Yasmina Khadra Die Landkarte der Finsternis

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Inhaltsangabe zu „Die Landkarte der Finsternis“ von Yasmina Khadra

Nach dem tragischen Tod seiner großen Liebe ergibt sich der Frankfurter Arzt Kurt Krausmann dem Kummer. Ein Freund überredet ihn zu einem Segeltörn Richtung Komoren, damit er vergessen und neu anfangen kann. Doch als das Schiff am Horn von Afrika von Piraten überfallen wird, verwandelt sich die Reise von einer Sekunde auf die andere in einen Alptraum. Die beiden Deutschen werden verschleppt, geschlagen und gedemütigt. Sie erleben ein Afrika voller Gewalt und Elend. Ganz allmählich öffnet Kurt dabei seinen Blick in eine ihm unbekannte, faszinierend lebendige Welt.

Das Faszinosum Afrika in geschickt platzierten Dialogen dargeboten, nicht immer aus dem passenden Mund.

— Beust
Beust

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  • Der zerrissene Kontinent

    Die Landkarte der Finsternis
    serendipity3012

    serendipity3012

    06. August 2017 um 12:48

    Der zerrissene Kontinent Yasmina Khadra ist ein Pseudonym, unter dem der algerische Autor Mohammed Moulessehoul zu schreiben begann, als die Zensur ihn zwang, seine wahre Identität zu verschleiern, da er ein hoher Offizier in der algerischen Armee war. Inzwischen ist das Geheimnis um ihn längst gelüftet und er lebt seit dem Jahr 2000 in Frankreich, jedoch entschied er sich, das Pseudonym, das aus zwei Vornamen seiner Frau besteht, ihr zu Ehren beizubehalten. In seinem Roman „Die Landkarte der Finsternis“ erzählt er die Geschichte von Kurt Krausmann, der ein gutbürgerliches Leben als Arzt in Frankfurt führt. Als seine Frau, im Roman stets als seine „große Liebe“ betitelt, stirbt, fällt er in ein tiefes Loch und verliert seinen Lebensmut. Sein alter Freund Hans, selbst schon seit längerer Zeit Witwer, überredet ihn, ihn auf seiner Segelyacht in Richtung Komoren zu begleiten. Hans ist oft in Afrika, wo er humanitäre Arbeit leistet. Eines Nachts werden sie überfallen und von Piraten entführt. Eine zermürbende Zeit in den Händen der Entführer beginnt, in der sie immer wieder an andere Orte gebracht werden und schließlich auf den Franzosen Bruno treffen, der seinerseits schon länger in den Händen der Entführer ist. Bruno lebt schon lange in Afrika und liebt das Land sehr – auch seine Situation als Geisel kann daran nichts ändern.Der Roman erzählt den Teil aus dem Leben Kurts, der den tragischen Tod seiner Frau und dann die Ereignisse in Afrika und deren Auflösung umspannt, in einer nicht nur spannenden, sondern vor allem lehrreichen Art und Weise. Stets stehen sich hier die Figuren und mit ihnen die Sichtweisen, die Einstellungen, die Kulturen gegenüber. Kurt ist in Trauer – und trotzdem geht es ihm besser als denen, die ihn entführt haben und die aggressiv und gewalttätig auftreten, die ihre Machtposition immer wieder aufs Neue demonstrieren. Sie kommen aus der Armut und da sie immer einer Zukunft ohne Perspektiven entgegen sahen, schlossen sie sich einer Art Branche an: Schließlich gibt es in Afrika eine ganze Entführungsindustrie, werden Geiseln von Organisation zu Organisation weiterverkauft, bis sie bei denen angekommen sind, die mächtig genug sind, um die Verhandlungen um Lösegeld zu führen. Die Dialoge zwischen den Entführten und ihren Geiselnehmern sind in der Hinsicht sehr aufschlussreich – auch wenn nicht immer alles authentisch klingen mag. Khadra zeigt eindrücklich, aus welch verschiedenen Welten seine Figuren kommen, macht ihre Positionen deutlich. Eine interessante Figur ist hier der schon seit langer Zeit in Afrika lebende Bruno, der es regelrecht zu bedauern scheint, dass man ihm auf den ersten Blick ansieht, dass er Europäer ist, fühlt er sich doch schon seit langem dem afrikanischen Volk zugehörig und insistiert immer wieder, er kenne die Afrikaner genau, er verstehe sie und ihre Kultur bis ins Kleinste, womit er Kurt manchmal auf die Nerven geht.Khadra schafft es so, Verbindungen zu ziehen, Kausalitäten zu zeigen, ohne den Entführern, die bei aller durchaus vorhandener Menschlichkeit letztendlich doch schlicht und einfach Verbrecher bleiben, zu viel Verständnis und Empathie entgegenzubringen – diese Gratwanderung gelingt ihm gut. Seine Einteilung der Figuren ist für den Leser stets sichtbar, ein bisschen scheint das Schema durchzuscheinen, an dem er sich abgearbeitet hat, was aber leicht zu verzeihen ist, da „Die Landkarte der Finsternis“ sich sehr lebendig und spannend liest. Khadras Sprache ist dabei mal schlicht und einfach, mal bildreich, nicht immer liest sich das ganz glatt.So bewegt sich die Geschichte ständig zwischen zwei Polen und schafft es, uns den afrikanischen Kontinent und seine Menschen ein Stück näher zu bringen. Menschen, die viel weniger haben als wir, die, auch wenn ihnen Schlimmes widerfährt, positiv in die Zukunft blicken. Das klingt banal und ein wenig wie ein Klischee, dennoch kann es nicht schaden, sich gelegentlich vor Augen zu führen, wie gut wir es haben, was man im stressigen Alltag gern vergisst. Daran erinnert der Roman.So stellt sich am Ende die Frage, was auf der titelgebenden „Landkarte der Finsternis“ wohl zu sehen sein mag – bei aller Not, Armut und der Gewalt, die den Protagonisten in Khadras Geschichte widerfährt, wäre es zu einfach, dem afrikanischen Kontinent das Attribut finster so einfach und undifferenziert zuzuschreiben. In dem informativen Roman des algerischen Autors lernen wir, dass Afrika viele Seiten hat, die man erkennt, wenn man sich die Mühe macht, genauer hinzusehen. Auch wenn es sprachlich an einigen Stellen ein wenig holpert und die Figuren noch etwas differenzierter hätten charakterisiert werden können, lohnt sich die Lektüre des Romans.

