Yasmine Ghata Die Târ meines Vaters

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Inhaltsangabe zu „Die Târ meines Vaters“ von Yasmine Ghata

Nach dem Tod seines Vaters Weißbart erhält Hussein die Târ, die in der Familie seit Generationen an den ältesten Sohn weitergegeben wird. Doch unter Husseins Fingern will die doppelbauchige Laute ihre mystischen Akkorde nicht preisgeben. Seinen Anstrengungen zum Trotz bleibt sie ein bloßes Stück Holz ohne jede künstlerische Strahlkraft. Lastet ein Fluch auf Hussein? Welches Geheimnis birgt die Târ, das zu schwer wiegt, um sie erklingen zu lassen? Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Nur verbrennt Hussein ihre Saiten. Die beiden machen sich auf den Weg ins Dorf des legendären Lautenspielers Mohsen, der mit seinem Instrument eine solche Magie entfalten konnte, daß ihr Vater ihn aus Eifersucht erschlug. Parvis, Mohsens Sohn, lauert auf die Söhne des Mörders, und die Brüder ahnen nicht, daß die Geschichte der Târ, die auch ihre Geschichte ist, noch sehr viel weiter zurückreicht…

Dies ist ein Buch für den Liebhaber sehr märchenhaft, aber tausenduneinenachtnah, erzählten Geschichten. Hier geht es um Tradition, Musik und das Verhältnis zum eigenen Schicksal. Sehr berührend und dennoch fordernd.

— Ein LovelyBooks-Nutzer

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  • Rezension zu "Die Târ meines Vaters" von Yasmine Ghata

    Die Târ meines Vaters

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    03. October 2009 um 16:21

    Târ. Dieses Wort ist persisch und bedeutet ganz schlicht Saite. Damit bezeichnet man Musikinstrumente, die vor allem im vorder- und zentralasiatischen Raum benutzt werden. Die Fußnote im Buch besagt, dass die Târ ein „Instrument indisch-persischen Ursprungs mit metallischem Klang“ ist, „das zur Familie der Lauten gehört. Sein doppelbauchiger Resonanzkörper ist aus Maulbeerholz, die Decke hat die Form zweier mit der Spitze aneinanderstoßender Herzen. Der lange Hals ist mit 25 Bünden aus Darm umwickelt.“ Die Liebe zu diesem Instrument wird bereits in diesen wenigen Zeilen sichtbar. Ein nahezu erotisches Verhältnis zur Musik, das man im Miteinander erzeugen kann, klingt aus den wenigen Worten und beschreibt dabei recht genau, welches Verhältnis der blinde Mohsen, der im Mittelpunkt des Romans „Die Târ meines Vaters“ steht, zu seiner Târ hat. Ausgang nimmt die Geschichte um Mohsen jedoch an einem anderen Ort, zu einem anderen Zeitpunkt. Hossein und Nur bleiben nach dem Tod ihres Vaters Weißbart mit seiner Târ und der Mutter allein in Orumiyeh im Nordwesten Irans zurück. Sie birgt böse Erinnerungen an den aggressiven Vater. „Weißbart, mein Vater, hatte sich, bis der Tod ihn ereilte, niemals von seinem Instrument getrennt.“ Die Târ scheint die Familie zu beobachten, sie bedrückt Hossein, der durch sie einen höllischen Schmerz in den Ohren verspürt, der erst verschwindet als die beiden Brüder ihre Saiten verbrennen. Doch ein solches Verbrechen begeht man nicht an dem Erbstück des Vaters, das der Tradition gemäß dem Erstgeborenen vermacht wird. Deshalb schickt Forough, Weißbarts Frau, die Kinder in das Dorf des Heiligtums Ardabil, damit der berühmte Instrumentenbauer sie wieder in Ordnung bringe. „‘Warum habt ihr die Seiten zerstört‘, fragte Mir Ahmad [der Musiklehrer], an Hossein gewandt. ‚Dieses Instrument hat sich geweigert, von deinen Händen gespielt zu werden, denn die Seiten haben in dir nicht ihren Besitzer erkannt. Eine Târ spürt, wem ihr Meister sie vermacht hat. Wenn diese Saiten in deinen Händen nicht klangen, mußt du die Gründe für ihren Widerstand verstehen.“ Die Reise der beiden Brüder Nur und Hossein nach Ardabil wird tatsächlich zur Suche nach dem Geheimnis um die Târ Weißbarts, die sich seinem Sohn versperrt. Ein bitteres Geheimnis liegt auf ihr, die ihren Ursprung in der rivalenhaften Verbindung zwischen Weißbart und Mohsen hat, die in jüngeren Jahren beim selben Meister in die Lehre gingen. Mohsen spürte die Kraft Gottes durch die Musik, Weißbart vermochte dem nicht gleich zu kommen. Jeder Schritt in das benachbarte Ardabil bringt diese alte Geschichte zum Vorschein und verwebt deren beider Schicksale mit Hossein und Nur, die sich dem nicht entziehen können. Die Geschichte der beiden Brüder, die im traditionellen Iran spielt, bringt bereits durch ihre erzählerische Ausgestaltung, die sehr altertümlich wirkt, ein recht fremdes Flair mit. Der Stil Yasmine Ghatas will die Tradition der Musik, die das gesamte Leben der iranischen Bewohner umfasst, genau schildern. Die Leseerfahrung wird dadurch bedeutend geprägt und verbirgt sehr viel Information auf wenig beschriebenem Raum. Der Roman schildert aus mehreren Perspektiven die Geschichte um Mohsen und Weißbart, wobei die Stimmen der beiden Alten, die nicht mehr den Lebenden angehören, ausgespart werden. Durch das tiefe Verständnis der Traditionen und den Glauben an einen Einfluss des Todes auf das Leben wird die Geschichte durch das kürzliche Ableben Weißbarts erheblich getragen und der Erzählduktus gleitet, je mehr die Erzählung fortschreitet, ins Übersinnlich-Wunderbare ab. Dadurch wird aber vor allem auch die Stimmung und die zutiefst gläubige Atmosphäre des Buches betont und die Macht der Musik, die hier einen stark religiösen Hintergrund hat, wird zum Führer des Lebens. Yasmine Ghata sagt nicht zu viel, so einiges bleibt zwischen den Zeilen, ist eine angedeutete andere Geschichte und trägt doch zur Stimmung des Romans entscheidend bei. Die libanesischen Wurzeln der Autorin wirken in all ihren Geschichten und bereits ihr erster Roman „Die Nacht der Kalligraphen“ erregte 2007 große Begeisterung. Dieser Roman um die Geschichte der beiden Brüder Nur und Hossein, die von Herkunft und dem Willen zum Verständnis des Seins geleitet sind, perlt sanft und berauschend wie die hohe Kunst des Târspiels in das Gemüt des Lesers. Zurück bleibt eine ganz eigentümliche Stimmung, da ein anderes Weltbild, eine vollkommen religiöse Betrachtung des menschlichen Schicksals das Buch von Yasmine Ghata nährt und die eigene westliche Erfahrungswelt in Aufruhr gerät.

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  • Rezension zu "Die Târ meines Vaters" von Yasmine Ghata

    Die Târ meines Vaters

    papalagi

    06. April 2009 um 09:27

    "Nach dem Tod seines Vaters Weißbart erhält Hussein die Tàr, die in der Familie seit Generationen an den ältesten Sohn weitergegeben wird. Doch unter Husseins Fingern will die doppelbauchige Laute ihre mystischen Akkorde nicht preisgeben. Seinen Anstrengungen zum Trotz bleibt sie ein bloßes Stück Holz ohne jede künstlerische Strahlkraft. Lastet ein Fluch auf Hussein? Welches Geheimnis birgt die Tàr, das zu schwer wiegt, um sie erklingen zu lassen? Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Nur verbrennt Hussein ihre Saiten. Die beiden machen sich auf den Weg ins Dorf des legendären Lautenspielers Mohsen, der mit seinem Instrument eine solche Magie entfalten konnte, daß ihr Vater ihn aus Eifersucht erschlug. Parvis, Mohsens Sohn, lauert auf die Söhne des Mörders, und die Brüder ahnen nicht, daß die Geschichte der Tàr, die auch ihre Geschichte ist, noch sehr viel weiter zurückreicht..." Ein ruhiges, mystisches Buch über die Tradition der Familien, ber Neid und Eifersucht. Jede beteiligte Person schildert "seine" Geschichte und wir erfahren bis zum Schluss die ganze.

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