Yewande Omotoso

 3.9 Sterne bei 18 Bewertungen
Autor von Die Frau nebenan.

Alle Bücher von Yewande Omotoso

Die Frau nebenan

Die Frau nebenan

 (18)
Erschienen am 11.05.2018

Neue Rezensionen zu Yewande Omotoso

Neu
Walli_Gabss avatar

Rezension zu "Die Frau nebenan" von Yewande Omotoso

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben …
Walli_Gabsvor 10 Monaten

… wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt – oder der bösen Nachbarin. Hortensia und Marion können davon ein Lied singen, wobei sich hier kaum eine Einteilung in „fromm“ und „böse“ vornehmen lässt. Die Nachbarinnen, bereits jenseits der achtzig und in einem reichen Kapstädter Vorort namens Katterijn wohnend, pflegen eine bereits Jahrzehnte währende Abneigung zueinander. Die dunkelhäutige Hortensia wirft der weißen Marion Rassismus vor, Marion Hortensia dagegen Boshaftigkeit – beides ist gerechtfertigt. Doch als sie, inzwischen verwitwet und auf sich alleingestellt, in unterschiedliche Notsituationen kommen, nähern sie sich einander an und räumen der jeweils anderen widerwillig einen Platz in ihrem Leben ein. Ihr Umgang miteinander bleibt dabei scharfzüngig und schonungslos, aber dennoch müssen sie feststellen, dass sie einander tatsächlich mal Stütze, mal moralischer Kompass sein können – und niemand ist darüber verblüffter als die beiden selbst.

Hortensia und Marion haben sehr unterschiedliche Lebenswege hinter sich, die im Laufe des Romans in Form von Erinnerungen erzählt werden. Jede von ihnen blickt auf ein bewegtes Leben zurück: Marion, 1933 in Südafrika geborene Tochter litauischer Auswanderer, hat sich eine Karriere als Architektin aufgebaut und vier Kinder großgezogen. Hortensia dagegen ist in Barbados aufgewachsen, hat in London studiert und ist schließlich eine so bekannte wie erfolgreiche Textildesignerin geworden, die vor ihrem Umzug nach Kapstadt lange mit ihrem englischen Ehemann in Nigeria lebte. Im Vergleich zu ihr wirkt Marion gelegentlich etwas blass, was nicht nur Hortensias scharfer Beobachtungsgabe und ihrer verbittert-unversöhnlichen Perspektive geschuldet ist. Ein Blick auf den Lebenslauf der Autorin legt nahe, dass ihr die Figur der Hortensia beim Schreiben des Romans auch etwas näherstand, hat sie deren Lebensstationen doch an ihre eigene Biografie angelehnt: Yewande Omotoso ist in Barbados geboren, in Nigeria aufgewachsen und lebt heute in Südafrika. Die 37-jährige Autorin ist sie viel jünger als ihre Protagonistinnen, die dennoch so glaubwürdig wie lebendig erscheinen, wenn auch Marions Konturen nicht ganz so scharf herausgearbeitet wurden wie Hortensias.

Omotoso schildert die beiden unterschiedlichen Frauenschicksale sehr anschaulich. Die sich unterhaltsam lesenden Wortduelle der beiden lockern eine Lektüre auf, die große Fragen anpackt: Wo fängt Rassismus an? Wie kann Versöhnung aussehen? Eine Geschichte über Einsamkeit und Freundschaft, inneren Frieden und Rachegelüste, angesiedelt in der südafrikanischen Post-Apartheid-Ära und damit in einem spannungsgeladenen Umfeld. „Die Frau nebenan“ ist vielschichtig und alles andere als schwarz-weiß. Ein feiner Lesegenuss, der nachwirkt.

Kommentieren0
1
Teilen
himbeerbels avatar

Rezension zu "Die Frau nebenan" von Yewande Omotoso

Eine skurrile Geschichte in bissig lockerem Ton
himbeerbelvor einem Jahr


In „Die Frau nebenan“ erzählt Yewande Omotoso von den Nachbarinnen Marion und Hortensia, die beide die 80 überschritten haben und auf beeindruckende Karrieren zurückblicken können. Hortensia ist die einzige Schwarze in dem wohlhabenden Viertel Katterijn in Kapstadt und hat bei den regelmäßigen Eigentümerversammlungen Gelegenheit auf ihre Widersacherin zu treffen, der sie ansonsten aus dem Weg zu gehen weiß.


„Die anderen Mitglieder kannten die Rivalität zwischen den beiden und lehnten sich nur zu gern zurück, um dem Schauspiel seinen Lauf zu lassen. Es war bekannt, dass die beiden Frauen nicht nur eine Hecke teilten, sondern auch eine gesunde Abneigung füreinander hegten; beides kultivierten sie mit einem Elan, der nicht recht zu ihrem fortgeschrittenen Alter passen wollte.“ (S. 17)


Und so beginnt das Buch mit den Streitereien der beiden Frauen, die keine Gelegenheit auslassen, um einander ihre Missbilligung zu zeigen. Die Spanne reicht von kleinen Piesackereien und Schrulligkeiten, die einen schmunzeln lassen, bis hin zu Aktionen und Aussagen, die ihre tiefe Verbitterung zeigen und derer man recht bald überdrüssig wird. Doch gerade noch rechtzeitig erfolgen im eigentlichen Handlungsverlauf der Geschichte Rückblenden, die Hortensia und Marion zu lebendigen vielschichtigen Charakteren werden lassen. Die Autorin erschafft unsympathische Protagonistinnen, mit denen man zwar nicht so recht warm wird, denen man jedoch ein gewisses Maß an Verständnis entgegen bringen kann, weil man erkennt, dass das Leben diesen Frauen Ecken und Kanten beigebracht und sie zu den komplexen eigenwilligen Menschen geformt hat, zu denen sie schließlich geworden sind.