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  • Die Landkarte der Finsternis

    Die Landkarte der Finsternis
    Claudia-Marina

    Claudia-Marina

    10. January 2016 um 12:46

    Wie kann man weiterleben, wenn die große Liebe tot ist? Kurt Krausmann fällt nach dem Tod seiner geliebten Frau in ein tiefes Loch. Er vernachlässigt seine Frankfurter Arztpraxis und gibt sich nur noch seiner Trauer hin. Warum? Warum hat sich seine Frau das Leben genommen, wo er sie doch so sehr geliebt hat? Erst ein Freund kann ihn aus diesem Loch holen. Hans überredet ihn zu einem Segeltörn Richtung Komoren – und die Reise scheint Kurt tatsächlich neuen Aufwind zu geben. Bis die beiden am Horn von Afrika von Piraten überfallen und als Geiseln genommen werden. Die Reise entwickelt sich immer mehr zum Alptraum, je tiefer die beiden in ein Land verschleppt werden, in dem auf den ersten Blick nur Gewalt, Elend und Hass regieren. In dem alles schlecht zu sein scheint, die Menschen barbarische Wilde ohne Kultur und Anstand, ohne Herz und Mitgefühl. Doch ist das wirklich so? Oder verbirgt sich dahinter nicht doch eine reiche Kultur, faszinierende Menschen – eventuell sogar Schönheit? Mir fällt es schwer, mit Kurt Krausmann mitzufühlen. Ihm widerfährt zwar so viel Schreckliches – angefangen mit dem Tod seiner Frau – und ich kann seine Trauer darüber auch nachvollziehen, aber dann begreife ich ihn nicht mehr. Seine Entscheidungen sind mir fremd. Sie sind so irrational und von falschen Vorstellungen geprägt, dass ich darüber nur den Kopf schütteln kann. Wieso segelt er nur mit einem Freund und einem weiteren Angestellten durch ein Gebiet, in dem es bekannt ist, dass Piraten ihr Unwesen treiben? Aus humanitären Gründen – aber ist das wirklich gerechtfertigt? Sind die nicht nur vorgeschoben um dieser Reise einen besseren Anstrich zu geben? Er begibt sich freiwillig in Gefahr, naiv in dem Glauben, dass ihm schon nichts passieren wird. Und falls doch was passieren sollte, na dann wird die Regierung schon einspringen. Weiterlesen

