Yavuz Ekinci

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Yavuz EkinciDer Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam
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Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam
Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam
 (6)
Erschienen am 08.03.2017

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Rezension zu "Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam" von Yavuz Ekinci

Der Tag an dem ein Mann vom Berg Amar kam
AgnesMvor einem Jahr

Der Berg Amar und das Walnusstal haben schon seit Jahrhunderten eine Faszination auf die Menschen und Eroberer der Länder ausgeübt. Viele haben versucht diesen Berg zu bezwingen und sind doch kläglich gescheitert. Doch konnten sich einige wenige Menschen in diesem Tal niederlassen, die jedoch um die Gefahr, die hinter dem Berg lauert, wissen und denen bewusst ist, dass ihr Schutzwall sie nicht ewig vor Angreifern schützen wird.


So wird zunächst weit ausgeholt und ein Märchen von den ersten Siedlern am Berg Amar erzählt. Die poetische, gar romantische Geschichte zieht den Leser in seinen Bann. Die Sprache ist eindringlich und berührt die Seele.

Im weiteren Verlauf des Buches befindet sich der Leser in dem Zeitabschnitt „vor langer Zeit“ und liest von den Nachkommen der ersten Siedler. Zwischen modernen Erneuerungen, wie z.B. dem Fernseher, und den altbewährten Traditionen, z.B. dem Schlachen von Tieren als Opfergaben, leben die Familien am Berg Amar in relativ einfachen Verhältnissen. Jeder ist mit jedem auf irgendeine Art und Weise verwandt und jeder hilft jedem. Die Gemeinschaft funktioniert und unterstützt sich gegenseitig.


Unterschwellig bemerkt man allerdings immer eine gewisse drohende Aura, die von dem Berg Amar herrührt. Das Gefühl, dass von dem Berg, beziehungsweise von dem was sich hinter diesem Berg verbirgt, eine Gefahr ausgeht, ist immer da, bis diese Gefahr tatsächlich sichtbar wird. Ein Mann kommt vom Berg Amar und ruft „Sie kommen!“. Alle Augen richten sich sofort ängstlich auf den Berg und alle spüren, dass der Tag gekommen ist, an dem sie um ihre Häuser und um ihre Leben fürchten müssen.


Hier wird nun aus verschiedenen Perspektiven der Dorfbewohner die vorherrschende Situation geschildert. Der Schreibstil wird ein wenig verzwickt und etwas anstrengend. Die landestypischen Namen der Protagonisten bereiteten mir Schwierigkeiten diese auseinanderzuhalten und so verlor die Geschichte für mich ein wenig an Reiz und Poesie. Der Autor schildert gekonnt die Unsicherheit der Menschen und die immerwährende Angst vor Angreifern, doch zieht sich genau diese Schilderung meines Erachtens über zu viele Seiten, auch wenn es sich hierbei um ein eher kurzes Buch handelt. Selbst hier hätte hin und wieder der Text gekürzt werden können.


Schlussendlich hat mir der erste Teil des Romans mehr zugesagt und mein Interesse an der Geschichte verflog leider zunehmend im zweiten Teil des Buches. Die brisante politische Situation, die Zerstörung einer Heimat, ist am Ende unverkennbar und selbstverständlich fühlt man mit den Protagonisten mit, doch nichtsdestotrotz konnte mich das Buch hier nicht mehr vollständig fesseln.

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czytelniczka73s avatar

Rezension zu "Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam" von Yavuz Ekinci

"Sie kommen"
czytelniczka73vor einem Jahr

"Das Dorf hielt den Atem an und starrte auf den Berg"


Inhalt:

"Wie ein Märchen beginnt diese poetische Erzählung einer hochbrisanten Geschichte: Wer alles hatte sich nicht schon erträumt, den Berg Amar zu bezwingen und das Walnusstal zu erobern? Feldherren, Propheten, Herrscher, Könige … Sie alle sind gescheitert, nur ein Liebespaar, Amar und Sara, hat das Walnusstal aufgenommen. Das war vor langer Zeit. Ihre Nachfahren leben bis heute in einem Dorf im Walnusstal, und sie wissen, eines Tages kommt ein Mann vom Berg Amar mit der gefürchteten Botschaft: Sie kommen! Und nichts mehr wird so sein wie vorher"


Meinung:

Ein kleines Büchlein,das mich sehr beeindruckt und emotional mitgenommen hat,eine ruhige und leise Geschichte ,die trotzdem unglaublich aussagekräftig ist.

