Yannick Haenel

 4.7 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von Das Schweigen des Jan Karski, Die bleichen Füchse und weiteren Büchern.
Yannick Haenel

Lebenslauf von Yannick Haenel

Yannick Haenel wurde 1967 in Rennes, Frankreich als Sohn eines Militärs geboren. Er verbringt einige Jahre seiner Jugend in Schwarzafrika und besucht später eine Eliteschule in Frankreich. Anschließend beginnt er ein Literaturstudium und unterrichtet 17 Jahre lang Französisch, darunter auch in den sogentannten Problemvierteln der Pariser Banlieue. 1997 gründet er gemeinsam mit anderen Autoren die Zeitschrift »Ligne de risque« (dt. Risikolinie) 2005 gibt Haenel seine Stellung als Französischlehrer auf, widmet sich vollständig seiner Tätigkeit als Schriftsteller und veröffentlich noch im selben Jahr einige seiner Arbeiten. In den Jahren 2008 und 2009 war er Stipendiat der Villa Medici in Rom, wo sein Werk »Das Schweigen des Jan Karski« entstand. Er wurde dafür unter anderem mit dem »Prix FNAC« und dem »Prix Interallié« ausgezeichnet. Hanel lebt in Paris.

Alle Bücher von Yannick Haenel

Das Schweigen des Jan Karski

Das Schweigen des Jan Karski

 (3)
Erschienen am 01.09.2012
Die bleichen Füchse

Die bleichen Füchse

 (2)
Erschienen am 26.09.2014
Das Schweigen des Jan Karski

Das Schweigen des Jan Karski

 (1)
Erschienen am 21.03.2011
Tiens ferme ta couronne

Tiens ferme ta couronne

 (1)
Erschienen am 17.08.2017

Neue Rezensionen zu Yannick Haenel

Neu
Orishas avatar

Rezension zu "Das Schweigen des Jan Karski" von Yannick Haenel

"The man who tried to stop the Holocaust" ...
Orishavor 3 Jahren

"Seit den ersten Worten des Interviews war er wie blockiert: Er wollte nicht, nicht mal mit der Sprache, ins Innere des Ghettos zurück [...]" (Haenel, S. 24)

Als Jan Karski für Claude Lanzmanns Film Shoah interviewt wird, verfällt er immer wieder in Schweigen. Zu schwer fällt es ihm Worte für jene Zeit zu finden, in der er versuchte, die Welt aufzurütteln. Wie fasst man etwas in Worte, was im Grunde unfassbar ist, sprachlos macht? Jan Karski hat es versucht. Karski war Kurier für den polnischen Widerstand, als 1942 zwei Männer an ihn herantreten und ihn bitten, den Alliierten und der Welt eine Botschaft zu vermitteln: Er soll der Welt von der Vernichtung der Juden berichten. Dafür geht Karski sogar ins Warschauer Ghetto, um sich mit eigenen Augen zu überzeugen und die Bilder werden ihn nicht mehr loslassen.

"Wer sich vom Bösen abwendet und sich weigert zu hören, wird der Komplize des Bösen. [...] Die Taubheit ist nur eine List des Bösen. […]" (Haenel, S. 127)

Er macht sich auf den Weg nach London, wo die polnische Exilregierung Zuflucht gefunden hat, und beginnt seinen Bericht und seine Botschaft den Mächtigen jener Zeit zu vermitteln. Sein Weg führt ihn durch viele Instanzen bis hin zu Präsident Roosevelt in die USA. Immer wieder hofft er, die Ausrottung der Juden, das Sterben beenden zu können, indem er seine Botschaft immer wieder vorträgt. Doch es passiert nichts. Als Karski klar wird, dass seine Wort ungehört bleiben, verfällt er über viele Jahre ins Schweigen, bis seine große Liebe Pola und Lanzmann ihn dazu bringen sein Schweigen zu brechen.

Haenel hat ein Experiment gewagt und es ist gelungen. Mehr als gelungen. In drei Abschnitten mischt er reale Quellen mit einer fingierten Biographie Karskis. Grundlage für Teil eins und zwei des Buches bilden Lanzmanns Dokumentarfilm Shoah und Karskis Buch Story of a secret state. Teil drei des Buches bildet eine Biographie Karskis, die Haenel als Fiktion beschreibt. Dabei gelingt es Haenel die Sachlichkeit eines Dokumentarfilms bzw. eines Zeitzeugenberichtes sprachlich umzusetzen, während der fiktive dritte Teil sehr emotional geschrieben ist. Haenel verleiht Karski eine Stimme, die wohl keinen wirklich kalt lässt. Dabei scheut er sich nicht irgendeine Seite als großen Sieger hervorzuheben, sondern Haenel klagt die ganze Welt an, die die Ermordung der Juden geschehen lassen hat. 

Ich möchte mit einem Zitat schließen:

"Eines Nachts kam Pola zu mir auf das Sofa ins Wohnzimmer, sie nahm einen Zug aus meiner Zigarette und sagte diese Wunde sei niemals vernarbt, sie dürfe auf keinen Fall vernarben; das Schlimmste, was dieser Wunde geschehen könne, sei, dass sie eines Tages vernarbe, denn wenn diese Wunde vernarbte, würde sie ganz allmählich verschwinden und eines Tages würde man sich nicht mal mehr daran erinnern, dass sie existiert hatte."


Fazit: Eines der wichtigsten Bücher über die Ermordung der Juden und die kollektive Schuld am Holocaust. Unbedingt Lesen! Und niemals vergessen!


Kommentare: 1
106
Teilen
Haverss avatar

Rezension zu "Die bleichen Füchse" von Yannick Haenel

Ein Gespenst geht um in Frankreich
Haversvor 4 Jahren

Der französische Autor Yannick Haenel behandelt in seinem neuesten Roman Die bleichen Füchse" ein brisantes Thema, das gerade in der letzten Zeit hochaktuell für die westliche Welt ist. Flüchtlinge aus aller Herren Länder, die politisch verfolgt oder Angehörige religiöser Minderheiten sind, suchen in Europa Zuflucht und Sicherheit und hoffen auf ein besseres Leben. Aber leider müssen nicht nur die legalen Einwanderer, sondern insbesondere die Illegalen ohne Papiere, allzu oft feststellen, dass sich ihre Lebensumstände kaum verbessern und sie einem Wunschdenken aufgesessen sind, denn nicht nur die Menschen in ihrer neuen Heimat, sondern auch die Politik begegnen ihnen mit eiskalter Ablehnung: Die Festung Europa" würde am liebsten die Tore schließen.

Haenels Protagonist Jean Deichel, 43, ist kein Flüchtling, sondern ein Franzose, der sich bewusst ausgeklinkt hat. Er wird gekündigt, sucht aber auch keine neue Arbeitsstelle, kann seine Miete nicht mehr bezahlen und verliert seine Wohnung. Was ihm bleibt ist eine Topfpflanze und das Auto eines Freundes, geparkt am Straßenrand im 20. Arrondissement des Ménilmontant im Osten von Paris, in das er einzieht".

Anfangs beobachtet er aus dem Auto heraus das Treiben auf den Straßen, freut sich an dem Nachthimmel über Paris und seiner neue Freiheit, der Leere" wie er es nennt, bis er schließlich das Viertel durchstreift und in einer Sackgasse das Graffito eines seltsamen Fisches und die Wandparole Die Gesellschaft existiert nicht" entdeckt. Eine geheimnisvolle Schönheit, die Königin von Polen" vermittelt ihm ein Treffen mit den bleichen Füchsen", den Urhebern der Graffiti. Interessiert und fasziniert taucht Jean Deichel in deren Welt ein, solidarisiert sich mit ihnen und ihrem Handeln und verbrennt als finalen Akt seinen Ausweis - und wird somit zu einem der ihren, einem Mensch ohne Papiere, einem Illegalen...

Yannick Haenel hat in seinem Roman Die bleichen Füchse" ein gesellschaftspolitisches Thema behandelt, das nicht nur für Frankreich relevant ist. Er bezieht ganz klar Stellung, und wem seine Sympathien gelten, ist offensichtlich.

Zu Beginn mutet sein Stil fast noch poetisch an, verändert sich aber im Laufe des Romans in dem Maße, in dem der Protagonist sich mit den bleichen Füchsen" und deren Handlungen identifiziert. Das war mir stellenweise etwas zu plump und agitatorisch. Aber das ist in der Tat nur ein minimaler Schönheitsfehler in einem wichtigen, gelungen Roman. Lesen!

Kommentieren0
2
Teilen

Rezension zu "Das Schweigen des Jan Karski" von Yannick Haenel

Rezension zu "Das Schweigen des Jan Karski" von Yannick Haenel
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren

Erschütternd, wichtig, klug. Wer es abends liest, wird danach nicht einschlafen können.

Kommentare: 1
6
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 16 Bibliotheken

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks