Die Frau nebenan

von Yewande Omotoso 
4,1 Sterne bei13 Bewertungen
Die Frau nebenan
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Walli_Gabss avatar

Eine südafrikanische Geschichte über Rassismus, Versöhnung, Narben und Freundschaft, die mir wahnsinnig gut gefallen hat!

Mira20s avatar

humorvoll und pointiert geschrieben!

Alle 13 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Die Frau nebenan"

Das Geschenk einer späten Freundschaft – eine wichtige neue Erzählstimme aus Afrika

Hortensia und Marion sind Nachbarinnen. Eine ist schwarz, eine weiß. Beide blicken auf beeindruckende Karrieren zurück. Ihre gegenseitige Abneigung pflegen sie mit viel Eifer, aber was wissen sie wirklich voneinander?

„Yewande Omotoso bietet aufregende neue Einsichten. Das ästhetische und politische Engagement in ihrem Roman ist sichtbar in dem tiefen Mitgefühl, das sie ihren Heldinnen entgegenbringt. Obwohl sie deren Ansichten, Verfehlungen und heimliche Sehnsüchte kompromisslos offenlegt, erzählt sie in ihrer wunderschönen, fast heiteren Sprache von dem Recht auf einen individuellen Lebensentwurf unabhängig von Herkunft und Hautfarbe.“ Chris Abani, Autor von „Graceland“

"Yewande Omotoso erinnert an Nadine Gordimer. Sie untersucht die Geographie der Nähe, die die großen Kräfteverhältnisse im Kleinen abbildet." Times Literary Supplement

"Voller Charme und verspielter Energie - und doch lauert die Geschichte der Kolonialherrschaft und der Sklaverei im Hintergrund." Herald Scotland

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783471351444
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:272 Seiten
Verlag:List Verlag
Erscheinungsdatum:10.03.2017

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,1 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne5
  • 4 Sterne4
  • 3 Sterne4
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    Walli_Gabss avatar
    Walli_Gabsvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Eine südafrikanische Geschichte über Rassismus, Versöhnung, Narben und Freundschaft, die mir wahnsinnig gut gefallen hat!
    Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben …

    … wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt – oder der bösen Nachbarin. Hortensia und Marion können davon ein Lied singen, wobei sich hier kaum eine Einteilung in „fromm“ und „böse“ vornehmen lässt. Die Nachbarinnen, bereits jenseits der achtzig und in einem reichen Kapstädter Vorort namens Katterijn wohnend, pflegen eine bereits Jahrzehnte währende Abneigung zueinander. Die dunkelhäutige Hortensia wirft der weißen Marion Rassismus vor, Marion Hortensia dagegen Boshaftigkeit – beides ist gerechtfertigt. Doch als sie, inzwischen verwitwet und auf sich alleingestellt, in unterschiedliche Notsituationen kommen, nähern sie sich einander an und räumen der jeweils anderen widerwillig einen Platz in ihrem Leben ein. Ihr Umgang miteinander bleibt dabei scharfzüngig und schonungslos, aber dennoch müssen sie feststellen, dass sie einander tatsächlich mal Stütze, mal moralischer Kompass sein können – und niemand ist darüber verblüffter als die beiden selbst.

    Hortensia und Marion haben sehr unterschiedliche Lebenswege hinter sich, die im Laufe des Romans in Form von Erinnerungen erzählt werden. Jede von ihnen blickt auf ein bewegtes Leben zurück: Marion, 1933 in Südafrika geborene Tochter litauischer Auswanderer, hat sich eine Karriere als Architektin aufgebaut und vier Kinder großgezogen. Hortensia dagegen ist in Barbados aufgewachsen, hat in London studiert und ist schließlich eine so bekannte wie erfolgreiche Textildesignerin geworden, die vor ihrem Umzug nach Kapstadt lange mit ihrem englischen Ehemann in Nigeria lebte. Im Vergleich zu ihr wirkt Marion gelegentlich etwas blass, was nicht nur Hortensias scharfer Beobachtungsgabe und ihrer verbittert-unversöhnlichen Perspektive geschuldet ist. Ein Blick auf den Lebenslauf der Autorin legt nahe, dass ihr die Figur der Hortensia beim Schreiben des Romans auch etwas näherstand, hat sie deren Lebensstationen doch an ihre eigene Biografie angelehnt: Yewande Omotoso ist in Barbados geboren, in Nigeria aufgewachsen und lebt heute in Südafrika. Die 37-jährige Autorin ist sie viel jünger als ihre Protagonistinnen, die dennoch so glaubwürdig wie lebendig erscheinen, wenn auch Marions Konturen nicht ganz so scharf herausgearbeitet wurden wie Hortensias.

