Die Schuld des Tages an die Nacht

von Yasmina Khadra 
4,3 Sterne bei63 Bewertungen
Die Schuld des Tages an die Nacht
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Inhaltsangabe zu "Die Schuld des Tages an die Nacht"

Mit fast 80 Jahren trifft Jonas noch einmal die Freunde aus Jugendtagen. Er blickt zurück auf sein Leben und die bewegte Geschichte seiner Heimat Algerien. Geboren unter dem arabischen Namen Younes, wächst er als Jonas im europäischen Viertel der Küstenstadt Rio Salado auf. Dort begegnet er der schönen Französin Émilie – sie wird die große Liebe seines Lebens. Die Sehnsucht dieser beiden Menschen spiegelt über Jahrzehnte hinweg das dramatische Verhältnis von Orient und Okzident.Entdecken Sie auch das Hörbuch zu diesem Titel!

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783548610221
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:416 Seiten
Verlag:Ullstein Taschenbuch Verlag
Erscheinungsdatum:12.08.2011
Das aktuelle Hörbuch ist am 15.03.2010 bei HörbucHHamburg erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    Ginevras avatar
    Ginevravor 3 Jahren
    Der barfüßige kleine Prinz

    Der algerische Junge Younes wächst unter ärmlichen Bedingungen auf dem Land auf. Als zum wiederholten Male die Ernte misslingt, fasst sein starrköpfiger Vater einen Entschluss: er gibt seinen einzigen Sohn in die Obhut seines reichen Bruders, der eine Apotheke in der Stadt Oran führt. 

    Aus Younes wird Jonas – der verhätschelte Adoptivsohn, der eine französische Schule besuchen darf. Dort wird Jonas gefördert, findet einige Freunde – er wird aber auch gemobbt, als beinahe einziger Araber und Moslem in der ganzen Schule. Inzwischen leben seine leiblichen Eltern in einem Armenviertel, der Vater verfällt zunehmend dem Alkohol, schließlich reißt der Kontakt ganz ab, aber Jonas wird sein Leben lang vom Schatten seines Vaters verfolgt. Er bleibt der schüchterne, unsichere Junge, der sich hinter seinen Freunden versteckt.

    Seine ersten Erfahrungen mit der Liebe macht Jonas mit einer wesentlich älteren, französischen Nachbarin, die ihn verführt. Diese rauschartige Begegnung soll sein weiteres Leben dramatisch überschatten. Parallel dazu machen sich Unruhen in Algerien breit: eine Krieg droht…


    Yasmina Khadra ist das Pseudonym des 1956 geborenen algerischen Autors Mohammed Moulessehoul – und ist eigentlich der Vorname seiner Ehefrau. Als hoher Offizier der algerischen Armee konnte er dieses Pseudonym erst lüften, als er im Jahr 2000 mit seiner Familie ins Exil nach Frankreich ging. Der vorliegende Roman wurde zum Bestseller und erhielt u.a. den „LiRE Prix Roman 2008“, die deutsche Übersetzung von Regina Keil- Sagawe wurde sehr gelobt.

    Mir hat das Hörbuch zu diesem wunderbar erzählten Roman sehr gut gefallen. Die Stimme des Vorlesers Matthias Brand spiegelt die depressive Grundstimmung des Jonas wieder, die sich aus seiner Lebensgeschichte erklärt, und die immer wieder zu neuem Unglück führt – was er rückblickend als alter Mann reflektiert. Besonders beeindruckt hat mich, dass Brandt sich anfangs eher wie ein junger Mann anhört, und wie sich seine Stimme dem fortschreitenden Alter des Protagonisten angleicht.

    Insgesamt fand ich diese dramatische Familiengeschichte über 50 Jahre hinweg sehr spannend und „ornamental“ geschrieben, ich konnte mir alle Schauplätze und Figuren lebhaft vorstellen und fühlte mit Jonas. Einige Szenen wurden von Kritikern als überzogen und kitschig angemahnt – das kann ich zwar nachvollziehen, hat mich aber nicht gestört, da das Buch sehr gefühlvoll geschrieben ist und eindeutig ein gehobener Unterhaltungsroman ist.

    Fazit: 5 von 5 Sternen für das Hörbuch zu diesem faszinierenden Roman!

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    TochterAlices avatar
    TochterAlicevor 3 Jahren
    Mrs. Robinson auf algerisch

    Die beschwerliche Suche einer algerischen Familie nach einem neuen Leben in der Stadt, die in den ersten Kapiteln des Buches geschildert wird, entwickelt sich zu einer dramatischen, packenden Geschichte von Liebe und Freundschaft vor dem Hintergrund der nicht minder furiosen Entwicklungen der Geschichte Algeriens. 

    Nachdem Younes' Familie auf dem Dorf durch Brandstifter - mißgünstige, neidische Zeitgenossen - die gesamte Ernte und damit ihre Existenzgrundlage verloren hat, begibt sie sich in der Hoffnung auf ein besseres Leben in die Stadt Oran. Doch Ach: da der sturköpfige Vater sich nicht von seinem älteren Bruder unterstützen lassen will, beginnt für die Familie ein beschwerliches Leben im Armenviertel. Der Vater arbeitet bis zum Umfallen im Hafen, trotzdem scheitert er: als er genug verdient hat, um seiner Familie eine bescheidene Existenz zu sichern, wird er ausgeraubt. Nachdem er den Dieb ermordet hat, bringt er Younes zu seinem Bruder, der zusammen mit seiner Frau eine Apotheke führt und damit zur Oberschicht der algerischen Bevölkerung zählt, die durchaus Kontakte zu der ausländischen Bevölkerung - vor allem Franzosen, doch auch Juden, Spanier - hat. Younes, der fortan Jonas genannt wird, hat nun die Möglichkeit zum Schulbesuch und führt zunächst in Oran, dann in der Küstenstadt Rio Salado ein Leben zwischen den Welten: als gebildeter Algerier hat er in den 40er und 50er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts fast ausschliesslich ausländische Freunde - aus gesellschaftlichen Gründen, da fast nur Ausländer mit ihm die Schule besuchen, wird jedoch immer wieder mit dem Schicksal seines Volkes konfrontiert. Der Onkel, der mit der Nationalbewegung sympathisiert und deren Vertreter in seinem Hause empfängt, ist nach einer Verhaftung nicht mehr derselbe, einheimische Dienstboten die bei seinen reichen ausländischen Bekannten beschäftigt sind, wenden sich hilfesuchend an ihn. Bunte Schilderungen der mehr oder weniger unbeschwerten Jugendjahre von Jonas nehmen eine tragische Wendung, als Émilie auftaucht - eine dunkeläugige Schönheit, in die sich der gesamte Freundeskreis verliebt. Doch sie liebt nur Jonas, den sie, wie sich später herausstellt, schon aus Kinderzeiten von regelmäßigen Besuchen in der Apotheke kennt. Jonas jedoch hält sich zurück: zunächst aus Respekt vor seinen Freunden, dann aufgrund einer Forderung von Émilies Mutter: mit dieser hatte er nämlich sein erstes sexuelles Erlebnis und sie untersagt ihm strikt eine Bindung mit ihrer Tochter. Im Gegensatz zum Film "Reifeprüfung", an dem ich mich trotz des vollkommen unterschiedlichen Umfeldes zeitweise stark erinnert fühlte, folgt Jonas nicht seinen Gefühlen, sondern dem Versprechen, das er der Mutter gab - Émilie heiratet einen seinen Freunde. Ab da ist es die Einsamkeit, die im Vordergrund des Romans steht und durch die Entwicklung der algerischen Geschichte noch zunimmt. Jonas bleibt zurück, immer noch zwischen den Fronten stehend, als seine Freunde ermordet werden bzw. das Land verlassen müssen.

    Eindrucksvoll ist Khadras Sprache: auch wenn die Ereignisse stellenweise traurig und trist sind, verleiht Khadra ihnen ein prächtiges schillerndes Gewand, indem er sie in seine wunderschöne Sprache kleidet. Der Autor schreibt nicht nicht, er malt mit Worten: Wie so oft in seinen Werken wird auch in Khadras neuem Buch das leidvolle Schicksal des algerischen Volkes angesprochen, doch bildet es hier eher den Rahmen für die unglückliche Liebesgeschichte zwischen Jonas und Émilie. Der Autor verpackt seine Schilderungen in eine blumigen, bildreiche Sprache, so dass sie trotz der häufig tragischen Wendungen der Geschichte für den Rezipienten ein ungeheures Lesevergnügen darstellen. Als kleiner Abstrich aus meiner Sicht wäre anzuführen, dass nicht jeder Erzählstrang befriedigend zu Ende geführt wird.

    Diese elegante Lektüre von höchster sprachlicher Qualität - auch in der Übersetzung von Regina Keil-Sagawe wird der anspruchsvolle Stil beibehalten - ist jedem Freund guter Literatur, der neuen thematischen Horizonten offen gegenübersteht, wärmstens zu empfehlen. Für Freunde von Khadras Büchern jedoch ist den bisherigen Kostbarkeiten durch "Die Schuld des Tages an die Nacht" ein weiteres Juwel hinzuzufügen, das sich von der Thematik zum bisherigen Oeuvre des Autors durchaus abgrenzt und auch einem Kenner seines Gesamtwerks Neues bietet.

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    LeseHelenas avatar
    LeseHelenavor 4 Jahren
    Die Schuld des Tages an die Nacht

    Yasmina Khadra erzählt in seinem Buch „Die Schuld des Tages an die Nacht“ von dem Leben eines Mannes in Algerien zur Zeit der französischen Kolonien und des darauf folgenden Algerienkrieges.Die Geschichte Algeriens wird auf eine interessante und fesselnde Art rübergebracht, ohne nach einem Geschichtsbuch zu klingen und verdeutlicht das Leid und die Ängste, von beiden Seiten, die die Menschen durchlebt haben.

    Dadurch, dass die Hauptperson Younes ein Algerier und Moslem ist und seine Freunde und die Menschen in der Umgebung in der er aufwächst Franzosen und Christen sind, wird der kulturelle Unterschied um so deutlicher gemacht. Es ist erstaunlich, wie Menschen in ein fremdes Land kommen, die dortige Bevölkerung unterdrücken und das Land als Ihres zählen können. Die Eigenschaft der Menschen, nur sich als das Richtige und Gute zu sehen wird wahrscheinlich immer bestehen bleiben, egal in welchem Land sie leben und dadurch wird sich leider ein Leben zwischen unterschiedlichen Kulturen immer als problematisch darstellen.

    Zu der Geschichte des Landes kommt die Geschichte eines Lebens und einer unerfüllten Liebe dazu, die den Leser unheimlich fesselt und zum Nachdenken bringt. An einigen Stellen wird man dazu gebracht kurz inne zuhalten und über das Geschriebene nach zu denken. Die unerfüllte Liebe berührt einen sehr und man fängt an sich zu fragen wieso man doch so viele Sachen in seinem Leben verpasst, weil man zu stolz, zu feige zu sprachlos... ist um die Dinge in die Hand zu nehmen.

    Eine Textzeile die mir sehr in Erinnerung geblieben ist und mich zum Nachdenken gebracht hat war diese:              „wer die schönste Geschichte seines Lebens verpasst, wird alleine mit seiner Reue altern, und alles Seufzen wird seiner Seele keine sanfte Wiege sein...“

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    dicketillas avatar
    dicketillavor 5 Jahren
    Eine Schuld mit sich tragend

    Das Buch zeichnet verschiedene Lebensabschnitte im Heranwachsen von Younes , genannt Jonas .
    Rückblickend wird erzählt wie die Familie auf eine gute Ernte hoffend , endlich die Schulden bezahlen zu können , durch ein plötzliches Feuer ins Elend gestürzt wird .
    Sie ziehen in die Stadt Oran um dort in einem Elendsviertel eine Unterkunft zu beziehen .
    Der Stolz des Vaters aus eigener Kraft seine Familie zu versorgen , verbietet ihm auch die Hilfe seines wohlhabenden Bruders anzunehmen .
    Doch als er betrogen und seines gesparten Geldes beraubt wird gibt er Younes in die Obhut seines Bruders und dessen Frau Germaine , da er sonst keine Zukunft für seinen Sohn sieht .
    Diese betreiben eine Apotheke und sie adoptierten ihn und schickten ihn auf eine Schule. Nach zwei Jahren sieht er seinen Vater als Trunkenbold im Dreck liegend , dessen Anblick wird ihm ein Leben lang im Gedächtnis bleiben . Der gequälte und trostlose Blick , ließ ihm keine Ruhe und fraß sich wie ein Wurm durch sein Inneres . Immer wieder zieht es ihn in die Slums , um seine Mutter und seine kleine Schwester zu besuchen , die allein zurück geblieben ,um ihr Leben kämpfen müssen .Doch auch sie will keine Hilfe . Der Onkel , Pazifist , gehört der Bewegung Chakib Arslane an , und nach seiner Verhaftung wird dieser des Verrats beschuldigt und als gebrochener Mann verlassen sie die Stadt und siedeln nach Rio Saldo um . Eine Stadt in der die Bevölkerung aus Spanier und Juden , Araber in der Minderzahl waren . Jonas zu einem hübschen , blauäugigen Jüngling herangewachsen erlebt mit seinen drei Freunden , die ihm sein Leben lang begleiten werden , die Vorzüge einer Großstadt und die erste Liebe .
    Er bleibt immer mehr Jonas und nicht Younes .Übernimmt die Apotheke und erfährt eine unglückliche Liebe . Sein Fehler immer Anderen etwas zu schulden und nicht an sich selbst glaubend wird seine Schuld .

    Die Geschichte wird uns durch Younes erzählt .Anfangs denkt man aus Sicht eines kleinen Jungen , aber dann merkt man , dass es bereits das gelebte Leben aus der Sicht eines älteren Mannes ist .
    Die Geschichte seiner Herkunft , seiner Familie , seiner Freundschaft und seiner Liebe und besonders seines Landes ist . Die Handlung beginnt kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges und endet in der heutigen Zeit .
    Erschreckend sind die Elendsbeschreibungen , die mich sehr berührt haben .
    Eine wunderbare Erzählweise , sehr bildhaft und emotional .
    Als Leser taucht man mitten in der Handlung ein und leidet mit den einzelnen Personen .

    Das Cover hatte mich schon bei der Leseprobe an den Drachenläufer von Khaled Hosseini
    erinnert .
    Und wer von diesem Buch begeistert war , sollte dieses unbedingt lesen !
     

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    Gruenentes avatar
    Gruenentevor 5 Jahren
    Zerrissener Mensch

    Jounes, wächst in sehr ärmlichen Verhältnissen auf.  In Algerien  lebt er erst auf dem Land, dann in Oran.
    Als sein Vater alles, einschliesslich seiner Ehre verlor, gibt er den Jungen in die Obhut seiner Bruders, einem kinderlosen, wohlhabenden Apotheker und seiner französischen Frau. Dort wird er ohne religiöse Preferenzen erzogen aber Jonas genannt. Später, im kleinen Weinort Rio Salado gewinnt er (französische) Freunde und führt ein recht zufriedenes Leben. Wenn nur das Gefühl nicht wäre nirgendwo richtig dazu zu gehören. Ist er Moselem? Ist er Christ? Auf welche Seite soll er sich bei den aufkommenden Unruhen stellen?
    Auch in der Liebe ist er für immer zerissen, seine große Liebe weist er wegen eines Schwures mehrmals ab, trotzdem droht die Fruendchaft mit seinem Freundeskreis zu zerbrechen. Er versucht allen Loyalität entgegenzubringen und erwartet das eigentlich auch von den anderen.
    Trotz der brutalen Umbrüche, die teil des Buches sind, bleibt es immer ruhig, leicht verträumt mit einer Schreibweise, die mich an tausend und eine Nacht erinnert.

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    Buecherschmauss avatar
    Buecherschmausvor 5 Jahren
    Algerien

    „Wer die schönste Geschichte seines Lebens verpasst, wird allein mit seiner Reue altern, und alles Seufzen wird seiner Seele keine Wiege sein…“ Einer der Sätze, die der Onkel des Erzählers hinterlässt. Und tatsächlich wird diese verpasste „schönste Geschichte seines Lebens“ ihn bis ins hohe Alter verfolgen. „War ich danach jemals glücklich gewesen? Ich glaube ja. Ich habe unvergessliche Momente und Freuden erlebt, habe wieder geliebt und geträumt, in mitunter kindlichem Überschwang. Dennoch kam es mir immer so vor, als ob in meinem Puzzle ein Teil fehlte, etwas nicht wirklich an seinem Platz war, als ob irgendwo ein Vakuum wäre, etwas mich gleichsam verstümmelte: kurz, als wäre ich nur auf der äußeren Umlaufbahn des Glücks unterwegs.“

    Diese verpasste Geschichte ist natürlich eine Liebesgeschichte. Der Erzähler Younes wächst im Algerien der 30er Jahre auf. Als er neun Jahre alt ist, verliert der Vater nach einem verheerenden Feuer auf seinen Feldern seinen gesamten Besitz und zieht mit Frau, Sohn und Tochter in die Stadt Oran, um hier ein neues Leben zu beginnen. Aber die Zeiten sind schlecht, zu vielen Menschen erging es ähnlich und die Stadt wimmelt von Arbeitsuchenden, Bettlern, Verzweifelten. Ein extremer Ehrbegriff veranlasst den Vater, die von seinem vermögenden Bruder angebotene Hilfe auszuschlagen. Das Elend seiner Familie, besonders seiner Frau und Tochter scheint ihn dabei kaum zu kümmern. Er wird es schaffen, davon ist er überzeugt. Erst als ihm alle Ersparnisse von einem Banditen aus der Nachbarschaft geraubt werden und er diesen aus Rache tötet, bringt er seinen Sohn in die Obhut seines Bruders. Nun erfährt man auch warum er sich so erbittert gegen dessen Hilfe wehrt: Der Onkel ist Apotheker, hat wegen der Studien den heimischen Hof verlassen und eine Französin, eine Christin, geheiratet. Er gilt dem Vater als Verräter. Younes nun lebt sich sehr gut in seiner neuen Familie ein, besonders seine Tante Germaine begegnet ihm mit viel Liebe. Auch Freunde findet er sehr bald unter den sogenannten pied-noirs, den französisch stämmigen Algeriern. Besonders mit Jean-Christophe, Simon und Fabrice verbindet ihn eine Freundschaft, die bis in die Mannesjahre hineinreicht. Faszinierend ist das weltläufige, freie Leben, das diese wohlhabenden jungen Menschen führen. Das Elend großer Teile der arabischen Bevölkerung nimmt man nur am Rande wahr, etwa als Younes einem Diener seines Freundes beisteht, der diesen fast wie einen Sklaven behandelt. Getrübt wird die Freundschaft ein erstes Mal, als die schöne Émilie auftaucht, in die sich alle verlieben, die aber gerade Younes ausgewählt hat, der diese Liebe zwar erwidert, sie aber aus einem überzogenen Ehrgefühl heraus (Erbe der väterlichen Erziehung) von sich weist. Diese heiratet schließlich Simon, aber weder Younes noch sie kommen jemals ganz voneinander los.1954 bricht der Algerienkrieg aus. Sowohl Befreiungsbewegung als auch französische Armee gehen mit unglaublicher Brutalität gegeneinander vor. Terror und Folter herrschen. Auch die Freunde erfasst der Strudel der Ereignisse: Simon wird ermordet, Jean-Christophe tritt in die Armee ein, Younes entkommt der Verhaftung und Folter nur durch Fürsprache einflussreicher Freunde. Die sorglosen Tage am Meer sind endgültig vorbei. Mit Ausrufung der Republik fliehen die meisten pied-noirs  nach Frankreich, so auch Émilie.Fünfzig Jahre später treffen sich die alten Freunde anlässlich Émilies Beerdigung in Aix-en-Provence. Sie alle sind, wie es im Roman heißt „Geiseln ihrer Erinnerung“. Younes, der in Algerien zurück blieb, trauert seinen verlorenen Freunden und seiner großen Liebe, seiner „verpassten Geschichte“ hinterher, die anderen haben nie den Verlust ihrer Heimat verwunden.Die Geschichte wird im Rückblick vom alten Younes erzählt. Der Ton ist elegisch, melancholisch, wehmütig. Es ist eine Geschichte der Verluste, der „verpassten Geschichten“. Und zwar nicht nur die der nie gelebten Liebe zwischen Younes und Émilie, sondern auch die des gescheiterten Miteinanders von Franzosen und Algeriern, die in einem unglaublichen Blutbad endete.Ein schönes, empfehlenswertes Buch!

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren
    Die Schuld des Tages an die Nacht von Yasmina Khadra.

    Meine Rezension zu diesem Roman wäre zwischen den ganzen Leseexemplaren fast verloren gegangen, und bei jedem anderen Buch hätte ich vielleicht darüber hinweg sehen können – aber nicht bei diesem! Ich muss es hier einfach besprechen, denn es ist so wunderbar, dass ich nicht umhin kann es vorbehaltlos zu empfehlen.
    So poetisch wie der Titel des Romans, ist auch die Erzählung, welche darin zu finden ist. Es erzählt dem Leser von Jonas, einem algerischen Jungen der zum Mann wird, seinen Eltern und Adoptiveltern, seinem Leben, Lieben und Leiden. Doch vor allem geht es um ein kolonisiertes Algerien, welches sich mühsam unter französischer Herrschaft frei kämpft. 
    In seinem Protagonisten findet der Autor einen Ankerpunkt für den Leser, der so erster Hand erfährt, wie es war, für das algerische Volk, ein Spielball der Geschichte zu sein und findet sich an Stelle von Jonas, dem Apotheker, zwischen den Fronten – nicht ganz Araber, aber schon gar kein Franzose. 
    Stilistisch ist dieses Buch zwar anspruchsvoll, doch gleichzeitig sehr eingängig und klar formuliert. Die Erzählstimme des Protagonisten führt den Leser sicher durch die Jahre und vermittelt ein ungetrübtes Bild der politischen Geschehnisse, trotz subjektiver Einschübe über die Entwicklungen, Chancen und Verluste des Erzählers selbst.
    Ich kann dieses Buch ohne Zweifel in einer Reihe mit Werken, wie zum Bespiel “Das Geisterhaus” von Isabel Allende oder “Die unsichtbaren Stimmen” von Carolina de Robertis, nennen. Denn es entstammt der gleichen Art von Romanen, die einem anhand der Geschichte einer Person oder Familie, gleichzeitig die Geschichte eines Landes näher bringen.
    Uneingeschränkt empfehlenswert!

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    GreenTeavor 7 Jahren
    Rezension zu "Die Schuld des Tages an die Nacht" von Yasmina Khadra

    Große arabische Geschichten starten nicht wie ein x-beliebiger Thriller mit einem Paukenschlag, sondern brauchen Zeit - Zeit zum Atmen, wie ein guter Wein, den man gerade geöffnet hat. Wenn man diesen Geschichten aber Zeit gibt, geduldig bleibt und sich darauf einlässt, wird man umso mehr belohnt.
    So auch bei "Die Schuld des Tages an die Nacht", der bewegten Geschichte von Jonas, die unmittelbar mit der Geschichte Algeriens, den Auseinandersetzungen zwischen Arabern und der Kolonialmacht Frankreich und dem algerischen Bürgerkrieg verbunden ist.
    Yasmina Kahdra führt den Leser hinein in das Gewirr algerischer Städte, lässt den Leser durch seine detailreiche, Eindruck hinterlassende Sprache teilhaben an Jonas Schicksal und dem seiner Freunde. Seine Freunde sind unterschiedlichster Herkunft und gehören unterschiedlichen Religionen an, viel Stoff für Konflikte und schlimme Missverständnisse ...
    Zudem begleitet Jonas eine unglückliche Liebesgeschichte, die tragische Züge aufweist und ihn sein ganzes Leben lang begleiten wird, ihn verzweifeln und aufbegehren lassen wird. Obwohl alles so perfekt sein könnte, wäre da nicht dieser Gewissenskonflikt im Raum, der alles zu beherrschen scheint ...
    Ich möchte nicht zu viel verraten. Auf dieses Buch muss man sich einfach einlassen. Ich kann es nur empfehlen, es wird einen bleibenden Eindruck hinterlassen!

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    walli007s avatar
    walli007vor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Schuld des Tages an die Nacht" von Yasmina Khadra

    Algerien

    Younes kommt aus einer armen Familie. Sein Vater verliert alles als seine Ernte auf dem Feld angezündet wird. So ist er gezwungen in Jahren vor dem zweiten Weltkrieg in die Stadt zu ziehen und sich als Tagelöhner zu verdingen. Von seinem Bruder, der ein angesehener Apotheker ist, lässt er sich nicht helfen. Nur einmal kommt er zur Vernunft als er wieder mal gescheitert ist, er gibt seinem Bruder, dessen Ehe kinderlos geblieben ist, seinen Sohn Younes in Pflege. Younes fortan Jonas genannt soll es einmal besser haben.

    Um Jonas spinnt der Autor die Geschichte einer algerischen Kindheit und Jugend von den 30ern bis in die 60er des vorigen Jahrhunderts. Für mich als Europäer ist Algerien ein fernes fremdes Land, mir ziemlich unbekannt mit seiner Geschichte und Kultur. Diese etwas näher gebracht zu bekommen, hat die Lektüre für mich sehr fesselnd gestaltet. Die Mischung aller Religionen, die bis zu der Revolution recht friedlich koexistierten, so nah und doch so fern. Die Jugend des Jonas mit seiner Clique, seinen Freunden, der ersten Liebe, scheint so fremd nicht. Vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen, in die er immer öfter hinein gezogen wird, bekommt die Historie etwas Unfassbares.

    Gerade vor den zur Zeit sehr aktuellen politischen Entwicklungen ein sehr lesenswertes Buch.

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    SmilingKatinkas avatar
    SmilingKatinkavor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Schuld des Tages an die Nacht" von Yasmina Khadra

    Yasmina Kahdras Werk " Die Schuld des Tages an die Nacht" ist ein Buch der leisen Worte. Ein Buch über den Stolz.

    Der Leser taucht ein in das Leben in Algerien von 1930 bis heute. Er begleitet den Jungen Younes, später Jonas, auf seinem Lebensweg. Als Sohn armer Bauern muss er mitansehen, wie die Ernte seines Vaters in Flammen aufgeht. Die Ernte, die der Familie helfen würde, ein besseres Leben beginnen zu können und die Ernte, deren Verlust den Ruin der Familie bedeutete. Sie muss in die Stadt fliehen, wo der Vater erst jegliche hilfe ausschlägt. Selbst als Younes sein eigenes Geld verdient, um dem vater zu helfen, reagiert er nicht stolz sondern ärgerlich. Zu groß ist der eigene Stolz, zu groß die Angst, sich helfen zu lassen und dadurch das Gesicht zu verlieren. Sehr schwer fällt ihm die Entscheidung, seinen einzigen Sohn seinem Bruder anzuvertrauen, einem Apotheker, damit Younes die Chance auf ein besseres Leben hat. So wurde aus Younes Jonas.

    Auch Jonas hat eigenen Stolz. So gewinnt er seine besten Freunde dadurch, dass er sie nicht verrät. Er verzichtet auf die Liebe seines Lebens, weil diese Frau, die ihn auch über alles liebt, das Herz seines besten Freundes gestohlen hat. Die Liebesgeschichte des Buches bleibt also unerfüllt und doch ist sie voll Wärme und Herzlichkeit, wie man sie selten liest.

    Dieses Buch hat mich schwer beeindruckt. Ich habe viel über Algerien und besonders über dessen bewohner und ihre gefühle erfahren. Ich habe gelernt, was Stolz und Ehrgefühl bedeutet und wie wichtig Freundschaft ist. Es ist keine leichte Kost und beschäftigt den Leser auch in den Lesepausen. Die Helden des Buches sind nicht besonders lustig, seltsam oder tapfer, wie es Helden normalerweise sind, sie zeichnen sich allein durch ihre Charakterstärke aus. Es ist ein Buch der leisen Worte, welches einen mitten ins Herz trifft und welches meiner Meinung nach in jedes Bücherregal gehört!

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    S

    Ich habe eine Bitte: Ich suche folg. Übersetzung ins Deutsche:

    (Mohammed Moulessehoul ) Yasmina Khadra WHAT THE DAY OWES THE NIGHT


    “Si quieres convertir tu vida en eslabón de eternidad y permanecer lúcido hasta en el corazón del delirio, ama… Ama con todas tus fuerzas, ama como si no supieras hacer otra cosa, ama hasta encelar a príncipes y dioses… pues sólo en el amor la fealdad embellece.”


     


    “If you want your life to be a small part of eternity, to be lucid even in the heart of madness, love... Love with all your strength, love as though it is all you know how to do, love enough to make the gods themselves jealous... for it is in love that all ugliness reveals its beauty.”

    Vielen Dank im voraus

    SUSANA SANCHO

    sansalacasita@telefonica.net

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    Das meisterhafte Epos über eine Liebe zwischen zwei Welten.

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