Yascha Mounk

 4.5 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Der Zerfall der Demokratie, Echt, du bist Jude? und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Yascha Mounk

Der Zerfall der Demokratie

Der Zerfall der Demokratie

 (4)
Erschienen am 01.02.2018
Echt, du bist Jude?

Echt, du bist Jude?

 (3)
Erschienen am 22.09.2015
Der Zerfall der Demokratie

Der Zerfall der Demokratie

 (1)
Erschienen am 01.04.2019

Neue Rezensionen zu Yascha Mounk

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Rezension zu "Der Zerfall der Demokratie" von Yascha Mounk

Ein gutes Buch für Einsteiger.
Wedmavor einem Jahr

Von dem Buch habe ich insg. einen guten Eindruck gewonnen. Als Einstieg in diese Problematik eignet sich dieses Werk sehr gut.


Das Buch ist nach dem klassischen amer. Prinzip „Situation – Komplikation – Lösung“ aufgebaut worden und hat drei Teile je drei Kapitel, rund 255 Seiten insg., die aus einigen kürzeren Abschnitten bestehen. Vorwort von ca. 24 S. und Schlussbemerkung von ca. 15 S. runden die Ausführungen ab.


Mounk unterscheidet zw. der liberalen Demokratie, undemokratischem Liberalismus, illiberaler Demokratie und Diktatur. All diese Formen beschreibt er anschaulich im Kap. 1, Teil I. Im Kap. 3 spricht er von der „Entkonsolidierung der Demokratie“ und stellt anhand von einigen Graphiken und Statistiken fest, dass die Liebe zur Demokratie schwindet und andere, autoritäre Alternativen, insb. bei der jüngeren Bevölkerung,  populärer werden. Er beschreibt die gefährlichen Folgen solcher Entwicklungen, schildert sie am Beispiel Polens und schließt Teil I mit: „Die Vorboten des Zerfalls der Demokratie standen deutlich vor aller Augen. Aber die meisten Politikwissenschaftler haben es vorgezogen, nicht hinzusehen. Das macht es umso wichtiger, dieselben Warnglocken jetzt, da sie auch in Ländern wie Deutschland und vereinigten Staaten ohrenbetäubend läuten, endlich ernst zu nehmen.“ S. 154.


Im Teil II (ca. 33 S.) nennt Mounk Gründe für die o.g. Entwicklungen wie die Identitätskrise, Ängste wirtschaftlicher Natur, die im Laufe der letzten Jahrzehnte immer akuter wurden, spricht von der Rolle der sozialen Medien, und erklärt, wie all dies zur Aushöhlung der liberalen Demokratie geführt hat.


Teil III widmet sich den Lösungen (ca. 90 S.): „Nationalismus zähmen, Wirtschaft sanieren, Glauben an Demokratie erneuern“, so die Vorschläge des Autors. Im Schlusswort ruft er zur Rettung der Demokratie auf, ja zum Kampf für eigene Überzeugungen.


Mounk sagt viele richtige Dinge, wie z.B. „Im Laufe der letzen Jahrzehnte  in nordamerikanischen und westeuropäischen Ländern zu einem Zerfall der Demokratie. Unser politisches System verspricht die Volksherrschaft. Aber in der Praxis ignoriert es den Willen allzu häufig. Von den meisten Politikwissenschaftlern unbemerkt  hat in vielen Ländern ein System des Rechts ohne Demokratie Einzug erhalten“. S. 292.


Mir war aber auch oft, dass er sich sehr zurückgehalten hat, z.B. als es um die Rolle der Eliten in den o.g. Entwicklungen ging und noch paar anderen Punkten, was das Ganze politisch korrekt und etwas oberflächlich erscheinen lässt. Zudem blieb er im Rahmen des gewohnten Narratives der Leitmedien, u.a. wenn es um die Beschreibung des Zustandes der Demokratie und die Ursachen ihres Zerfalls ging. Und als er den Blick auf andere Länder richtete: „böse Buben“ an der Macht, wohin das Auge reicht, und „bei den Guten“ liegt auch vieles im Argen, was zur von mir insgeheim erhofften erfrischenden Originalität und Tiefe der Ausführungen wohl kaum beigetragen hat.


So ist es eher ein Werk für Einsteiger geworden, die ihre ersten Schritte auf dem Gebiet so langsam aber sicher machen möchten.


Das Werk liest sich angenehm leicht. Der Stoff ist sehr zugänglich dargeboten worden, anhand von vielen Beispielen und Situationen, die Leser bestimmt schon kennen. Die Zusammenhänge sind klar, die Argumentation ist logisch und auch für Laien prima verständlich.


Das Buch ist schön gemacht: Festeinband in Dunkelblau, Umschlagblatt, einige Graphiken in schwarz/weiß, Quellennachweis zum Schluss auf rund 40 S.


Fazit: Ein gutes Buch für Einsteiger, die sich dem Thema „Zerfall der Demokratie“ nähern möchten. Alles ist gut und sehr zugänglich erklärt worden. Die vorgeschlagenen Lösungen sind kaum von der Hand zu weisen, stellen aber insg. keine neuen Erkenntnisse dar. Die großen Durchbrüche und bahnbrechende Enthüllungen sind nicht dabei.

 

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W

Rezension zu "Der Zerfall der Demokratie" von Yascha Mounk

„Noch können wir nicht wissen, auf welches Schicksal unser politisches System zusteuert"
WinfriedStanzickvor einem Jahr



Die Demokratie steckt weltweit in einer tiefen Krise und das eigentlich schon seit vielen Jahren. Hatten sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs besonders in Europa und den USA viele Hoffnungen auf einen endgültigen Sieg der Demokratie gerichtet, war schon bald klar, dass neue Kriege und der entsprechende Terror als Antwort dieses alles gefährden würden. Und gibt es seit Jahren folgendes Phänomen zu beobachten: Die Zahl der Protestwähler steigt, Populisten erstarken, traditionelle Parteiensysteme kollabieren. Ein alarmierender Zustand, den der in Harvard lehrende Politologe Yascha Mounk (er schreibt regelmäßig für die ZEIT, und ist so vielen deutschen Lesern bekannt) in seinem vorliegenden Buch analysiert. Er erkennt zwei Muster:
Entweder werden wie in den USA, Ungarn, Polen und der Türkei Demagogen ins Amt gewählt, die die Rechte von Minderheiten mit Füßen treten, oder eine Regierung verschanzt sich, freiheitliche Rechte garantierend, hinter technokratischen Entscheidungen – und verliert wie in Deutschland, Großbritannien und Frankreich zunehmend an Volksnähe.

Mounk erläutert die komplexen Gründe für diese beängstigende Entwicklung und beschreibt die Mechanismen, die unsere Demokratie tatsächlich zu Fall bringen können. Als Gegenmittel und Maßnahmen, um bedrohte soziale und politische Werte für die Zukunft zu retten, nennt er:
•    Nationalismus zähmen
•    Die Wirtschaft sanieren
•    Den Glauben an die Demokratie erneuern

Abschließend schreibt er: „Noch können wir nicht wissen, auf welches Schicksal unser politisches System zusteuert. Vielleich erweist sich der Aufstieg der Populisten als kurzlebige Phase, an die Historiker sich in hundert Jahren mit einer Mischung aus Neugierde und Verwunderung erinnern werden. Vielleicht erwiest sie sich aber auch als epochaler Wandel, der eine neue Weltordnung einleitet, in der die Selbstregierung von der Erdoberfläche verschwindet und die Rechte der Menschen überall mit Füßen getreten werden.“
Es wird darauf ankommen, ob genug Menschen sich den bedrohten Werten verbunden fühlen und angstfrei für sie eintreten und kämpfen.





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Rezension zu "Echt, du bist Jude?" von Yascha Mounk

Wenn die Vergangenheit ein Land nicht loslässt
Betsyvor 3 Jahren

"Mir wäre nichts lieber, als so behandelt zu werden wie andere Deutsche auch. Aber viele Leute in meinem Alter sind viel zu sehr darauf erpicht, zu beweisen, dass sie mich ganz normal behandeln. Im Endeffekt behandeln sie mich gerade deshalb auf eine umso seltsamere Art und Weise."

In "Echt, du bist Jude?" gibt der jüdische Autor Einblicke in seine Familiengeschichte zur Zeit des 2. Weltkrieges und der Nachkriegszeit. Er beschreibt wie es war als jüdisches Kind im Deutschland der 80iger Jahre aufzuwachsen und wie ihn dies bis heute prägt. Yascha Mounk beschäftigt sich aber nicht nur mit dem Verhalten der Deutschen gegenüber Juden in Deutschland und dessen Aufarbeitung der Nazizeit, sondern zeigt auch wie sich die Politik des Landes und seine Selbstdarstellung langsam ändert. Brandaktuell auch das Thema Einwanderung und das Thema Integration.