    Omotoso schildert die beiden unterschiedlichen Frauenschicksale sehr anschaulich. Die sich unterhaltsam lesenden Wortduelle der beiden lockern eine Lektüre auf, die große Fragen anpackt: Wo fängt Rassismus an? Wie kann Versöhnung aussehen? Eine Geschichte über Einsamkeit und Freundschaft, inneren Frieden und Rachegelüste, angesiedelt in der südafrikanischen Post-Apartheid-Ära und damit in einem spannungsgeladenen Umfeld. „Die Frau nebenan“ ist vielschichtig und alles andere als schwarz-weiß. Ein feiner Lesegenuss, der nachwirkt.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    himbeerbels avatar
    himbeerbelvor einem Jahr
    Eine skurrile Geschichte in bissig lockerem Ton


    In „Die Frau nebenan“ erzählt Yewande Omotoso von den Nachbarinnen Marion und Hortensia, die beide die 80 überschritten haben und auf beeindruckende Karrieren zurückblicken können. Hortensia ist die einzige Schwarze in dem wohlhabenden Viertel Katterijn in Kapstadt und hat bei den regelmäßigen Eigentümerversammlungen Gelegenheit auf ihre Widersacherin zu treffen, der sie ansonsten aus dem Weg zu gehen weiß.


    „Die anderen Mitglieder kannten die Rivalität zwischen den beiden und lehnten sich nur zu gern zurück, um dem Schauspiel seinen Lauf zu lassen. Es war bekannt, dass die beiden Frauen nicht nur eine Hecke teilten, sondern auch eine gesunde Abneigung füreinander hegten; beides kultivierten sie mit einem Elan, der nicht recht zu ihrem fortgeschrittenen Alter passen wollte.“ (S. 17)


    Und so beginnt das Buch mit den Streitereien der beiden Frauen, die keine Gelegenheit auslassen, um einander ihre Missbilligung zu zeigen. Die Spanne reicht von kleinen Piesackereien und Schrulligkeiten, die einen schmunzeln lassen, bis hin zu Aktionen und Aussagen, die ihre tiefe Verbitterung zeigen und derer man recht bald überdrüssig wird. Doch gerade noch rechtzeitig erfolgen im eigentlichen Handlungsverlauf der Geschichte Rückblenden, die Hortensia und Marion zu lebendigen vielschichtigen Charakteren werden lassen. Die Autorin erschafft unsympathische Protagonistinnen, mit denen man zwar nicht so recht warm wird, denen man jedoch ein gewisses Maß an Verständnis entgegen bringen kann, weil man erkennt, dass das Leben diesen Frauen Ecken und Kanten beigebracht und sie zu den komplexen eigenwilligen Menschen geformt hat, zu denen sie schließlich geworden sind.


    „Hortensia setzte ein Lächeln auf. Sie hatte gelernt, dass – besonders in Kapstadt – eine lächelnde Schwarze in ihrer offensichtlichen Harmlosigkeit eine gefährliche Waffe darstellte. Ein Köder, mit dem man Leute anlockte, während man ihre Schwachstellen auslotete.“ (S. 114)


    Ein Schaden an Marions Haus und Hortensias Unfähigkeit mit Pflegediensten zu kooperieren sorgt dafür, dass Marion vorübergehend zu Hortensia zieht. Das zwingt die Frauen zu unwillkommener Nähe. Ihre Gespräche sind temperamentvoll, doch sie erkennen in der anderen auch etwas Vertrautes. Beide haben harte Verluste und Ungerechtigkeiten erfahren. Oft genug waren auch ihre eigenen Entscheidungen falsch. Mit dem Mut zur Wahrheit und der Kraft der neu gewonnenen Freundschaft stellen sie sich den großen Fragen des Lebens.


    Doch der Weg dorthin ist nicht gerade einfach und so erfährt man duch die Rückblicke auch einiges über die Apartheid und ihre Auswirkungen auf schwarze und weiße Menschen allgemein, aber auch im Besonderen auf Marion und Hortensia in ihrem wohlhabenden Vorort, wo seinerzeit Schwarze aufgrund ihrer Hautfarbe enteignet wurden und Weiße zu Spottpreisen ihre Grundstücke kaufen konnten. Auch Hortensias Ehe mit einem weißen Mann stieß auf Probleme, während Marions Umgang mit Schwarzen nicht immer einwandfrei war.


    „Die Frau nebenan“ ist eine skurrile Geschichte in bissig lockerem Ton, die auf das Leben zweier starker Frauen zurückblicken und ein Stück weit Apartheid gestern und heute erleben lässt, die aber auch zeigt, dass es nie zu spät für Annäherungen ist.


    Die Autorin Yewande Omotoso, in Barbados geboren, wuchs in Nigeria auf. Anfang der neunziger Jahre zog sie mit ihrer Familie nach Südafrika. Ihr erster Roman „Bom Boy“ wurde mit dem South African Literary Award für Debütautoren ausgezeichnet. Sie lebt in Johannesburg, wo sie als Architektin und Designerin arbeitet.

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    Mira20s avatar
    Mira20vor einem Jahr
    Kurzmeinung: humorvoll und pointiert geschrieben!
    Feinfühlig und pointiert!

    Marion und Hortensia wohnen bereits ein halbes Leben nebeneinander und sind sich in einem Punkt einig: Sie können sich nicht ausstehen! Sie unterscheiden sich in allem. Hortensia ist schwarz, Marion dagegen weiss. Hortensia hat keine Kinder, Marion dagegen vier! Als Hortensias Mann Peter stirbt, kommt Dynamik ins nachbarschaftliche Leben. Obwohl über 80 beschliesst Hortensia, ihr Haus einer grösseren Renovation zu unterziehen. Dabei kommt es zu einem folgenschweren Unfall……

    Humorvoll und bissig erzählt die Autorin vom Leben zweier unterschiedlichen Frauen. Bald ahnt der Leser, dass die zwei Damen zwar sehr verschiedene Hintergründe mitbringen, dass aber beide auch mit grossen Enttäuschungen klarkommen mussten. Und wie es halt oft ist, nicht auf die Äusserlichkeiten kommt es schlussendlich an, sondern der innere Wert zählt.

    Sehr differenziert hat die Autorin die Charaktere der alten Damen zerpflückt und gewährt so dem Leser einen vielfältigen Blick in deren Inneres. Unterhaltend wechseln die Perspektiven und sowohl Vergangenes wie Gegenwärtiges hat dabei seinen Platz. So fügt sich bald ein ganzes Bild zusammen. 

    Das Buch ist spannend und kurzweilig. Es gibt ein vor und ein nach dem Unfall, für beides hat sich die Autorin Zeit gelassen.
    Da der Unfall ein Kernpunkt der Geschichte ist, war ich eher überraschst, dass dieses Ereignis erst in der Mitte des Buches stattgefunden hat. Aber es passt so perfekt.

    Der Schreibstil der Autorin ist vielfältig und farbig. Sie geht auf ausgewählte Details ein, nimmt diese Themen auch immer wieder auf, dabei schweift sie aber nie ab. Das Buch liest sich sehr flüssig.

    Von mir eine unbedingte Leseempfehlung!

