Yiyun Li Die Sterblichen

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Inhaltsangabe zu „Die Sterblichen“ von Yiyun Li

Leben und Sterben in China China, Ende der 1970er-Jahre: In einer Provinzstadt weit weg von Peking soll die junge Gu Shan hingerichtet werden. Ihr Verbrechen: Sie, die während der Kulturrevolution fanatische Rotgardistin war, hat dem Kommunismus abgeschworen. Shans Tod wird weitreichende Konsequenzen haben. Nicht nur für ihre Eltern, sondern auch für die Rundfunksprecherin Kai, die längst an der Partei zweifelt; für die behinderte Nini, die in ihrer Familie wie eine Sklavin gehalten wird, oder für den kleinen Tong, der nur von seinem Hund geliebt wird.

Ein schönes Buch mit teils schrecklichem Inhalt. Viel Interessantes aus dem Leben in Chinas Provinz

— Gruenente

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Interessant, aber doch verworren. Zu viel Abschweifungen und zu wenig schlüssig für meinen Geschmack.

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  • alle sind sterblich

    Die Sterblichen

    Gruenente

    02. June 2015 um 19:58

    Es ist Frühlingsanfang in einer chinesischen Provinzstadt im Jahre 1979. Eigentlich eine schöne Zeit. Shan, Tochter von Lehrer Gu und seiner Frau soll heute hingerichtet werden. Shan war eigentlich eine sehr linientreue Jugendliche. Doch später entwickelte sie sich zur „unbußfertigen Konterrevolutionärin“. 10 Jahre Gefängnis liegen schon hinter ihr, mit einem erneuten Verfahren wurde die Todesstrafe verhängt. Lehrer Gu muss sogar die Kugel, die das Leben der einzigen Tochter beendet aus eigener Tasche zahlen. Trauer, Abschied und sogar eine Beerdigung sind verboten. Stattdessen gibt es z.B. eine „Denunziationszeremonie“, in der die Delinquentin dem Volk präsentiert wird. Total grotesk! Vor allem, da die Taten, die Shan während der Linientreue verübte, nach unseren Maßstäben wesentlich schlimmer waren. So hat sie z.B. eine Schwangere getreten. Das Kind, das danach geboren wurde, Nini, war verkrüppelt. Heute lebt Nini, inzwischen 12 Jahre alt, mit ihren vielen jüngeren Schwestern und den Eltern beengt in einer kleinen Wohnung und ist dort die Magd für alle. Weitere Hauptpersonen sind die Rundfunksprecherin Kai, das Müllsammlerehepaar Hua, der einfältig wirkende Bashi und der kleine Tong, des einziger Freund sein kleiner Hund Ohr ist. Alle leben in einer kleinen Stadt, in einer entlegenen chinesischen Provinz. Und alle Schicksale werden in dem Buch fein miteinander verknüpft. Kai, mit einem hochgestellten, sie verehrenden Mann, verheiratet, langweilt sich und sucht die Nähe zu antikommunistischen Vereinigungen. Das Ehepaar Hua lebte lange Zeit auf der Straße und sammelte neben Müll auch Kinder auf, die oft als Säugling (natürlich alles Mädchen) auf der Straße abgelegt wurden.  Bashi, der Sohn eines Helden, und als solcher ein gutes Leben genießend ohne arbeiten zu müssen, ist eine Art einfältiger Philosoph, und möchte unbedingt mal ein nacktes Mädchen sehen. Während Tong, der auf dem Land bei seinen Großeltern aufwuchs, seit einiger Zeit bei seinen Eltern lebt um die Schule besuchen zu können. Im Stadtleben gibt ihm nur sein Hund Ohr Geborgenheit. Doch Ohr verschwindet eines Tages. Auf der Suche nach dem Hund begegnet Tong Bashi, folgt ihm zu einer Versammlung und verändert dadurch sein ganzes Leben. Alle Protagonisten kreuzen die gegenseitigen Lebenswege. Es gibt immer wieder sehr poetische Passagen, doch meistens ist das Buch eher hart und unprätentiös. Das geschilderte Leben ist für uns Westler unvorstellbar. Manchmal gilt das auch für die Protagonisten selbst:Es handelt sich um eines dieser Bücher, bei denen ich dauernd denke: man, was habe ich es gut! Alles sehr tragisch und grausam. Trotzdem blitzt auch immer wieder Humor auf. Zum Beispiel in dieser Beschreibung eines Restaurants: Die Gerichte waren fettig, stark gewürzt und überteuert, wie es von Restaurants erwartet wurde. Geht es eigentlich fast allen in diesem Buch schlecht, so gibt es eine Gruppe, die am schlimmsten dran ist. Mal wieder die Frauen. Sie sind die Rechtlosen unter den Unterdrückten. Nach außen herrscht zwar Emanzipation. In den Familien werden die Frauen weiterhin wie Sklaven behandelt und lassen sich das wie selbstverständlich gefallen.Dieses Buch ist bittersüß. Bitter, wegen der Unglaublichkeit der Vorgänge. Süß, weil es doch immer wieder Menschlichkeit, Liebe und Poesie gibt. Ausführlicher hier: http://leckerekekse.de/wordpress/die-sterblichen/

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  • Ein trauriges Buch, das glücklich macht

    Die Sterblichen

    JohannesGroschupf

    07. October 2013 um 00:24

    Auch traurige Bücher können glücklich machen. Yuyin Li ist ein solches Buch gelungen. Sie erzählt in "Die Sterblichen" von einer kleinen chinesischen Provinzstadt im Jahr 1979. Mit wenigen Worten entwirft sie einen düsteren Kosmos aus Angst, Verzweiflung, Heimtücke, Liebessehnsucht und Gewalttätigkeit, einen Kosmos, aus dem es kein Entkommen gibt. Das Städtchen liegt an einem Fluss, der von Industrieabfällen verseucht ist, und besteht aus einer Hauptstraße mit Kaufhaus, einem Kino, zwei Marktplätzen und vielen kleinen Geschäften, ansonsten aus niedrigen gleichförmigen Wohnblocks, jede Familie hat ein Schlafzimmer, einen Wohnraum und einen Hof. Wir lernen einige der Leute kennen, die soeben den Tag beginnen. "Das Licht der Straßenlampen war schwach, doch der östliche Himmel hatte sich bläulichweiß wie ein Fischbauch verfärbt. Der Wind roch nach altem, verharschtem Schnee." An diesem ersten Frühlingstag soll eine junge Frau als Konterrevolutionärin hingerichtet werden.  Wir erfahren den ganzen grauenvollen Verlauf der Hinrichtung, indem die Erzählerin uns in ein feines Geflecht von Personen verstrickt, die alle mit der jungen Frau verbunden sind und an ihrer Hinrichtung nach und nach zugrunde gehen. Da sind die Eltern, der alte Lehrer Gu und seine Frau, denen die Tochter längst fremd geworden ist. Mit vierzehn war sie eine glühende Rotgardistin, die ihre Eltern anzeigte und mit Freunden loszog, "ein paar Konterrevolutionären in den Hintern zu treten." Sie trat einer schwangeren Frau in den Bauch, die daraufhin ein missgebildetes Kind zur Welt brachte. Später bekam sie Zweifel an Mao, wurde von ihrem Freund denunziert, zu zehn Jahren Gefängnis und schließlich, als man weitere konterrevolutionäre Sätze in ihrem Tagebuch fand, zum Tode verurteilt.  Yiyun Li weiß, wovon sie spricht, sie kennt die schäbigen Wohnräume, die mit verstaubten Einmachgläsern und anderem Gerümpel voll gestellt sind, in einem Karton scharren zwei Hühner. Sie kennt den Inhalt der Schubladen, wo die Quittung für die Gewehrkugeln liegt, die die Eltern der hingerichteten Frau zu zahlen haben. Vor allem aber kennt sie das Innenleben der Menschen, die in diesem kleinen Kosmos zu überleben versuchen, ihre leisen Wünsche und Sehnsüchte, ihre schäbigen Gedanken, ihre nervösen Verrichtungen, wenn sie nicht weiterwissen. Jede Person wird auf eigene Weise lebendig und verständlich. Da ist das missgebildete Mädchen, von ihren Eltern und Nachbarn verachtet; sie verliebt sich in einen herumstreunenden Nichtsnutz, der vor allem herausfinden will, wie ein Mädchen da unten aussieht, und der später wahllos Einwohner denunziert. Da ist der Schuljunge, der seinen Hund verliert und seinen Vater ausliefert. Da ist eine Funktionärsgattin, die einst ihren Mann heiratete um aufzusteigen, nun aber die Seiten wechselt. Da ist ein altes Bettlerehepaar, das sich am Ende wieder auf Wanderschaft macht. Durch die Stadt dröhnen weiterhin die blechernen Propagandalautsprecher. Der alte Lehrer schreibt an seine erste Liebe: "Was letztlich unsere Ära ausmacht, ist das Knirschen unserer Knochen, die von dem Gewicht leerer Worte zermalmt werden." Es braucht Mut und einen geduldig gebändigten Zorn, eine derart finstere Geschichte zu schreiben, und es braucht eine erzählerische Meisterschaft, ein so heikles Thema anzugehen, das in China politisch, gesellschaftlich und literarisch bis heute ein Tabu ist. Gegen diese chinesische Weigerung, sich zu erinnern, und die entsprechende Unfähigkeit zu trauern ist dieser Roman geschrieben. Dieser Mut ist es, der einen beim Lesen glücklich werden lässt, denn endlich einmal wird von dem gesprochen, was hinter der Propaganda und der heutigen Konsumwut Chinas liegt: eine Geschichte der Zerstörung des privaten und familiären Lebens. Es ist kein Zufall, dass dieser Roman nicht aus China kommt. Yuyin Li lebt seit zehn Jahren in den USA, sie schreibt auf Englisch. Als Kind hat sie in Peking die Zeit der Denunziationszeremonien und Hinrichtungen mitbekommen, als Jugendliche das Massaker im Frühling 1989. Seitdem misstraut sie den Phrasen der Regierung und erzählt die Geschichten dahinter. Ihr erster Erzählband "A Thousand Years of Good Prayers", in den USA mehrfach ausgezeichnet, erscheint bei uns im nächsten Jahr. Hier ist eine Stimme, die uns noch lange und ernsthaft beschäftigen wird.

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  • 'Menschen sind die gefährlichsten Tiere auf der Welt [...]'

    Die Sterblichen

    sabatayn76

    24. May 2013 um 15:20

    Inhalt: 1979 in der chinesischen Kreisstadt Hun Jiang: es ist der Morgen der Frühlingstagundnachtgleiche, und eine junge Frau soll im Laufe des Tages hingerichtet werden. Es handelt sich um die 28-jährige Shan, die seit ihrem 18. Lebensjahr inhaftiert war und deren Fall nach Ablauf der 10-jährigen Haftstrafe neu verhandelt wurde. Sie ist die einzige Tochter des Lehrers Gu und dessen Frau, ihre Hinrichtung verändert das Leben ihrer Eltern auf tragische und nachhaltige Weise. Doch auch für andere Personen im Umfeld der Familie hat Shans Tod weitgreifende Konsequenzen. Mein Eindruck: Das Bild, das Yiyun Li von der chinesischen Provinz in den 1970er Jahren zeichnet, ist so lebendig und realistisch wie erschreckend und grausig. Hier bekommt man einen sehr guten Eindruck vom Leben in China kurz nach Maos Tod und von der überall herrschenden Konformität, von der Angst vor Denunziation und dem Misstrauen, von der Armut und dem Hunger. 'Die Sterblichen' ist oft keine schöne und keine einfache Lektüre, und beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt, wie viel sich in den letzten 35 Jahren wohl im Land geändert hat, wie viel vom Gelesenen auch heute noch aktuell ist. Die vorgestellten Protagonisten sind allesamt komplex und wurden sehr gut charakterisiert, obwohl einige von ihnen bisweilen austauschbar scheinen (was vermutlich beabsichtigt war und überzeugend ist). Mein Resümee: Ein spannender Roman mit kleinen Längen, bei dem man viele Einblicke ins China der 1970er Jahre erhält.

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