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  • Die Landkarte der Finsternis

    Die Landkarte der Finsternis
    Flickercat

    Flickercat

    28. October 2015 um 22:03

    An diesem Buch hat mich vor allem gereizt, dass es sich nicht um eine "romantische" Piratengeschichte handelt, sondern um eine staubige, trostlose, brutale Odyssee durch afrikanische Wüstenstriche. Besonders gefallen hat mir vor allem der Schreibstil insgesamt, wobei ich allerdings auch sagen muss, dass die Dialoge teilweise nicht besonders authentisch gewirkt haben, weil sie ähnlich "poetisch" geschrieben waren und dadurch manchmal fast wie eine einstudierte Rede gewirkt haben - mag aber auch ein persönlicher Eindruck sein. Auch, dass sehr viele Charaktere beim Kennenlernen des Protagonisten erstmal eine Kurzfassung ihres Lebenslaufes zum Besten geben, fand ich auf Dauer etwas vorhersehbar. ;-) Trotz einiger Kampf- und Actionszenen habe ich das Buch als ziemlich "ruhig" empfunden, was zu den Gefühlen des Hauptcharakters aber sehr gut gepasst und zusammen mit der Brutalität für eine sehr seltsame Stimmung beim Lesen gesorgt hat. Ich würde es trotz einiger Schwächen also als durchaus lesens- und empfehlenswert bezeichnen, man sollte aber keine farbenfrohe Fluch-der-Karibik-Abenteuerstory erwarten. ;D

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  • Afrika Piraterie

    Die Landkarte der Finsternis
    Phil Decker

    Phil Decker

    27. September 2013 um 13:10

    Ein toller Autor, dessen Bücher ich bisher alle gerne gelesen habe. Auch dieses ist am Ende wieder grandios. Zwischendrin hatte ich aber Probleme mich in die Figuren hineinzuversetzen, weil sie zu oberflächlich beschrieben wurden. Mir fehlten die Geschichten hinter den Geschichten, die Beweggründe des Einzelnen für seinen Gang in die Einsamkeit oder auch in den Suizid. Etwas dazugelernt habe ich dafür über den Kontinent Afrika und die Menschen, die dort leben. Allein dafür hat sich der Kauf schon gelohnt.

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  • Bedrückend, bewegend, nachdenklich

    Die Landkarte der Finsternis
    Fantasie_und_Träumerei

    Fantasie_und_Träumerei

    03. May 2013 um 09:05

    KLAPPENTEXT:   Nach dem tragischen Tod seiner großen Liebe ergibt sich der Frankfurter Arzt Kurt Krausmann dem Kummer. Ein Freund überredet ihn zu einem Segeltörn Richtung Komoren, damit er vergessen und neu anfangen kann. Doch als das Schiff am Horn von Afrika von Piraten überfallen wird, verwandelt sich die Reise von einer Sekunde auf die andere in einen Alptraum. Die beiden Deutschen werden verschleppt, geschlagen und gedemütigt. Sie erleben ein Afrika voller Gewalt und Elend. Ganz allmählich öffnet Kurt dabei seinen Blick in eine ihm unbekannte, faszinierend lebendige Welt. AUTOR: (Quelle: Ullstein)     Yasmina Khadra ist der Künstlername des 1955 geborenen Autors Mohammed Moulessehoul. Als hoher Offizier der algerischen Armee veröffentlichte er seine ersten Bücher wegen der strengen Zensurbestimmungen unter den beiden Namen seiner Frau. Yasmina Khadra zählt heute zu den wichtigsten literarischen Stimmen der arabischen Welt und ist einer der erfolgreichsten Autoren Frankreichs. Zuletzt erschien auf Deutsch Die Schuld des Tages an die Nacht. Yasmina Khadra lebt in Paris und wurde 2011 u.a. mit dem Literaturpreis der Académie française ausgezeichnet. EIGENE MEINUNG: „Damals, als ich der Liebe begegnete, hatte ich gedacht, ja das ist es, ich lebe, statt zu existieren, und ich hatte mir geschworen, alles zu tun, um mein Glück für immer und ewig zu bewahren.“ Mit diesem Satz beginnt Yasmina Khadras neuster Roman, der so voll ist von Widersprüchlichkeiten , von Gegensätzen, die erst im Zusammenhang, in einer Gegenüberstellung, aufzeigen, wie viel sie im einzelnen bedeuten. Der Frankfurter Mediziner Kurt hat den Eindruck eines der schlimmsten Gefühle seines Lebens erfahren zu haben, denn seine Frau hat Suizid begangen. Schon seit geraumer Zeit hatte sie sich ihm mehr und mehr entzogen, doch ihr Tod hat ihn so unvorbereitet getroffen, dass er kaum weiß damit fertig zu werden. Ein langjähriger Freund, der weiß was es heißt die geliebte Frau zu verlieren nimmt ihn mit auf einen Segeltörn nach Afrika. Dort soll er auf andere Gedanken kommen. Doch was er dort erlebt übersteigt seine schlimmsten Alpträume … „Jeden Tag wird gestorben. Das ist nichts, was den Herrgott um seinen Nachtschlaf bringt.“ Kurt hat Angst vor den Gefahren des Lebens, die jedoch jederzeit auftreten und manchmal mit unerwarteter Härte zuschlagen können. Man hat ein wenig das Gefühl er lebt unter einer Gasglocke. Naiv und scheu wie er ist, hat er es mir anfangs nicht leicht gemacht einen Draht zu ihm zu finden. Doch dann passiert etwas, dass ihn dazu bringt, sich zu drehen, die Augen zu öffnen, und sein Leben zu überdenken. Es ist eine Art Schocktherapie, die ihn in die brutale Realität der Welt holt. Eigentlich will er mit dem Segeltörn der Präsenz des Todes entkommen, doch dieser scheint ihn zu verfolgen und holt ihn letztendlich ein. Auge und Auge sieht er sich nun seinem ärgsten Feind, seiner tiefsten Angst entgegen. Kurt durchlebt während des Romans einen Wandel, den vermutlich nur solche schockierende und einschneidende Erlebnisse ausüben können. Nicht nur, dass er einer unglaublichen Brutalität gegenüber steht, es ist vor allem der Gedanke über das „Warum?“, das ihm zusetzt. Er begegnet Menschen, die in einer völlig anderen Kultur leben als er selbst. Die täglich ums Überleben kämpfen und auf einem Kontinent leben, der so widersprüchlich ist, wie die Mentalitäten der Menschen, die dort leben. Dort herrscht eine völlig andere Wertigkeit als im behüteten Deutschland, in dem Kurt lebt. Ich frage mich, ob der Autor ausgerechnet einen deutschen Protagonisten ausgewählt, weil Deutschland eins der Länder ist, in denen die sozialen Rechte besonders gut geschützt sind? In denen die Chance zu überleben größer ist als in vielen anderen Ländern. Die Piraten, die Kurt und die anderen Gefangenen demütigen, schlagen und psychisch misshandeln,leben in einer Welt, in der das Leben einer Ziege manchmal mehr Wert ist als das eines Menschen. Die täglich mit Tod und Überleben konfrontiert sind und die mit dem Anblick der ungerechten Verteilung leben müssen … „Wenn der Tod sich wie ein Vampir in deinem Geist festbeißt, dann muss das Leben reagieren; es geht um seine Glaubwürdigkeit, sonst wäre es nicht das Leben.“ FAZIT: „Die Landkarte der Finsternis“ war mein erstes Buch des preisgekrönten Schriftstellers Yasmina Khadra, der mich mit seiner poetischen und nachdrücklichen Schreibe nicht nur auf emotionaler Ebene unglaublich berühren konnte, sondern auch zum nachdenken über viele philosophische, politische und menschliche angeregt hat. Ein eindrucksvoller Roman eines eindrucksvollen Autors, der den Leser sowohl in bedrückter, als auch bedrückter Stimmung, vor allem aber sprachlos, hinterlässt.

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  • Afrika hinter den Kulissen

    Die Landkarte der Finsternis
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    25. March 2013 um 12:04

      Eigentlich glaubt man über lange Zeit der Geschichte hin, dass die Vorgeschichte im Buch nicht von besonderer Bedeutung ist. Der Selbstmord der geliebten Frau des Arztes Kurt Krausmann (aufgrund massiv enttäuschter Karrierehoffnungen nach intensiver, beruflicher Anstrengung) scheint, zunächst, nur ein Motiv dafür abzugeben, dass Krausmann überhaupt seine behagliche Villa in Frankfurt verlässt und mit seinem engsten und besten Freund (der schon seit längerem Witwer ist) auf dessen Segelyacht eine Reise nach Afrika mit antritt. Eine Reise, die ganz anders verlaufen wird, als sich die beiden das vorgestellt haben.   Doch die kurze Vorgeschichte entpuppt sich am Ende des Buches, nach massiven, erniedrigenden, gewaltsamen Erfahrungen im tiefsten Elend und in härtester Gewalt in Afrika als das Eigentliche, was den Leser nachdenklich zurücklässt.   Gut versteht es der arabischstämmige Autor Khadra, die verschiedenen, inneren Lebenshaltungen im Buch aufzuweisen und aufeinander prallen zu lassen. Hier der großbürgerliche Arzt voller Liebeskummer, dort afrikanische Entführer und Piraten, die trotz martialischer Gesten in ihren Lebensumständen so viel tiefer unter dem Reichtum Krausmanns stehen, dass sich ein Vergleich von vorneherein verbietet.   Hier die Frau, die alles für ihre Karriere gibt und das Leben selbst aufgibt, als sie zurückgewiesen wird. Dort Afrikaner, die nichts besitzen, für ein paar Liter Wasser anstehen, fast betteln müssen und die dennoch „nicht einen Tag ihres von Gott geschenkten Lebens“ freiwillig ungenutzt verstreichen lassen würden, vorweniger, sich selber aufgeben würden.   Neben der realistischen und spannenden Geschichte selber um die beiden Freunde, deren Segelyacht von Piraten gekapert und die als Geiseln für ein mögliches Lösegeld gefangen gehalten werden, ist es dieser Gegensatz, diese vermeintlich „weltbewegenden“ Probleme westlich geprägter Menschen und die tägliche Realität des „ganz unten Lebens“ in Afrika (mit großer Kraft und Lebensmut), die sich an fast jedem Ort Afrikas finden lässt.   Wie das funktioniert, welche persönlichen, brutalen Dramen hinter mancher Piratenbiographie stecken, wie fast irrational Diskussionen sich anfühlen im Buch, welch ausgehecktes System von Kidnappern und Zwischenhändlern eine „Entführungsindustrie“ aufgebaut haben und wie der Westen an der Entwicklung solcher „Industrien“ mitbeteiligt war, all dies liest sich im Zuge der Geschichte wie nebenbei mit und ist sprachlich wunderbar umgesetzt.   Leichte Schwächen zeigt das Buch nur in der nicht durchgehend hohen Qualität der Darstellung der Figuren. Während Kurt Krausmann, zwei der Entführer, ein schon länger gefangener Franzose (wunderbar, die unverbrüchliche Liebe zu Afrika, die hier aus der Peron heraus geschildert wird) und eine enge, Frankfurter Freundin (in aller möglichen subtilen Egomanie)  sehr intensiv und differenziert in den Raum treten, verbleiben andre Personen eher stereotyp und unzugänglich, wie eine Art „schmückendes Beiwerk“.   Der Intention des Buches, der dichten Atmosphäre von Verzweiflung, Gewalt und Resignation, fügt dies allerdings kaum einen Abbruch zu. „Die Landkarte der Finsternis“ (die im Inneren des Menschen zu finden sein wird) ist eine spannende Lektüre mit Tiefgang.

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