Dieses Buch fand seinen Weg eher zufällig zu mir, da ich es bei einer Leserunde irrtümlich statt des richtigen Buches zugeschickt bekam. Obwohl ich also so gut wie keine Erwartungshaltung an das Buch hatte, wurde ich positiv davon überrascht wie aktuell und interessant bzw. vielschichtig der Inhalt ist. Hier wird nicht nur das Thema der Juden in Deutschland angesprochen, sondern auch die Versuche einen Schlussstrich unter das Dritte Reich zu setzen, um dann in den 68igern mit einer Welle der Aufarbeitung und Auseinandersetzung dieses Themas zu beginnen. Beide Seiten spricht der Autor hier an und zeigt auf, wie beides seine Berechtigung hat, aber auch ausarten kann und das Juden egal zu welcher Zeit, wohl immer den Status eines Sündenbocks haben werden, wenn sich das Verständnis zueinander nicht ändert.

"Deutschland wird vielfältiger. Gleichzeitig wächst die Wut auf diese Vielfalt."

Auch die Frage, ob ein Migrant in 3. Generation mit einem fremd klingenen Namen und Aussehen immer noch ein Ausländer ist, obwohl dieser fließend deutsch spricht, hier geboren und aufgewachsen ist, sowie sich eigentlich als deutscher fühlt, wird hier angeschnitten. Oder auch in wieweit es Sinn hat den Imigranten seine eigenen kulturellen Ansichten aufzuzwingen um sich anzupassen an die Gepflogenheiten in Deutschland (oder anderen Ländern) und damit versucht dessen eigene Religion und Kultur zu unterdrücken und wie dies letztendlich zu einer neuen Unzufriedenheit führt.

"Die Identität unseres Landes wird sich in den kommenden Jahrzehnten entscheiden. Werden wir eine Zweikastengesellschaft, in der eine einheimische Elite sich misstrauisch von einer ausländischstämmischen Unterklasse abgrenzt? Oder verwandeln wir uns in eine genuin multiethnische Nation, in der Menschen unabhängig von Herkunft und Religion voll am gesellschaftlichen Leben teilnehmen?"

Der Kampf eines Landes nicht immer nur auf ein Thema, nämlich seine Vergangenheit als Drittes Reich, reduziert zu werden, wird hier genauso angesprochen, wie die Entwicklung zu einem der stärksten Länder Europas und dem Versuch die eigenen Interessen in Punkto Politik nicht mehr von anderen abhängig zu machen und nicht mehr bei gewissen Themen still zu halten, weil man ihm das aufgrund seiner Vergangenheit verübeln könnte.

Thematisiert wird hier auch die Eurokrise, die Abhängigkeit von Russland in punkto Gas, die Urkainekrise, Deutschlands erster militärischer Einsatz im Kosovo, seine Emanzipation von den USA, die aktuellen Terroranschläge und vieles mehr. Teilweise schleichende Entwicklungen mit großer Bedeutung für Deutschland.

Besonders bemerkenswert finde ich, dass der Autor immer noch von seinem Land spricht, obwohl dieser mittlerweile in Amerika lebt, zeigt wie verbunden er immer noch mit seinen Wurzeln in Deutschland ist. Der Autor versucht soweit es geht sachlich auf diese Themen einzugehen und gibt doch auch immer im Abschluss seine eigenen Ansichten und Wünsche zu dem jeweiligen Thema bekannt. Seine persönlichen Erfahrungen mit seiner Abstammung als Jude und auch die seiner Familie, machen dieses Buch auch sehr emotional.

Fazit: Ein wirklich lesenswertes Buch, das versucht die Geschichte Deutschlands und seine Probleme mit dem Thema des 2. Weltkrieges aufzuzeigen. Zugleich wird aber auch auf die aktuellen Themen, wie die vermehrte Einwanderung und die Integration dieser Migranten, sowie die wachsenden Konflikte die sich daraus vielerorts ergeben eingegangen. Teilweise wird hier manches immer wieder wiederholt und etliche Fremdwörter haben mich hier manchmal beim Lesen stocken lassen, aber definitiv ein Buch, das viele aktuelle Fragen und auch manche Ursprünge aufdeckt, warum Deutschland sich in einigen Punkten immer noch schwer tut. Überdies kann man sehr gut verstehen warum dem Autor, der selbst als einer von wenigen Juden in Deutschland aufwuchs, dieses Thema eine Herzensangelegenheit ist.

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