    Kommentare: 1
    93
    Teilen
    Sigismunds avatar
    Sigismundvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sehr EINDRUCKSVOLL und absolut LESENSWERT ist dieser zweite Roman der bereits mehrfach ausgezeichneten Südafrikanerin Yewande Omotoso.
    Eindrucksvoll und eindringlich

    Sehr EINDRUCKSVOLL ist der im März 2017 auf Deutsch erschienene zweite Roman "Die Frau nebenan" der bereits mehrfach ausgezeichneten Südafrikanerin Yewande Omotoso. Wie eine ihrer zwei Protagonistinnen auf Barbados geboren und in Nigeria aufgewachsen, verarbeitet die 37-jährige Autorin in der Romanhandlung einfühlsam eigene Erfahrungen im Zusammenleben zwischen Schwarz und Weiß, den Wunsch nach Annäherung nach der Rassentrennung in Kapstadt sowie deren emotionale Schwierigkeiten nach Jahrzehnten der gelebter Apartheid, die unterschwellig noch vorhanden ist. Dies zeigt sich am Beispiel der beiden Nachbarinnen Marion (weiß) und Hortensia (schwarz), beide vom Leben enttäuscht und verbittert, beide sich gegenseitig ablehnend. Und doch finden beide in der nach außen geleugneten Erkenntnis vieler Gemeinsamkeiten am Ende zur Freundschaft und gegenseitigem Trost. Für deutsche Leser ohne Kenntnis der südafrikanischen Altagsprobleme mag dieser Roman vielleicht schwerer nachzuvollziehen sein (mit der Übersetzung ins Deutsche bewies der List-Verlag durchaus Mut), doch auch ohne das Wissen um die Post-Apartheid-Problematik bleiben in den beiden über 80-jährigen Nachbarinnen zwei interessante Frauen-Charaktere, deren mentale und körperliche Annäherung in kleinen Schritten (Marion kämmt am Ende ihrer verhassten Nachbarin Hortensia das Haar) sehr eindrucksvoll beschrieben wird. Dieser anspruchsvolle und den Leser fordernde Roman ist absolut LESENSWERT.

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    Irves avatar
    Irvevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine liebenswürdige Geschichte zweier schrulliger Damen und ihrer Vergangenheit im südafrikanischen Kapstadt. http://irveliest.wordpress.co...
    *+* Yewande Omotoso: "Die Frau nebenan" *+*

    Willkommen in Kapstadt! Wir sind zu Besuch in Katterijn, einem wohlhabenden Vorort der Stadt – genauer gesagt lernen wir zwei ältere, zänkische Damen kennen, Hortensia und Marion.

    Marion studiert gerne ihre Nachbarn, sie ist schrecklich neugierig und auf Klatsch und Tratsch aus. Aber wer will es ihr verdenken? Ihr Leben war einmal bunt und aufregend, nun ist es grau und eintönig. Sie war verheiratet und hatte vier Kinder – von denen heute keines mehr etwas von ihr wissen will -, und war im Beruf sehr erfolgreich. Sie, die Architektin, stets voller Ideen, konnte ihrer Kreativität nachgeben, konnte sich aktiv ihren Ideen widmen. (Die Besprechung ist meinem LitBlog "Irve liest" entnommen.) Heute ist sie zur Untätigkeit verdammt, und was noch schlimmer ist, Hortensia und nicht Marion selbst wohnt in ihrem „Baby“ – dem ersten Haus, das sie komplett entworfen hat und an dem sie nach wie vor hängt! Das ist bitter und erklärt vielleicht ein stückweit die Hassliebe, die seitens Marion die Verbindung zur Nachbarin befeuert.

    Hortensia hingegen hat für solche Sentimentalitäten nichts übrig. Sie ist die einzige Schwarze im Viertel. Hortensia, die in ihrem ganzen Leben immer wieder diverse Wechselwirkungen durch ihre Hautfarbe erlebte, welche sie in manchen Bereichen abhärteten und stählten, hat für andererleuts Probleme nicht viel übrig. Umso erstaunlicher mutet es an, als sie Marion, deren Haus durch eine unglückliche Fügung vorübergehend unbewohnbar wird, anbietet, zu ihr zu ziehen.

