Yannick Haenel Die bleichen Füchse

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Inhaltsangabe zu „Die bleichen Füchse“ von Yannick Haenel

Haenels Held, Jean Deichel, zieht mit dreiundvierzig Jahren in sein Auto. Er parkt seinen Renault 18 in der Pariser Rue de la Chine und blickt von dort aus auf seine Straße und die in ihr wohnenden Menschen. Lebensprojekte, Überzeugungen oder gar Visionen hat er schon längst nicht mehr. Doch was er sieht, empört ihn. Ein Clochard wird in ein Müllauto gekippt, zwei Afrikaner werden von der Polizei in die Seine gejagt. Der Schock über die Gesellschaft, in der er lebt, führt zur Abwendung von ihr: Jean Deichel schließt sich den „Bleichen Füchsen“ an, einer Vereinigung von illegalen Immigranten aus Mali, und marschiert mit ihnen, verborgen hinter Dogon-Masken, um die Pariser Oper. Der Höhepunkt des Buches ist ein Akt zivilen Ungehorsams... Ein sprachlich meisterhaft gestalteter Roman, ein radikaler politischer Text über die Festung Europa und über uns, ihre Bewohner.
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    Die bleichen Füchse
    Havers

    Havers

    11. November 2014 um 19:12

    Der französische Autor Yannick Haenel behandelt in seinem neuesten Roman Die bleichen Füchse" ein brisantes Thema, das gerade in der letzten Zeit hochaktuell für die westliche Welt ist. Flüchtlinge aus aller Herren Länder, die politisch verfolgt oder Angehörige religiöser Minderheiten sind, suchen in Europa Zuflucht und Sicherheit und hoffen auf ein besseres Leben. Aber leider müssen nicht nur die legalen Einwanderer, sondern insbesondere die Illegalen ohne Papiere, allzu oft feststellen, dass sich ihre Lebensumstände kaum verbessern und sie einem Wunschdenken aufgesessen sind, denn nicht nur die Menschen in ihrer neuen Heimat, sondern auch die Politik begegnen ihnen mit eiskalter Ablehnung: Die Festung Europa" würde am liebsten die Tore schließen. Haenels Protagonist Jean Deichel, 43, ist kein Flüchtling, sondern ein Franzose, der sich bewusst ausgeklinkt hat. Er wird gekündigt, sucht aber auch keine neue Arbeitsstelle, kann seine Miete nicht mehr bezahlen und verliert seine Wohnung. Was ihm bleibt ist eine Topfpflanze und das Auto eines Freundes, geparkt am Straßenrand im 20. Arrondissement des Ménilmontant im Osten von Paris, in das er einzieht". Anfangs beobachtet er aus dem Auto heraus das Treiben auf den Straßen, freut sich an dem Nachthimmel über Paris und seiner neue Freiheit, der Leere" wie er es nennt, bis er schließlich das Viertel durchstreift und in einer Sackgasse das Graffito eines seltsamen Fisches und die Wandparole Die Gesellschaft existiert nicht" entdeckt. Eine geheimnisvolle Schönheit, die Königin von Polen" vermittelt ihm ein Treffen mit den bleichen Füchsen", den Urhebern der Graffiti. Interessiert und fasziniert taucht Jean Deichel in deren Welt ein, solidarisiert sich mit ihnen und ihrem Handeln und verbrennt als finalen Akt seinen Ausweis - und wird somit zu einem der ihren, einem Mensch ohne Papiere, einem Illegalen... Yannick Haenel hat in seinem Roman Die bleichen Füchse" ein gesellschaftspolitisches Thema behandelt, das nicht nur für Frankreich relevant ist. Er bezieht ganz klar Stellung, und wem seine Sympathien gelten, ist offensichtlich. Zu Beginn mutet sein Stil fast noch poetisch an, verändert sich aber im Laufe des Romans in dem Maße, in dem der Protagonist sich mit den bleichen Füchsen" und deren Handlungen identifiziert. Das war mir stellenweise etwas zu plump und agitatorisch. Aber das ist in der Tat nur ein minimaler Schönheitsfehler in einem wichtigen, gelungen Roman. Lesen!

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