meisterstück der Literatur) und langsam entfaltet sich Henry und dadurch auch uns die wahre Bedeutung des Theaterstücks, in dem sein Verfasser Erfahrungen und Erlebnisse aufgearbeitet hat - jedoch auf sehr unerwartete Weise.Und danach?Nach dem Lesen dieses Buches habe ich sehr viel nachgedacht. Ich habe über die inhaltliche Finesse nachdenken müssen, über diese überaus moderne Art und Weise, mit einem der wichtigsten Themen der Weltgeschichte umzugehen und mit der unerwarteten Tatsache, mich mit einer Parabel konfrontiert zu sehen, die nach 2000 entstanden ist. Ich bin der Meinung, dies würde ein großartiges Buch für den Deutschunterricht (oder zumindest den Englischunterricht) abgeben, denn es ist in vielerlei Hinsicht ein Meisterstück und kann durchaus mit Orwells Animal Farm verglichen werden, wenngleich der parabolische Inhalt deutlich subtiler dargestellt und im Finale deutlich erklärt wird. Wer sollte dieses Buch lesen?Achtung! In diesem Abschnitt gibt es einen dicken Spoiler, auf den ich noch einmal hinweisen werde.Dieses Buch sollten Menschen lesen, die Freude an Literatur haben. Die sich gern mit hochgestochener Sprache beschäftigen und die einfachen Ausdruck verabscheuen. Außerdem sollten es Menschen lesen, die sich überraschen lassen möchten. Denn das war ich am Ende absolut - überrascht. Wieso?Vorsicht, Spoiler!.....Ich bin normalerweise Kriegs- oder Nachkriegsliteratur gegenüber sehr negativ eingestellt. Wenn es etwas gibt, das ich wirklich nicht gern lese, dann sind es Prosatexte, die sich in irgendeiner Form mit dem 20. Weltkrieg, dem Nationalsozialismus und dem Holocaust auseinander setzen.Umso überraschter war ich, als mir am Ende klar wurde, dass es genau darum geht. Um den Holocaust. Dies ist auch der Grund, wieso mich dieses Werk so nachhaltig beeindruckt hat. Ich habe es genossen, jedes Wort in diesem Buch, obwohl es sich um etwas dreht, das ich eigentlich nie freiwillig lesen würde. Es ist so geschickt in diese Parabel gehüllt, dass ich es wirklich nicht bemerkt habe, und dann wurde mir so einiges klar. Es mag abgedroschen und esoterisch klingen, aber ich hatte nach dem Beenden dieses Buches eine Phase der Klarheit. Es hat mir die Augen geöffnet für vieles, vor allem aber dafür, was in meinen Augen gute Literatur ist. Deshalb bin ich auch der Ansicht, dass man vor dem Lesen eigentlich nicht wissen sollte, worum es sich im Kern dreht. Das Erlebnis, das ich hatte, würde sonst wahrscheinlich verloren gehen.

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  • Leserunde zu "Schiffbruch mit Tiger" von Yann Martel

    Schiffbruch mit Tiger
    DieBuchkolumnistin

    DieBuchkolumnistin

    Lange Zeit galt der Roman als unverfilmbar, doch am 26.12.2012 kommt „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel nun in unsere Kinos. Gemeinsam mit Twentieth Century Fox of Germany und der Stiftung Lesen möchten wir Dich einladen, Dich kreativ mit dem Buch und der opulenten 3D-Verfilmung des OSCAR®-prämierten Regisseurs Ang Lee auseinanderzusetzen: Bewirb Dich zur Leserunde, gewinne eines von 50 Freiexemplar des Buches und diskutiere den mit dem Booker Prize gekrönten Roman gemeinsam mit vielen anderen Lesern. Du hast zudem die Möglichkeit, 3x2 Karten für die exklusive Vorpremiere in Berlin (inkl. Anreise und Übernachtung) zu gewinnen sowie beim großen Kreativwettbewerb ab dem 7.12.2012 mit Bildern Deines größten Abenteuers Kinotickets und Fanpakete ergattern! Alle Informationen findest Du auch auf unserer Aktionsseite: "Life of Pi - die Aktion" Hier kannst Du Dich nun bis einschliesslich 11.11. für 50 Leseexemplare für den Roman "Schiffbruch als Tiger" aus dem Fischer Verlag bewerben - kommentiere einfach, warum Du das Buch gerne lesen möchtest und was Dich an dieser Geschichte fasziniert: Schiffbruch mit Tiger? Diese Geschichte würden Sie nicht glauben? Kein Wunder. Fantastisch. Verwegen. Atemberaubend. Wahnsinnig komisch. Eine Geschichte, die Sie an Gott glauben lässt. Pi Patel, der Sohn eines indischen Zoobesitzers und praktizierender Hindu, Christ und Muslim erleidet mit einer Hyäne, einem Orang-Utan, einem verletzten Zebra und einem 450 Pfund schweren bengalischen Tiger namens Richard Parker Schiffbruch. Bald hat der Tiger alle erledigt – alle, außer Pi. Alleine treiben sie in einem Rettungsboot auf dem Ozean. Eine wundersame, abenteuerliche Odyssee beginnt.... Yann Martel wurde 1963 in Spanien geboren. Seine Eltern sind Diplomaten. Er wuchs in Costa Rica, Frankreich, Mexiko, Alaska und Kanada auf und lebte später im Iran, in der Türkei und in Indien. ›Schiffbruch mit Tiger‹ ist sein dritter Roman, er war nominiert für den Governor General Award und den Commonwealth Writers Prize und gewann den Booker Prize 2002. Bei der Verfilmung zu "Life of Pi" arbeitete er gemeinsam mit dem Regisseur Ang Lee an der bestmöglichen Verwirklichung seines Bestsellererfolgs und lässt nun alle Leser und Kinozuseher an den opulenten 3D-Bildern teilhaben. Hier könnt Ihr Euch den offiziellen Trailer zur Verfilmung des Romans ansehen:

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    • 885
  • Rezension zu "Ein Hemd des 20. Jahrhunderts" von Yann Martel

    Ein Hemd des 20. Jahrhunderts
    1000Seiten

    1000Seiten

    26. April 2012 um 12:24

    Nachdem Henrys letztes Buch, ein Versuch, sich dem Holocaust auf neuartige Weise zu nähern, von den Verlegern abgelehnt worden ist, gibt er das Schreiben auf und zieht mit seiner Frau in eine neue Stadt. Frustriert, dass die Arbeit von fünf Jahren so einfach für nutzlos erklärt wurde, versucht er ein neues Leben aufzubauen, nimmt Musikunterricht, spielt Theater und arbeitet in einem Café. Doch immernoch erreichen ihn Briefe der Leser seines letzten, sehr erfolgreichen Romans. Darunter auch der Brief eines Mannes, der ihm eine Geschichte schickt und ihn um Hilfe bittet. Ganz gegen seine Gewohntheit, angezogen von der seltsamen Art des Schreibers, besucht Henry den Mann. Die Adresse liegt ganz ihn seiner Nähe. So kommt er zu Taxidermie Okapi. Der Briefeschreiber, dessen Name ebenfalls Henry ist, schreibt nicht nur Briefe, sondern auch ein Theaterstück, mit dem er sich jedoch sehr quält und bei dem er sich Hilfe von Henry als erfolgreichem Schriftsteller erhofft. Das Thema des Theaterstücks und des gesamten Romans entfalten sich dem Leser von "Ein Hemd des 20. Jahrhunderts" nur langsam. Immer wieder gibt es Hinweise, doch so recht kann man sich auf das Buch zu anfangs keinen Reim machen. Doch nach und nach erhellt sich das Bild. Es geht um _die Gräuel_ und eine Art, darüber nachzudenken, die nicht bestimmt ist von reinen Fakten, sondern sich über Erzählungen und Fantasie dem Grauen nähert, das das 20. Jahrhundert bestimmt hat und für nachfolgende Generationen nicht mehr so physisch fassbar ist wie für die, die es erlebt haben. Yann Martel hat einen subtilen Roman zum Thema Holocaust geschrieben, der erst auf den letzten Seiten sein ganzes Potential offenbart. Nicht, dass die vorhergehenden Seiten überflüssig sind, es ist eher, als zöge zum Schluss jemand ruckartig den Vorhang zur Seite und alles wäre klar zu sehen. Dazu benötigt er keine drastischen Schilderungen, sondern es reichen ihm 13 "Spiele", um dem Leser die Dimensionen des Holocausts vor Augen zu führen. Anstrengend zu lesen und am Ende so erschreckend wie die Lektüre von Primo Levi oder Tadeusz Borowski, ist Martel ein besonderer Roman gelungen. Sehr lesenswert.

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  • Rezension zu "Ein Hemd des 20. Jahrhunderts" von Yann Martel

