Yann Queffélec Barbarische Hochzeit

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Inhaltsangabe zu „Barbarische Hochzeit“ von Yann Queffélec

Eine barbarische Hochzeit widerfährt Nicole, der 14jährigen Bäckerstochter, die nichtsahnend ohne Wissen der Eltern der Einladung ihres adretten, immer zuvorkommenden Will folgt. Sie schlich sich also davon in dem seligen Gefühl, verliebt zu sein. So fiel sie dem angetrunkenen und nun gar nicht mehr zuvorkommenden Will und seinen Kumpanen in die Hände. Die Folgen dieser Barbarei sind - genauso genommen - konsequent: Nicole wird schwanger. Dem Kind, auf dem Speicher ausgesetzt, gibt man zwar die tägliche Mahlzeit, läßt ihm aber keinerlei Wärme zukommen, bis man es in ein Heim für Debile abschiebt. Ludo - nach einem vorüberziehenden Kutter benannt - ist fünfzehn, als er in der Weihnachtsnacht ausbricht. Noch einmal kommt es zu einer Begegnung zwischen Mutter und Sohn, und da ereignet sich ein gegenseitiges Erkennen.

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    Barbarische Hochzeit

    Xirxe

    04. September 2014 um 13:01

    Dies ist eines der wenigen Bücher, die ich aufgrund der darin enthaltenen Grausamkeiten immer wieder zur Seite legen musste, da mich der Versuch des Hineinversetzens in den Protagonisten stets auf's Neue zu sehr deprimierte. Hauptfigur des Romans ist der kleine Ludovic, der das Kind einer brutalen Vergewaltigung der fast 14jährigen Nicole ist. Aus Scham vor sich selbst und den Nachbarn wird der kleine Junge auf dem Dachboden untergebracht, nein, besser: gefangengehalten, wo er zwar Essen und Trinken erhält (immer so, dass er nicht verhungern oder verdursten kann), jedoch keinerlei Zuneigung geschweige denn Liebe. Stattdessen schlägt ihm Wut, Verachtung und Hass entgegen, ohne dass er weiß weshalb, während er sich nach Zuwendung sehnt. Lediglich eine ferne Verwandte bringt ihm einmal die Woche für kurze Zeit etwas Zärtlichkeit und Herzenswärme entgegen, doch es reicht nicht um sein Bedürfnis nach Liebe zu stillen. Als Ludo sechs Jahre alt ist, wird seine Mutter mit dem Witwer Micho verheiratet, ein deutlich älterer, aber vermögender Mann mit einem etwas größeren Sohn als Ludo, der bereit ist, sich um Nicoles kleinen Jungen zu kümmern. Doch auch in dem neuen Zuhause wird Ludos Bedürfnis nach Zuwendung nicht erfüllt: Tatav, der Sohn Michos, schikaniert ihn ebenso wie Nicole. Und Micho, der einzige der dem kleinen Jungen gegenüber positive Gefühle hat, ist nicht in der Lage diese auszudrücken. So kommt Ludo nach ausdrücklichem Drängen seiner Mutter in ein Heim für 'Irre'. Doch auch hier findet er keinen Frieden, denn er hat nur einen Wunsch: geliebt zu werden von seiner Mutter. Ich empfand die Geschichte ungeheuer grausam, wie diesem kleinen Kind nur Kälte und Härte entgegengebracht wird. Dass Ludo unter solchen Bedingungen ein merkwürdiges Verhalten aufweist, versteht sich vermutlich von selbst (ich musste während des Lesens immer wieder an Kaspar Hauser denken). Von seiten Anderer (insbesondere seiner Mutter) führt es jedoch dazu, ihn immer mehr zu hassen und auch zu fürchten. Erzählt wird die Geschichte fast vollständig aus Ludos Sicht, die sehr überzeugend wirkt, so dass man sowohl seine Sehnsucht nach menschlicher Nähe wie auch seine Verletzbarkeit beinahe körperlich spüren kann. Doch nicht nur Ludo ist ein Opfer fehlender Zuwendung: Nicole, die Heimleiterin, Micho, die anderen 'Irren' - alle sehnen sich nach Liebe. So ist dieser Roman nicht nur eine grausame Geschichte über das unglückliche Leben eines ungewünschten Kindes, sondern zudem ein bemerkenswertes Plädoyer für die Liebe.

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  • Rezension zu "Barbarische Hochzeit" von Yann Queffélec

    Barbarische Hochzeit

    antjemue

    30. September 2009 um 12:21

    Vor geraumer Zeit ersteigerte ich bei ebay 60 neuwertige Bücher aus dem Surkamp Verlag für 111,00 Euro. Eines davon ist der 1987 dort erschienene Roman "Barbarische Hochzeit". Ein Buch, welches ich schon mehrfach gelesen habe. Ein Buch, das mich berührt hat wie kaum ein anderes vor- oder nachher. Frankreich, ein kleiner Ort am Meer. Dort wächst die junge Nicole in gesicherten Verhältnissen auf. Ihre Eltern sind Besitzer einer Bäckerei und leiden keine Not. Als Nicole 14 ist, verliebt sie sich zum ersten Mal. Will ist US Soldat und im Ort stationiert. Dann wird die amerikanische Basis aufgelöst und Will muss in die USA zurück. Er spricht von Heirat und will sie auf seine Ranch nachholen. Vorerst wird jedoch eine Abschiedsfeier geplant. Nicole lügt um sich zu dieser Feier davonschleichen zu können, ein folgenschwerer Fehler. Will Schneider ist in Amerika verheiratet und hat einen 2-jährigen Sohn. Er ist Parkhauswächter in der Bronx und wegen Zechprellerei polizeibekannt. Zu spät bemerkt Nicole, die sich für diesen Abend ganz besonders schön gemacht hat, dass keine große Party stattfindet. Zusammen mit 2 weiteren Soldaten vergewaltigt er sie auf brutalste Weise. Als sie endlich von ihr ablassen schleicht sie sich blutend und aufs Tiefste gedehmütigt zu ihrer Cousine Nanette nach hause. Ludovic ist 7. Ein hagerer Junge. Er hörte das Meer, doch gesehen hat er es noch nie. Er lebt allein auf einem Speicher, die Tür des Speichers ist verschlossen. Er bekommt getragene Mädchenkleider angezogen und einmal am Tag bringt ihm jemand sein Essen. Ludovic ist die ständige Erinnerung an die Nacht, in der Nicole geschändet wurde, denn er ist die Folge. Alle Wut und Verletztheit richtet sich gegen das Kind. Ein einziger Mensch, Nanette die Cousine, liebt das Kind, stirbt aber viel zu früh. So wächst er eingesperrt und ohne Liebe auf... Nicole, die nach der schlimmen Vergewaltigung keine Hilfe sondern nur Vorwürfe "Du Nutte, Du Hure, Dein Bastard ..." von ihren Eltern bekam, war nie in der Lage eine Beziehung zu ihrem Sohn aufzubauen. Der Junge dagegen versucht verzweifelt die Liebe seiner Mutter zu erringen und ist nur hilflos dem Verstoßen ausgesetzt. Beim Lesen dieses Buches war ich hin- und hergerissen zwischen Verständnis und Hass für die "Mutter" und grenzenlosem Mitgefühl für den Jungen. Ich hoffte so sehr, dass sie den Jungen einmal in die Arme nimmt oder dass er einen Menschen findet, der die tiefen seelischen Schmerzen, die er erlitt wenigstens etwas lindert. Zum Schluss war ich einfach nur tief erschüttert. Ich dachte auch über die Beziehung zu meinen Söhnen und darüber nach, dass wir uns ab und an wegen Kleinigkeiten zoffen und nahm mir einmal mehr vor, die Ruhe zu bewahren. Schließlich liebe ich meine Kinder! Und wenn mein kleiner Sohn dann mit einem Strauß Gänseblümchen vor mir stand, konnte ich ihn einfach nur in die Arme nehmen. Der Autor Yann Queffélec beschreibt auf packend dramatische Weise das Leben eines ungewollten Kindes, als bittere Konsequenz von Gewalt und Gegengewalt. Er hat in seinem Roman ein Tabuthema aufgegriffen, was heute noch genau so aktuell ist, wie vor 20 Jahren. Der Schreibstil ist erstaunlich wertfrei. Der Autor erzählt die Geschichte und überlässt es dem Leser, sich seine Gedanken dazu zu machen. Diese Gedanken gingen mir beim Lesen allesamt tief unter die Haut. Das Buch wurde mit Frankreichs berühmtesten Literaturpreis, dem "Prix Goncourt" ausgezeichnet. Zu Recht! Ich kann es 100%ig empfehlen.

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