Yasmina Khadra Die Romane mit Kommissar Llob aus Algier

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Inhaltsangabe zu „Die Romane mit Kommissar Llob aus Algier“ von Yasmina Khadra

Einmalige Sonderausgabe: Die drei Kommissar-Llob-Romane in einem Band

Kommissar Brahim Llob aus Algier, humorvoll, sarkastisch und dabei absolut integer, scheint auf verlorenem Posten zu stehen. Das Leben in Algier wird geprägt von bürgerkriegsähnlichen Zuständen: Korruption, Machtkämpfe und religiöser Fanatismus regieren den Alltag. Doch Llob zögert nicht, die Drahtzieher in den höchsten Kreisen zu suchen.
Khadra lässt in intensiven Bildern das vom Terror verwüstete Algerien entstehen – es ist zugleich eine Liebeserklärung an sein Land. Mit entlarvender Hellsichtigkeit inszeniert er das Drama der algerischen Gegenwart als Tragödie in drei Akten. 'Herbst der Chimären', der letzte Teil der Trilogie, wurde 2002 mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet.

'Ein großartiges Buch. Hier sieht man wieder mal, wie wichtig Literatur ist.' Elke Heidenreich im Literaturclub des Schweizer Fernsehens

'Diese Trilogie ist in doppelter Hinsicht aufregend: Sie folgt nicht den offiziellen Deutungsmustern für die furchtbaren, bürgerkriegsähnlichen Zustände in Algerien, und sie radikalisiert die Muster des Polizeiromans, bis am Ende die Krimielemente fast verschwinden. Vor allem aber haben die Krimis einen ganz eigenen Ton.' Wilhelm Roth, Frankfurter Rundschau

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  • Rezension zu "Die Romane mit Kommissar Llob aus Algier" von Yasmina Khadra

    Die Romane mit Kommissar Llob aus Algier

    Chrischan

    04. July 2012 um 21:16

    "Die Romane mit Kommissar Llob aus Algier", so der genaue Wortlaut des Buches, das drei Geschichten um eben jenen Kommissar Llob enthält. Damit ist schon einmal geklärt, worum es sich bei den Romanen eigentlich handelt, nämlich um Kriminalgeschichten. Oder sollte man Polizeigeschichten sagen, denn inhaltlich geht es um harte polizeiliche Arbeit. Das was Khadra seinen Titel"helden" erleben, erfahren und widerfahren lässt, ist weit entfernt vom romantisch - verklärte Ermitteln eines Sherlock Holmes und noch viel weiter entfernt vom Charme eines Hercule Poirot. Das Leben des Brahim Llob ist dreckig, brutal und führt den gebeutelten Kommissar in einem gebeutelten Land immer wieder an den tiefen Abgrund des Wahnsinns und der Verzweiflung. Algerien ist nach dem Untergang des Sozialismus vollkommen zerrissen, nur noch ein Schatten dessen, was einst das stolze Reich der Numider war. Religiöser Fundamentalismus auf der einen, Habsucht und Raffgier auf der anderen Seite. Doch so unvereinbar wie diese beiden Extreme auch scheinen mögen, sie sind es ganz und gar nicht, wie Llob immer wieder auch schmerzlich am eigenen Leib erfahren muss. Und doch legt er sich immer wieder aufs Neue mit der algerischen "High Society" an und scheut nicht davor zurück, auch die reichsten und mächtigsten in "seinem Land" zu Fall zu bringen. Für Llob steht niemand über Gesetz, der Geldadel schon gar nicht. Plötzlich wird dem Leser dann auch gänzlich klar, dass Llob eigentlich nichts weiter ist, als das alter Ego des Autors und diese Tatsache deutet sich bereits mit der Wahl der Erzählperspektive an. Khadra lässt Llob in der ersten Person und in der Gegenwart denken, reden, handeln und leiden. Dies gibt dem Leser das Gefühl - um hier einen modernen Werbeslogan zu benutzen -, er sei mittendrin statt nur dabei. Ebenso ist die sprachliche Vermittlung nicht nur der Emotionen, sondern auch des Landes Algerien und der Stadt Algier einfach grandios. Sprachgewandt und "bildgewaltig" schildert Khadra sein Land und seine Stadt, der er selber vor einigen Jahren den Rücken kehren und ins Exil gehen musste. Man muss nur noch die Augen schließen und schon schweift der eigene Blick zusammen mit dem des Kommissars über die Stadt oder das hügelige Land seiner Ahnen. Doch das faszinierendste und entsetzlichste zugleich ist: Khadra beschönigt nichts, er übertreibt nichts, er schildert das reale Leben in Algier. Der eigentlich aussichtslose Kampf der Polizei sowohl gegen die "Gotteskrieger", Attentäter und "Märtyrer" als auch gegen die Korruption und den Verrat in den eigenen Reihen. Immer einen bissigen und zynischen Spruch auf den Lippen, keinen Respekt vor der selbsternannten Obrigkeit geht Llob strikt den Weg des Gesetzes, auch wenn seine Methoden dabei mehr als einmal unorthodox und hart an der Grenze der Legalität sind. Und dennoch würde man immer hinter dem schnodderigen "Bullen" aus der Wüste stehen, denn er fesselt die Sympathien der Leser. Vielleicht auch deshalb, weil er eben nicht der unverwüstliche und unverwundbare "amerikanische Superheld" ist, sondern ein Polizist, der kämpft, Angst hat und lebt. Llob ist einfach menschlich, hie und da spöttisch, mitunter bitterböse. Genau das macht ihn so unwiderstehlich für den Leser, deshalb kann er sich immer der Sympathien gewiss sein, wenn auch nicht der seiner Gegner. Und noch eine wichtiges Detail zeigt uns Khadra: nicht alle Muslime sind Fundamentalisten. Im Gegenteil, es ist der geringste Teil und er ist nicht mal aus religiöser Überzeugung fundamental oder radikal. Letztlich rechnet Llob/Khadra schonungslos mit der finanziellen Elite, der dekadenten Schickeria des vom Bürgerkrieg zerrütteten Algerien ab. Unvorhersehbar, überraschend, emotional nahe gehend, das sind wohl die Hauptadjektive mit denen man die drei Geschichten um Llob zusammenfassen kann. Und so bleibt einem zum Schluss nur noch, Elke Heidenreich zuzustimmen und zu sagen: "Hier sieht man wieder mal, wie wichtig Literatur ist". (c) Christian Hesse 2007

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