Schon von Aufbau hier ist dieses Buch außergewöhnlich,die erste Hälfte besteht nämlich aus einem Märchen.Das Märchen,in dem um das enstehung des Dorfes geht,ist zwar bisschen holprig erzählt,aber gleichzeitig auch leicht poetisch und exotisch,und man kriegt einfach ein besseres Gefühl und Verständniss für die Menschen,um die es im zweiten Teil geht. In dem gleichen Dorf geht die Geschichte in Gegenwart weiter.Der geordnete Alltag,der zu erst schön beschrieben wird,wird abrupt unterbrochen,als man die Reiter die den Berg Amar runter kommen,bemerkt.Die Bewohner wissen sofort was das bedeutet,alle Dörfer in der Umgebung wurden schon niedergebrannt und die Menschen größtenteils getötet."Sie kommen"-dieser Satz wird ständig wiederholt."Sie kommen...wir müssen unseren Besitz vertecken,uns ins sicherheit bringen...sie kommen" Und trotzdem machen die Bewohner gar nichts,weil sie einfach keine Möglichkeiten haben irgendetwas zu tun.Sie können nicht kämpfen,weil sie kein Waffen haben,es gibt keine Möglichkeit zur Flucht oder irgendeine Verstecke...Also warten die Menschen ab,obwohl sie wissen,dass sie wahrscheinlich alle getötet werden...Diese Unmacht und Unfähigkeit irgendetwas zu tun ist einfach erschütern und ging mir total unter die Haut.Wenn es um den Schreibstil geht,war für mich der zweite Teil schwieriger zum lesen.Die Sätze und Situationen wiederholen sich,es wird aus vielen Perspektiven erzählt,bei den ich recht schnell den Überblick verloren habe(weil sie alle irgendwie verwandt sind),es passiert eigentlich auch nicht viel,es geht nur um die Bedrohung,um das Unvermeidliche...Was geschah mit dem Dorf,als die Reiter es erreichten,wird nicht mehr beschrieben,man weiß es auch so...Und weil es sich um ein kurdisches Dorf in der Turkei handelt,ist auch die politische Aussage leicht zum Entschlüsseln.Das hat mich an dem Buch am meisten beeindruckt,der Autor hat geschafft eine Geschichte zu erzählen,die nach Aussen leicht und poetisch wirrkt,zwischen den Zeilen aber erschreckend und bewegend ist.Und eben das Unangesprochene in dem Buch hat micht erschüttert und wollte mich nicht mehr los lassen.


Fazit:

Keine leichte Kost,aber sehr emphelenswert.

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JulesBarroiss avatar

Rezension zu "Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam" von Yavuz Ekinci

Wann? Wann? Eines Tages!
JulesBarroisvor 2 Jahren

Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam - Yavuz Ekinci (Autor), 192 Seiten, Verlag: Kunstmann, A (8. März 2017), 18 €, ISBN-13: 978-3956141669

 

Was bietet uns Yavuz Ekinci? Ein Märchen, eine Dystopie, ein Drama, eine Erzählung, eine Schöpfungsgeschichte, einen Roman? Es ist etwas von allem und noch viel mehr. Auf jeden Fall betreten wir eine magische Welt.

Der erste Abschnitt „Einer von jenen Tagen“ beginnt mit einer Idylle im Walnusstal am Berg Amar: Wunderbare Tier- und Landschaftsschilderungen. Aber hier gilt das Gesetz des Stärkeren, denn es geht um die archaische Natur, um den Adler, der über allen droht.

Im zweiten Abschnitt „Vor langer Zeit“ erleben wir all die Legenden und Mythen eines Volkes, die Sage von der schönen Sara, Amar und dem schwarzen Hengst Ba. Sie können als einzige und erste vom Walnusstal aufgenommen werden, während vorher Feldherren, Propheten, Herrscher und Könige bei ihrem Bemühen den Berg Amar zu bezwingen scheiterten.

Im Hauptabschnitt „Es war zu einer Zeit“ erleben wir im Walnusstal Menschen, die auf Katastrophe warten, die sich vor dem Augenblick fürchten, an dem es jemandem gelingt, dass Walnusstal einzunehmen und über dessen Bewohner Zerstörung zu bringen. Im Mittelpunkt stehen Opa Eyüp und seine drei Söhne, sowie seine Schiegertochter Peyruze. Im Schlusskapitel „Es war einmal, es war keinmal“ erleben wir die gleichen handelnden Personen. Und hier wird für den Leser auch die Verbindung zum ersten Teil ganz schlüssig. „Niemand hat einen anderen Freund als seinen eigenen Schatten.“ (Seite 142)

Natürlich steckt im Roman des kurdischen Autors Yavuz Ekinci ein Thema, mehr noch, eine Botschaft: Das ständige Warten auf die unausbleibliche Zerstörung der Heimat. „Sie kommen! Alle Dörfer weit und breit sind schon verbrannt. In manchen mussten die Männer splitterfasernackt durchs Dorf paradieren. In manchen haben sie alle Leute ohne Unterschied erschossen.“ (Seite 144)

Wie verhalten sich Menschen in dieser Ausnahmesituation? Stoisch? Schicksalsergeben? Hitzig erregt? Jammern? Klagen? Wildes Geplärre und Geplapper? Ziellos geschäftig? Gottesfürchtiges Beten? Das Dasein im Warten auf die Sichere Vernichtung beschreibt Yavuz Ekinci in kürzeren und längeren Szenen. Er spricht nicht explizit über den Krieg im Kurdengebiet, es ist aber klar, worum es geht. Das macht das Buch so stark. Der Autor erzählt nüchtern aber akkurat absteckt, was passiert, wenn der seinerzeit schon von Heraklit beschworene Vater aller Dinge von allen Seiten als der Weisheit letzter Schluss gesehen wird.

Es gelingt ihm eine ganz und gar zauberhafte, fesselnde und aufrüttelnde Erzählung.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/der_tag_an_dem_ein_mann_vom_berg_amar_kam-1253/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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