    Ein Hemd des 20. Jahrhunderts
    Lilli33

    Lilli33

    11. March 2011 um 14:23

    Der Präparator Der Schriftsteller Henry hat bereits sehr erfolgreich zwei Bücher veröffentlicht. Sein drittes jedoch, das vom Holocaust handelt, wird von den Verlegern verrissen. Frustriert gibt Henry das Schreiben auf. Er nimmt einen Job als Kellner in einem Café an, nimmt Klarinettenunterricht und schließt sich einer Theatergruppe an. Eines Tages erreicht ihn der Brief eines Lesers, der ihn um Hilfe bittet. Henry besucht den alten Mann, der als Tierpräparator arbeitet. Ihm gehört die „Taxidermie Okapi“ (daher das Okapi auf dem Schutzumschlag). Er hat angefangen, ein Theaterstück zu schreiben, kommt aber nicht recht weiter. Das Stück heißt „Ein Hemd des 20. Jahrhunderts“. Es spielt in einem Land namens Hemd und handelt von Tieren, genauer gesagt, von Gräueln, die den Tieren angetan worden sind. Henry besucht den Alten immer wieder, lässt sich von ihm Szenen des Theaterstücks vorlesen und erläutern. Nach und nach dämmert es ihm, dass es ein Stück über den Holocaust ist. Er ist fasziniert davon, dass es dem Präparator gelungen ist, über den Holocaust zu schreiben, woran er selbst ja gescheitert ist. Yann Martel kommt in seinem neuen Buch nur langsam zur Sache. Die erste Hälfte dümpelt etwas vor sich hin. Ich habe mich immer wieder gefragt: Was soll das? Wo führt das hin? Es wirkte auf mich doch alles sehr bizarr, zuweilen auch zusammenhanglos. Doch dann wird man immer tiefer in dieses Theaterstück hineingeführt, man kann sich nicht mehr entziehen. Man ist gefesselt davon. Genau so erlebt es auch Henry. Obwohl er ja eigentlich nicht mehr schreiben wollte, muss er sich einfach mit diesem Stück beschäftigen und auch einen Teil davon schreiben. Erst gegen Ende erkennt man, was hinter dem Präparator steckt, und hier kommt enorme Spannung auf. Die Sprache ist wunderbar gehoben, jedes Wort pfeilgenau gesetzt. Das Buch ist nicht einfach zu lesen. Man muss sich schon ganz darauf einlassen, damit es vom Leser Besitz ergreifen kann. Aber dann bin ich davon überzeugt, dass es noch lange nachhallen wird.

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  • Rezension zu "Ein Hemd des 20. Jahrhunderts" von Yann Martel

    Ein Hemd des 20. Jahrhunderts
    savanna

    savanna

    28. September 2010 um 11:27

    Das titelgebende Hemd des 20. Jahrhunderts ist kein simples Kleidungsstück, sondern der Lebensraum eines Esels und eines Affens. Spätestens mit diesem Bild wird jedem Leser klar, dass der kanadische Autor Yann Martel in seinem neuesten Werk mit verwirrenden Symbolen und grandiosen Metaphern arbeitet. Im Zentrum dieser Neuerscheinung steht der Schriftsteller Henry, der sich nach einer frustrierenden Ablehnung seines neuesten Werkes durch seinen Verlag eine Auszeit mit seiner Familie gönnt. Während er fern der Literatur als Kellner in einem Café sein Glück findet, findet ein Leserbrief aus der unmittelbaren Nachbarschaft seinen Weg zu ihm. Ein unbekannter Leser bittet Henry um literarische Unterstützung. Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem Absender um einen Tierpräparator handelt, der unweit von Henrys Wohnung den Laden 'Taxidermie Okapi' betreibt. Den Präparator erlebt Henry als einen alten, einsamen und verschlossenen Mann, der von dem Wunsch getrieben wird, ein eigens begonnenes Theaterstück zu Ende zu bringen. Da er jedoch gleich bei mehreren Passagen Schreibhemmungen verspürt, erhofft er sich Hilfe von einem professionellen Autor. Dazu trägt der Präparator Henry bei einer Reihe von Treffen die verschiedenen Teile seines Theaterstückes vor. Henry sowie der Leser macht somit erstmalig Bekanntschaft mit dem Esel und dem Affen. Die Eselin Beatrice und der Brüllaffe Vergil fungieren als Hauptdarsteller in diesem Theaterstück - die Rolle dieser beiden umfasst vor allem das 'Erzählen.' Es soll berichtet werden: Über die Vergangenheit, über das Grauen und über 'das Hemd des 20. Jahrhunderts'. Obwohl die verschiedenen Akte des Theaterstücks in loser Reihenfolge präsentiert werden, wird rasch deutlich, dass die beiden Tiere eine unbestimmte Zahl Vertriebener repräsentieren und dass das Hemd eine Metapher für die Grausamkeit des letzten Jahrhunderts darstellt. Martel war von dem Wunsch getrieben, den Holocaust literarisch in nie dagewesener Form aufzuarbeiten. So auch sein Protagonist Henry und so offensichtlich auch der eigenbrödlerische Tierpräparator. Um sich diesem unverändert hochsensiblen Thema nähern zu können, hat Martel eine Kombination aus einem Roman und einem Theaterstück gewählt. „Ein Hemd des 20. Jahrhunderts“ enthält zweifelsohne autobiographische Züge und verwirrende Passagen. Wer jedoch im letzten Drittel des schmalen Buches die Auflösung all dieser Symbolik erfährt, wird dieses Buch mit großer Begeisterung beenden. Um auch diese Rezension mit einem sehr starken Bild abzuschließen, sei verraten, dass das Hemd des 20. Jahrhunderts breit gestreift ist. So wie es die Jacken in den Konzentrationslagern waren...

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