    Marion nimmt aus mehrerlei Gründen diese Chance wahr. Wer jetzt glaubt, dass die beiden Damen endlich zur Vernunft kommen und ihr immer wieder aufblitzendes Kriegsbeil begraben könnten, liegt falsch. Auch hier wird der skurrile, sorgsam ausbaldowerte Zickenkrieg der „Over-Eighties“ auf ebenso hohem wie traurigem Niveau weitergeführt. Hin und wieder scheint die Einsamkeit jedoch so groß zu sein, dass die Frauen sich gegenseitig ein kleines Stückchen öffnen.Trotz aller Schmunzelei, die einem die Erzählung manchmal entlockt, ist leider auch eine große Bitterkeit und Verletztheit spürbar.

    Die Berichterstattung über die Kultivierung ihrer Feindfreundschaft verläuft abwechselnd. In das aktuelle Geschehen mischen sich viele Rückblicke. Die Leben der beiden Frauen ziehen im Laufe des Romans nach und nach etappenweise an ihnen vorbei, wodurch der Leser sich ein gutes Bild von den beiden Hauptcharakteren machen und sie recht gut kennenlernen kann. Der Roman bezieht sich aber nicht nur explizit auf die beiden Nachbarinnen, sondern stellt etwas abstrahiert durch diese spezielle Personifizierung des Rassenproblems die teils massiven Schwierigkeiten in vielen Bereichen der schwarzen Bevölkerung Südafrikas dar, die – blickt man auf die Wurzeln des Kontinents zurück – eigentlich die viel größeren Rechte haben müsste. Diese Kulturversprengung wird aufgegriffen, wenn immer wieder kleine geschichtliche Einschübe in den Roman eingeflochten werden.

    Inhalt
    Hortensia und Marion sind Nachbarinnen. Eine ist schwarz, eine weiß. Beide blicken auf beeindruckende Karrieren zurück. Beide sind seit kurzem Witwe. Ihre gegenseitige Abneigung pflegen sie mit so viel Eifer, dass man ihnen die achtzig Jahre nicht anmerkt. Aber was wissen sie wirklich voneinander? Als Marions Haus durch einen Baufehler unbewohnbar wird, muss sie vorübergehend zu Hortensia ziehen. Das zwingt die Frauen zu unwillkommener Nähe. Aus ihren temperamentvollen Gesprächen entwickelt sich eine lebhafte Debatte. Bald tauschen sie gemeinsame Erinnerungen aus. Sie haben beide harte Verluste und Ungerechtigkeiten erfahren. Oft genug waren auch ihre eigenen Entscheidungen falsch. Mit dem Mut zur Wahrheit und der Kraft der neu gewonnenen Freundschaft stellen sie sich den großen Fragen im Leben.

    Autorin
    Yewande Omotoso, geboren in Barbados, ist in Nigeria aufgewachsen und 1992 mit ihrer Familie nach Südafrika gezogen. Ihr Debüt Bom Boy gewann den South African Literary Award First Time Author Prize und stand auf der Short List für den South African Sunday Times Fiction Prize. Sie lebt in Johannesburg, wo sie als Architektin, Designerin und Autorin arbeitet.
    Quelle: Ullstein Buchverlage

    Kommentieren0
    6
    Teilen
    lesefreude_books avatar
    lesefreude_bookvor einem Jahr
    Zwei Leben voller Einsamkeit

    Hortensia und Marion leben Tür an Tür. Beide haben eine beeindruckende Karriere zurückgelegt. Eine ist schwarz und eine weiße. Die gegenseitig emsig gepflegte Abneigung nährt die Beziehung der beiden alten Damen.

    Hortensia wurden in ihrem Leben als schwarze Frau (mit einem weißen Mann) viele Steine in den Weg gelegt. Selbst in Südafrika ist sie die einzig Schwarze in einem Viertel lauter Weißer. Hortensia ist eine wahre Kämpferin und lehnt es strikt ab Schwächen zu zeigen. Dadurch hat sie allerdings auch Schwierigkeiten Menschen zu vertrauen und Nähe zu zulassen.

    Marion ist eine ausgiebige Beobachterin. Dabei interessiert sie vor allem das Leben der Nachbarn. Wenn gleich Marions Leben auf den ersten Blick nach einem behütendem, leichtem Reichenleben aussieht, hat sie mit ungeahnten Herausforderungen zu kämpfen.

    „Die Frau nebenan“ wird von einer unglaublichen Traurigkeit und Einsamkeit getragen. Nach dem Tod ihrer Männer haben die beiden Frauen niemanden mehr und zerren an ihrer Beziehung der gegenseitigen Abneigung. Yewanda Omotoso zeigt wie Vereinsamung funktioniert. Und dennoch habe ich mich immer wieder gefragt wie es soweit kommen konnte. Schließlich sorgten beide Frauen ihr Leben lang dafür, dass sie nun im Alter alleine.

    Der Schreibstil ist schwer und traurig – beinahe eine Wut auf das Leben und die Ungerechtigkeiten. Dennoch hinterliegt dem Leben der beiden vereinsamten Frauen eine bewusste Entscheidung. Eine bewusste Entscheidung für das Leben in der Einsamkeit und der Resignation. Langsam, viel zu langsam war mir das Buch an manchen Stellen. Zwar zeigt dies die Trostlosigkeit sehr deutlich, führt aber auch zu einem Ansatz von Langeweile.

    Hoffnungslosigkeit mit einem kleinen Lichtschimmer. Großes Unverständnis meinerseits wie man sich für ein solches Leben entscheiden kann. Zu viele Freuden und Glücksmomente bietet das Leben jeden Tag. Und dennoch treffen leider viele Menschen eine Entscheidung für ein einsames trostloses Leben.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Mrs_Nanny_Oggs avatar
    Mrs_Nanny_Oggvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Die Sprache ist sehr ansprechend, teilweise poetisch, doch die Geschichte erschien mir seltsam, irgendwie unfertig, angerissen?
    Zwei unterschiedliche Frauen in Afrika

    Hortensia und Marion sind Nachbarinnen in einem kleinen Vorort von Kapstadt. Beide könnten nicht unähnlicher sein und doch verbindet die beiden alten Frauen etwas miteinander. Hortensia, schwarz, klein, schlank und zäh, scheint verbittert und böse zu sein, viele zittern vor ihren hämischen Kommentaren. Einst war sie eine gefeierte Textildesignerin. Ihr Mann Peter ist soeben verstorben und hinterlässt ihr eine bislang unbekannte Tochter.

    Marion, weiß, Mutter von vier Kindern, die nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen, einst erfolgreiche Architektin, muss mit den Schulden ihres verstorbenen Ehemannes umgehen lernen. Auch sie muss erst lernen, ihr verhärtetes Herz zu öffnen.

    Beide Frauen haben sich scheinbar nichts zu sagen, zumindest laufen ihre Dialoge am Gartenzaun zunächst ins Leere, dann wirft sie das Schicksal zusammen. Nach einem Bauunfall, bei dem sich Hortensia das Bein bricht und Marion vor den Trümmern ihres Hauses steht, zieht Marion in Hortensias Haus. Erst scheint es katastrophal zu werden, zu hartherzig ist Hortensia mit ihrem Gast, zu unsicher und verwirrt ist Marion, die sich mit der Zeit Gedanken über ihre Kindheit, über ihr Verhältnis zu Schwarzen und über ihr Leben macht. Dann öffnen sich die beiden Frauen langsam, ob sie sich auch verstehen werden?

    Der Erzählstil ist interessant. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Hortensia und Marion erzählt, immer wieder gibt es Rückblicke in beider Vergangenheit. Man merkt die mühevollen Annäherungsversuche von Marion an Hortensia, die immer wieder ins Leere laufen, oft bleiben die Dialoge unvollständig, hängen im luftleeren Raum. Man kann sich durchaus in die Personen einfühlen, die plötzliche Öffnung von Hortensia gegen Ende des Romans kam für mich dennoch überraschend.

    Der Roman wirkt auf mich noch ein wenig unrund, einige Szenen und Dialoge sind wie abgerissen, und obwohl ich von der Sprache und  der Idee begeistert bin, möchte ich deswegen nur drei Sterne vergeben.

    Kommentieren0
    9
    Teilen
    sursulapitschis avatar
    sursulapitschivor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Erinnert ein wenig an „Gute Geister“ von Kathryn Stockett, berührende Geschichte, toll und mit viel trockenem Humor erzählt.
    Komödie mit Biss und Tiefgang

    Dieses Buch erinnert ein wenig an „Gute Geister“ von Kathryn Stockett. Es sollte ein Bestseller werden und den Film möchte ich auf jeden Fall sehen.

    Hortensia und Marion leben in Katterijn bei Kapstadt, eine Siedlung für Reiche, Privilegierte. Sie sind Nachbarinnen, kultiviert, wohlhabend, Künstlerinnen, jenseits der 80 und pflegen seit  Jahrzehnten ihre Feindschaft. Hortensia ist schwarz und Marion weiß, aber das ist es nicht allein, was sie trennt.
    Als Hortensias Ehemann stirbt, gerät ihr wohl geordnetes Leben aus den Fugen. Auch Marion hat mit nie geahnten Problemen zu kämpfen.

    Zunächst meint man in einer Art Vorstadt-Komödie gelandet zu sein. Es ist köstlich, wie sich die zwei alten Damen schikanieren. Sie nehmen kein Blatt vor den Mund, der Sarkasmus trieft, die Bosheit ist schon fast Tradition.
    Dann blickt man zurück. Marion und Hortensia haben Gründe dafür, verbitterte alte Damen geworden zu sein. Ein wenig verwirrt es beim Lesen. Immer wieder springt das Geschehen in ihre Kindheit oder die Zeit, als sie studiert haben und ihre Männer kennenlernten. Auch ihre Ehen verliefen nicht so glücklich wie sie sich es mal vorgestellt hatten.

    Auf den ersten Blick ist liest man hier die Geschichte zweier Frauen in Südafrika, was zuerst amüsiert, dann aber allmählich tiefer geht und hinter die Kulissen blickt. Mit fortschreitender Handlung werden immer mehr Themen werden aufgerollt, subtil aber präsent. Die Apartheid wirkt noch immer nach, selbst wenn sie eigentlich abgeschafft wurde. Dafür bekommt man hier ganz nebenbei mehrere Fallstudien, die nachdenklich machen. Selbst Marion kommt ins Grübeln.
    Es erzählt auch von Träumen, Zielen und Selbstverwirklichung und zeigt, dass das Leben manchmal andere Pläne hat als man selbst. Es zeichnet ein Bild vom Älterwerden und macht auch Mut, Mut zur Ehrlichkeit und Mut den Tatsachen ins Auge zu blicken, selbst wenn es hier und da zwickt.

    „Die Frau nebenan“ macht Spaß, berührt und wirft viele wichtige Fragen auf, ganz nebenbei ohne zu moralisieren. Es besticht durch trockenen Humor und wunderbare Sprache.
    Für mich war es ein Zufallsfund und ein Glücksfall. Unbedingte Leseempfehlung.

    Kommentare: 3
    25
    Teilen
    passionelibros avatar
    passionelibrovor einem Jahr
    Kurzmeinung: Interessante Stimme aus Afrika mit zwei älteren Damen, die es wirklich "drauf" haben ...
    Kommentieren0
    Claudia_Spaeths avatar
    Claudia_Spaethvor 2 Monaten

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Weitere Informationen zum Buch

    Pressestimmen

    Das Geschenk einer späten Freundschaft – eine wichtige neue Erzählstimme aus Afrika

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks