Yiyun Li Die Sterblichen

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Inhaltsangabe zu „Die Sterblichen“ von Yiyun Li

In einer Provinzstadt weit weg von Peking soll die junge Gu Shan hingerichtet werden. Ihr Verbrechen: Sie, die während der Kulturrevolution fanatische Rotgardistin war, hat dem Kommunismus abgeschworen. Shans Tod wird weitreichende Konsequenzen haben. Nicht nur für ihre Eltern, sondern auch für die Rundfunksprecherin Kai, die längst an der Partei zweifelt; für die verkrüppelte Nini, die wie eine Sklavin gehalten wird; oder für den kleinen Tong, der nur von seinem Hund Liebe bekommt. Yiyun Li zeichnet ein plastisches Bild der Ereignisse in China am Ende der siebziger Jahre, die heute wieder von beklemmender Aktualität sind. Ihr Roman ist ein universelles Porträt von menschlichem Leiden und menschlichem Mut.

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  • Rezension zu "Die Sterblichen" von Anette Grube

    Die Sterblichen
    dzaushang

    dzaushang

    18. June 2010 um 14:10

    China zur Zeit des „Pekinger Frühlings“, Ende der Siebziger Jahre. In der kurzen Zeitspanne 1977/78 hat die Bevölkerung die Möglichkeit, öffentlich Kritik an der Regierung zu üben. In Frage gestellt und kritisiert wird insbesondere die Zeit der Kulturrevolution. Veröffentlicht wird die Kritik an der sogenannten „Mauer der Demokratie“ in Peking. Aktivisten der damaligen Demokratiebewegung verbreiten hier mit Hilfe von Wandzeitungen ihre Ideen, unter anderem werden hier erstmals auch Forderungen nach mehr individuellen Freiheiten veröffentlicht. Schon Ende 1979 wird die Mauer „geschlossen“, zeitgleich wird die Demokratiebewegung durch Verhaftungen unterdrückt. Vor diesem, in „Die Sterblichen“ nur angedeuteten, zeitgeschichtlichen Hintergrund, entwickelt Yiyun Li die verschiedenen Handlungsstränge des Romans. Er beginnt, exakt datiert, am 21.März 1979. Gu Shan, was übersetzt interessanterweise soviel bedeutet wie „Berg der Einsamkeit“, eine ehemals linientreue, berühmt-berüchtigte Parteigenossin, die viele Menschen ins Unglück gestoßen hat, wird an diesem Tag, als Konterrevolutionärin der schlimmsten Sorte, exekutiert. Nicht wegen ihrer menschenverachtenden Taten im Dienste der Partei, nein, sondern weil sie, die Achtundzwanzigjährige, angefangen hat daran zu zweifeln, ob der Weg der Partei der richtige Weg ist. Für die Menschen in der Provinzstadt, fern von Peking, wird dieser Tag zu einer Art Volksfest. An verschiedenen Orten in der Stadt werden sogenannte Denunziationsveranstaltungen vor der eigentlichen Hinrichtung durchgeführt, an der die Bewohner, vom Kindergartenalter an eingebunden in die unterschiedlichsten Kollektive, teilzunehmen haben. Die schon halbtote Gu Shan wird, um allen als abschreckendes Beispiel präsentiert werden zu können, von einem dieser Orte zum nächsten quer durch die Stadt geschleift, ehe sie dann endlich, zuvor noch einiger ihrer Organe beraubt, vor den Toren der Stadt erschossen wird. Damit scheint alles erledigt zu sein. Aber einigen Menschen kommen Zweifel am Tod von Gu Shan, andere bringen den Keim der Hoffnung auf bessere, menschenfreundlichere Zeiten aus der fernen Hauptstadt mit und finden jede Menge weiterer, zumeist stiller, angsterfüllter Sympathisanten. Plötzlich tauchen gar regierungsfeindliche Flugblätter auf. Die lokalen Parteioberen sind zumindest verunsichert über das, was in Peking offenbar geschieht, schicken Abgesandte in die nächst größere Stadt um die Lage und weiteres Vorgehen zu besprechen. Kann es sein, das man die Partei, ihre Anordnungen und Entscheidungen tatsächlich ungestraft kritisieren darf, bricht ein neues, unangenehmeres Zeitalter für die Oberen an? Oder können sie es doch noch schaffen den Kopf wieder aus der Schlinge zu ziehen? Um diese kurze Zeitspanne des Machtvakuums dreht sich der ganze Roman, meisterlich beschreibt er die Sorgen und Ängste aber auch die Hoffnungen und Wünsche der Menschen, lässt kleinere und größere Helden des Alltags aus den unterschiedlichsten Schichten der Gesellschaft auferstehen, lässt aber auch Familien zerbrechen und Verdächtigung, Neid und Hass regieren. Eine nahezu bedrückende Stimmung macht sich breit, wenn von diesen Schicksalen berichtet wird. Manche begleiten den Leser ausführlich über den ganzen Roman hinweg, manche tauchen nur für einen kurzen Absatz, mit zwei, drei Sätzen umschrieben, aus den Tiefen der Masse auf, wie Fische, die kurz aus dem Wasser schnellen um nach Luft zu schnappen und dennoch entdeckt der Leser darin ein ganzen Leben gespiegelt. Es erschüttert zutiefst vom Vater Gu Shans zu hören, wie er sich fragt, ob es richtig war, seiner Tochter das Lesen beizubringen, ob es richtig war ihr das selbstständige Denken beizubringen. Hätte sie nicht lesen gelernt, hätten die Parolen der Kulturrevolution sie nicht verführen können. Hätte sie nicht das selbstständige Denken erlernt, hätten ihre Zweifel nicht ihr Schicksal besiegelt. Eine chinesische Weisheit besagt: „Erhaltet einander am Leben mit eurem Wasser“. Denn einmal strandeten zwei Fische, Mann und Frau, in einer Pfütze. Beide schluckten sie daraufhin so viel Wasser wie möglich, ehe die sengende Sonne die Pfütze austrocknete, sodass sie einander während des langen Leidens vor dem sicheren Tod am Leben erhalten konnten, indem sie einander Wasser gaben. Das chinesische Schicksal, in diesem Roman, und bis auf den heutigen Tag auch in der Wirklichkeit – viel besser lässt es sich wohl kaum auf den Punkt bringen.

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  • Rezension zu "Die Sterblichen" von Anette Grube

    Die Sterblichen
    bücherelfe

    bücherelfe

    04. February 2010 um 21:03

    Am 21. März 1979 beginnt der Tag für den pensionierten Lehrer Gu vor Sonnenaufgang, als er erwacht und sieht, dass seine Frau still in ihre Decke weint. Es ist der Hinrichtungstag ihrer einzigen Tochter. Gu Shan, die während der Kulturrevolution zu den fanatischsten Rotgardisten gehörte, hat dem Kommunismus abgeschworen. Zehn Jahre lang sass Shan im Gefängnis und wurde plötzlich und unerwartet zum Tod verurteilt. Der Tod von Gu Shan hat weitreichende Konsequenzen. Nicht nur für ihre Eltern, die sich im Umgang mit dieser Tragödie so gar nicht einig sind. Während Shan's Mutter trotzig die traditionellen Rituale für die Toten verrichtet und verzweifelt um ihre Tochter trauert, ist Lehrer Gu wütend. Schon seine erste über alles geliebte Frau hatte ihn verlassen, um gegen die Kommunisten zu kämpfen und nun hat sich seine Tochter in diese letztendlich tödliche Lage manövriert. Wie konnte sie nur so dumm sein, so unsäglich dumm; und das, nachdem er, der Lehrer, ihr doch all sein Wissen, all seine Weisheit weitergegeben hatte. Er ist empört. Für Trauer ist da kein Platz. Da ist Kai, die als Radiosprecherin in der Öffentlichkeit die Stimme der Partei ist und längst zweifelt, an dem was sie tut. Da ist Tong, der jahrelang bei seinen Grosseltern auf dem Land lebte und von seinen Eltern in die Provinzstadt geholt worden ist. Tong, der irgendwie nirgends richtig dazu gehört und eigentlich nur von seinem Hund geliebt wird. Da ist die verkrüppelte Nini, die in einem Haushalt von lauter Mädchen wie eine Sklavin behandelt wird. Und da sind noch so viel mehr Menschen, deren Leben von der Tragödie Gu Shan's berührt und betroffen ist. Yiyun Li hat mit diesem Roman etwas Ausserordentliches geschaffen. Auf nur 379 Seiten zeichnet sie nicht nur ein Mikrokosmos, der ein plastisches Bild vom China Ende der siebziger Jahre bietet sondern sie lässt uns auch tief in die Herzen der unterschiedlichsten Menschen schauen. „Die Sterblichen“ handelt von Mut, Güte, Leidenschaften und Korruption, Opferbereitschaft und Leiden. Ein beeindruckender, ein grossartiger Roman.

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  • Rezension zu "Die Sterblichen" von Anette Grube

    Die Sterblichen
    *Arienette*

    *Arienette*

    16. November 2009 um 12:19

    Der Roman beginnt am 21. März 1979, der Frühlingstagundnachtgleiche - an diesem Tag soll Shan Gu, hingerichtet werden. Angesiedelt ist die Geschichte in einem kleinen Ort, der in Zeiten von Mao Tse Tung entstanden ist. Dieser Ort liegt ca 1000 km von Beijing entfernt. Li erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven: die Hauptprotagonisten sind Herr und Frau Hua, das Ehepaar Gu (die Eltern von Shan), Bashi, Nini und der kleine Tonga. Herr und Frau Hua, die selbst keine eigenen Kinder hatten, haben ausgesetzte Babies, die übrigens alle weiblich sind, aufgenommen und sie großgezogen, obwohl sie arm sind. Das Ehepaar Gu verzweifelt am System, sie kann den Tod ihrer Tochter nicht einfach hinnehmen und hält an der Tradition fest. Sie müssen die Kugel bezahlen, die ihre Tochter töten wird -eine erschreckende Erkenntnis. Man bekommt viel Einblick von einem China, dessen System die Menschen unterdrückt, wo Misstrauen und Angst vor Repressalien herrschen. Ein zutreffender Satz ist auf S. 119 zu finden: "Der Tod war bei weitem nicht das Schlimmste, was einem Menschen passieren konnte." Man ist als Leser ganz dicht dabei und erfährt vieles, was ein Mensch einem anderen antun kann: Shan werden z.B. die Stimmbänder durchtrennt, damit sie keine konterrevolutionären Sprüche rufen kann während der Denunziationszeremonie; dann werden ihr nach ihrem Tod die Nieren entnommen, die als Transplantate dienen. Auch das Schicksal der Hauptprotagonisten ist nicht einfach, so wird Nini wie eine Dienerin/Sklavin von ihren Eltern gehalten. Nini, die entstellt ist (den Grund erfährt man auch im Roman), hat keine Hoffnung, dass sie geheiratet wird - da lernt sie Bashi kennen und ein Hoffnungsschimmer glimmt auf. Li 's Roman liest sich flüssig - die Perspektivwechsel sind rasant und auch die Protagonisten sind lebendig dargestellt. Die Erinnerungen YiYun Li's an ihr eigenes Leben im kommunistischen Chinas (70-er/80-er Jahre) und die Erzählungen der Eltern und Großeltern inspirierten Li zu diesem Roman. Dem Roman ist ein kurzes Interview und ein Bericht der New York Times vorangestellt.

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