„Hortensia setzte ein Lächeln auf. Sie hatte gelernt, dass – besonders in Kapstadt – eine lächelnde Schwarze in ihrer offensichtlichen Harmlosigkeit eine gefährliche Waffe darstellte. Ein Köder, mit dem man Leute anlockte, während man ihre Schwachstellen auslotete.“ (S. 114)


Ein Schaden an Marions Haus und Hortensias Unfähigkeit mit Pflegediensten zu kooperieren sorgt dafür, dass Marion vorübergehend zu Hortensia zieht. Das zwingt die Frauen zu unwillkommener Nähe. Ihre Gespräche sind temperamentvoll, doch sie erkennen in der anderen auch etwas Vertrautes. Beide haben harte Verluste und Ungerechtigkeiten erfahren. Oft genug waren auch ihre eigenen Entscheidungen falsch. Mit dem Mut zur Wahrheit und der Kraft der neu gewonnenen Freundschaft stellen sie sich den großen Fragen des Lebens.


Doch der Weg dorthin ist nicht gerade einfach und so erfährt man duch die Rückblicke auch einiges über die Apartheid und ihre Auswirkungen auf schwarze und weiße Menschen allgemein, aber auch im Besonderen auf Marion und Hortensia in ihrem wohlhabenden Vorort, wo seinerzeit Schwarze aufgrund ihrer Hautfarbe enteignet wurden und Weiße zu Spottpreisen ihre Grundstücke kaufen konnten. Auch Hortensias Ehe mit einem weißen Mann stieß auf Probleme, während Marions Umgang mit Schwarzen nicht immer einwandfrei war.


„Die Frau nebenan“ ist eine skurrile Geschichte in bissig lockerem Ton, die auf das Leben zweier starker Frauen zurückblicken und ein Stück weit Apartheid gestern und heute erleben lässt, die aber auch zeigt, dass es nie zu spät für Annäherungen ist.


Die Autorin Yewande Omotoso, in Barbados geboren, wuchs in Nigeria auf. Anfang der neunziger Jahre zog sie mit ihrer Familie nach Südafrika. Ihr erster Roman „Bom Boy“ wurde mit dem South African Literary Award für Debütautoren ausgezeichnet. Sie lebt in Johannesburg, wo sie als Architektin und Designerin arbeitet.

Kommentieren0
3
Teilen
Mira20s avatar

Rezension zu "Die Frau nebenan" von Yewande Omotoso

Feinfühlig und pointiert!
Mira20vor 2 Jahren

Marion und Hortensia wohnen bereits ein halbes Leben nebeneinander und sind sich in einem Punkt einig: Sie können sich nicht ausstehen! Sie unterscheiden sich in allem. Hortensia ist schwarz, Marion dagegen weiss. Hortensia hat keine Kinder, Marion dagegen vier! Als Hortensias Mann Peter stirbt, kommt Dynamik ins nachbarschaftliche Leben. Obwohl über 80 beschliesst Hortensia, ihr Haus einer grösseren Renovation zu unterziehen. Dabei kommt es zu einem folgenschweren Unfall……

Humorvoll und bissig erzählt die Autorin vom Leben zweier unterschiedlichen Frauen. Bald ahnt der Leser, dass die zwei Damen zwar sehr verschiedene Hintergründe mitbringen, dass aber beide auch mit grossen Enttäuschungen klarkommen mussten. Und wie es halt oft ist, nicht auf die Äusserlichkeiten kommt es schlussendlich an, sondern der innere Wert zählt.

Sehr differenziert hat die Autorin die Charaktere der alten Damen zerpflückt und gewährt so dem Leser einen vielfältigen Blick in deren Inneres. Unterhaltend wechseln die Perspektiven und sowohl Vergangenes wie Gegenwärtiges hat dabei seinen Platz. So fügt sich bald ein ganzes Bild zusammen. 

Das Buch ist spannend und kurzweilig. Es gibt ein vor und ein nach dem Unfall, für beides hat sich die Autorin Zeit gelassen.
Da der Unfall ein Kernpunkt der Geschichte ist, war ich eher überraschst, dass dieses Ereignis erst in der Mitte des Buches stattgefunden hat. Aber es passt so perfekt.

Der Schreibstil der Autorin ist vielfältig und farbig. Sie geht auf ausgewählte Details ein, nimmt diese Themen auch immer wieder auf, dabei schweift sie aber nie ab. Das Buch liest sich sehr flüssig.

Von mir eine unbedingte Leseempfehlung!

Kommentare: 1
94
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 33 Bibliotheken

auf 10 Wunschlisten

von 1 Lesern gefolgt

Worüber schreibt Yewande Omotoso?

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks