Yihe Zhang Vergangenes vergeht nicht wie Rauch

(2)

Lovelybooks Bewertung

  • 1 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(0)
(1)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Vergangenes vergeht nicht wie Rauch“ von Yihe Zhang

Zhang Yihes autobiografische Beerichte wurden vom unabhängigen chinesischen PEN mit dem „Freedom to Write Award“ ausgezeichnet. „Lasst hundert Blumen blühen, lasst hundert Schulen miteinander wetteifern“ - so heißt die Kampagne, mit der Mao 1956 die Intellektuellen Chinas zur kritischen Auseinandersetzung mit ihrem Staat aufruft. Eine Falle: Wer sich mit seinen Ideen nicht auf Parteilinie befindet, wird verhaftet. Auch der Vater der 14-jährigen Zhang Yihe, Verkehrsminister in der Mao-Regierung, wird als Rechtsabweichler aller politischen Ämter enthoben. 1970, während der Kulturrevolution, wird die Musikwissenschaftlerin Zhang (Schwerpunkt Pekingoper) zu 20 Jahren Straflager verurteilt. 1979, drei Jahre nach Maos Tod, wird sie unvermittelt freigelassen - ihre eigene Tochter erkennt sie nicht wieder. Entlassungsgrund: „Gegen Zhang Yihe liegt nichts vor.“ In den 50er und 60er Jahren war China für die Welt eine riesige terra incognita. Ganz China schien im blauen Ameisenlook zu marschieren und die kleine rote Mao-Bibel zu schwenken. Doch wie lebten und dachten die Menschen wirklich? Zhang Yihe beschreibt in ihrem Buch die Schicksale der sogenannten Rechtsabweichler im Umkreis ihrer Familie in der Zeit des „Großen Sprungs nach vorn“: Sie haben im Westen studiert und sind glühende Patrioten, viele sind Demokraten, die meisten aber überzeugte Kommunisten. Und sie gelten unversehens als politisch unliebsame Vertreter einer Schicht von Intellektuellen und Künstlern, die die Kulturrevolution als anachronistisch vernichten will … Zhang stellt die Partei mit diesen in der Regel von der Staatswillkür gebrochenen Biografien an den Pranger - und sie fordert: Zeugnis, Anerkennung, Wiedergutmachung, Gedenken und - Veränderung. Bis heute wurden viele Opfer der Kulturrevolution nicht rehabilitiert, gibt es keine Entschuldigung für die sinnlosen Leiden, wurde die maoistische Vergangenheit nicht kritisch aufgearbeitet. Das Buch wurde verboten und ist in der VR China nur noch über das Internet oder bei illegalen Straßenhändlern zu bekommen. „Vergangenes vergeht nicht wie Rauch“ erschien auch in Hongkong und Taiwan und ist dort ein Bestseller. Jetzt gibt es ihn nur bei uns auf Deutsch.

Stöbern in Romane

Die goldene Stadt

Ein echtes Sommerbuch! Ein tolles Abenteuer vor schöner Kulisse und sympathischen Figuren. Bücher machen glücklich.

ELSHA

Töte mich

Opereske Geschichte mit viel Witz und Charme

jewi

Mein Leben als Hoffnungsträger

Muss es immer mehr, immer besser, immer größer sein? Dies und mehr fragt sich Philipp der auf der Suche nach dem richtigen Leben ist. Schön!

Xirxe

Sieben Nächte

Sieben Nächte

Tynes

Kukolka

Harter Tobak, aber unglaublich gewaltig!

StMoonlight

Das Ministerium des äußersten Glücks

Ein sehr beeindruckendes Buch über Indien, ein Land dessen Geschichte, Kultur, Politik mir bisher noch sehr fremd war.

Gwendolina

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Prangern mit Namensnennung und jammern auf hohem Niveau

    Vergangenes vergeht nicht wie Rauch
    sabisteb

    sabisteb

    28. August 2013 um 09:43

    Die Autorin Zhang Yihe ist die Tochter von Zhang Bojun, Chinas Rechtsabweichler Nr. 1. Ihr Vater war Demokrat und von 1954 bis 1959 sogar stellvertretender Vorsitzender der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes, bis er in der Kulturrevolution als „Rechtsabweichler Nummer 1“ aller politischer Ämter enthoben wurde, aber dennoch viele Privilegien wie Bedienstete, Auto und Chauffeur behielt. Die Autorin selber verbrachte ab 1970 wegen „kulturrevolutionärer Verbrechen“ neun Jahre im Arbeitslager und pflückte Tee und arbeitete in der Weberei, bis sie 1979 freigelassen wurde. Sie versprach ihrem Vater, sein Vermächtnis zu bewahren, und seine Sicht der Dinge zu veröffentlichen. In 5 Geschichten beschreibt sie das Leben von 5 hohen Persönlichkeiten und Intellektuellen in der Zeit von 1959 bis 1980: 1. Chu Anping und Zhang Bojun 2. Zhang Bojun und seine Frau 3. Kang Tongbi und ihre Tochter Luo Yifeng 4. Nie Gannu 5. Luo Longji Viel wurde im Westen bedauert, wie die Intellektuellen damals in den 60er und 70er Jahren des 20. Jhdt. behandelt wurden, in dieses Horn bläst auch die Autorin. Diese Geschichten sind sehr subjektiv und beschreiben Ereignisse, die sie als Kind und Teenager erlebt hat, bzw. deren Informationen sie bereits in sehr persönlich gefärbt Art von ihrer Mutter erzählt bekommen haben muss, weil sie damals selber im Arbeitslager war. Die Darstellungen sind also teilweise durchaus mit Vorsicht zu genießen, denn hier wird auf hohem Niveau gejammert. Hier geht es nicht um normale kleine Intellektuelle, hier wird das Schicksal von Menschen beschrieben, die der Flamme der Macht sehr, sehr nahe waren, die eine Zeitlang mitregiert haben und sich an der Macht verbrannt haben. Das ist jammern auf Wulff und Guttenberg Niveau und mein Mitleid hält sich daher doch sehr in Grenzen. Das ist, als wenn sich Gregor Gysi beschweren würde, dass die SPD nicht mit ihm koalieren will und ein böses Buch schreibt, wie die gemeinen Demokraten in Deutschland die Kommunisten seit den 50er Jahren von der Regierung ausgeschlossen haben, genau das ist hier nämlich der Fall, die Demokraten jammern, dass die KPCh sie nicht mitregieren lassen will und finden das total gemein. Letztendlich behandelt die damalige chinesische Regierung jedoch die ehemaligen hohen Kasten, wie Mitglieder des Kaiserhauses und reiche Kapitalisten, netter, als es damals die Franzosen mit ihren Schmarotzerkasten gemacht haben. Während die Franzosen den nichtproduktiven Elementen der Gesellschaft den Kopf abschlugen und diese Revolution auch heute immer noch gefeiert wird, ließen die Chinesen diese Menschen sogar noch privilegiert weiterleben und ließen sie soweit in Ruhe, das beschreibt auch die Autorin, diesen Menschen ging es immer noch weit besser als dem Rest des Volkes. Das ehemalige Hofangehörige natürlich um ihren gehobenen Lebensstil jammern ist verständlich, muss jetzt aber kein Mitleid erregen. Warum nun, ist dieses Buch und auch weitere Bücher der Autorin in China verboten? Sicherlich nicht, wegen der Darstellung der Geschichte, so schlecht kommt die Regierung eigentlich nicht weg. Die Autorin betreibt einfach massiv Prangern mit Namensnennung. Wer Maos vierte Frau, eine First Lady Chinas S. 228 „drittklassiges Filmsternchen mit zweifelhaftem Charakter“ nennt und ansonsten einigen noch heute einflussreichen Persönlichkeiten mit Namensnennung auf die Füße tritt, weil sie gemein zu Luo Longji waren (ein Womanizer und Lebemann mit teils etwas naiven politischen Ansichten), muss sich nicht wundern, dass die Bücher nicht offiziell verkauft werden. Man scheint ja nichts gegen „illegale“ Importe der Bücher zu unternehmen, man druckt sie halt nicht offiziell, um das Gesicht zu wahren. Interessanter sind die Dinge, die die Demokraten damals der chinesischen Regierung vorwarfen. Diese Vorwürfe kann man heute 1:1 der heutigen Merkel Regierung vorwerfen: S. 147: In einer Zeit der freien Meinungsäußerung ist ein Konflikt zwischen dieser freien Meinungsäußerung und den Gesetzen entstanden. Gehorcht die freie Meinungsäußerung dem Gesetz? Oder gehorchen die Gesetze der freien Meinung? S. 174: [...] denn solange ein Volk in kultureller Hinsicht nicht gereift ist, würde der gesellschaftliche Rang eines Literaten [...] immer niedriger eingeschätzt werden als der von Prominenten, Adligen, Reichen und irgendwelchen Erfolgsmenschen. S. 193: Wer schafft isst Gedörrtes, wer ruht, isst wenig - So was Ähnliches hat ein amerikanischer Senator gerade in Sachen Essenmarken in den USA von sich gegeben: Wer nicht arbeitet, braucht nicht essen. S. 326: "Einparteienherrschaft, ein bürokratisches System, Cliquen - und Vetternwirtschaft, Denkverbot, moralischer Verfall und Genussucht, Jagd nach schnellem Erfolg, Großmannssucht, falsche und frisierte Erfolgsmeldungen, wenn das alles zusammenkommt, wird sich die Partei am Ende selbst stürzen; aber sie werden erst damit aufhören, wenn sie das Land ruiniert haben." -Das klingt wie die Beschreibung der aktuellen Deutschen Politik, aber die hören erst auf, wenn sie Europa ruiniert haben. S. 352: Einzelne Auslandsstudenten ziehen sogar Lastkarren und verkaufen Tabak - Echt, nur einzelne? WOW, was für ne coole Zeit. Ich kann eine beliebig lange Liste von Taxifahrenden, busfahrenden und in Callcentern arbeitenden und arbeitslosen promovierten Akademikern zusammenstellen. S. 363: Wer viel sagt, macht viele Fehler, wer wenig sagt, macht wenig Fehler, wer nichts sagt, macht keine Fehler. - Merkel und die deutsche Regierung scheinen dieses chinesische Sprichwort zu kennen und regieren danach. S. 383: Die Realität ist, dass unser System heute zur Hälfte aus dem Autokratismus einer Feudalgesellschaft besteht; die andere Hälfte haben wir von der Sowjetunion gelernt, das ist der Teil, der uns die Geheimpolizei des Großen Bruders gebracht hat. S. 408: Wir wollen, dass die einfachen Leute aus eigener Kraft ein menschliches Leben führen können. Ein Staat, in dem die einfachen Menschen nicht leben können und keine Freiheit haben, ist keine Demokratie. – Hartz IV? Die Zersplitterung der Demokraten im China der 50er Jahre erinnert mich fatal an die aktuelle deutsche Politik. Die linke Mehrheit SPD und Grüne, kabbeln sich mit der Linken, die sind sich alle nicht grün und ordnen sich daher lieber als Einheitspartei mit vier Flügeln der CDU unter. Warum sollte man das Buch dennoch lesen? Die Art zu Erzählen ist sehr spannend. 5 Geschichten über denselben Zeitraum aber über verschiedene Personen mit der Familie der Autorin als Ankerpunkt. Die Reihenfolge der Geschichten ist egal, irgendwann beginnen sich die Erzählungen zu kreuzen und zu ergänzen und ergeben ein vielschichtiges, verwobenes Gesamtbild. Personen, die in einer Geschichte nur eine Nebenfigur waren, bekommen später eine ganz andere Bedeutung und Tiefe und man beginnt die damit verknüpfte Erzählung besser zu verstehen. Leider bleiben viele Fragen offen. Schicksale werden angerissen, aber nicht zu Ende erzählt, das ist ein wenig unbefriedigend. Insgesamt lernt man viel über die Politik des damaligen China und über die chinesische Kunst und Literatur, die mindestens genauso viele Autoren hat, wie die europäische, nur kennt sie hier im Westen niemand, weil man sie nicht übersetzt.

    Mehr